Am Rande Woche 26

Ein Thema der Woche...

(27. 6.)

... die heute zu Ende geht, war die Veröffentlichung von Zahlen , nach denen im letzten Jahr mehr Menschen förmlich aus der Kirche ausgetreten sind, als je zuvor: 272000 gegenüber dem bisherigen Höchststand von 217 000 im Jahr 2014. Insgesamt – die Zahl der Taufen kann die Abgänge durch Tod längst nicht mehr kompensieren – zählt die deutsche Kirche 400 000 Köpfe weniger als im Jahr zuvor. In amtlichen Texten gibt man sich entsetzt oder zumindest zerknirscht, aber an einem halten alle unverbrüchlich fest: Der bisherige Kurs war richtig, und in Zukunft wird man ihn noch konsequenter verfolgen. Michael van Laack hat dazu auf Philosophia Perennis das Nötige gesagt.

Zweites Thema der Kirchenwoche waren die beim „Ständigen Rat der deutschen Bischofskonferenz“ ventilierten Pläne für eine bundesweite Neuausrichtung der Priesterausbildung. Sie orientieren sich an den dramatisch gesunkenen Zahlen der Priesteramtskandidaten und laufen letztlich darauf hinaus, nur noch drei Seminare zu erhalten. Bereits die ersten Echos zeigten, daß die Planer es versäumt hatten, einen Blick über den Tellerand ihrer Spreadsheats hinaus zu werfen: die Bayern sprachen ein kräftiges Mir san mir, Bischof Fürst will auf jeden Fall Tübingen bewahren und Bischof Neymeyr aus Erfurt beschwerte sich, daß man wieder einmal den Osten vernachlässigt habe...

Besonders pikant der Einwand von Professorin Johanna Rahner, deren Kritik in der Hauptsache monierte, die Pläne könnten die Stellung der Fakultäten für Theologie an den Hochschulen beschädigen – keine neue Stellen mehr, statt dessen Streichungen und Kürzungen, und ausgerechnet in der „Wissenschaft“.

Das, immerhin, wäre doch ein Hoffnungsschimmer.

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Aufruf zum Widerstand!

(24. 6.)

Bild: KNA/Lars Berg - aus dem genannten Artikel auf katholisch.de

 

Bischof Ackermann von Trier, der in Sachen Bistumsumbau besonders radikale Pläne entwickelt hatte, mußte Anfang des Monats in Rom feststellen, daß auch im gegenwärtigen Pontifikat nicht alle rechtlichen und theologischen Vorgaben zur Disposition stehen. Ackermann muß - zumindest formal - einige Abstriche an seinem Konzept machen.

Der Münsteraner Kirchenrechtler Schüller, der als einer der Inspiratoren hinter Ackermanns Konzept gilt, ist empört, und ruft als guter Jurist zum Aufstand gegen Rom auf. Ihm erscheint der römische Einspruch „sinnfällig für das feudalherrschaftliche und zugleich zentralistische Gebaren der römischen Kurie“. Einzelne Kuriale hätten wohl „Kindheitserinnerungen an den Pfarrer im Dorf 'romantisch verklärt' und 'zur Richtschnur römischer Gängelei' gemacht“, wie katholisch.de referiert. Und zum feierlichen Abschluß: „Hier wird Widerstand zur Pflicht.“

Und bei all dieser Großsprecherei merkt der Mann wohl noch nicht einmal, wie sehr er in den inzwischen stark angegammelten Stiefeln der vaterländischen Deutschkatholiken des 18. und 19. Jahrhunderts steckt, an deren Namen sich zu Recht kaum noch jemand erinnert. 

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5 Jahre „Laudato Si´“

(22. 6.)

Bild: Logo der Website

 

Ein ganzes Jahr lang sollen in Rom Veranstaltungen die im Mai 2015 erschienene Enzyklika Laudato Si´ ins Bewußtsein rufen. Ziemlich viel für ein fünfjähriges Jubiläum, und doch verständlich, ist LS doch die einzige bis jetzt vom gegenwärtigen Pontifex selbst verfaßte Lehrschrift.

Als kirchliche Lehrschrift freilich eher zweifelhaft, wie Andrea Gagliarducci in seinem dieswöchigen Kommentar auf Monday Vatican feststellt, bergen Form und Inhalt des Textes doch „das Risiko, daß der pragmatische Zugang den religiösen Inhalt überdeckt“, wie Gagliarducci überaus höflich feststellt. Und weiter: 

Das ökologische Thema war für Papst Franziskus vor allem als eine allgemeine Herausforderung für die Menschen des Amazonasgebietes wichtig.

Die Veröffentlichung von Laudato Si markiert einen idealen Weg, der den Weltjugendtag nach Panama und zur Sondersynode für die Panamazonas-Region führte. Integraler Umweltschutz ist Papst Franziskus wichtig, weil er ein Mittel dazu ist, den Träumen Bolivars näher zu kommen, alle Menschen Amazoniens zu vereinen und einen großen Lateinamerikanischen Kontinent zu formen, der die indigenen Völker nicht marginalisiert und ein Führer für die Welt sein kann.

Deutsch wie jede Woche auf Beiboot Petri.