Am Rande - Woche 21

Der neue Kulturkampf...

(22. 5.)

Bild: Aus dem zitierten Artikel auf Kath.net....von dem Michael Hesemann im Zusammenhang mit den erneuten Angriffen auf Pius XII. schreibt, ist so neu eigentlich nicht: Er wid seit 1789, in Deutschland spätestens seit Bismacrk, nur gelegentlich durch Waffenstillstände unterbrochen. Neu ist zum einen das Ausmaß, in dem dieser Kampf auf alle Lebensbereiche ausgedehnt worden ist - Gendersprache und Homoehe nur als Beispiele. Auch Gottesdienstverbote zur Seuchenbekämpfung lassen sie hier einordnen. Vor allem aber neu ist, in welchem Umfang der Kampf gegen Gott und Kirche von innerkirchlichen Akteuren untestützt wird.

In Deutschland tun sich dabei einzelne Bischöfe besonders hervor und haben es geschafft, die ganze Bischofskonferenz auf ihren Kurs zu verpflichten. Und so wundert es einen denn nur begrenzt, daß der Münsteraner Märchenerzähler Kirchenhistoriker Hubert Wolf, der jetzt mit seinen unhaltbaren Fakes durch die Medien gereicht wurde, für seine „Forschungsarbeiten“ auch noch Geld von der Bischofskonferenz erhält - während gleichzeitig seriöse Historiker in ihren Arbeiten und bei Veröffentlichungen behindert werden. Mehr und vor allem viele Fakten dazu sind nachzulesen auf kath.net

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Ritus oder Rituskirche?

(20. 5.)

Bild: CNS/Paul/Harig, aus dem zitierten Artikel auf CWR

Auch wenn der „amazonische Ritus“ im päpstlichen Schlußdokument zur Synode keine große Rolle spielt - die Bemühungen, einen solchen Ritus per Komittee zu schaffen und einzuführen, gehen weiter. Die bloße Tatsache, daß Franziskus sich zu dem Thema nicht speziell geäußert hat, bedeutet noch lange keinen Schlußstrich. Dabei wird es immer offensichtlicher, daß einige Protagonisten der Idee nicht nur auf eine „Bereicherung“ liturgischer Riten durch mehr oder weniger glücklich inkulturierte Elemente der amazonischen Geistes(und Geister-)welt aus sind, sondern eine eigene Rituskirche schaffen wollen. Mit eigener Struktur und eigenem Recht, Frauenweihe und Zölibatsverzicht inklusive. Und natürlich als Vorbild für andere Flußregionen wie etwa das doch ebenfalls höchst missionsbedürftige wilde Rheinland.

Fr. Vincent Twomey SVD, der viele Jahre als Missionar in schriftlosen Gesellschaften mit ähnlichen Fragen zu tun hatte, wie sie jetzt zu Amazonien vorgetragen werden, hat sich auf Catholic World Report zu einigen der sich hier stellenden Problemen geäußert. 

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Doppel ohne Moral

(19. 5.)

Bild: Screenshot bei ebay-canada

Texas – Atheist soll hingerichtet werden. Portugal: Minister fordert Erschießung von Gotteslästerern. Berlin: Ungläubiger Autor für vogelfrei erklärt.

Solche Schlagzeilen klingen nach Fakenews – obwohl einem beim Berliner Beispiel schon Ähnlichkeiten zum einen oder anderen aktuellen Fall durch den Kopf gehen könnten, freilich nicht mit religiösem Hintergrund.

Keine Fakenews wären solche Schlagzeilen, wenn statt der westlichen Ortsnamen solche aus der mohamedanischen Welt  da stünden. Allerdings schaffen es diese ganz und gar realen Nachrichten nur in seltenen Fällen in unsere Nachrichten, in die Schlagzeilen fast nie. Weil wir es eh schon wissen? Oder weil wir es lieber nicht wissen wollen?

William Kilpatrick hat auf Catholic World Report einige Beispiele zusammengetragen und sich seine Gedanken dazu gemacht.

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Weltkarte des Martyriums

(17. 5.)

Bild: Screenshot

Ein italienischer Student hat auf der Grundlage aktuieller Materialien (Martyrologium Romanum und vatikanische Akten) eine „Weltkarte der Märtyrer“ erstellt, die die geographische Verteilung der in seinem Material erfassten martyria darstellt. Auf den ersten Blick könnte man denken, daß dabei nur das alte Imperium Romanum eine Rolle spielt - der zweite Blick macht das weltweite Phänomen sichtbar.

Die Karte enthält Ansätze zur Interaktivität: Man kann sich z.B. nur die martyria des 20. Jh. anzeigen lassen - ein bemerkenswerter Eindruck. Weitere Informationen zur Karte bringt messa in latino.

Ein Vorschlag für alle, die die Idee gut finden und an ihrer Weiterentwicklung mitarbeiten wollen: Wie wäre es, wenn die roten Punkte nicht nur einfach rote Punkte wären, sondern Links, die Seiten aufrufen, die den Ort selbst und einzelne Märtyrer dieses Ortes vorstellen? 

Am Rande - Woche 20

Sozial relevant

(15. 5.)

Bild: Christoph Müller, Wikimedia, CC BY-SA

Wolfgang Thierse, früherer Bundestagspräsident und verrenteter SPD-Politiker, hat den Kirchen bescheinigt, sie hätten „auch in Demokratien noch längst nicht ausgedient“. Als Schwerpunkte ihres Dienstes sieht er die „Motivation für soziales Engagement, Sensibilität für Mitleiden und Vergeben, und normative Bindekraft für eine zerklüftete Gesellschaft.“

Die Redakteure von siewissenschonwo sind begeistert und referieren den Flachsinn in byzantinistischer Ausführlichkeit. Uwe C. Lay hat es gelesen, gelacht und etwas dazu aufgeschrieben. Wer mitlachen will - bitte hier.

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Requiescat in Pace

(13. 5.)

Bild: John Sonnen, Orbis Catholicus Secundus

Kardinal Sarah vollendet am kommenden 15. Juni sein 75. Lebensjahr. Seine reguläre Amtszeit als Präfekt der Gottesdienstkongregation wäre bereits im vergangenen November abgelaufen. Allgemein rechnet man in Rom damit, daß Papst Franziskus jetzt im Juni einen Nachfolger für den ungeliebten Afrikaner ernennt.

Der römische Gerüchtemarkt handelt derzeit zwei mögliche Kandidaten. An erster Stelle steht danach der 55-jährige Bischof von Tortona, Vittoria Viola, dem der direkte Bugnini-Schüler und Mitarbeiter Luca Brandolini anläßlich seiner Bischofsweihe den Bischofsring des verehrten Meisters überreichte. Mehr dazu bei katholisches.info

Auf dem zweiten Platz steht – so sehen es die Kollegen von Messainlatino  – der Liturgologe Andrea Grillo, der nicht nur einer der bewährtesten Feinde der überlieferten Liturgie ist, sondern als Laie auch besonders geeignet wäre, die gnadenlose Reformsymbolik dieses Pontifikats zu verkörpern. Für ihn spricht nach einem von Grillo auf seinem Blog nachpublizierten Artikel aus Portugal, daß er, Grillo, „einer der brillantesten und sensibelsten Liturgiker nach dem zweiten Vatikanischen Konzi“ sei und „einer der wenigen, die den Mut haben, die neo-tridentinischen Tendenzen wirksam anzuprangern.“ Das hätten wir aber nicht von ihm gedacht!

Nun ja,  wie das mit Gerüchten so ist. Gut möglich, daß der Papst noch ein anderes Kaninchen aus der Mitra zieht, und fast sicher, daß auch Sarahs Nachfolger nichts tun kann, was Franziskus mißfällt. Und ganz sicher, daß die überlieferte Liturgie auch dann nicht mehr abzuschaffen ist, wenn der Geist Bugninis selbst zurückkehrte. In diesem Sinne: Er ruhe in Frieden.

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Ohne vier, gespielt fünf

(11. 5.)

Bild: aus dem zitierten Artikel von kath.net

Der Theologe Helmut Müller, Autor der gegenwartskritischen Ideensammlung Zeitgerecht statt zeitgemäß, hat bei kath.net einen satirischen Seitenblick auf die Kartentricks des Freiburger „Fundamentaltheologen“ Magnus Striet geworfen:

Magnus Striet liebt in der Theologie offensichtlich die Nullvarianten wie manche Skatspieler im Skat. Das Nullspiel ist bis 23 reizbar, Nullhand bis 35, Null-ouvert bis 46 und wenn das Blatt es hergibt, Revolution bis 96. Für Nichtskatspieler bedeutet das, wie bei Nietzsche die „Umwertung aller Werte“, und zwar Stück für Stück, wie man beim Skatspiel reizt, und wenn man ein günstiges Blatt auf der Hand hat sogar bis 96 reizen kann. Dann spielt man Revolution.

Das Gegenstück zum „Null-Spieler“ Striet sieht Müller im „Farbenspieler“ Ratzinger:

ein Spiel mit vier Buben und nicht mal aus der Hand, kann man bis 120 reizen und damit Revolution überbieten.

Der Vergleich der Theologie mit dem Kartenspiel mag ungewohnt erscheinen – aber so, wie Müller das angeht, hat das was. Am besten in seiner ganzen Hintergründigkeit auf kath.net nachlesen.

Am Rande - Woche 19

Sakrilegisches

(8. 5.)

Bild: Aus dem Bericht auf NLM

Peter Kwasniewski hat heute auf New Liturgical Movement einen niederschmetternden Bericht über die phantasievollen Formen der Kommunionspendung, die derzeit in einigen Gemeinden praktiziert werden. Einige davon dürften im Widerspruch zum Kirchenrecht stehen, anderer jedenfalls zum Inhalt dessen, worum es hier geht: Der Priester verteilt schließlich keine Kekse, sondern reicht den Gläubigen den Leib des Herrn. Die Illustrationen zu dem Artikel hat Kwasniewski übrigens von einer Gläubigen aus Deutschland erhalten - wieder einmal Weltmarktführer?

Nicht unbedingt. Rorate Cæli bringt einen Brief von Fr. John Rao an Freunde des „Roman Forum“, dem zu entnehmen ist, daß es zumindest in den USA ähnlich zugeht. Und Rao hat eine treffliche Erklärung für das sakrilegische Vorgehen vieler Bischöfe und Priester:

Zugegeben – sie sind von einer Art „heiliger Furcht“ erfasst — nämlich der Furcht, daß im Fall, daß sie die Tore ihrer „Kirchen der Erneuerung öffnen – die normalerweise so leer sind, daß „social distancing“ nicht schwer fällt – daß dann jemand behauptet, angesteckt worden zu sein und sie auf Schedenersatz verklagt. Und das wäre dann wirklich eine Katastrophe.

In Deutschland ist es vielleicht weniger die Furcht vor Klagen, sondern vor Presseberichten, die endlich die Kirche als den Schuldigen ausgemacht hätten. 

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Bemerkenswerte Fronten

(7. 5.)

In einem Kommentar der Tagespost nimmt Guido Horst Stellung zu der bemerkenswerten Entwicklung in Italien, wo die Bischöfe energisch eine Freigabe des Gottesdienstbesuchs in Übereinstimmung mit anderen Restriktionsaufhebungen verlangt haben - und dann von Regierungschef Conte und Vatikanchef Franziskus gemeinsam zum Rückzug gezwungen wirden. Horst schließt mit den Worten:

Symbol für die Niederhaltung der Kirche Italiens durch das stillschweigende Bündnis zwischen Vatikan und Staat ist der Petersplatz, der einzige der öffentlichen Plätze des Landes, den man nicht betreten darf. Warum das so ist? Eine Frage, die niemand beantworten kann. Und der Petersdom? Wo im Mai viele vor dem Grab des vor hundert Jahren geborenen Karol Wojtyla beten würden – mit Gesichtsschutzmaske und Sicherheitsabstand. Der Vatikan lässt es nicht zu. Franziskus bleibt vorerst der einzige, den man via Fernsehen und Livestream täglich virtuell erleben kann. 

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Benedikt Bio - erste Reaktionen

(6. 5.)

Bild: Detail aus Luca Signorelli: Die Taten des Antichrist

Die soeben erschienene Ratzinger-Biographie von Peter Seewald enthält auch Material aus Gesprächen, die der Autor in jüngster Zeit (2018 und 2019) mit dem Ex-Papst geführt hat. Diese Teile finden naturgemäß größte Beachtung. Maike Hickson zitiert ausführlich Sätze, in denen Benedikt Erscheinungen der westlichen Gegenwartsgesellschaft – Diktatur des Relativismus, Genderwahn, Kultur des Unfruchtbaren und des Todes, Christenverfolgung – in Zusammenhang mit dem Wirken der Kraft des Antichristen setzt. Auch Antonio Socci ist dieser aktuelle Schwerpunkt aufgefallen. In den wütenden Angriffen der (Pseudo) Liberalen in Staat und Kirche gegen diese Aussagen erblickt er ihre Bestätigung. —

Besonders schwer getroffen sieht sich die Deutschkirche. Redakteur Felix Neumann von Sie-Wissen-Schon-Wo bescheinigt dem Papa Emeritus, wegen seiner Ablehnung der Homo-Ehe in Widerspruch zur Weltoffenheit des 2. Vatikanischen Konzils zu stehen und Menschenrechte zu beschädigen. Und der „Theologe“ Magnus Striet sieht die Chance, durch eine schwindelerregende intellektuelle Pirouette Punkte bei denen zu sammeln, an deren Wohlwollen ihm offenbar besonders gelegen ist. In der praktisch ohne traditionelles Präzedenz erfolgten Form der Abdankung Benedikts, so deutet er an, könne man auch eine von diesem gewollte Berechtigung und Aufforderung dazu erblicken, „Tradition innovativ zu erweitern“. Etwa in Richtung „Diakoninnen und Priesterinnen“, „moraltheologische Akzeptanz homosexueller Lebensgemeinschaften“ sowieso.

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Klare Verhältnisse?

(5. 5.)

Mit einer Verfügung der Glaubenskongregation sind jetzt die Einrichtungen des Belgischen Laienordens „Bruderschaft der Barmherzigkeit“ dazu verpflichtet worden, sich nicht mehr als „katholisch“ zu bezeichnen. Die psychiatrischen und geriatrischen Kliniken der Bruderschaft hatten darauf bestanden, die von der staatlichen Gesetzgebung in Belgien erlaubten, von der Kirche jedoch strikt verbotenen Möglichkeiten zur „Euthanasie“ anwenden zu können. Von daher ist die römische Entscheidung uneingeschränkt zu begrüßen.

Offen bleibt zunächst, welche praktischen Auswirkungen das haben wird. Nicht die Laienbruderschaft, sondern ein gleichnamiger Verein, der überwiegend von nicht der Bruderschaft angehörendem medizinischem Personal geleitet wird, ist rechtlicher Träger der Kliniken. Der Konflikt bestand also weniger zwischen der Bruderschaft insgesamt und Rom als zwischen der mehr geistlichen und der mehr weltlichen Seite innerhalb der Doppel-Bruderschaft. Die „geistliche Seite“ hat nun angekündigt, „schweren Herzens die Einrichtungen aufzugeben“. Seit dem deutschen Verwirrspiel um die Abtreibungsberatung von Donum Vitae weiß man, daß solche Ankündigungen oder Erklärungen nicht immer das bedeuten, was sie zu sagen scheinen.

Ausführlicher Bericht beim National Catholic Register. 

Am Rande - Woche 18

Ein Leben

(3. 5.)

Seit heute ist die über 1000 Seiten starke Biographie von Peter Seewald über Joseph Ratzinger / Benedikt XVI. auf dem Markt. Wir haben sie bestellt, aber natürlich noch nicht gelesen. Beeindruckt waren wir von der heute veröffentlichten Besprechung von Guido Horst bei CNA deutsch. Er versucht weder eine Nacherzählung noch eine detaillierte Würdigung der umfangreichen Biographie  - beides wäre zum gegenwärtigen Zeitpunkt weder möglich noch sinnvoll. Horst gibt eine wertvolle Lesehilfe, indem er die Aufmerksamkeit des Lesers auf die ersten 300 Seiten des Buches lenkt, die Leben und Arbeit des Jungen Gelehrten beschreiben. Sie machen verständlich, wie Ratzinger das geworden ist, was er ist, und leisten wertvolle Hilfe für das Verständnis eines ganzen langen Lebens. 

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„Bekennende“ Kirche 2.0

(1. 5.)

Schon beim Blick auf die Überschrift: „Deutsche Bischöfe bekennen Mitschuld am zweiten Weltkrieg“ überkommt einen Reue, entgegen allen guten Vorsätzen doch wieder das Verlautbarungsorgan des Deutschkatholizismus angeklickt zu haben. Wie soll das gehen, Mitschuld? Kein einziger heute amtierender deutscher Bischof war im Jahr des Kriegsbeginns bereits geboren, und wahrscheinlich auch keiner an dem Tag vor 76 Jahren, als der Krieg in Europa schließlich endete. Da gibt es für die Deutschen Bischöfe nichts zu bekennen und nichts zu entschuldigen.

Schon der erste Satz gibt Aufschluß, wie es gemeint ist: „Indem die Bischöfe dem Krieg kein eindeutiges 'Nein' entgegenstellten, sondern die meisten von ihnen den Willen zum Durchhalten stärkten, machten sie sich mitschuldig am Krieg“. Das Entschuldigungs-Papier der Bischöfe ist nichts anderes als eine aus sicherem historischem Abstand erhobene dreiste Beschuldigung ihrer Vor-Vorgänger, sie hätten nicht genug gegen den Faschismus, seine Kriegsvorbereitungen und seine Kriegsführung getan. Das mag im Einzelfall sogar zutreffen – die „Gnade der späten Geburt“ schärft den Blick.

Doch „die deutschen Bischöfe“ pauschal der Mitschuld am Krieg zu beschuldigen und sich dann das schicke Büßerkleid des zur Einsicht gekommenen reuigen Sünders überzuziehen, das ist Heuchelei in ganz großem Stil. Oder auch Ausdruck von Größenwahn, Symptom maßloser Überschätzung der eigenen und der Vorgänger Bedeutung und Handlungsmöglichkeiten. Und in jedem Fall, wie in der Corona-Krise bereits durchexerziert, lustvolle Kapitulation vor dem Zeitgeist seitens einer Gruppierung, der jeder eigene Geist völlig abhanden gekommen ist.

Insoweit wenn schon kein „historischer“, so doch ein weiterer und durchaus konsequenter Schritt auf dem Weg zur NGO von Säkularstaats Gnaden.

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Frisches Gerücht

(29. 4.)

Bild: Vatican News

Wenn auch nur die Hälfte der etwa 4000 Diözesen die Anfrage der Glaubenskongregation zum Stand der überlieferten Liturgie beantwortet, haben die Mitarbeiter dort bei der Auswertung ganz schön zu tun. Die Kongregation hat daher, wie es heißt, eine mit Externen besetzte Arbeitsgruppe gebildet, die das Material sichten und aufbereiten soll. Den Vorsitz der Gruppe soll einer der letzten lebenden Bugnini-Schüler übernehmen: Erzbischof Piero Marini, lange Jahre oberster Zeremoniar bei Papst Johannes Paul VI. und in dieser Eigenschaft einer der Hauptverantwortlichen für die Gestaltung der Novus-Ordo-Liturgie im Geiste von Gemeindeorientierung und Horizontalität. Auch der Name eines Mitglieds der Arbeitsgruppe wird in römischen Kreisen bereits genannt: Andrea Grillo, liturgisch eher ungebildeter aber extrem machtbewußter Professor für Liturgie an St. Anselmo, Koordinator und „graue Eminenz“ der Angriffe auf Summorum-Pontificum und ihm verhaßte überlieferte Liturgie.

Überraschen kann die Personalie niemanden, gilt Grillo doch allgemein als Anstifter der Fragebogenaktion. Ein sicheres Präjudiz für deren Ausgang bildet sie eher nicht: Papst Franziskus ist zwar alles andere als ein Freund der alten Messe, aber er ist überhaupt liturgisch uninteressiert und anscheinend wenig geneigt, sich auf diesem Feld in kräftezehrende Kämpfe einzulassen. Ungeliebte Themen in Arbeitsgruppen zu begraben gehört zu den erprobten Strategien der kurialen Bürokratie.

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Am Rande - Woche 17

Als nützlicher Idiot...

(24. 4.)

Bild: KNA, aus dem zitierten Ertikel von Katholisch.de

... des längst verflossenen Desinformationsdienstes KGB der ebenfalls verflossenen Sowjetunion betätigt sich wieder einmal der Münsteraner Priester und Kirchenhistoriker Hubert Wolf, um Papst Pius XII. in das Umfeld der Beschweiger, wenn nicht gar Mitschuldigen des Judenmordes zu ziehen. In einem groß herausgebrachten Interview der früher einmal renommierten Wochenzeitung Die Zeit stellt er Behauptungen auf, die von Historikern, die sich wissenschaftlich seit Jahren mit dem Gegenstand beschäftigen, mit Leichtigkeit als grob falsch zurückgewiesen werden können - obwohl ihm die tatsächlichen Sachverhalte bekannt sein müßten. Vulgo: Der Herr Professor lügt.

Und da seine Darstellung so gut in den Streifen der deutsch-bischöflich besoldeten Glaubens-Dekonstruktivisten von katholisch.de passt, käuen die auch brav wieder, was ihnen da vorgekaut wurde. Auch nicht wirklich überraschend, aber in seiner einfallslosen Dreistigkeit dann irgendwie doch. Wer lesen will, was es mit der Sache wirklich auf sich hat, wird besser informiert von Michael Hesemann auf kath.net und Michael Feldkamp in der Tagespost.

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Waren es die Banken?

(21. 4.)

Bild: AP-News

Nicht zum ersten Mal gibt es Berichte, daß das internationale Finanzsystem den Rücktritt von Papst Benedikt erzwungen haben soll. Daß darüber heute auch beim Marco Tosatti, einem eher kritischen und nüchternen Beobachter, geschrieben wird, verleiht ihnen zusätzliches Gewicht.

Tatsache ist jedenfalls, daß im Februar 2013 der Vatikan vom internationalen Zahlungssystem SWIFT ausgeschlossen wurde. Nichts ging mehr, der Vatikanstaat stand vor einem Finanzkollaps, selbst die Geldautomaten waren tot. Unmittelbar nach der Rücktrittsankündigung und noch vor der Wahl des Nachfolgers wurde die Blockade aufgehoben. Das Leben ging weiter.

Über die Gründe gibt es nur Spekulationen. Die Vatikanbank wird immer wieder und wohl kaum grundlos in Zusammenhang mit dubiosen Geschäften der Mafia gebracht – aber reicht das dazu, den Vatikan auf eine Stufe mit Terrorstaaten wie Iran und Nordkorea zu stellen? Oder war Benedikt wegen seines Festhaltens an Lehre und Tradition der Kirche den Kräften der globalen Säkularisierung so unerträglich? Darauf wissen auch Tosattis Gewährsleute keine Antwort außer der zusätzlichen Spekulation, es habe vielleicht die innerkirchliche Opposition in Gestalt der St. Gallener Mafia ihre Verbindungen spielen lassen.

Die Gültigkeit von Benedikts Rücktritt selbst und der Wahl seines Nachfolgers sieht Tosatti übrigens nicht in Frage gestellt – nun ja...

Die ganze Geschichte im Original bei Stilum Curiae und auf Deutsch beim Beiboot Petri.

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