Am Rande - Woche 42

Mysteriöse Begegnungen

1. 11.

Bild: Aus dem zitierten Artikel bei Fr. Zuhlsdorf

Die glückhaft aus dem Tiber wiedererstandenen (oder reaktionsschnell neu beschafften) Pachamama-Idole konnten wegen des Widerstands zahlreicher Bischöfe nicht am Abschlußgottesdienst der Synode teilnehmen. Aufmerksamen Beobachtern ist jedoch nicht entgangen, daß beim gerne phantasievoll ausgestalteten Opfergang ungewöhnlicherweise eine bepflanzte Blumenschale mit dabei war, die – noch ungewöhnlicher – auf Anweisung des Papstes direkt auf dem Altar platziert wurde. Die Schale war mit „Amazonas“ beschriftet und entsprach dem äußeren Anschein nach – mit verschiedenen Grünpflanzen und roten Blüten – exakt einer Opferschale für den (aus den Anden stammenden) Pachama-Kult, die als Gabe für die Göttin unter widrigen äußeren Umständen empfohlen wird. Hier näheres dazu, dazu auch interessante Bilder, freilich nicht aus den vatikanischen Gärten.

Eine nähere Betrachtung der Photos und Videos von den römischen Veranstaltungen der vergangenen Wochen ergab, daß diese dunkel glasierten Schalen auch bei den anderen Zeremonien eine prominente Rolle spielten. Dort waren sie zumeist umgekehrt aufgestellt, d.h. mit der Öffnung zur Erde zeigend.

Wir wissen nicht, was das über den geistigen Zustand der Teilnehmer aussagt oder für die Heiligkeit der Orte bedeutet, an denen diese Liturgien statfanden. Aber die Liste der Fragen, die an die Veranstalter der Pachamama-Synoder zu richten sind, wird täglich länger.

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Neuer Frühling – 29. Oktober 2019

(30. 10.)

Wieder einmal diskutiert OnePeterFive, die Frage: Ist Franziskus Papst? Und wieder einmal ist die Antwort: Ja – aber er ist schlecht, und möglicherweise häretisch – aber nach Gottes Gesetz und Ordnung kann niemand außer der Herr selbst ihn absetzen. Man kann nicht seinen Vater enterben – man kann sich (schlechtensten Falls) von ihm zurückziehen. Und haben nicht viele sich genau so einen Papst gewünscht und seit Jahrzehnten auf sein Erscheinen hingearbeitet? Nun sind wir überrascht, daß er der Kirche großes Leid zufügt – aber was anderes hat uns Christus versprochen, als mit ihm gekreuzigt zu werden? 

Auf Rorate Caeli stellt sich die Frage so: War Jesus nur Mensch – will Franziskus die Christologie sprengen? Wir wissen nicht, was genau Franziskus zu Eugenio Scalfara gesagt hat – aber wir sehen, daß er den alten Atheisten bestenfalls halbherzig dementieren läßt.

Der Catholic News Report  hat den Blick auf die irdischen Dinge. Am 29. geht er der Frage nach, ob die Kardinäle Angelo Becciu und Giuseppe Versaldi im Skandal um den finanziellen Zusammenbruch einer römischen Klinik 80 Millionen $ oder nur 50 Millionen versenkt haben. Den Bericht über die am Finanzplatz London investierten 750 Millionen Schwarzgeld hatten sie eine Woche vorher.

Und in Deutschland? Hier berichtet katholisch.de erfreut über einen Verein, der sich für die Rettung nutzlos gewordener und daher vom Zerfall bedrohter Dorfkirchen in Mecklenburg-Vorpommern (Anteil der Getauften an der Bevölkerung: 20%) einsetzt, um sie „als hervorragende landschaftsprägende Bestandteile der Region zu bewahren“.

So hat ein jeder sein Kreuz zu tragen.

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„Zeit für Klarheit...“

(29. 10.)

... hat Peter Winnenmöller in dieser Woche seinen Montagskommentar für kath.net überschrieben. Die Tatsache, daß die Amazonas-Synode daran geht, das Priestertum durch Einrichtung zahlreicher zusätzlicher Ämter und Position zu „demokratisieren“,  letzten Endes auch für Frauen zu öffnen und damit als sakramentales Amt zu verlieren, veranlaßt ihn zu einem bemerkenswerten Fazit:

Lange werden sich die Nebelkerzen nicht mehr halten können. Es sieht in der Tat danach aus, dass die Frage des sakramentalen Amtes der Kirche die Scheidelinie zwischen Wahrheit und Lüge, zwischen Einheit und Spaltung bildet. Werden bald die Gemeinschaften der Tradition die einzigen sein, die die zölibatäre Lebensform der ausschließlich männliche Priester bewahren? Sollte dies so sein, sind sie künftig endgültig das letzte Sammelbecken der restlichen Gläubigen der Kirche.

Es ist Zeit für Klarheit. Es ist Zeit zu sagen, was man wirklich will und es ist Zeit, den Bischöfen unserer Diözesen und den Kardinälen der römischen Kirche diese Klarheit abzuverlangen.

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Rückblicke auf Platschamama

(28. 10.)

Wir teilen nicht Peter Winnenmöllers Ansicht, die Aktivisten, die ein paar Pachamamas im Tiber versenkten, von wo sie in wunderbarer (allerdings täglich zweifelhafter werdende) Weise wiederauferstanden, seien in die Falle der heidnischen Gottheit getappt und hätten ihr einen billigen Sieg über die Kirche ermöglicht. Nein – in die Falle getappt ist da jemand ganz anderes, und nun zappelt er in den selbst gelegten Schlingen, um mit dem Psalmisten zu sprechen. Trotz dieser Differenz in der Einschätzung eines Details ist Winnenmöllers Kommentar wie stets lesenswert und informativ.

Roberto de Mattei äußert die Annahme, die gestern beendete Synode werde als die PachaMama-Synode in die Kirchengeschichte eingehen – vermutlich hat er recht. Und außerdem hat er zusammengestellt, wo, wann und wie die Stauen ihren Auftritt hatten – wichtig für das persönliche Archiv, denn spätestens in 6 Monaten wird es heißen: Pachamama – haben wir in Rom nie etwas von gehört oder gesehen.

Und wo wir gerade bei den Verstößen gegen das 8. Gebot sind: In einem Interview mit Vatican News hatte der in Köln als Paul Süß geborene Beifreiungstheologe Paolo Suess zunächst kritisiert, daß Katholiken Anstoß am Pachamama-Kult im Vatikan genommen haben: „Ja und? Selbst wenn das ein heidnischer Ritus gewesen wäre, dann handelt es sich trotzdem um einen Gottesdienst. Ein Ritus hat immer etwas mit Gottesdienst zu tun. Das Heidnische kann man nicht abtun als nichts. Was ist heidnisch? In unseren Großstädten sind wir nicht weniger heidnischer als da im Urwald. Das soll man sich mal überlegen.“ Als die Kritik dann lauter und grundsätzlicher wurde, hat die Agentur des Papstes die Passage kommentarlos gelöscht – war da was?

Diese und andere Kommunikationsvergehen des nicht-immer-heiligen Stuhls beleuchtet katholisches.info

Über die den Skandal der Götzenbilder und auch über die Ablenkungsmanöver um Zölibat und Frauenweihe hinausschauend richtet George Weigel in First Things seine Aufmerksamkeit auf das, was er als den Großen Gewinn dieser Veranstaltung für alle Katholiken betrachtet: Sie hat verdeutlicht, daß die Feinde Christi  nicht nur auf die eine oder andere zweifelhafte Reform aus sind, sondern das Zentrum der Kirche und ihrer Lehre selbst zerstören wollen - mit einem Angriff aus diesem Zentrum heraus. Illusionen sind nicht mehr erlaubt – es geht um alles.