Am Rande Woche 37

„Ecclesia Dei“ am Ende?

(11. 9.)

Bild: Netzfund

Noch ist es nur ein Gerücht, aber wenn der oft – nicht immer – zuverlässig informierende Vaticanista Marco Tosatti Recht behält, sollen die Zuständigkeiten der vor einem Jahr vom Papst aufgelösten Kommission Ecclesia Dei künftig der Ordenskongregation zugewiesen werden. Organisationslogisch wäre das nur konsequent – die Folgen könnten jedoch, wie Tosatti spekuliert, verheerend sein. Den Artikel Tosattis auf Deutsch und einen ersten Versuch zur Einordnung bringt katholisches.info.

Die Ordenskongregation, die in den Händen ausgewiesener Feinde der Tradition ist, könnte ihr neu zugewiesene Vollmachten nutzen, die Gemeinschaften der Tradition auch ohne förmliche Aufhebung von Summorum Pontificum in größte Schwierigkeiten zu bringen. Sie könnte – wie sie das nicht nur bei den Franziskanern der Immakulata bereits getan hat – Visitationen anordnen, die in den Gemeinschaften oder einzelnen Gemeinden „ungesunde Spiritualität“ feststellen und deren Unterstellung unter Kommissare oder sogar die gänzliche Auflösung anordnen. Sie könnte die Feier der Liturgie und die Spendung der Sakramente nach dem über tausendjährigen Glauben der Kirche zwar nicht verbieten, ihr aber jeden innerkirchlichen Raum nehmen und ihre Anhänger damit in jene Grauzone verbannen, in der die Piusbruderschaft notgedrungen schon seit Jahrzehnten zu operieren gezwungen ist.

Ein solches Vorgehen wäre zwar nicht hundertprozentig im Sinne von Papst Franziskus, der den kanonischen Status der Piusbruderschaft durchaus verbessert hat, dürfte von ihm jedoch auch nicht abgewendet werden: Für die zunehmende Politisierung und NGO-isierung der Kirche des „Konziliaren Weges“ bilden die an der Tradition festhaltenden Einsprengsel des alten Glaubens ein Ärgernis, das auch nicht dadurch aufgewogen wird, daß der traditionelle Raum weitgehend von den Zerfallserscheinungen des „neuen Frühlings“ verschont bleibt. Das macht die Sache in den Augen vieler Modernisten nur noch schlimmer.

Wir werden uns auf rauhe Zeiten einstellen müssen.

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Im Winter des „neuen Frühlings“

(9. 9.)

Bild: aus dem zitierten Artikel von Joseph Shaw

Die Benediktinerabtei von Downside hat für die Katholiken in England ähnlich hohe emblematische Bedeutung wie der Kölner Dom für die deutschen. Nun haben die letzten acht Mönche bekannt gegeben, daß sie sich aus Altersgründen nicht länger imstande sehen, das Kloster zu erhalten. Zweifellos werden sie für ihre letzten Lebensjahre einen Platz in einem der klösterlichen Altersheime finden, in denen sich die letzten Überlebenden des monatischen Lebens in Europa auf den Abschied von dieser Welt vorbereiten.

Unter den glaubens- und traditionstreuen Katholiken Englands hat die Nachricht vom Ende von Downside Bestürzung ausgelöst. Joseph Shaw von der Latin Mass-Society in England und Wales veröffentlicht einen Brief eines früheren Chorleiters der in besseren Tagen mit dem Konvent verbundenen Schule sowie einen Aufruf an die Katholiken des Landes, Pläne zum Erhalt des Klosters zu entwickeln und - auch materiell - zu unterstützen. 

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Neues Messbuch für Italien

(8. 9.)

Bild: aus dem zitierten Artikel von Sandro Magister

Die italienische Übersetzung des NO-Missales ist in einigen Punkten überarbeitet worden. Produktion und Druck der ersten Auflage sind abgeschlossen, der Gebrauch der revidierten Version ist ab Ostersonntag des kommenden Jahres verbindlich.

Die neue Ausgabe enthält keine größeren Überraschungen. Ins Auge fällt die auf persönlichen Wunsch (vergleiche hierzu auch diesen Artikel zur Lehrvollmacht) von Franziskus zurückgehende Änderung des Vaterunser-Textes, in dem nun die sprachlich definitiv falsche und theologisch verflachende Übersetzung „und verlasse uns nicht in der Versuchung“ vorgeschrieben ist. Randbemerkung: Obwohl diese Variante auch von vielen deutschen Theologen bevorzugt wird, haben die deutschen Bischöfe bereits erklärt, daß sie diese „aus ökumenischen Rücksichten“ nicht einführen wollen.

Die ebenfalls sprachlich falsche und theologisch überaus bedenkliche Übersetzung des „für alle“ in den Wandlungsworten bleibt erhalten; im Übrigen halten sich sprachleiche Ver- und Verschlimmbesserungen die Wage. Sandro Magister hat sich die Mühe gemacht, die Veränderungen im Einzelnen nachzuverfolgen - hier sein Artikel auf Settimo Cielo in der englischen Fassung. 

Am Rande Woche 36

Hochgebet MMXX

(4. 9.)

Pfingstfeier in Poelstal

Das Hochgebet II, von dessen Entstehung die von Fr. Hunwicke aufgegriffene Anekdote berichtet, ist bei all seinen Mängeln wenigstens kirchlich approbiert. Seit den 50er Jahren werden jedoch immer wieder in Gottesdiensten auch selbstgedichtete „Hochgebete“ verwandt, die nichts anderes ausdrücken als die Privattheologie eines Geistlichen oder eines Liturgieausschusses. Ob sie das Sakrament bewirken, das sie bezeichnen sollen, ist überaus zweifelhaft – bei der hier von kath.net im Video dokumentierten Veranstaltung im österreichischen Poelstal ist das mit großer Wahrscheinlichkeit nicht der Fall. Der dokumentierte Teil des Hochgebetes ist reine Erfindung – sogar die Wandlungsworte werden verändert. Von daher spielt es auch kaum eine Rolle, daß das die Feier gestaltende Musikensemble der Aktion – zum Teil sitzend - den Rücken zukehrt: Es passiert ja nichts.

Natürlich auch nichts von Seiten Bischof Dr. Krautwaschels, um dessen theologische Bildung und kirchliche Rechtstreue es nicht besser bestellt sein dürfte als um die des sich im Video auslebenden Pfarrers Mag. Andreas Fischer: „Heiße Magister, heiße Doktor gar, Und ziehe schon an die zehen Jahr Herauf, herab und quer und krumm Meine Schüler an der Nase herum“. Schon Goethe hat es gewusst..

Und natürlich passiert auch nichts von Seiten der römischen Kongregationen, deren Amt es wäre, dafür zu sorgen, daß die Liturgie so gefeiert wird, wie sie von der Kirche, vorgeschrieben ist. Und der Papst? Der macht Politik und hat für sowas keine Zeit.

Was den jungen Herrschaften, die später als Priester und Bischöfe wirken sollen, mit römischem Placet während des Studiums über die Verbindlichkeit solcher Vorgaben beigebracht wird, hat einer der akademischen Verderber guter liturgischer Sitten, der in den Akten der Universität Münster (na klar doch) als „Liturgiewissenschaftler“ aufgeführte Doktor Martin Stuflesser, im Gespräch mit „katholisch.de“ einmal gut auf den Punkt gebracht: Normen haben immer nur zeitweilige Geltung, und sie verändern sich dadurch, daß man sie bricht.

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Verdreht korrekt - korrekt verdreht

(2. 9.)

Bild: Von der Website Fr. Hunwickes

Fr. Hunwicke erging sich am Montag wieder einmal in widerborstigen Gedanken:

Als ich heute den Hl. Raimundus Nonnatus (der per Kaiserschnitt zur Welt gebracht worden war) kommemorierte, wurde ich plötzlich von Verwirrung übermannt. Wie soll man denn seine politisch korrekte Haltung zum Ausdruck bringen, wenn man Signale empfängt, die in einander entgegengesetzte Richtungen weisen?

Der hl. Raimundus arbeitete ZWAR (im Original ebenso wie das „aber“ des nächsten Satzes griechisch) für die Befreiung von Sklaven. Von daher sollte er eigentlich ein Liebling und Held der agalmatophoben (Statuen verabscheuenden) Eiferer sein, die unseren öffentlichen Raum von jeder Erinnerung an die Profiteure des Sklavenhandels reinigen.

ABER der hl. Raimundus befreite Sklaven aus der Gewalt von Moslems, die in der heutigen kollekte als impii (Gottlose) angesprochen werden. Diese Sprache ist nun für aufgeklärte Würdenträger der Kirche überhaupt nicht mehr akzeptabel, seit der hl. Paul VI. die in Lepanto erbeuteten Kriegsbanner an die Türken zurückerstattete und das II. Vatikanum seine fragwürdigen Bemerkungen über die islamische Religion machte. Aber sind Sklavenhalter nicht quasi per Definitionem „gottlos“ ?

Und dann hatten die Sklaven, die der hl. Raymundus befreite, höchstwahrscheinlich im allgemeinen eine verringerte Pigmentierung im Vergleich zu de,m erhöhten Melaningehalt (auch hier riskiere ich wieder eine Verallgemeinerung) ihrer Sklavenhalter. Wie passt das denn zusammen mit dem Dogma der „XXX Lives Matter“-Ideologie?

Können linguistisch fortgeschrittene Leser mir vielleicht einen Hinweis geben, wie man damit besser politisch korrekt umgehen kann? Und wie man es in einer gefallenen Welt vemeidet, gespaltene Infinitvformen und ein Übermaß an Anführungszeichen zu vermeiden?

 

Post Scriptum:

Vor ein oder zwei Wochen sah ich ein Video von einigen unter-pigmentierten Jugendlichen in Nordamerika, die verhaftet worden waren, weil sie auf den Bürgersteig etwas wie „ungeborene schwarze Leben zählen“ gemalt hatten. Hat diese Geschichte inzwischen eine Auflösung gefunden?

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Gewalt im Gottesdienst - II

(1. 9.)

Bild: Von der Website der Pfarrei http://joseph-aloysius.de/

Am vergangenen Montag hatten wir über einen gewalttätigen Zwischenfall während der Sonntagsmesse in Philadelphia zu berichten. In dieser Woche ist Berlin an der Reihe. Die Meldung des Evangelischen Pressedsienste, die wir hier nach der Welt zitieren, berichtet Folgendes:

In Berlin ist am Sonntag ein katholischer Pfarrer während der Messe von einem unbekannten Mann niedergeschlagen worden. Wie die Polizei unter Berufung auf Zeugenaussagen mitteilte, stand der Mann während des Gottesdienstes von seinem Sitzplatz auf, spuckte in die Kirche und ging zum Altarraum, wo er den 61-jährigen Seelsorger mit der Faust niederschlug. Dabei habe er sich religionsfeindlich geäußert.

Nach dem Faustschlag gegen den Pfarrer hat der Angreifer den Angaben zufolge mehrere Seiten aus der Bibel gerissen, die auf dem Altar lag. Der Bruder des Pfarrers wollte dem Verletzten den Schilderungen nach helfen. Daraufhin schlug der Angreifer ihn mit der Bibel. Danach sei der Täter unerkannt aus der Kirche geflüchtet.

Bei der „Bibel“ handelt es sich wohl um das Messbuch - je nach Ausstattung und Gewicht in der Tat als Schlagwaffe gut geeignet. Näheres über den Täter und die Art der Rufe wurde nicht mitgeteilt - ein „Mann“ eben.

Die St. Josephskirche in der Müllerstraße ist derzeit wegen der Renovierung der Hedwigskathedrale die Bischofskirche von Berlin.

Am Rande Woche 35

In der Kulturrevolution

(29.8.)

Screenshot

Die offizielle katholische Kirche in Deutschland weigert sich nach wie vor, die Tiefe des aktuell stattfindenden Epochenbruchs auch nur ansatzweise zur Kenntnis zu nehmen. Lieber träumt sie von einem „neuen Normal“ mit demokratischer Verwaltung von Kirchenämtern und -steuern, und alle haben sich ganz doll lieb. In den USA sind viele Katholiken schon weiter. Sie sehen die kulturrevolutionären Elemente der aktuellen Vorgänge, die keinen Vergleich mit dem Feldzug zur Zerstörung der kulturellen Vergangenheit Chinas unter Mao Tsetung zu scheuen brauchen, und sie stellen sich die Frage: Wie konnte es innerhalb weniger Jahrzehnte dazu kommen?

Auf First Things erklärt George Weigel geradeheraus: Why We are where We are, und LifesiteNews veröffentlicht einen weiteren Artikel, der die Verbindung von gesellschaftlicher Erosion und Revolution zur „sexuellen Revolution“ zieht: FLASHBACK: 1930s anthropologist finds sexual hedonism destroys civilizations. Beide Artikel wollen wir nicht uneingeschränkt empfehlen: Weigel erhebt sich ein wenig zu großartig über die Niederungen der aktuellen Kämpfe, und der „Flashback“ bzw. die Unwin-Studie blicken mit der allgemeinen sexuellen Verlotterung zu sehr auf eine Erscheinung, die zwar real und kritikwürdig und bekämpfenswert ist, letztlich aber doch nur einen Strang aus einem vielgliedrigen Ursachenbündel herausgreift.

Wichtige Einsichten transportieren dennoch beide, und da die Mannschaft des Beiboots Petri sich die Mühe gemacht hat, beide ins Deutsche zu übertragen (Weigel hier und Flashback hier), ist sehr zu empfehlen, diese leicht zugänglichen Angebote auch zu nutzen.

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Das Blut der Märtyrer

(27. 8.)

aus dem genannten Artikel auf PP

Die Umwandlung des Museums der Chora-Kirche von Konstantinopel zur Moschee – die zweite derartige Maßnahme des Erdogan-Regimes innerhalb eines Monats – hat zwar einiges Blätterrascheln in Kulturkreisen (und verlegenes Hüsteln bei Kirchens) ausgelöst – doch das hat bestenfalls Alibifunktion. Der eigentliche Skandal, der massenhafte Mord an Christen durch glaubenstreue Mohammedaner mitten im 21. Jahrhundert, wird nach wie vor schweigend übergangen – um nicht zu sagen: wohlwollend hingenommen.

Massenhafter Mord? Ja, massenhaft. Massenhaft in völkermordmäßigem Umfang. Philosophia Perennis bringt am 27. August eine (zweifellos unvollständige) Zusammenstellung, nach der allein im Mai dieses Jahres 32000 Christen von mohammedanischen Mordbanden und Einzelterroristen abgeschlachtet oder in die Luft gesprengt worden sind. Größtenteils in Afrika südlich des Sahel, aber auch in arabischen Ländern und der Türkei, auf dem indischen Subkontinent und natürlich auch in Europa.

Feuer und Schwert sind seit seiner Entstehung Wesenselemente von Mohammeds Irrglauben. Das war so in der Zeit der kriegerischen Ausbreitung von Medina über den halben Mittelmeerraum und die hellenistische Welt, das war so während des ganzen Mittelalters bis weit in die Neuzeit hinein, und das ist auch heute wieder so, wo Phasen und Zonen der „friedlichen“ Landnahme und solche des blutigen Terors einander nach Opportunität abwechseln.

Und die Römer reiten ihre diplomatischen Steckenpferdchen. Kyrie eleison.

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Gewalttat im Gottesdienst

(25. 8.)

Screenshot

Im Zuge der jüngsten Rassenunruhen in den USA hat sich ein Trend – mehrfach dokumentiert auf Videos aus Überwachungskameras - etabliert, wonach jüngere kräftige Schwarze auf offener Straße ihnen unbekannte meist ältere Weiße mit Faustschlägen ins Gesicht traktieren.

Am letzten Sonntag traf es eine Lektorin in der 11 Uhr-Messe in der Kathedrale von Philadelphia, die auf dem Rückweg aus dem Altarraum zu ihrem Platz von einer schwarzen Frau zweimal geschlagen wurde. (verlinktes Video von der Facebook-Seite der Diözese; ab min. 32) Eine Reaktion der wenigen Gottesdienstteilnehmer in der praktisch leeren riesigen Kirche war nicht erkennbar. Erzbischof Nelson Perez, der beim Hochamt einem seiner Priester als Diakon assistierte, setzte die Messe ohne erkennbare Reaktion mit der Verlesung des Evangeliums fort. Bericht zum Vorfall auf Catholic World Report.

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Behörden des US-Staates Kalifornien haben am Montag zum 4. Mal versucht, als angebliche Abwehrmaßnahme gegen die Virus-Verbreitung die Schließung sämtlicher Kirchen durchzusetzen und sind zum 4. Mal vor Gericht gescheitert.

Am Rande Woche 28

Der Ritus von Lyon überlebt II

(12. 7.)

Bild:Aus dem im Artikel verlinkten Facebook-Auftritt der Petrusbruderschaft Lyon

Mitte der Woche verwiesen wir auf eine bei New Liturgical Movement gezeigte Bilderserie von einem levitierten Hochamt im Ritus von Lyon, das die Petrusbruderschaft am 5. Juli in ihrer Kirche in Lyon zelebriert hatte. (Hier die Dokumentation auf Facebook) Dabei vermissten wir eine Darstellung der Besonderheiten dieses Ritus im Ablauf der Zelebration. Genau eine solche Darstellung hat Shawn Tribe inzwischen auf seinem Blog Liturgical Arts Journal nachgeholt. Sein Artikel, der auch einige Bilder enthält, die in NLM nicht gezeigt worden waren, besteht aus zwei Teilen.

Der erste beschreibt Herkunft und Verwendung der insbesondere vom Altardienst getragenen besonderen Paramente von Lyon. Der zweite und in unseren Augen besonders aufschlußreiche versucht, die für den Ritus typischen Aktionen, Gesten und Bewegungen der Offizianten während der Zeremonien anhand der Bilder näher zu beschreiben. Wie Shaw selbst schreibt, reichen die verfügbaren Photos zu einer vollständigen Beschreibung der Abläufe nicht aus. Zusammen mit seinen Kommentaren und Hinweisen ergeben sie jedoch ein wesentlich vollständigeres Bild der Besonderheiten des Eigenritus in diesem ältesten (gegründet bereits im 2. Jahrhundert) und als Patriarchatssitz auch ehrwürdigsten Bistums Frankreichs.

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Der in diesem Zusammenhang konsultierte Wikipedia-Artikel zum Erzbistum Lyon besteht zur Hälfte aus nicht zum Thema gehörenden Ausführungen über die gegen den ehemaligen Erzbischof Kardinal Barbarin erhobenen Vorwürfe der Vertuschung von Mißbräuchen Den Vorwürfen und einer in erster Instanz erfolgten Verurteilung des Kardinals widmet Fakipedia breiten Raum; der in zweiter Instanz erfolgte Freispruch wird nur in verklausulierter Form erwähnt. Der Artikel ist somit ein weiteres Beispiel für die Gewohnheit des von linksradikalen Agitatoren dominierten Redaktionsteams der deutschen Wikipedia, ihre ideologischen Voreingenommenheiten auf Kosten von Sachinformation und Korrektheit zur Geltung zu bringen.

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Die zweite Eroberung

(10. 7.)

Bild:Aus dem lesenswerten Blog https://www.pallasweb.com/deesis/hagiasophia.html

 

Die wenige Stunden nach einem das ermöglichenden Gerichtsurteil erfolgte Umwidmung der zur Zeit als Museum deklarierten Hagia Sophia zur Moschee kann den Christen des Westens die Augen für zwei einfache Sachverhalte öffnen: Der Islam ist Todfeind des Christentums seit seinem Beginn, und er führt seinen Kampf gegen die Offenbarung des dreifaltigen Gottes mit allen Mitteln. Raub, Umwidmung und Zerstörung von Kirchen sind nur eines und nicht das blutigste davon – seit der Hedschra (das Wort bezeichnet sowohl Flucht als auch Eroberung) nach Medina im Jahr 622 haben die Anhänger des Propheten Millionen von Christen (und Juden) getötet – allein für die letzten Jahre werden Zahlen von mehr als 100 000 Opfern jährlich angegeben. Erklärungen des Friedens wie die von Abudhabi sind aus moslemischer Sicht nur Papier, genauer gesagt Taqiyya – Täuschung als Mittel der Kriegführung. Seit der Eroberung Konstantinopels 1453 ist die Hagia Sophia im Bewußtsein vieler Mohamedaner, gerade auch im einfachen Volk, die wertvollste Trophäe aus einem über tausendjährigen Krieg. Das macht sich der Despot Erdogan auch politisch zunutze.

Die zweite Erkenntnis: Anders als als die von falschen Aufklärern verbreiteten Mythen behaupten, ist die kultur- und zivilisationsbildende Kraft des Islam schwach entwickelt. Die Wirtschaft seiner Reiche beruhte in großem Umfang auf Sklavenhaltung, Tributerpressung und Kriegsbeute; ihre „Kulturleistungen“ bestehen wie auch an der großen Kathedrale von Konstantinopel zu sehen wesentlich auf der Aneignung von Eroberungen.  Wo dies misslang oder als uninteressant angesehen wurde, ist die frühere reiche Landschaft der von Griechen und Römern teils ererbten, teils selbst errichteten Stadtkultur des nahen Ostens mit der Islamisierung zur Wüste geworden. Die „zweite Eroberung“ der seit fast 600 Jahren entweihten Kirche der heiligen Weisheit aus der christlich-römischen Spätantike ist somit nicht nur Eingeständnis andauernder Aggressivität, sondern auch eines in eigenen kultureller und wissenschaftlicher Defiziten gründenden Minderwertigkeitskomplexes.

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Die Kirche verliert die Orden

(9. 7.)

Bild: von der Teitelseite des Blogs

 

Die deutschen Ordensober*innen haben getagt - online versteht sich - und es wurden Referate vorgetragen. Nicht die Referate selbst, aber einen kurzen Bericht über die Veranstaltung bringen unsere verläßlichen Freunde von katholisch.de, und nein, wir haben ihn nicht gelesen, denn wir sind auch schon ohne eine weitere Runde auf der Geisterbahn urlaubsreif.

Uwe C. Lay hat ihn gelesen, und bei jedem der dort gebrachten Auszüge aus den Referaten der Ordensober*innen standen ihm die Haare zu Berge. Trotzdem hat er sie in seinen Nachtgedanken kurz zitiert und kommentiert - wer dem nähertreten will, kann das auf eigenes Risiko dort tun. Wir beschränken uns auf die Wiedergabe von Lay's Fazit:

Was kann angesichts dieser Confusionen noch gesagt werden? Es ist der völlige Verlust der christlichen Religion und die Ersetzung durch einen seicht linksliberalen Moralismus zu konstatieren, politisch korrekt skizziert. Bezeichnend für das dem zugrunde liegende Weltbild ist ein naiver Dualismus von den Guten und den Bösen, daß die Opfer, die Unterdrückten, die Minderheiten immer die guten, die anderen so die Bösen sind. Die Aufgabe der Kirche ist so ihre (Selbst)Aufgabe, ihre Transformation in einen Hypermoralismus. (Vgl: Gehlen,Moral und Hypermoral).

Die Selbstsäkularisierung geht in die letzte Runde.

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Der Ritus von Lyon überlebt I

(8. 7.)

Bild:Aus dem zitierten Artikel auf NLM

 

Wie New Liturgical Movement mitteilt, hat am letzten Sonntag im Juni die Petrusbruderschaft in ihrer Kirche in Lyon ein feierliches Hochamt im traditionellen Ritus von Lyon zelebriert. Neben einer kurzen Einführung von Gregory Dipippo bringt das Magazin eine bemerkenswerte Reihe von 26 Photos, die zumindest einen kleinen Eindruck von den Besonderheiten dieser Lokalform der römischen Liturgie vermitteln. Dabei wird auch gezeigt, daß die Inhaber einiger Funktionen des Altardienstes über der Albe noch eine eigenartige Art von Stola tragen (Bild 11 der Serie), die zumindest von Ferne etwas an das aus dem Mittelalter überkommene Rationale einiger Bischöfe erinnert.

Da die Besonderheiten des Ritus von Lyon sich hauptsächlich in den zeitlichen Abläufen sowie in einer Reihe von Prozessionen und Bewegungen im Altarraum ausdrücken, können die Standphotos nur einen eingeschränkten Eindruck von den Abläufen der Lyoner Liturgie vermitteln. Diese setzt in der Vollform des Pontifikalamtes immerhin jeweils sieben Diakone und Subdiakone in Bewegung - von den zahlreichen anderen Altardiensten ganz zu schweigen. Eine ausführliche Darsterllung des Ritus findet sich auf dem Blog des RadTrad, der dem usus lugdunensis Im Jahr 2014 eine fünfteilige Serie gewidmet hat. Die einzelnen Teile sind über Google auffindbar.

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Im Montagskick...

(6. 7.)

Bild: Screenshot aus Youtube

 

...auf kath.net befasst sich Peter Winnenmöller wieder mal mit dem Synodalen Weg, dessen Scheitern inzwischen wohl auch von einigen Bischöfen ins Auge gefasst wird. Jedenfalls beginnt Würzburgs Jung schon einmal mit der Suche nach Schuldigen.

Während des allgemeinen Corona-Lockdown hat Winnenmöller zwei interessante Beobachtungen gemacht: Nachdem man einige Diskussionsrunden zum SW in Netz verlegt hatte, ohne die Teilnehmerrunde streng zu kontrollieren, mußten einige Theolog*innen irritiert zur Kenntnis nehmen, daß es doch tatsächlich Katholiken gibt, die ihrem unfehlbaren Lehramt widersprechen. Das kennen sie von ihren auf Linie getrimmten Fakultäten nämlich überhaupt nicht.

Zum zweiten sieht Winnenmöller nach der monatelangen "Gottesdienst-Quarantäne" Anzeichen dafür, daß der in den Vorjahren ohnehin bereits auf 9% gesunkene Gottesdienstbesuch sich in den kommenden Jahren noch einmal auf die Hälfte oder weniger reduzieren könnte - mit erwartbaren Folgen für die gesellschaftliche Position der Kirche.

Wie stets zur vollständigen Lektüre empfohlen auf kath.net.

Am Rande Woche 27

Wir entschuldigen uns...

(4. 7.)

...daß wir eine Woche lang unsere Freunde von katholisch.de vernachlässigt haben. Erinnern sie uns doch täglich daran, warum die Kirche damit aufhören muß, das II. Vatikanum zum Superkonzil zu überhöhen. Also - Ein paar Links aus den letzten acht Tagen:

Bischof Meier: Talente sind nicht ans Mannsein gebunden 

Anselm Grün: Keine theologischen Gründe gegen Frauenpriestertum 

Priester dürfen nicht das Maß aller Dinge sein 

Ellen Ammann: Eine Diakonin in der katholischen Kirche 

"Dienst" oder Befreiungstat? Wir brauchen eine Theologie der Macht 

Erzbischof Welby: "Jesus war kein Weißer" 

US-Bischöfe fordern Reformen gegen Rassismus und Polizeigewalt 

Theologe zu Rassismus-Debatte: Kirchenlieder auf den Prüfstand 

Moraltheologe für bewussten Fleischkonsum: 400 Gramm pro Woche 

Wie aus einem katholischen Mädchen ein evangelischer Pfarrer wurde 

Sonst noch Fragen?

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Msgr. Georg Ratzinger R.I.P.

(1. 7.)

Bild: Wikimedia Commons by Ricardo.ciccone, CC BY-SA 4.0

 

Msgr. Georg Ratzinger ist am heutigen Mittwoch im Alter von 96 Jahren in Regensburg gestorben. 

Deus, qui inter apostolicos sacerdotes famulum tuum Georgium sacerdotali fecisti dignitate vigere: praesta quaesumus: ut eorum quoque perpetuo aggregetur consortio. Per Christum, Dominum nostrum. Amen.

Eine Zusammenstellung von Nachrufen bringt das Beiboot Petri.

Auf Youtube gibt es zahlreiche Filme aus der Zeit des Wirkens von Georg Ratzinger als "Chef" der Regensburger Domspatzen. Hier ein kurzer Film, der einen Eindruck von seinem damaligen Wirken vermittelt:

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Vatikan II am Ende

(29. 6.)

Bild: KNA_132695

 

Die Diskussion über Stellenwert und Verbindlichkeit der Texte des 2. Vatikanums hatte eingesetzt, bevor das Konzil überhaupt abgeschlossen war, und hat seitdem nicht wieder aufgehört. In den letzten Wochen – sei es wegen des allgemeinen Corona-Stresses, sei es wegen der immer unerträglicher werdenden Entwicklung in wichtigen Ortskirchen wie der deutschen – hat sich die Debatte enorm zugespitzt. Die kirchliche Linke hält sich bei alledem vornehm zurück – im gegenwärtigen Pontifikat scheint zwar nicht alles, aber doch vieles nach ihren Wünschen zu laufen.

Umso heftiger werden die Auseinandersetzungen innerhalb des traditionsorientierten Bereichs – dramatisch zugespitzt durch eine Replik Viganos auf einen ihm zu gemäßigt erscheinenden Beitrag von Weihbischof Schneider zu den Konzilsaussagen über die Religionsfreiheit und einen Briefwechsel des Erzbischofs mit dem italienischen Rechtsprofessor Paolo Pasqualucci. In letzterem scheint Vigano die vollständige Verwerfung des II. Vatikanums zu fordern – so versteht es zumindest Sandro Magister in einer soeben veröffentlichten Intervention, und sieht darin Anlaß, vor einem Abdriften in Sedisvakantismus und Schisma zu warnen. Dem will sich Peter Kwasniewski so nicht anschließen: Auch er hält das II. Vatikanum für „nicht zu retten“ und schlägt vor, nach Wegen zu suchen, seine Dokumente als historisch überholt und nicht mehr relevant zu erklären, ohne dabei in die Irrtümer zu verfallen, vor denen Sandro Magister zu Recht gewarnt hat.