„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

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Von Pandemie zu Pandämonium - Der Angriff auf die überlieferte Lehre und Liturgie

Bild: Methodist City Church in Gary, Ind., gefunden auf PinterestVon der Pandemie zum Pandämonium ist es nicht weit, wenn man nach katholisch.de gehen kann: Die deutschen Theologen sind wie besessen davon, alles was katholisch ist, abzuräumen. Aus den letzten Tagen: Der Münsteraner Liturgiepolitiker Clemens Leonhard möchte Ostern, das wir doch bislang für ein kosmisches Ereignis hielten, nach Tageslage an der Corona-Front verschieben. Der Dortmunder Theologie-Didaktiker Thomas Ruster, der offenbar nichts vom inkarnatorischen Wesen der Sakramente begriffen hat, will die Beichte und andere per Digitaltechnik virtualisieren. Die Salzburger Neutestamentlerin Marlies Gielen glaubt, begründen zu können, warum auch Frauen Priester werden können - denn ein besonderes Priestertum, das nicht allen Getauften gemeinsam wäre, gibt es ja gar nicht. Schwester Anne Kurz V.D. aus dem Münsterland erklärt rechtzeitig vor Ostern am Beispiel des Lazarus die Auferstehung zur „Erfahrung bleibender Verbundenheit“. Die Verschleuderung des Glaubenserbes ist in vollem Gange. Die Seuche – derlei war früher für viele eher ein Anlaß zur Besinnung – scheint die Bereitschaft zur Absage an jede Transzendenz eher noch zu befeuern, und die Bischöfe nicht nur in Deutschland machen eifrig mit. (Auf Ausnahmen wie Weihbischof Schneider wird noch zurückzukommen sein.) Zum ersten Mal seit 2000 Jahren soll Ostern ohne öffentliche Messfeiern und ohne Taufen stattfinden; Kardinal Cupich von Chicago will sogar  Nottaufen in der Kirche von einer bischöflichen Erlaubnis abhängig machen. Anderswo wir Spendung und Empfang von Sakramenten praktisch so gut wie unmöglich gemacht. Man ahnt: Nur noch die Dämonen haben Grund zum Feiern.

Die soeben veröffentlichten Dekrete der Glaubenskongregation zur „Zukunftsfähigkeit“ der alten Messe scheinen nicht so ganz in dieses finstere Bild zu passen. Aber schon springt unser alter Freund Andrea Grillo auf die Bühne und präsentiert aus Anlaß eben dieser Dokumente einen offenen Brief samt Unterschriftensammlung, mit denen er nicht nur die Rücknahme dieser Dekrete verlangt, sondern auch die Aufhebung von Summorum-Pontificum überhaupt. Außerdem fordert er die Übertragung aller Kompetenzen zur Regelung der Liturgie an die Bischöfe bzw. an die Gottesdienstkongregation - als deren einflußreicher Berater Grillo tätig ist. Aus der deutschsprachigen Theologenzunft haben sich bisher die drei Herren Gerhards, Kranemann und Kloeckener den ansonsten (bis jetzt) größtenteils italienischen 136 Unterzeichnern des offenen Briefes angeschlossen. Katholisch.de ist begeistert.

Auf die Argumentation (naja, wenn man denn von Argumenten sprechen kann) des offenen Briefes wird noch zurückzukommen sein, hier nur ein Glanzstück daraus: „Es macht keinen Sinn“, heißt es da, „Dekrete zur Reform eines Ritus zu erlassen, der in der historischen Vergangenheit abgeschlossen ist, träge und versteinert, leblos und ohne Kraft ist.“ Man merkt, die Herren haben lange keinen „Gemeindegottesdienst“ der in ihrem Sinne erneuerten Liturgie mehr besucht, sonst wäre ihnen aufgefallen, daß sie da etwas verwechseln.

Was versprechen sich die Urheber und Unterstützer von dieser Aktion? Glauben sie wirklich, die Rücknahme von Dekreten erreichen zu können, die in langjähriger Arbeit erstellt, in einem komplizierten kurialen Prozess abgestimmt und schließlich vom Papst unterzeichnet und anschließend veröffentlicht worden sind? Wohl kaum. Auf der einen Seite ist der „offene Brief“ wohl Ausdruck der Wut und Enttäuschung darüber, daß die überlieferte Liturgie eben nicht „in der historischen Vergangenheit abgeschlossen“ ist, sondern weiterlebt und weiterleben soll. Darüber hinaus offenbart die Aktion aber auch den Willen einer anscheinend immer stärker werdenden Fraktion der Modernisten und Säkularisten in der Kirche, die Spaltung voranzutreiben. Papst Benedikts Versuch, den Bruch zwischen Vor- und Nachkonziliaren zu heilen oder zumindest zu überdecken, ist ihnen verhasst. Sie wollen das Schisma – und sie glauben, es läge bei Ihnen, zu befinden, wer drinnen und wer draußen ist.

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