„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

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Die 5. Woche

Nach einem Aquarell von Marco Ricciedo, Die Krise um den Malteserorden ist noch lange nicht ausgestanden. Bestenfalls ist eine Atempause eingetreten – und in dieser Pause werden einige Hintergründe deutlicher erkennbar. Wer sich mehr für die politische Seite der Angelegenheit interessiert, wird in einem Artikel von Giuseppe Nardi auf katholisches.info gut bedient. Darüber hinaus gehende Aspekte der Ecclesiologie sowie des Amts- und Selbstverständnisses des Papstes einschließlich seiner peronistisch-südamerikanischen Prägung erhellt Andrea Cagliarducci auf MondayVatican in einer der aufschlußreichsten Analysen, die bisher zu diesem Pontifikat veröffentlicht wurden.

Die Krise um das Ehe- und Sakramentenverständnis der Kirche, die durch Amoris Laetita zum offenen Ausbruch gekommen ist, schwelt ebenfalls weiter. Die katholische Position wurde in dieser Woche in wünschenswerter Klarheit von Bischof Huonder vorgetragen, die postkatholische Lehre von Amoris Laetitia wird, kaum daß die deutsche Bischofskonferenz sie sich zu eigen gemacht hat, von den unentwegt vorwärts drängenden Modernisiewrern bereits schöpferisch weiterentwickelt. In der „Information und Handreichung der deutschsprachigen Liturgischen Institute schieben sie den Reformierten Zürcher Pfarrer Andrea Marco Bianco vor, der sich über „Scheidungsrituale – Ein Element auch für die katholische Ehepastoral?“ (PDF) ausläßt. Das Editorial stellt bedauernd fest, daß katholischerseits dafür (noch) beträchtliche Hürden bestehen. Wir sind zuversichtlich: Das läßt sich im Zuge der weiteren „ökumenischen“ Annäherung bestimmt überwinden.

Die weitere Verschärfung einer seit Jahrzehnten unheilvoll schwärenden Krise zeichnet sich gerade im Bereich der Liturgie ab, aus dem hier, obwohl er unser eigentliches Hauptthema ist, in der letzten Zeit viel zu wenig zu hören war. Seit Franziskus klar gemacht hat, daß er von einer „Reform der Reform“ nichts mehr wissen will, verspüren die altbekannten Liturgiezerstörer Aufwind. America, die Wochenzeitschrift der Jesuiten in den Vereinigten Staaten, nimmt die in den Raum gestellte Revision von Liturgiam Authenticam zum Anlaß, eine erneute Neuübersetzung des erst soeben in Kraft gesetzten englischen Missales zu fordern – diesmal natürlich in entgegengesetzter Tendenz und noch über die verderblichen Vulgarisierungen der ICEL-Version hinaus. Fr. Anthony Ruff OSB, Liturgologe an der ordenseigenen St. Johns-Hochschule und Betreiber der reformkatholischen Web-Plattform PrayTell, kann vor Begeisterung kaum an sich halten und geht zusammen mit der einschlägig bekannten Autorin Rita Pavone daran, die linkskatholischen Kräfte des „Widerstands gegen Trump“ mit denen für eine wahrhaft demokratische „erneuerte Liturgie“ zu vereinen.

Für die Gläubigen, denen bisher die Gelegenheit – und vielleicht auch die Motivation – fehlte, sich dem allsonntäglichen Abenteuer im Zeichen des Novus Ordo zu entziehen, brechen spannende Zeiten an. Nicht nur in Amerika.

Bei alledem stellt sich natürlich schon die Frage, was unter diesen Umständen von der Ankündigung einer bevorstehenden Einigung zwischen Vatikan und Piusbruderschaft zu halten ist. Inzwischen werden ja sogar schon Termine genannt: Am 13. Mai oder am 7. Juli könnte es soweit sein – was immer „Es“ auch bedeuten möge. Wir gestatten uns, darüber noch ein paar Tage länger nachzudenken.

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