„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

Themen und Meldungen:

Nicola Bux zur Taufe

In seinem Buch „Mit den Sakramenten spielt man nicht“, das wir hier bereits im Januar kurz vorgestellt hatten, bietet der Autor eine ausführliche Darstellung des theologischen Wesens und der liturgiegeschichtlichen Formentwicklung der Sieben Sakramente, zum Teil begleitet von der kritischen Darstellung von im Bereich des Novus ordo inzwischen nachgerade flächendeckend eingetretenen Mißständen. Zur Notwendigkeit der Taufe schreibt Bux:

Es beginnt ein langes ZitatDie letzten Worte Jesu, bevor er sichtbar diese Welt verließ, lauten: „Wer glaubt und sich taufen läßt, wird gerettet, wer aber nicht glaubt, wird verdammt werden“ (Mk 16,16). Es ist also nötig, die Taufe zu empfangen, um in das ewige Leben einzugehen. Aber vorher treten wir in die Welt ein, in der das Böse herrscht, daher müssen wir von seiner Macht befreit und Kinder Gottes werden. Durch die Auflehnung Adams, des ersten Menschen, gegen Gott, sind wir Waisen geworden. Gott hat das Heil an das Taufsakrament gebunden, aber Er ist nicht an die Sakramente gebunden (KKK 1257) Wer zum Beispiel für den Glauben stirbt, ohne schon getauft zu sein, erlangt das Heil durch die „Bluttaufe“, durch die „Begierdetaufe“, wenn er das Verlangen nach der Taufe hatte.
Es fragt sich: Werden die Kinder, die ohne Taufe sterben, gerettet? Papst Innozent III. sandte 1201 an den Bischof von Arles, Imbert d‘Eyguiéres (1130 – 1202), einen Brief, in dem er betonte, daß die Taufe der Kinder nützlich und vernünftig ist, weil sie die Gefahr der Verdammung abwendet, ihre Wiedergeburt im Wasser und im heiligen Geist bewirkt und ihren Eintritt in das Himmelreich ermöglicht, in der Hoffnung, daß die Kinder, die ohne Taufe sterben, von der göttlichen Gerechtigkeit gerettet werden, die ihnen ein Heilmittel zukommen läßt. So denkt die Kirche auch heute noch.“

Soweit Bux auf S. 37/38 der deutschen Ausgabe. Anders als Bischof Imbert leben wir heute freilich in einer Zeit und einer Gesellschaft, die nicht vom Geist des Christentums dominiert wird – und sei das noch so oberflächlich. Wir wissen von Menschen – etwa den Indianern vor Kolumbus – die nie von Christus hören und nie von Missionaren erreicht werden konnten. Und wir ahnen, daß es solche „Präkolumbianer“ auch heute und fast überall geben könnte, zumal sich die Kirche von der Pflicht zur Mission seit Jahrzehnten praktisch dispensiert hat. Der kirchliche Mainstream zumindest in Europa, Rom keinesfalls ausgenommen, beruhigt sich in dieser Situation mit einer kaum verhüllten Allerlösungslehre – frei nach Goethes „wer immer strebend sich bemüht, den können wir erlösen“. Das wäre also das glatte Gegenteil zum Grundsatz „Ohne Taufe kein Eintritt ins Himmelreich“ - von dem die Kirche selbst freilich mit dem Konzept der „Begierdetaufe“ und dem Verweis auf Gottes unbeschränktes Gnadenhandeln im Fall der ungetauften schuldunfähigen Kinder Ausnahmen anerkennt. Warum und unter welchen Bedingungen sollten solche Ausnahmen auf „Schuldunfähigkeit wegen jugendbedingt unentwickelter Vernunft“ begrenzt bleiben?

Das skizzierte Problemfeld verlangt nach einer intensivere Ausleuchtung, als sie von Bux hier geboten wird. Möglicherweise würde das aber den Rahmen von Zielsetzung und Möglichkeiten einer kurzgefassten Darstellung überschreiten.

Nicola Bux: Mit den Sakramenten spielt man nicht, 156 Seiten, 14,80 €, Edition Una Voce, Tremsbüttel 2018.

Zusätzliche Informationen