Am Rande Woche 41

Alles einerlei

(10. 10.)

Bild: Aus der auf Philosophia Perennis verlinkten Quelle

Ein Artillerieangriff der mit der Türkei verbündeten aserbeidjanischen Armee auf die armenische Stadt Shusha in Berg-Karabach hat die Kathedrale der Stadt schwer beschädigt.  Gleichzeitig wird bekannt, daß moslemische Trrorgruppen -möglicherweise Restbestände des aus Syrien weitgehend vertriebenen „islamischen Staates“ in ländliche Gebiete der Region eindringen und dort die christlichen Bewohner mit Waffengewalt zur Einhaltung der Gesetze der Sharia zwingen (Quelle). Reaktionen aus ehedem christlichen Ländern sind kaum vernehmbar.

In einem dieser früher christlichen Länder, nämlich in Irland, hat etwa zur gleichen Zeit Fr. Fergal MacDonagh von der katholischen Loreto-Schule den örtlichen Imam zur Mitgestaltung des Eröffnungsgottesdienstes für das neue Schuljahr eingeladen. Der nahm allzugerne an und beendete seinen Beitrag mit einem direkt aus dem Koran entnommenen Segensgebet: „Dir Herr, sei alles Lob, und wir bitten um Deinen Gruß und Segen für all deine geliebten Diener, die Propheten Jesus, Abrahamn, Mokammed und sie alle.“ Der katholische Geistliche begleitete diesen die Gottheit Christi explizit verneinenden Spruch schweigend mit ausgebreiteten Armen und verzichtete seinerseits auf einen Schlußsegen im Namen des dreifaltigen Gottes. (Quelle) Ist doch alles einerlei.

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Machtspiele in Rom

(09. 10.)

Bild: Jindřich Nosek / Wikimedia Commons

Drei Tage lang antichambrierte unlängst der eigens aus Hongkong angereiste Kardinal Zen (88) vor den Mauern des Vatikans, ohne doch zu seiner glückhaft regierenden Heiligkeit vorgelassen zu werden: Der Nicht-Empfang von „schwierigen“ Würdenträgern gehört zu den erprobten Machtinstrumenten des Mannes auf dem Stuhl Petri. Zurück in Hongkong hat der kampferprobte Chinese nun eine Abrechnung mit Kardinal Parolin verfaßt und veröffentlicht, den er mehr noch als Bergoglio selbst als den Architekten und Executor der vatikanischen China-Politik betrachtet.

Besonders übel nimmt Zen der grauen Eminenz, daß sie versucht, Papst Benedikt als Mitwisser und Mitverantwortlichen für das komplette Scheitern des China-Appeasements in Anspruch zu nehmen: „Er weiß, daß er lügt, und er weiß, daß ich es weiß, und daß ich jedem erzähle, daß er lügt – und so ist er nicht nur verlogen, sondern auch unverschämt.“ Mit Verachtung und Zorn blickt Zen auf Parolins Behauptun, daß die von Peking verlangte „Sinisierung“ der Kirche einen unproblematischen Fall von Inkulturation darstelle: „ Diese Politik der „Sinisierung“ ist keinesfalls das, was wir unter Inkulturation verstehen – das ist die Religion der kommunistischen Partei, und deren höchster Gott ist das Land, die Partei und der Parteiführer“.

Alle Zeichen deuten daraufhin, daß Parolin die Anklage des Kardinals ebenso wenig einer Reaktion für wert halten wird wie sein Chef die Bitte um eine Audienz. Die wahren Machthaber stehen über solchen Petitessen.

Mehr zum Fall bringt der National Catholic Register hier.

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Hierusalem devastata

(07. 10.)

Bild: Wikimedia, Steerpike, CCA

Während der Bischof von Rom und der Groß-Imam von Abu Dabhi im Luftreich des Traums ein artiges Menuettchen vorführen, lebt auf der platten Erde der Neo-Sultan vom Bosporus den Traum mohammedanischer Herrschen von Anbeginn aus: Christen schikanieren, Armenier umbringen. Auf allen vier Seiten des Landes stehen der Despot vom Bosporus bzw. seine islamistischen Hilfstruppen in teilweise offenem Krieg mit den Nachbarn: Im Süden klaut er Zyperns Öl, im Westen bedroht er Griechenlands Inseln, im Osten schneidet er sich Stücke aus dem säkularistischen (das muß hier als positiv gelten) Syrien, und nun hat er im Norden ISIS für den Kampf gegen die christlichen Armenier von Karabach abgestellt. Aber NATO-Mitglied Erdogan ist ein ehrenwerter Mann – Schweigen rundum.

Ein ehrenwerter Mann – zumindest solange ihn nicht das Schicksal des nicht-mehr-so-ganz-Kardinals Becciu ereilt – ist auch der Kanzler der Päpstlichen Akademie für Sozialwissenschaften Kurienbischof Sorondo, der die Soziallehre der Kirche „am besten in China umgesetzt“ sieht, ohne dafür auch noch den leisesten Tadel zu erhalten. Durch die Praxis, dem Roten Drachen einen kirchentreuen Bischof nach dem anderen zum Fraß vorzuwerfen, wird er sich bestätigt sehen. Mehr noch durch die spätmarxistischen Töne in der neuesten „Sozialenzyklika“ im Umfang eines ausgewachsenen Romans und mit durchaus romanhaften Vorstellungen vom Wesen des Menschen und seiner Bestimmung.

Gott, die Heiden sind eingedrungen in dein Erbe,  / sie haben deinen heiligen Tempel entweiht  / und Jerusalem in Trümmer gelegt.

Die Leichen deiner Knechte haben sie zum Fraß gegeben den Vögeln des Himmels,  / die Leiber deiner Frommen den Tieren des Feldes.

Ihr Blut haben sie wie Wasser vergossen  / rings um Jerusalem,  / und keiner hat sie begraben.

Zum Schimpf sind wir geworden  / in den Augen der Nachbarn,  / zu Spott und Hohn bei allen, die rings um uns wohnen. (Psalm 50 1-4)

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Mißernte und falsche Hirten

(05. 10.)

Bild: aus dem zitierten Artikel von kath.net

Die derzeit begangenen  Erntedankfeste geben Peter Winnenmöller für seinen „Montagskick“ Anlaß, einen Blick auf den Ertrag jahrzehntelanger Mißwirtschaft in der deutschkatholischen Kirche zu werfen:

Das Gleichnis vom Sämann vergleicht die Verkündiger des Gotteswortes schließlich auch mit einem Landwirt. Wie fällt die Ernte in der Kirche aus? Im vergangenen Jahr traten mehr Menschen aus der Kirche aus als jemals zuvor. Die Zahl der Sakramentenspendungen ging dramatisch zurück. Der regelmäßige sonntägliche Messbesuch war im Vorjahr auf einem Tiefststand. In diesem Jahr ist es weitaus schlimmer. Die Kirche hat sich eingeschlossen. In der Pandemie glänzte sie – löbliche Ausnahmen ausdrücklich ausgenommen – schlicht durch Abwesenheit. (…) Nachdem die Messen wieder öffentlich gefeiert werden dürfen kam landauf- landab der große Schock. Selbst die wenigen Plätze, die wegen der Abstandsbestimmungen in der Kirche noch besetzt werden dürfen, werden nicht mehr voll.

Natürlich kam diese Entwicklung nicht wirklich überraschend, sondern hat sich seit langem abgezeichnet – doch nun ändern sich die Dinge:

Mit der Coronakrise genannten Stilllegung der Wirtschaft in unserem Land geht es auch dem Episkopat nun ans Geld. (...) Die Krise aber auch die kommenden Austritte werden sich – endlich möchte man sagen – auf die Finanzen der Kirche auswirken. So manches prestigeträchtige Objekt der kommenden Jahre gerät plötzlich unter Finanzierungsvorbehalt. Die Krokodilstränen im Episkopat wachsen zur Flut an. Jetzt, wo es ums Geld geht. Weinen wäre angezeigt, wo es um das Heil der Seelen geht.

Jetzt erst wird wirklich deutlich, was für faule Früchte in der Vergangenheit geerntet wurden. Jetzt erst wird deutlich, was aus dem verdorbenen Samen wird, den viele Vertreter der Kirche in unserem Land ausstreuen. Jetzt ist die Zeit, darüber nachzudenken, ob man nicht wieder beginnen sollte die Menschen zu lehren, was die Kirche lehrt. Das wäre mal ein echter Aufbruch.

Vollständig nachzulesen wie jeden Montag auf kath.net.

Am Rande Woche 40

Von wegen „Oberbischof“

(03. 10.)

Bild: Wikimedia, CC BY-SA, Roberta F.

Ein bemerkenswertes Detail von der Herbsttagung der deutschen Bischöfe berichtet Regina Einig in der Tagespost: Der Vorsitzende der Bischofs-Konferenz Bätzing hat sich in einem Brief an Nuntius Eterovic hochgradig verstimmt darüber geäußert, daß dieser Roms ablehnende Stellungnahme zur „Interkommunion“ allen Bischöfen direkt mitgeteilt hatte, statt den Umweg über den Vorsitzenden zu gehen.

Die dosierte Weitergabe oder auch Nicht-Weitergabe von Informationen gehört seit Jahren zu den Machtinstrumenten, mit denen das Konferenzsekretariat die Bischöfe unter nationalkirchlicher Leitung bevormunden will. Und da Eterovic das weiß, und da er auch weiß, daß die Bischöfe nicht der Konferenz unterstehen, sondern eigenverantwortliche Hirten ihrer Diözesen unter dem Bischof von Rom sind, hat er in diesem höchst sensiblen Fall ein unmißverständliches Signal gesetzt: Die Konferenz mit ihrer zementierten progressistischen Mehrheit kann hier beschließen, was sie will – Bischöfe, die an den für die ganze Kirche gültigen Vorgaben festhalten wollen, sind dadurch in keiner Weise gebunden.

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Mit „Menschenrechten“ gegen Gott

(02. 10.)

Von der Webiste:'Nachtgedanken'

Die dreiste Intervention von Margot Käßmann, die ein Frauenpriestertums in der katholischen Kirche als Menschrecht aus der Verfassung ableiten will, gibt Uwe C. Lay Anlaß, in seinen „Nachtgedanken“ einen Seitenblick auf die Ideologie der Menschrechte zu werfen. Denn zur Ideologie ist die Rede von den „Menschenrechten“ verkommen, seit die französische Revolution erfolgreich damit war, die Stellung des Menschen – nicht zuletzt mittels zehntausendfacherer Kopfabschneiderei – aus der Beziehung zu Gott zu lösen.

Doch in einem können wir Lay nicht folgen: Sein Beispiel, der Kirche „wegen der Gleichberechtigung“ das Priesteram für Frauen aufzuoktroiren, sei genauso widersinnig, wie der Versuch, Theaterregisseure wegen der Quote zur Besetzung von Männerrollen mit Frauen zu zwingen, hinkt gleich zweifach: Zum einen hat das Regietheater schon vor vielen Jahren, als es noch neu war, damit begonnen, Theaterrollen „quer“ zum Geschlecht, für das sie geschrieben waren, zu besetzen: Viele Kulturarbeiter sind nicht nur sensible Indikatoren für die Konvulsionen und Perversionen des Zeitgeistes, sie verbreiten sie auch als begeisterte Propagandisten – ganz ohne Druck von außen.

Und da, wo die Propaganda nicht schnell genug fruchtet, bauen die auf dem Weg der „Wokeness“ am weitesten voran geschrittenen Sturmabteilungen selbst Druck auf die zurückgebliebenen Sektoren ihrer Zunft auf – etwa durch die neuen Regeln für die Vergabe des „Oscar“, die Filmen, die sich nicht an die vom Zentralkomitte erlassenen Direktiven halten, keine Chance lassen.

Bei Kirchens läuft es doch ganz ähnlich: Auch hier wurde ein gott-loser Begriff von Menschenrechten propagiert und instrumentalisiert, lange bevor die damals noch liberalen Demokratien auf den Gedanken kamen, ihn selbst gegen die Kirche einzusetzen.

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„Ein Pontifikat zerfällt“

(30. 10.)

Das ist die These von Artikeln, in denen prominente italienische Vatikan-Beobachter die undurchschaubaren Ereignisse um die Entlassung des bisherigen Machthabers Kardinal Becciu zusammenfassen. Dokumentiert beim Beiboot Petri.

Was wirklich abläuft, ist angesichts der widersprüchlichen Stelungnahmen von hier aus schwer zu beurteilen. Doch zumindest für die Widersprüchlichkeiten hat Matteo Matzuzzi wohl eine Erklärung:

Tatsächlich wissen die Medien, die Papst Bergoglio immer unterstützt haben, nicht mehr, nach welcher Partitur sie spielen sollen, denn der sogenannte "Bandenkrieg", der mit dem "Becciu-Fall" explodierte, findet völlig innerhalb des Bergoglio-Establishments statt. Und es ist ein bedeutendes Paradoxon, daß dieser Krieg jenseits des Tibers ausbrach, als der Papst seine neue Enzyklika mit dem Titel "Fratelli Tutti" unterzeichnen wollte. Wenn man sich seine Kurie ansieht, muss man sagen: Brüder -Messer." (Fratelli-cotelli)

Ein grausiges Schauspiel, in der Tat. Mehr davon beim Beiboot - aber nur für für die Freunde von Horror-Geschichten.

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Von Erzbischof Viganó sind in den letzten Wochen verschiedene Erklärungen zum 2. Vatikanum abgegeben worden, die teilweise mehr Fragen aufwarfen, als sie beantworteten, Besonders seine unklar erscheinende Position zur Einheit der Kirche gab Anlaß zur Kritik. In einem Brief an Catholic Family News, die ihn um Klärung einiger dieser Fragen gebeten hatte, hat der Erzbischof seine Position nunmehr erläutert. Eine deutsche Übersetzung dieser Antwort ist auf der Website des deutschen Distrikts der Piusbruderschaft nachzulesen.

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Kirche des Mammon

(29. 9.)

Bild: vom Twitter-Auftritt Longeneckers

Fr. Dwight Longenecker, Gemeindepfarrer in Greenville, South Carolina, gehört zu den zahlreichen katholischen Geistlichen in den USA, die ein ausgedehntes Internet-Apostolat betreiben. Unter der Überschrift: „Die katholische Kirche im Griff Mammons“ hat er auf „First Things“ einen Artikel veröffentlicht, der zwar von den besonderheiten der amerikanischen Situation geprägt ist, in vielem aber auch auf die Situation in Deutschland zutrifft. Ein Ausschnitt:

Der wichtigste Kritikpunkt am kirchlichen Establishment ist in meinen Augen dieser: Die Hierarchen sind Sklaven eines säkularen Systems und einer Werksgerechtigkeits-Mentalität. Das gilt nicht nur für die Katholiken, sondern für all die armen Seelen in leitenden Positionen unserer Kirchen, die ohne es recht zu weissen mehr dem Mammon als dem Herrn dienen.

„Mammon“ - das ist nicht nur Geld. Das ist eine ganze Weltanschauung, die nicht über Wirtschasftskonzepte, Bilanzen und Schlagzeilen in den Zeitungen hinaus schauen kann. Die Kirchenführer sind zu oft Geiseln eines materialistischen und utilitaristischen Kirchenverständnisses, als ob wir nur noch ein gemeinnütziger Verein wären – wie die Pfdfinderinnen, der Rotary Club oder andere „zivilgesellschaftliche“ Einrichtungen.

Und so werden die kirchlichen Strukturen nicht von Ihren Eminenzen beherrscht, sondern von Grauen Eminenzen in ihren grauen Anzügen, die jede Menge Geschäftssinn, aber keinen Glaubenssinn haben. Das von niemandem gewählte weltliche Triumvirat, das unsere ganze Gesellschaft beherrscht, beherrscht auch die Kirche: Die Rechtsanwälte, die Finanzberater und die PR-Experten. In panischer Angst davor, verklagt zu werden, kirchliches Vermögen oder das Gesicht zu verlieren, treffen die Angehörigen der Hierarchie feige Entscheidungen, die wenig mit dem Glauben und alles damit zu tun haben, das Vermögen und die eigene Haut zu retten.“

Der letzte Halbsatz heißt im Original übrigens: „protecting assets and asses“ - Amerika, Du hast es besser!.

Am Rande Woche 39

Häppchen und Linsengericht

(26. 9.)

Bild F.Gambarini/picture alliance - aus dem verlinkten Artikel bei news.de

Am gestrigen Quatember-Samstag im Herbst erinnerte die Kirche in der überlieferten Liturgie an die göttliche Einsetzung des Versöhnungstages Jom Kippur. Heute wird eben dieser Tag von Juden in aller Welt festlich begangen. Nicht in jedem Jahr wird der inhaltliche Zusammenhang so deutlich auch durch den zeitlichen unterstrichen – weit entfernt liegen beide Tage jedoch bei allen Abweichungen des Kalenders nie.

Für die Juden ist die Feier dieses Tages seit der Zerstörung des Tempels vor 2000 Jahren nur noch in einer Form möglich, die weit hinter dem Gesetz Mose zurückbleibt. Die Christen feiern die Versöhnung am Karfreitag und Ostern weit darüber hinausgehend als bereits in Christus vollzogen – ganz so, wie Paulus es den Juden seiner Zeit verkündete: „Nicht mit dem Blut von Böcken und jungen Stieren, sondern mit seinem eigenen Blut ist er ein für alle Mal in das Heiligtum hineingegangen und hat so ewige Erlösung bewirkt.“

Was für eine Gelegenheit, die Verkündung des Glaubens an die Juden ganz im Geiste des Juden und vormaligen Gesetzeslehrer Paulus fortzuführen. Doch das würde den Göttern des Zeitgeistes missfallen, und so bietet die Kirche „nach dem Konzil“ nicht mehr den Glauben, sondern den ewigen Dialog – Sekt und zweifelsfrei koschere Häppchen am Buffet des Tagungshotels inklusive.

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Analysen und Hintergründe

(24. 9.)

Die der Kirche verbundenen Webseiten sind voll mit Nachrichten und Kommentaren zum Amtsverzicht von Kardinal Angelo Becciu - einer der Schlüsselfiguren im undurchschaubaren Geflecht vatikanischer Finanzsspiele und zumindest eine Zeit lang auch einer der verläßlichsten Unterstützer von Papst Franziskus. Im Zentrum der Spekulationen stehen Schuldzuweisungen zu verlustreichen Immobiliengeschäften in London , gut zusammengefasst von Edward Pentin im NC Register. Auch die Main-Stream-Medien nehmen den Fall zur Kenntnis und knüpfen ihre eigenen Spekulationen daran. Einen lesenswerten Kommentar des italienischen Vatikanisten Riccardo Cascioli, der mehr auf das kirchenpolitische Umfeld eingeht, bringt das Beiboot Petri. Auch Casciogli  kann keine endgültige Klarheit in die Affäre bringen, aber seine Ausführungen werfen ein bezeichnendes Licht auf die durch die Widersprüche und Machtkämpfe des aktuellen Pontifikats anscheinend völlig zerrüttete Kurie. Dazu passt ein von katholisches.info wiedergegebenes Interview mit Prof. Roberto de Mattei, der dem Pontifikat von Franziskus bescheingt, "klinisch tot" zu sein.

Kardinal Becciu selbst hat heute (Samstag) nach einer von KNA getwitterten Mitteilung versichert, die ihm vorgeworfenen Unterschlagungen nicht begangen zu haben.

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Von Erzbischof Viganó sind in den letzten Wochen verschiedene Erklärungen zum 2. Vatikanum abgegeben worden, die teilweise mehr Fragen aufwarfen, als sie beantworteten, Besonders seine unklar erscheinende Position zur Einheit der Kirche gab Anlaß zur Kritik. In einem Brief an Catholic Family News, die ihn um Klärung einiger dieser Fragen gebeten hatte, hat der Erzbischof seine Position nunmehr erläutert. Eine deutsche Übersetzung dieser Antwort ist auf der Website des deutschen Distrikts der Piusbruderschaft nachzulesen.

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In bemerkenswerter Klarheit ...

(22. 9.)

Bild: Pressematerial der Diözese

... hat sich der Passauer Bischof Oster zu dem reichlich unverschämtem Ansinnen des Bundesleiters der "katholischen" Jungen Gemeinde geäußert, der ihm unter Hinweis auf seine Stellung als "privilegierter mittelalter weißer Mann" den Mund verbieten wollte, sich zu einer zentralen Frage der katholischen Glaubens- und Sittenlehre - hier konkret die als "Frauenrecht" bezeichnete Abtreibung - zu äußern. Der Bischof läßt in seiner Erwiderung nichts aus, was gegenüber solchen Zumutungen gesagt werden muß: vom eklatanten Verstoß gegen die lehre der Kirche bis zum totalitären Ansatz, Menschen, die eine andere Meinung vertreten als die eigene, aus dem gesellschaftlichen (und kirchlichen!) Diskurs auszuschließen - und dabei gemeinsam mit gewaltbereiten Linksradikalen aufzutreten.

Der Angriff des "Bundesleiters" und die Antwort des Bischofs sind hier nachzulesen. Es steht zu hoffen, daß der eine oder andere swe deutschen Bischöfe, die in ihrer Mehrheit die Tätigkeit der linksradikalen Gemeinde durch ihre finanziellen Zuwendungen erst ermöglichen, dadurch ein wenig zum Nachdenken angeregt wird.

Am Rande Woche 38

Christus oder Mohammed

(19. 9.)

Bild: Screenshot von der Website

Die berüchtigte Erklärung von Abu Dhabi hat die seit Jahrzehnten bestehende Verwirrung über das Verhältnis von Christentum und Islam enorm vertieft - und von der anstehenden Enzyklika über die allgemeine Verbrüderung ist nicht zu erwarten, daß sie hier Klarheit bringt. Unsere Position in dieser Frage ist aus dem historischen Gedächtnis der Christenheit bestimmt: Die Bewegung Mohammeds hat seit dem ersten Tag ihres Auftretens erst die Juden und dann die Christen mit Feuer und Schwert verfolgt und das halbe frühere römische Reich in eine Wüste verwandelt. Und an dieser menschenfeindlichen Gewalt hat sich bis heute nichts geändert; sie gehört zum Kern der Lehre von einem tyrannischen Gott.

Wer eine stärker theologisch ausgerichtete Auseinandersetzung mit der Lehre des falschen Propheten sucht, findet einen guten Einstieg in einem letzte Woche bei CNA deutsch erschienenen Beitrag von Andreas Häring, der die unterschiedlichen, ja gegensätzlichen Gottesbilder der beiden Religionen deutlich und gut nachvollziehbar herausarbeitet. Sehr zur Lektüre empfohlen.

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Wieder ein „ungetaufter Priester“

(17. 9.)

Bild: Screenshot von der Website

Die Diözese Oklahoma City hat heute bekannt gegeben, daß auch einer ihrer in jüngerer Zeit geweihten Priester aufgrunf eigenmächtiger Textmanipulationen des Taufenden nicht gültig getauft worden war und auch die weiteren Sakramente nicht gültig und wirkungsvoll empfangen konnte. Über einen ersten Fall haben wir hier und an folgenden Tagen ausführlich berichtet.  Auch hier hat der unglückliche Priester den Fall selbst aufgedeckt, so daß die Spendung der Sakramente inzwischen korrekt nach-vollzogen werden konnte. Auch im Übrigen hat die Diözese die zur Heilung eingetretener Mängel erforderlichen Maßnahmen eingeleitet. Wir können auch in diesem Fall auf die verzeihende Barmherzigkeit Gottes gegenüber unwissend fehlgegangenen Gläubigen hoffen – dennoch gibt es viel Angst, Unsicherheit und auch Ärger.

Hoffen wir, daß die Dinge sich jetzt nicht in dem Maß, wie Priester sicherheitshalber noch einmal die zu ihrer Taufe aufgenommenen Videos anschauen, zur Epidemie auswachsen. Es ist höchste Zeit, dem selbstherrlichen Walten einiger Priester und ihrer akademischen Lehrer ein Ende zu setzen. 

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Warnung vor der Flut

(16. 9.)

Bild: Von der Website des Autors

In den letzten Monaten war es im Palast von St. Martha ungewöhnlich ruhig. Optimisten hatten sogar gehofft, die wegen Corona verhängte Aktivitätspause hätte sogar zu einer Neueinschätzung der Lage der Kirche urbi et orbi geführt. Doch das war wohl nichts. In seinem Monday-Vatican von dieser Woche bereitet Andrea Gagliarducci uns darauf vor, daß wir in den kommenden Wochen mit einer ganzen Springflut päpstlicher Verlautbarungen rechnen müssen: Eine Enzyklika, zwei buch-starke Interview-Veröffentlichungen und drei Schlüsselansprachen, eine davon am 21. September anläßlich der UNO-Hauptversammlung und eine weitere am 15. Oktober zum „Global Compact for Education“.

Für das geistliche Leben der Kirche, so wie Christus sie der Fürsorge seiner Apostel und deren Nachfolgern anvertraut hat, werden wir indiesen Dokumenten - so vermutet Gagliarducci - wenig Nahrhaftes finden. Umso mehr über die „weltumspannende Brüderlichkeit“, die „integrale Ökonomie“ und vielleicht sogar auch über „Slow Food“ - denn einer der Interviewbände entstand im Gespräch mit dem italienishen Apostel dieser Bewegung, dem Agnostiker Carlo Petrini. Den zweiten Interview-Band haben der Papst und sein Umfeld übrigens den erpropten Händen des Benedikt-Verleumders Austen Ivereigh anvertraut.

Den Artikel von Gagliarducci auf Deutsch bringt wie jede Woche das Beiboot Petri.

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Auf der Suche nach dem Sinn

(14. 9.)

Bild: Von der Website des Autors

Fremdschämen ist angesagt. In einem „Essay“, der gleichzeitig als Artikel in der Zeit und als Dokument bei der Deutschen Bischofskonferenz veröffentlicht worden ist, hat Bischof Bätzing unter der Überschrift „Corona und die Suche nach der künftig gewesenen Zeit“ Einblick in ein Weltbild gewährt, das noch verwirrter ist als die Sprache des Titels. Selbst katholisch.de reagiert zurückhaltend betroffen, und das will schon etwas heißen. Die „Anregung“ eines „interreligiösen Feiertages“, der ein „Tag des Wir-Gefühls und der Besinnung für Gläubige und Ungläubige (…,) ein wunderbares, heilendes Zeichen“ sein soll, ist schon ein starkes Stück.

Peter Winnenmöller hat in seinem Montagskick auf kath.net das nötige dazu gesagt und das Versagen der Kirche in den Wochen des lock-down nach Gebühr gewürdigt:

Die Kirche bekommt die Quittung für ihre Coronapolitik. Sie verfällt in eine galoppierende Irrelevanz. Die Kirchensteuereinnahmen fallen ins Bodenlose und die Austritte erreichen auch in diesem Jahr neue Rekorde. Der Kirchenbesuch wird sich niemals wieder erholen und im niedrigen einstellen Prozentbereich einpendeln. Man ergeht sich darin – wir erraten es schon – eine Sonderkollekte durchzuführen.

Allen, die starke Nerven mitbringen, sei der Montagskick zur Lektüre empfohlen. Dem bätzingschen Originaldokument, das wir oben leichtsinnigerweise verlinkt haben, sollte man sich nur mit einer Sicherheitsmaske für Augen und Ohren nähern.

Am Rande Woche 37

„Ecclesia Dei“ am Ende?

(11. 9.)

Bild: Netzfund

Noch ist es nur ein Gerücht, aber wenn der oft – nicht immer – zuverlässig informierende Vaticanista Marco Tosatti Recht behält, sollen die Zuständigkeiten der vor einem Jahr vom Papst aufgelösten Kommission Ecclesia Dei künftig der Ordenskongregation zugewiesen werden. Organisationslogisch wäre das nur konsequent – die Folgen könnten jedoch, wie Tosatti spekuliert, verheerend sein. Den Artikel Tosattis auf Deutsch und einen ersten Versuch zur Einordnung bringt katholisches.info.

Die Ordenskongregation, die in den Händen ausgewiesener Feinde der Tradition ist, könnte ihr neu zugewiesene Vollmachten nutzen, die Gemeinschaften der Tradition auch ohne förmliche Aufhebung von Summorum Pontificum in größte Schwierigkeiten zu bringen. Sie könnte – wie sie das nicht nur bei den Franziskanern der Immakulata bereits getan hat – Visitationen anordnen, die in den Gemeinschaften oder einzelnen Gemeinden „ungesunde Spiritualität“ feststellen und deren Unterstellung unter Kommissare oder sogar die gänzliche Auflösung anordnen. Sie könnte die Feier der Liturgie und die Spendung der Sakramente nach dem über tausendjährigen Glauben der Kirche zwar nicht verbieten, ihr aber jeden innerkirchlichen Raum nehmen und ihre Anhänger damit in jene Grauzone verbannen, in der die Piusbruderschaft notgedrungen schon seit Jahrzehnten zu operieren gezwungen ist.

Ein solches Vorgehen wäre zwar nicht hundertprozentig im Sinne von Papst Franziskus, der den kanonischen Status der Piusbruderschaft durchaus verbessert hat, dürfte von ihm jedoch auch nicht abgewendet werden: Für die zunehmende Politisierung und NGO-isierung der Kirche des „Konziliaren Weges“ bilden die an der Tradition festhaltenden Einsprengsel des alten Glaubens ein Ärgernis, das auch nicht dadurch aufgewogen wird, daß der traditionelle Raum weitgehend von den Zerfallserscheinungen des „neuen Frühlings“ verschont bleibt. Das macht die Sache in den Augen vieler Modernisten nur noch schlimmer.

Wir werden uns auf rauhe Zeiten einstellen müssen.

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Im Winter des „neuen Frühlings“

(9. 9.)

Bild: aus dem zitierten Artikel von Joseph Shaw

Die Benediktinerabtei von Downside hat für die Katholiken in England ähnlich hohe emblematische Bedeutung wie der Kölner Dom für die deutschen. Nun haben die letzten acht Mönche bekannt gegeben, daß sie sich aus Altersgründen nicht länger imstande sehen, das Kloster zu erhalten. Zweifellos werden sie für ihre letzten Lebensjahre einen Platz in einem der klösterlichen Altersheime finden, in denen sich die letzten Überlebenden des monatischen Lebens in Europa auf den Abschied von dieser Welt vorbereiten.

Unter den glaubens- und traditionstreuen Katholiken Englands hat die Nachricht vom Ende von Downside Bestürzung ausgelöst. Joseph Shaw von der Latin Mass-Society in England und Wales veröffentlicht einen Brief eines früheren Chorleiters der in besseren Tagen mit dem Konvent verbundenen Schule sowie einen Aufruf an die Katholiken des Landes, Pläne zum Erhalt des Klosters zu entwickeln und - auch materiell - zu unterstützen. 

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Neues Messbuch für Italien

(8. 9.)

Bild: aus dem zitierten Artikel von Sandro Magister

Die italienische Übersetzung des NO-Missales ist in einigen Punkten überarbeitet worden. Produktion und Druck der ersten Auflage sind abgeschlossen, der Gebrauch der revidierten Version ist ab Ostersonntag des kommenden Jahres verbindlich.

Die neue Ausgabe enthält keine größeren Überraschungen. Ins Auge fällt die auf persönlichen Wunsch (vergleiche hierzu auch diesen Artikel zur Lehrvollmacht) von Franziskus zurückgehende Änderung des Vaterunser-Textes, in dem nun die sprachlich definitiv falsche und theologisch verflachende Übersetzung „und verlasse uns nicht in der Versuchung“ vorgeschrieben ist. Randbemerkung: Obwohl diese Variante auch von vielen deutschen Theologen bevorzugt wird, haben die deutschen Bischöfe bereits erklärt, daß sie diese „aus ökumenischen Rücksichten“ nicht einführen wollen.

Die ebenfalls sprachlich falsche und theologisch überaus bedenkliche Übersetzung des „für alle“ in den Wandlungsworten bleibt erhalten; im Übrigen halten sich sprachleiche Ver- und Verschlimmbesserungen die Wage. Sandro Magister hat sich die Mühe gemacht, die Veränderungen im Einzelnen nachzuverfolgen - hier sein Artikel auf Settimo Cielo in der englischen Fassung.