Summorum Pontificum.de

Eine Woche der alten Heiligen

6. Juli 2023

3 - Die Heiligen

Bild:Wikimedia Commons

Darstellung des Propheten Jesaja in der Sixtinischen Kapelle.

Geht es nach dem „vorkonziliaren“ Martyrologium Romanum, ist die erste Woche im Juli geradezu eine Gedenkwoche der Heiligen des Alten Bundes: Am ersten Juli erinnert die hier vorliegende Ausgabe von 1930 an den „hl. Aaron, den ersten von den Priestern nach der Ordnung der Leviten, der auf dem Berge Hor begraben ist“. Am 4. folgen dann die Gedenktage des heiligen Propheten Hosea, des Kämpfers gegen den Götzendienst aus dem 8. Jh., und des hl. Haggai, der sich im 6. Jh. nach dem Exil kraftvoll und letzten Endes erfolgreich für den Wiederaufbau des von den Babyloniern zerstörten ersten Tempels auf dem Zionsberg eingesetzt hatte. Der heutige 6. Juli schließlich ist der Festtag des hl. Propheten Jesajas, vermutlich aus dem 7. Jh., von dem das Martyrologium zu berichten weiß, daß er „unter der Herrschaft des Königs Manasse entzwei gesägt wurde und bei der Eiche Rogel nahe dem Wasserfall begraben liegt“.

Der Bericht über das Martyrium des Jesajas - der von einem dem König wohlgefälliger prophezeienden falschen Propheten verleumdet worden sein soll - ist nicht in den Jesajas selbst zugeschriebenen Schriften überliefert, sondern in der frühchristlichen „Ascensio Jesaiae" aus dem späten 3. Jh., die ihrerseits auf eine spätjüdische Vorlage vermutlich aus dem 1. vorchristlichen Jahrhundert zurückgeht.

Selbst im härtesten Bruch - und welcher Bruch könnte härter sein als der über Anerkennung oder Leugnung des Messias - blieben im Christentum viele jüdische Traditionen erhalten oder wurden „organisch“ transformiert.Im „nachkonziliaren“ Martyrologium allerdings findet in der ersten Juliwoche keiner der oben genannten Heiligen des Alten Bundes irgendeine Erwähnung; auch anderswo sind sie dort nach einer kurzen Durchsicht anhand des Personenverzeichnisses nicht zu finden. Gehören sie etwa nicht zu dem Erbe, „das in allen Religionen wahr und heilig ist", von dem in der Konzilserklärung „Nostra Aetate“ freilich eher phrasenhaft und unverbindlich die Rede ist?

Schon der „Ordo leviticus“, von dem das Martyrologium im Zusammenhang mit dem Priestertum Aarons schreibt, wurde durch die von Paul VI. verfügte „Abschaffung“ der niederen Weihen, insbesondere des Subdiakonats, schwer beschädigt. Der Verlust seines Gedenktages ist ebenso unakzeptabel wie der Versuch zur „Abschaffung“ eines Sakramentales. Der Verzicht auf den Gedenktag des Jesaja ist fast noch weniger hinzunehmen: Jesajas ist - auch ausweislich der in den Novus Ordo übernommenen Lesungen und Antiphonen - der Prophet der Inkarnation und des Messias Jesus von Nazareth schlechthin. Nicht ohne Grund haben die ungläubig weiter in der Erwartung eines Messias verharrenden Masoreten das stark messianisch geprägte 3. Jesaja-Buch ganz aus ihrem Kanon der heiligen Schrift gestrichen - abgeschafft, wenn man so sagen will.

Tatsächlich ist über die konkrete Autorschaft des unter diesem Namen überlieferten Buches viel zu diskutieren - wie bei allen Büchern des AT. Tatsache ist aber auch, daß dieses Buch weit in das vorchristliche Judentum zurückreicht und ein prophetischer Zeuge der sich auch innerhalb des Judentums „organisch“entwickelnden messianischen Erwartungen und Gewissheiten ist. Die Verbindung dieser Schrift mit dem Namen des Jesajas entspringt einer tieferen Wahrheit, die auf das Zentrum des christlichen Glaubens überhaupt hindeutet. Dem Propheten Jesajas seinen Platz im Martyrologium streitig zu machen, erscheint von daher als ein schwer erklärbarer Willkürakt der „Wir machen alles neu“-Theologie des vergangenen Jahrhunderts.

*