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Neu für das Bücherregal

Der BuchumschlagGerade eben hereingekommen wartet auf eingehende Lektüre und Besprechung das neue Buch von Stefan Heid: Altar und Kirche - Prinzipien christlicher Liturgie. Msgr. Dr. Heid ist Professor für Liturgiegeschichte am päpstichen Institut für christliche Archäologie in Rom und weiß viel über Dinge, über die andere oft nur spekulieren: Grundmauern neu ausgegrabener Gebäude aus frühchristlicher Zeit oder halbverwitterte Inschriften auf dort aufgefundenen Steinen gehören zu seinen Spezialgebieten, und die frühchristlichen Schriftsteller - die frühjüdischen ebenso - natürlich auch.

Solche Kenntnisse machen Heids Buch im 50. Jahr der Liturgiereform zu einer Jubiläumsgabe, die nicht überall willkommen sein dürfte: Schonunglos „dekonstruiert“ der Autor die modischen Mythen, die sich die Väter der Liturgiereform im Anschluß an ihre spätaufklärerischen protestantischen Vorbilder zurechtgelegt hatten, um ihre reformatorischen Verirrungen als Rückkehr „zur altehrwürdigen Norm der Väter“ (SC 50) auszugeben.
- Der frühchristliche Gottesdienst kannte weder den Opfergedanken noch einen Opferaltar? Irrtum oder aus Interesse begründete Unwahrheit, stellt Heid dem entgegen, denn die Steine und die ohne ideologische Voreingenommenheit gelesenen Schriften des 2. und 3. Jahrhunderts geben ein durchaus anderes Bild.
- Die frühe Kirche lebte in den von unten und geradezu demokratisch oganisierten Hauskirchen? Keine einzige wurde jemals gefunden, und alle Zeugnisse deuten auf die überaus starke Stellung der Ortsbischöfe, Nachfolger der Apostel, zusammengehalten im Band der gemeinsamen Tradition.
- Die Zelebranten waren bei der Feier im Kreis mit dem Volke vereint, die Sakralität von Altar und Kirchenraum sind eine nach-konstantinische Erfindung? Originelle Idee - aber leider ohne belastbaren Bezug zu den Fakten, wie sie seriöse Wissenschaft ermittelt hat und übrigens ständig vertieft: Kaum eine Periode der Archäologie war so ertragreich wie die letzten 50, 60 Jahre.

Soweit das Bild, wie es sich nach Inhaltsverzeichnis und Klappentext sowie dem Anlesen einzelner Abschnitte ergibt. Das verspricht also eine spannende Lektüre zu werden. Wir werden über den Fortgang der Dinge berichten.

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Stefan Heid: Altar und Kirche - Prinzipien christlicher Liturgie. Regensburg 2019 (Schnell + Steiner), 496 Seiten, 152 Abbildungen, € 50,-. Erhältlich im allgemeinen und Versandbuchhandel.

Una Voce Korrespondenz 18-III

Scan des TitelsAußerordentlich aktuell und eingreifend kommt die Ausgabe 3-2018 der UVK daher, die Anfang der Woche in unserem Briefkasten aufschlug. Heute zunächst ein Überblick über diese aktuellen Aspekte der dort behandelten Themen.

Unter der Überschrift „Entweltlichung der Kirche‘ - ein Impuls“ nimmt Lutz Sperling Positionen zur Abwehr des seit Jahrzehnten voranschreitenden Verweltlichungsprozess der Kirch in Deutschland und Europa in den Blick. Ausgangspunkt ist natürlich die Freiburger Rede von Papst Benedikt. Sperling greift jedoch insoweit darüber hinaus, indem er ganz konkret Erscheinungen der Verweltlichung wie die Entsakralisierung, die Glaubensverwässerung, die Management-Orientierung des Episkopats und die Umwandlung der Kirche in einen Sozialkontern ins Auge fasst. Quasi nebenbei kommt dabei auch ins Blickfeld, daß von einer genuin katholischen Theologie oder Sozialwissenschaft und eigenständigen Positionen in der Bio- und Fortpflanzungsmedizin nicht mehr die Rede sein kann: Von wenigen Ausnahmen abgesehen, haben sich die entsprechenden Lehrstuhlinhaber oder Institute vollständig den gerade herrschenden Paradigmen unterworfen und angeschlossen. Da auch die Priesterausbildung davon betroffen ist – die aktuelle Auseinandersetzung um den Rektor der Jesuitenhochschule in Frankfurt bietet reichlich Illustrationsmaterial – ist mit einer Trendumkehr in Katechese und Glaubensverkündigung aus eigener Kraft nicht zu rechnen. Tatsächlich hat sich der Apparat nicht nur vom Glauben, sondern auch von der Existenz von Gläubigen weitgehend emanzipiert. Sperling zitiert dazu Wolfgang Ockenfels mit der bemerkenswerten Aussage: „Das würde einen Bürokraten der Kirche gar nicht stören, wenn die Kirchen leer wären, das läuft alles von allein“.

Ob und wie lange das so weiterlaufen kann, steht freilich auf einem anderen Blatt. Zwar glauben die Apparate, sich durch die weitgehende Umwandlung der Kirche in eine Sozialagentur „zukunftssicher“ gemacht zu haben – Walter Kardinal Brandmüller verweist in einer Mißzelle auf einen Schwachpunkt in der Rechnung: Die Gesellschaft ist ja nicht nur in einem Prozess leidenschaftsloser Entchristlichung – auch die explizit und kämpferisch antichristlichen Elemente werden stärker. Das nicht nur in Gestalt der traditionellen antikirchlichen Freigeisterei, sondern auch durch den massenhaft importierten Islam, der immer stärker auf Mitbestimmung im politischen Bereich drängt und seinerseits daran geht, Normen für das gesellschaftliche Zusammenleben durchzusetzen. „Auch Konkordate“ so Brandmüller, „sind nicht auf Fels gebaut, sondern beruhen auf jenen bestimmten kulturell gesellschaftlichen Voraussetzungen, unter denen sie abgeschlossen wurden“.

Zwei weitere Hauptbeiträge stellen Überlegungen an und bieten Materialien, die erklären, warum die Kirche dem so wenig entgegen zu setzen hat. Der hessische Pfarrer Ulrich Engel vom Geburtsjahrgang 1950, der den ganzen Abstieg der Kirche von einer – vermeintlich – gesellschaftsprägenden Kraft zu einem von Selbstaufgabe zerrütteten und Marginalisierung besdrohten Randgruppe miterlebt hat, beschreibt den „Verlust des Mysteriums in der Liturgie“ als einen der Gründe dafür, daß die Kirche immer weniger in der Lage ist, die Gedanken, Gefühle und Sehnsüchte der Menschen anzusprechen, die nicht von anderen Sinngebungsagenturen vermeintlich überzeugender bedient werden. Besondere Aufmerksamkeit widmet er dabei der theologischen Wissenschaft, die sich einem flachen Rationalismus ergeben hat und kaum noch erkennen läßt, daß sie von übernatürlichen Begründungen getragen ist und den Blick der Menschen über das Alltägliche hinaus zu erheben imstande ist – oder sein sollte. Engels aus reicher Erfahrung geprägter Artikel zeigt auf bedrückende Weise, daß der umfassende Glaubensabfall der vergangenen Jahrzehnte nicht nur in aggressiven Abkehr von den großen Wahrheiten begründet ist, sondern ebenso von der gleichgültigen bis feindseligen Abwendung von all den vielfältigen „Begleiterscheinungen“ des geistigen und vor allem liturgischen Lebens, die den Glauben ausgedrückt und gestützt haben.

Die Abkehr von einer der „großen Wahrheiten“ bzw. die Analyse des Mechanismus von dahin gehenden Tendenzen ist Gegenstand eines Artikels von Heinz-Lothar Barth: „Wie Papst Franziskus mit Zitaten umgeht: Beispiel aus Paulus und Augustinus.“ Theologie, Ausdeutung der Kirchenlehrer, ist eben keine postmoderne Literaturwissenschaft, bei der man sich nach Gusto aus den Werken der Gewährsleute heraussucht, was man gerade brauchen kann. Sie muß immer in das Gesamt der Überlieferung eingebettet sein – sonst wird sie zur Willkür.

Ein weiterer wichtiger Beiträge des aktuellen Hefts, der sich exakt der skizzierten inhaltlichen Schwerpunktsetzung einfügt, ist die Wiedergabe eines umfangreichen Interviews mit Weihbischof Athanasius Schneider, das Eva Doppelbauer von Gloria-TV im Juni mit dem Bischof geführt hat: „Die Selbstprotestantisierung der Kirche, die Unterdrückung der überlieferten Messe und die Relativierung der Unauflöslichkeit der Ehe und des Zölibats“. Bischof Schneider kommt in dieser Ausgabe noch ein zweites Mal zu Wort mit der Wiedergabe eines Vortrags, den er ebenfalls im vergangenen Juni auf der Liturgischen Tagung in Salem, (Oregon, USA) gehalten hat: „Die Liturgie und ihre Kraft der geistlichen Erneuerung“. Dieser Text besteht zu großen Teilen aus Zitaten bedeutender Lehrer der Kirche von der Zeit der Väter bis in die Gegenwart (Dietrich von Hildebrand) und gibt damit zum einen eindrucksvollen Überblick über die Entwicklung des liturgischen Denkens und zum anderen wertvolles Rüstzeug für aktuelle Auseinandersetzungen.

Zu erhalten - am besten im Abonnement – ist die UVK über die Website der deutschen Una Voce.

Una-Voce-Korrespondenz 2018-II

Scan des EinbandesIn diesen Tagen ist die Ausgabe 2018-II der Una Voce Korrespondenz in den Versand gegangen. Betrübliche Aktualität erhielt der sonst wenig denkwürdige 11. Jahrestag von Summorum Pontificum durch den Tod von S. E. Dario Kardinal Castrillón Hoyos am 17. Mai, in dessen Amtszeit als Präsident von Ecclesia Dei Papst Benedikt das Motu Proprio promulgiert hatte. Ein Nachruf von Claudia Cock und Regina Einig erinnert an das Wirken des Verstorbenen. Zwei Interviews, die Gianni Cardinale in den Jahren 2005 und 2007 mit dem Kardinal geführt hat, zeigen seinen Einsatz für den Erhalt der überlieferten Liturgie – und nebenbei auch, wie sich die Verhältnisse innerhalb eines doch recht kurzen Zeitraums seitdem weiterentwickelt haben. Ein kurzer Bericht zur Konferenz „10 Jahre Summorum Pontificum“ im Frühjahr im Washington sowie die Wiedergabe der Predigt, die Erzbischof Sample zu diesem Anlaß in der Basilika des Heiligtums der Unbefleckten Empfängnis gehalten hat, wenden den Blick in die Zukunft: Die „alte Liturgie“ wird immer mehr zur Sache der Jugend.

Weitere Artikel widmen sich aktuellen Auseinandersetzungen. A.C. Wimmer berichtet aus Rom von der Konferenz „Katholische Kirche, wohin gehst Du?“ im April in Rom, dabei steht der dort gehaltene Vortrag von Bischof Athanasius Schneider zum Thema „Der apostolische Stuhl als Cathedra der“ Wahrheit.

Gleich fünf Beiträge sind der laufenden Auseinandersetzung über den Kommunionempfang von nichtkatholischen Ehepartnern gewidmet – Schwergewicht dabei die Wiedergabe eines ausführlichen Gespräches zum Thema, das Gerhard Kardinal Müller mit Regina Einig von der Tagespost geführt hat.

Ein weiteres hochaktuelles Thema behandelt Martin Grichting, Generalvikar der Diözese Chur, in seinem Beitrag: Das Zusammenwirken von Klerus und Laien gemäß dem II. Vatikanischen Konzil. Es geht eben nicht darum, die Laien und vor allem Laiinnen auf die eine oder andere Weise zu klerikalisieren, wie das anscheinend nach wie vor für viele das große Ziel zu sein scheint. Die Laien sind die, die aus ihrer ganzen Lebensnotwendigkeit und ihrer ganzen Lebenspraxis heraus „in der Welt“ stehen. Dort ist ihr vorrangiges Wirkungsfeld, nur sie können in der modernen säkularen Gesellschaft das zur Geltung bringen, was die Kirche lehrt und das Heil der Menschen fördert.

In der Überfülle der aktuellen Themen, die vielfach nur noch als Kampffelder alltäglicher Auseinandersetzungen wahrgenommen werden, kann das, worum es eigentlich geht, schon einmal aus dem Blick geraten. Zwei längere Beiträge, die sich deutlich über jede Tagesaktualität erheben – ohne die Gegenwart aus dem Blick zu verlieren – wirken dem auf wohltuende Weise entgegen. Unter der Überschrift „Illuminatio – Erleuchtung versus Aufklärung“, interpretiert und erklärt der Kunstwissenschaftler Peter Stephan die Symbolik der römischen Universitätskirche Sant‘Ivo alla Sapienzia. Im Zentrum steht dabei die Baugestalt, also die Architektur dieses bemerkenswerten Barockbaus, den der Autor als „gebaute Antithese zur Philosophie Francis Bacons“ zu verstehen vorschlägt. Durch reichhaltige Illustration auch für Nicht-Kunstwissenschaftler gut lesbar.

Zweiter Beitrag in dieser Kategorie ist eine Behandlung der Theodizee-Problematik, die der Autor Norbert Claasen unter die Überschrift gestellt hat: „Das Übel und Leid in der Welt widerlegt die Existenz eines gütigen und allmächtigen Gottes“. Ausgehend vom Schlüsselerlebnis des Erdbebens von Lissabon 1755, skizziert Claasen, wie sich diese These im „aufgeklärten“ Europa durchgesetzt hat und auch heute noch große Suggestivkraft entfaltet. Dem stellt er unter Rückgriff auf Augustinus und Thomas von Aquin das christliche, das katholische Verständnis gegenüber, das alleine eine rationale und keinesfalls gegen naturwissenschaftliche Einsichten verstoßende Würdigung des Walten Gottes in seiner Schöpfung ermöglicht. Auch aufschlußreich und lesenswert als Antwort auf die Emotionalisierung und Hypermoralisierung gegenwärtiger gesellschaftlicher Diskurse.

Zu erhalten - am besten im Abonnement – ist die UVK über die Website der deutschen Una Voce.

Reform ohne Weisheit

Zum 70. Geburtstag von Gerhard Kardinal Müller ist im Herder-Verlag eine Festschrift mit dem überaus aktuell erscheinenden Titel „Der dreifaltige Gott - Christlicher Glaube im säkularen Zeitalter“ erschienen. Neben zahlreichen wissenschaftlichen Beiträgen enthält der Band auch ein kurzes Grußwort von Papst Benedikt XVI., in dem Josef Ratzinger sich auch auf die von Papst Franziskus kürzlich abrupt beendete Tätigkeit Müllers in der Glaubenskongregation bezieht. Für diese Tätigkeit als Präfekt sei ein „Miteinander von Fachlicher Kenntnis und Weisheit“ erforderlich, um dann fortzufahren: „Ich denke zum Beispiel, dass in der Liturgie-Reform einiges anders ausgefallen wäre, wenn man nicht das Wort der Fachleute als letzte Instanz hätte gelten lassen, sondern darüber hinaus noch eine Weisheit geurteilt hätte, die die Grenze des bloß Gelehrten erkennt.“

Schreibt einer der größten theologischen Gelehrten der letzten hundert Jahre. Bleibt dringen zu wünschen, daß seine Mahnung bei denen Gehör findet, die jetzt daran gehen, die ganze Kirche im Geleis der gescheiterten Liturgiereform bis an die Wurzeln gehenden „Reformen“ zu unterziehen. Unsere dahingehenden Hoffnungen sind allerings nur schwach ausgebildet. Das gegenwärtig handelnde Personal ist noch weiter von „Gelehrsamkeit“ entfernt als die Liturgiereformer des vergangenen Jahrhunderts, dagegen ist ihr Hochmut, sich gegen die Lehren der Vergangenheit zu stellen, noch stärker ausgebildet, und ihre Rücksichtslosigkeit noch größer. 

Ökumenismus und Relativismus

Bild: Screenshot aus dem Vortrag https://www.youtube.com/watch?v=vcB6IION4EIBevor das große Luther-Jahr zu Ende geht und in verdienter Vergessenheit versinkt, hier noch eine kurze Vorstellung des Aufsatzes von Heinz-Lothar Barth in den Ausgaben III und IV der UVK 2017: Papst Franziskus erstaunliche Aussagen zum Lutherjubiläum 2017 und die Wahrheit über die Reformation.

Anders als der Titel suggeriert, enthält der Aufsatz wenig zu den päpstlichen Aussagen zum Thema, und das ist nicht nur wegen der Vergänglichkeit des Jubeljahres überaus angemessen: Die Ausführungen von Franziskus zum Thema sind vom theologischen Gehalt her kaum der Rede wert. Daß der Artikel von Barth trotzdem weiterhin lesenswert ist, beruht darauf, daß der Autor die aktuelle Lutherei zum Anlaß nimmt, einige grundlegende Fragen der Ökumene, oder besser gesagt, des Ökumenismus, anzugehen. Es ist dieser ökumenistische Hintergrund der päpstlichen Stellungnahmen, der dazu zwingt, das Thema auch über das Jubiläumsjahr hinaus im Auge zu behalten. Die von vielen Beobachtern wahrgenommene „Rehabilitierung“ Luthers im gegenwärtigen Pontifikat läuft auf nichts anderes hinaus als den vom Opportunismus geforderten Versuch, die Aufgabe wesentlicher Elemente der Kirche und ihres Glaubens durch vorgeschobene „höhere Ziele“ zu bemänteln. Es geht wieder einmal, wie bei so vielem in diesem Pontifikat, um Politik.

Im Mittelpunkt des ersten Teils steht die Realität der immer stärker auseinanderstrebenden Entwicklung und die Phrasenhaftigkeit der Behauptung: Mehr Verbindendes als Trennendes. Wie absurd diese These ist, illustriert Barth unter anderem mit der bemerkenswerten Meldung, daß der Papst ursprünglich sogar auf eine öffentliche Messfeier bei seiner Reise nach Schweden habe verzichten wollen. Anscheinend reichen die behaupteten Gemeinsamkeiten nicht aus, um das Kernstück der christlichen Existenz mit einzuschließen. Mit seiner Kritik bleibt Barth jedoch nicht beim auf dieser Reise verabschiedeten „Konsenspapier von Lund“ stehen, sondern greift zurück bis auf den „ökumenischen“ Konzilstext „Unitatis Redintegratio“, dessen (wie man befürchten muß, gewollt) unklare Aussagen zum Einfallstor für zahlreiche Fehlkonzeptionen geworden sind. Fehlkonzeptionen, die sich auch auf den Katechismus ausgewirkt haben, wie Barth am Beispiel das Abschnittes 818 nachzeichnet.

Moderne Entwicklungen wie die Frauenordination oder die sich abzeichnende Duldung einer „Homoehe“ täuschen darüber hinweg, daß Luther selbst bereits 1530 vor dem Augsburger Reichstag eine lange Liste von grundlegenden Elementen des Glaubens vorgetragen habe, die bereits „abgeschafft“ worden seien oder überwunden werden müssten: Das Messopfer, das Fegefeuer, die Seelenmessen, die Heiligenverehrung, der Zölibat, die Kirchen- und Altarweihen, das Ehesakrament, das Priestertum und die Firmung, die Beichte, die Genugtuung, die Fastenzeit, das Kruzifix, der Taufstein, die Monstranz, die Bilder...

Damit wird gleichzeitig auch deutlich, was von „katholischer“ Seite neuerdings bestritten, von vielen protestantischen Historikern jedoch durchaus eingeräumt wird: Es ging den Reformatoren von Anfang an nicht um eine Reform der bestehenden, sondern eine Neugründung einer durch Umsturz veränderten Kirche. Auch hierzu bietet der Artikel reichhaltig Belege.

Im Zentrum des zweiten Teils steht ein – nicht so bezeichneter und auch keinen entsprechenden Anspruch erhebender – Bericht über neuere und insbesondere zum Jubeljahr entstandener Literatur zum Thema. Wer sich näher mit dem schon allein von der Materialmasse her schier unerschöpflichen Thema beschäftigen will, findet hier wertvolle Orientierungshilfen. Dabei behandelt Barth nicht nur Werke, die die theologischen Einflüsse auf Luthers Denken beleuchten, sondern führt auch Untersuchungen zum historischen Hintergrund der Reformationszeit an.

Ein eigener Abschnitt widmet sich einer kursorischen Vorstellung von glaubenstreuer katholischer Seite her geäußerten Kritik am sogenannten „Rechtfertigungsabkommen“ von 1999. Zustimmend zitiert er dabei unter anderen den in Lugana lehrenden Theologen Manfred Hauke, der diese „Gemeinsame Erklärung zur Rechtfertigungslehre“ als den ‚Supergau eines Ökumenismus“ bezeichnete, „der sich dem relativistischen Modell der ‚versöhnten Verschiedenheit‘ verschrieben hat.“

Womit zum aktuellen Ökumenismus-Modell wohl das wesentliche gesagt sein dürfte. 

Zu erhalten - am besten im Abonnement – ist die UVK über die Website der deutschen Una Voce.

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