„Lex orandi - lex credendi“ - Nach Prosper von Aquitanien († 455) formulierter Kernsatz zur gegenseitigen Abhängigkeit von Glaube und Liturgie.

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Die 50. Woche

Buchillustration aus dem späten 15. Jh.In Deutschland forderte die CDU-Politikerin Klöckner den „Zugang zu Weiheämtern“ für Frauen; in einer italienischen Gemeinde will der neue Pfarrer „aus Respekt für die Muslime“ keine Weihnachtskrippe mehr auf dem Friedhof aufbauen; in Rom geißelt Franziskus wieder mal Seminaristen und Priester, die ihre Aufgabe ernst nehmen, als „stur und starr“. Nichts neues also, nicht der Rede wert.

So gesehen bringt auch die fortdauernde Kontroverse um Amoris Laetita wenig Neues. Allerdings hat diese Auseinandersetzung mit einem Beitrag des überaus progressiven Journalisten Ivereigh für die von den eher konservativen „Kolumbus-Rittern“ getragene Website Crux über die USA hinaus neue Unruhe ausgelöst. „Die Kritiker von Amoris Laetitia verabschieden sich in die Dissidenz – die Kirche muß weiter voranschreiten“ hat Ivereigh seinen Artikel überschrieben, und im Text macht er dann über jeden Zweifel hinaus klar, wie er das verstanden haben will:

„Dissens bedeutet dem Wesen nach, die Legitimität der Herrschaft eines Papstes in Frage zu stellen. Sie stellt in Zweifel, daß die Entwicklung der Kirche unter diesem Nachfolger des hl. Petrus eine Frucht des Handelns des Heiligen Geistes ist“. Er wirft denen, die Zweifel geäußert haben, „Verrat“ vor und dekretiert: „Die meisten Katholiken verstehen die Synode und Amoris Laetitia als eine vom Geist eingegebene Antwort auf unsere Zeit, als ein Mittel, sowohl die Institution der Ehe wieder herzustellen als auch die Wunden derer zu verbinden, die vom Scheitern der Ehe verletzt sind.“ Wer das nicht verstehen kann, gehört nicht mehr dazu – da kann man halt nichts mehr machen. „Das weiß (Franziskus) auch, und um dem Handeln des Heiligen Geistes treu zu bleiben, hat er keine andere Wahl, als die Kardinäle zu ignorieren und die Sache weiter voranzutreiben.“ 

So spricht man also im Zeitalter der neuen Barmherzigkeit die Exkommunikation aus. Erschütternd an dieser Haltung, die Ivereigh mit den meisten anderen Fürsprechern der Franzistischen Revolution, insbesondere auch im kurialen Umfeld, teilt, ist zum einen der autoritäre Gestus, zum anderen die damit freilich eng verbundene intellektuelle Anspruchslosigkeit – um keine stärkeren Ausdrücke zu verwenden. Man gibt sich gar nicht die Mühe, das, was von vielen zustimmend oder alarmiert als Bruch mit der Tradition verstanden wird, der Sache nach zu begründen oder aus der Tradition zu rechtfertigen. Dieser Papst, der heute so und morgen anders redet, ist das Sprachrohr des heiligen Geistes – Basta.

Ziel- und machtbewußt waren die Jesuiten schon immer – aber noch nie waren sie nicht nur dem spirituellen, sondern auch dem intellektuellen Offenbarungseid so nahe wie heute.

Wer das Thema weiter verfolgen will, findet in den Internetpublikationen der vergangenen Woche viel wertvolles Material. Erhellend und erheiternd zugleich zwei Wortmeldungen von Fr. Hunwicke auf Liturgicalnotes  vom 12. und 13. Dezember. Ebenfalls hilfreich „Dsicerning the real: dubia, popes and dissent“ von Fr. Hugh Somerville-Knapman und natürlich der Kirchenrechtler Ed Peters. Schon er Titel seiner Überlegungen „A canonical primer on popes and heresy“ ist vielsagend. Mit der gleichen Frage beschäftigt sich Remnant-Autor Robert J.Siscoe in einem Artikel, der auf Deutsch unter der Überschrift „Kann die Kirche einen häretischen Papst verurteilen?“ auf Tradition und Glauben erschienen ist.

Soviel ist klar: Die Debatte wird allen Versuchen sie abzuwürgen zum Trotz weitergehen, und sie wird wöchentlich mehr zu einer Zerreißprobe für die Einheit der Kirche. Schon werden neue Kampffelder eröffnet: Die Bischofskonferenz der kanadischen Ostküste hat einen „Hirtenbrief“ herausgegeben, der es zu erlauben scheint, Personen, die per „ärztlich assistierter Euthanasie“ aus dem Leben scheiden wollen, zuvor die Sterbesakramente zu erteilen. Es ist, als ob der Höllenschlund sich öffnen wollte. Ein erschütterter und erschütternder Kommentar dazu auf „Vox Cantoris“ – dort fanden wir auch die oben präsentierte Illustration.

Zwei etwas ermutigendere Meldungen der vergangenen Woche kommen aus Italien: Die italienische Justiz hat sämtliche Verfahren gegen den verschiedenster schwerer Vergehen beschuldigten Gründer der Franziskaner der Immakulata eingestellt: Nichts war dran. Bleibt abzuwarten, wie es jetzt mit den kirchlichen Maßregelungen weitergeht. Zu deren Begründung sind freilich niemals konkrete Vorwürfe erhoben worden, die man nun fallen lassen könnte.

Und die zweite: Die schwer geprüften Benediktiner von Norcia haben wie schon in den vergangenen Jahren einen liturgischen Kalender für 2017 produziert. Anders als in den Vorjahren können sie ihn jedoch in der gegenwärtigen Situation nicht zum Verkauf drucken lassen. Deshalb haben sie die Druckvorlage zum kostenlosen Download ins Netz gestellt. Spenden sind erbeten.

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