„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

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Unumkehrbarer Revolution?

Bild: Internet-Archiv des SpectatorAuf einer Veranstaltung zur 68. Liturgischen Woche Italiens hat Papst Franziskus gestern zur Bedeutung der Liturgiereform des Jahres 1970 gesprochen. Zwei Sätze seiner Rede haben besondere Beachtung gefunden und sollen auch hier kurz kommentiert werden.

Zunächst skizzierte Franziskus den Weg der Liturgiereform des vergangenen Jahrhunderts um dann zu schließen:

Nach diesem Lehramt, nach diesem langen Wege können wir mit Sicherheit und mit lehramtlicher Autorität bekräftigen, daß die Liturgiereform unumkehrbar ist.

Das klingt, wie sofort ins Auge fällt, recht ähnlich wie die Festlegung der Bulle Quo Primum von Papst Pius V., in der er die Unveränderlichkeit des nach Trient festgesetzten Missales für alle Zeiten beschwor – und auf dessen völlige Abschaffung die Energien der 1970 siegreichen Revolutionäre gerichtet war. Aller Revolutionäre der Moderne haben versucht, ihre Errungenschaften als unumkehrbar hinzustellen – und das umso mehr, je mehr sie selbst deren drohenden Überwindung befürchten mußten. Diese Befürchtungen haben sich dann auch in jedem Fall eher früher als später bewahrheitet Es kam dann zu weiteren Neuentwicklungen, die vielfach an vermeintlich überwundene ältere Elemente anknüpften, ohne freilich jemals vollständig ein früheres Stadium zu restaurieren.

So geht Geschichte, und der Versuch, lehramtliche Autorität dazu zu bemühen, historische Entwicklungsgesetze außer Kraft zu setzen, erscheint schon geradezu mitleiderregend. Zumal aus dem Munde des Repräsentanten eines Pontifikats, das in immer mehr theologischen Kernaussagen die lehramtliche Autorität bisheriger Päpste in Frage stellt.
Soviel zum formalen Teil, zum von Bergoglio verkündeten Geltungsanspruch der Liturgiereformen seiner Vorgänger – unter denen er Benedikt XVI. mit keiner Silbe und keinem Zitat erwähnte.

In inhaltlicher Hinsicht ist es Franziskus bzw. dem Verfasser seiner Rede gelungen, den Kern des modernistischen Liturgieverständnisses in einer prägnanten Kurzformel zum Ausdruck zu bringen.

Ihrem Wesen nach ist die Liturgie eine Sache des Volkes und nicht des Klerus, sie ist, wie schon die Etymologie anzeigt, eine Aktion für das Volk und durch das Volk.

Diese Beschreibung muß alle verwundern, die die Liturgie bisher für das Handeln der Kirche hielten, einer Kirche, die zwischen „Volk“ und Klerus keinen Gegensatz konstruiert, sondern in der den verschiedenen Abteilungen Gottes jeweils ihre je eigenen Aufgaben und Pflichten zukommen. Kann sich der Verfasser der Papstrede – es ist schließlich nicht von irgendeiner Liturgie, sondern von der „Reform“ des Missales die Rede – eine Messfeier ohne Klerus, ohne geweihte Priester und Bischöfe, vorstellen? Soll der Weg der Kirche durch zwei Jahrtausende umgekehrt und das Ergebnis dann für „unumkehrbar“ erklärt werden?

In aller Liebe und aufrichtiger Hoffnung und im Gebet für die Umkehr der Verirrten: Das ist nicht mehr ernst zu nehmen.

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