März

Auf eigenen Füßen

Bild: aus dem genanten Artikel von Catholic World and News Report

(1. 3. 2021)

Die Totenmesse „corpore praesente“ war früher die Regel, oft nach mehrtätiger Aufbahrung des Toten im offenen Sarg in der Kirche, um allen Mitgliedern der Gemeinde Möglichkeit zum Abschied zu geben. Gewandelte Vorstellungen von der Bestattung und rigide bürokratische Hemmnisse haben diese Art der Totenmesse inzwischen zu einer absoluten Ausnahme gemacht. Eine solche Ausnahme ereignete sich am 1. Fastensonntag in einer Pfarrkirche in Mexico City.

Der 60-jährige Juan hatte die kleine Kirche eine halbe Stunde vor Beginn der Sonntagsmesse betreten, war am Eingang nieder gekniet und dann – wie das in vielen spanisch-sprechenden Ländern üblich ist – auf Knien nach vorne zum Altar gerutscht, um zu beten. Dort angekommen, fiel er um und war tot – so bestätigte es der schnell herbeigerufene Notarzt. (Quelle)

In Mexiko gelten ähnlich wie hier Vorschriften, die bei außergewöhnlichen Todesfällen eine amtliche Untersuchung verlangen – bis zu deren Abschluß darf am „Fundort“ nichts verändert werden.  Kurzentschlossen disponierte der Gemeindepfarrer um und hielt zum regulären Zeitpunkt statt der Messe vom Sonntag eine Totenmesse; der Körper des Toten wurde wie bei Ofern von Unfällen oder Verbrechen notdürftig mit einem weißen Tuch bedeckt, zu seinen Füßen stellte man eine Kerze.

Natürlich entstand von der denkwürdigen Totenmesse ein Handybild, das wir hier schamlos ausbeuten (Zum Vergrößern anklicken). Es gleicht auf beklemmende Weise den Bildern von der ewigen Profess bei einigen traditionsorientierten Ordensgemeinschaften, bei denen über dem vor dem Altar ausgestreckt liegenden Neumitglied ein Leichentuch ausgebreitet wird, um anzuzeigen, daß sie der Welt und all ihrem Glanz gestorben sein sollen.

Der Herr sei der Seele von Juan, der auf eigenen Füßen zu seiner Totenmesse gekommen war, gnädig und hebe ihn von den Knien auf.

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Malen mit Zahlen

 (3. 3. 2021)

Das Kesseltreiben gegen Kardinal Woelki wegen dessen realistisch-skeptischer Haltung zum synodalen Irrweg nimmt täglich absurdere Formen an. Kürzlich war sogar zu lesen, die Kirchenaustrittstellen der Kölner Stadtverwaltung seien überlastet und müßten Termine im näöchsten oder übernächsten Monat vergeben, um der Flut der fliehenden gerecht zu werden. Amtsbrüder Woelkis schlossen sich an und beklagten, die Vorgänge (welche eigentlich?) in Köln rissen die ganze „deutsche Kirche“ in den Abgrund. Die Dreckschleudern von katholisch.de titeln heute zum Jubeltag des geliebten großen Vorsitzenden und weisen Führers Bätzing: Zwischen Corona und Köln - Bischof Bätzing ein Jahr DBK-Vorsitzender. Was ist wohl die größere Katastrophe?

Regina Einig von der Tagespost hat die auch von der säkularen Presse begierug aufgenommene (oder haben sie sie sogar in die Welt gesetzt?) fake-news von dem Ansturm zum Kirchenaustritt unter die Lupe journalistischer Sorgfalt gelegt und bei den für Kirchenaustritte zuständigen Amtsgerichten nachgefragt: Nein, die Kirchenaustrittszahlen sind in diesem Jahr nicht höher als in den Vorjahren, eher niedriger, alles im Rahmen der Schwankungen von Jahr zu Jahr. Ja, Terminverlagerungen hat es geben, auch die Ämter sind in ihrer Arbeitsfähigkeit duch Corona eingeschränkt - und, so vermuten wir, die weniger lebenswichtigen besonders.

Aus dem Fazit ihres unbedingt lesenswerten Artikels:

„Angesichts der radikalen Bestrebungen des Synodalen Wegs, die verstärkte Aufmerksamkeit aller Gläubigen verlangen verbietet sich eine Vernebelungstaktik, die durch Maximen wie "Köln überlagert alles" (Bischof Peter Kohlgraf) begünstigt wird. Während der Synodale Weg offenbar schleichend in einen apostatischen Trampelpfad mündet, starrt die Öffentlichkeit gebannt auf den Fall Köln.“

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Irrweg oder Holzweg?

 

Bild: Jerome Fest,CC BY-NC-ND)

(5. 3. 2021)

Der anscheinend unaufhaltsam ins Schisma führende Irrweg des deutschen Staatskatholizismus findet auch im Ausland zunehmende Aufmerksamkeit. Andrea Galgiarducci hat in seinem Monday Vatican von dieser Woche die Entwicklung aus der Sicht eines Vatikanisten beleuchtet. Einer der Kernsätze seiner Analyse:

„Die Kirche in Deutschland setzt eine säkulare Sicht der Realität der Kirche um. Die Sakramente werden nicht bedacht. Bedacht wird die Funktionalität. Die ist ein Thema, das seit der Zeit des II. Vaticanischen Konzils fortwährend aufkommt. Ein Thema, das jetzt wieder kraftvoll aufgetaucht ist und nie ganz zur Seite gelegt wurde.“

Diese Entwicklung wurde, so der Autor, von den Päpsten der letzten 50 Jahre äußerst kritisch beobachte, auch von Franziskus, denn, so Gagliarducci:

„Das Deutsche Problem ist nicht nur ein Problem in Deutschland. Wenn Deutschland das Labor ist, ist die Sache selbst überall Thema der Diskussion. Es erscheint obsessiv immer wieder. Wir reden über die weibliche Präsenz in der Kirche, als ob die Kirche ein Unternehmen wäre. die Kirche wird nie als das betrachtet, was sie ist: eine göttliche Institution, die auf den Sakramenten ruht.“

Eine deutsche Übersetzung des überaus lesenswerten Beitrag hat das Beiboot Petri. 

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Kultur des Todes

 

Bild: https://www.totentanz-online.de/TT-Monat/2017-11-Monats-TT.php)

(8. 3. 2021)

kath.net meldet heute, daß in Kanada erstmals ein Hospiz geschlossen werden mußte, weil der Trägerverein sich weigert, wie vom Gesetz befohlen dort auch „Tötungen auf Verlangen“ durchführen zu lassen Daraufhin hat die Regierung die mehr als 50% der Kosten deckende Förderung gestrichen – Einstellung des Betriebs war die unvermeidliche Folge. Weiteren entsprechenden Häusern steht ein ähnliches Ende bevor. In anderen Fällen, wo der Träger nicht finanziell erpressbar war haben „linksliberale“ (eine durch und durch verlogene Bezeichnung für die Anhänger der Diktatur des Relativismus) Gruppierungen versucht, katholische oder andere Euthanasieverweigernde Trägervereine durch Flutung der Mitgliedschaft feindlich zu übernehmen und so auf ihren Kurs zu bringen. Für Einrichtungen, die den Alten- und Krankenmord ablehnen, ist in der schönen neuen Welt kein Platz mehr.

In Deutschland sind ähnliche Bestrebungen erkennbar, aber unseres Wissens nach noch nicht so weit gediehen. Allerdings breitet sich auch hier eine Grauzone aus, in der ehedem katholische Institutionen durch finanzielle oder adiministrative Gängelung dazu veranlaßt werden, „Kompromisse“ in Sachen Abtreibung und Euthanasie einzugehen – stillschweigend und ohne wirksame Gegenwehr.

Das Problem hat tief in die Geschichte der Säkularisierung zurückreichende Ursachen. Die einst fast ausschließlich von der Kirche und ihren Orden getragene Krankenpflege und Sterbendenbegleitung ist im Zeichen des „Fortschritts“ immer stärker staatlich reglementiert und gewerkschaftlich durchorganisiert worden – die seit einigen Jahrzehnten erfolgende „Privatisierung“ im ausschließlichen Profitinteresse hat das nicht aufgehalten, eher noch verschlimmert. Der „Fortschritt“ hat die von christlicher Nächstenliebe caritas (und nicht vom Großkonzern „Caritas“) getragene Fürsorge für Leidende und Sterbende durch einen Betrieb zur Reparatur und erforderlichenfalls Entsorgung defekter Menschen ersetzt, der keine Alternative duldet. Der Leviathan hat die Kontrolle übernommen – und unter dem Banner von „Corona“ zeigt er sein wahres Gesicht. 

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Wider die teutonische Apostasie

(10. 03. 2021)

Zwei reichweitenstarke amerikanische Onlinepublikationen (First Things und Catholic World Report) veröffentlichen heute einen Kommentar des Publizisten Georg Weigel mit scharfer Kritik am synodalen Weg der deutschen Bischöfe. Weigel vezeichnet einige kürzlich in einem Grundsatzpapier des Synodalen Weges ausgedrückte Positonen expressis verbis als häretisch. Danach „will der deutsche Synodale Weg den Herrn Jesus hinsichtlich der Kirchenverfassung und der Stellung der Bischöfe korrigieren („die Zeit ist über diese Modelle hinweggegangen“ heißt es in dem Papier) und gleichzeitig die Lehre der Kirche „zur Geschlechtergerechtigkeit und der Wertschätzung queerer Orientierungen sowie dem Problem von Scheitern und Neuanfang (d.h. Wiederverheiratungh nach einer Scheidung)“ berichtigen und verbessern“.

Wie kann das sein? fragt Weigel und referiert dann die im „Grundsatzpapier“ gegebene Erklärung:

Es gibt hinsichtlich der religiösen, moralischen und politischen Welt nicht die eine Wahrheit und keine einzige Denkweise, die letzte Autorität beanspruchen könnte. (Daher können) in der Kirche selbst in Kernbereichen verschiedene Ansichten und Lebensweisen legitimerweise miteinander konkurrieren. Theologisch gerechtfertigte Ansprüche an Wahrheit, Richtigkeit, Verständlichkeit und Ehrlichkeit können durchaus zueinander im Gegensatz stehen.“

Das ist nicht nur Wortgeklingel ideologisch berauschter Akademiker und machtgieriger Kirchenbürokraten. Das ist Apostasie, Apostasie im Dienst des postmodernen Credos, wonach es zwar „deine Wahrheit“ und „meine Wahrheit“ geben kann, aber nichts, was man als „die Wahrheit“ bezeichnen könnte. Und damit Sie nicht glauben, damit werde auf neue Toleranz und Vielfalt abgezielt, warnt das Grundsatzpapier diejenigen, die das Nikeanische Glaubensbekenntnis dem postmodernen vorziehen, daß sie gezwungen sein werden, das, was sie als Abkehr vom christlichen Glauben ablehnen, dennoch „mitzutragen und zu unterstützen“. Der Instinkt für totalitäre Zwangsmechanismen ist in einigen Kulturen sehr zählebig, so scheint es.

Weigel schließt mit einem Aufruf an den Papst und den Weltepiskopat, auf der Grundlage der vom vergangenen Konzil betonten Kollegialität der Bischöfe den deutschen Amtsbrüdern energisch Halt zu gebieten.

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Falsch oder echt?

 

Bild: Aus dem zitierten Artikel in der NYT

(12. 3. 2021)

Die Archäologie des 19. Jh. brachte eine Fülle von Fundstücken - Gegenstände ebenso wie Textfragmente - aus dem Land der Bibel ans Tageslicht, und viele davon waren Fälschungen für einen auf Sensationsfunde versessenen Markt. Eine der bekanntesten Fälschungen ist das Shapira-Manuskript aus den 80er Jahren mit einer reichlich alternativen Version von Deuteronomium, die, wenn sie denn echt wäre, um tausend Jahre älter gewesen wäre als die ältesten bis dahin bekannten Manuskripte. Doch der Fälscher wurde entlarvt und endete später durch Selbstmord, die Bibelwissenschaft legte den Fund unter Kuriositäten ab; das Original des Stückes ist verschollen.

Und nun kommt 2021 der derzeit in Potsdam tätige jüdisch-amerikanische Alttestamentler Idan Dershowitz daher und behauptet nicht ohne Argumente, der Shapira-Fund sei echt - und die New York Times, die freilich letzthin Zweifel an ihrer Seriosität geweckt hat - widmet seinen Thesen einen langen und das Für- und Wider ernsthaft ausbreitenden Artikel. in der Sache selbst hat unsereins weder Aktien noch Urteil - der Artikel ist alleine schon deshalb lesenswert, weil er einen Eindruck davon vermittelt, welchen Problemen sich die moderne AT-Forschung derzeit konfrontiert sieht und wie sie damit umgeht. 

Inhaltlich enthält der Text - sollte denn etwas daran und die Entzifferung korrekt sein - eine Provokation: Im großen Ganzen folgt er der traditionellen Fassung mit der großen Predigt des Mose und der Erteilung der Gebote auf dem Sinai - was fehlt, sind die grundlegenden Abschnitte über das Gesetz, das die Gebote in der Geschichte Israels so nachhaltig interpretiert und teilweise überwuchert und das Judentum zum Prototyp der Gesetzesreligion gemacht haT. Der Textbefund läßt dort keine Lücken vermuten, es ist, als ob diese  Abschnitte nie enthalten gewesen wären.

Der Alttestamentler Shimon Gesundheit von der hebräischen Universität Jerusalem gehört zu denen, die die „Neuentdeckung“ zumindest für diskussionswürdig halten und kommentiert dieses Fehlen mit alarmiertem Unterton:

Diese Gesetze sind von größter Bedeutung für die Geschichte des Judentums, des Chrsitentums und der Tradition. Wir haben ganze Bibliotheken von Auslegungen der Gesetze - und nun sehen wir plötzlich, daß es auch eine Form gegeben haben könnte, die nur von Glauben spricht, von Erzählungen und von Theologie - ohne die Gesetze. 

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Schluß mit der Willkür!

 

Bild: von der Website des Kardinals

(13. 3. 2021)

In einer Erklärung auf seiner Website (hier auch auf Deutsch) hat Kardinal Burke in ungewöhnlich scharfen Worten die sofortige Zurücknahme der Anordnung zur Abschaffung von Einzelmessen in St. Peter gefordert. Er stützt diese Forderung auf zahlreiche rechtliche und prozedurale Fehler des Erlasses, die ihn zu der Feststellung verlassen, daß es nicht möglich sei, ihn als eine gültigen gesetzgeberischen Akt zur Ordnung der Liturgie anzuerkennen. Womöglich noch schärfer ist seine inhaltliche Kritik. Wenn in einer der Hauptkirchen der Christenheit die Einzelzelebration – im Widerspruch zum Recht – so geringschätzig behandelt werde, zeuge das von einer groben Mißachtung des unendlichen Wertes jeder einzelnen Messfeier selbst.

Eine Ohrfeige besonderer Art verpasst der Kardinal den Autoren des Dokuments, die davon geschrieben hatten, die wenigen zulässigen konzelebrierten Messen seien „liturgisch zu animieren“, also zu beseelen, durch den Einsatz von Lektoren und Kantoren. „Es ist nicht die Aufgabe von Lektoren und Kantoren, die heilige Liturgie zu animieren. Alleine Christus , in dessen Person der Priester handelt, „animiert“ die heilige Liturgie.“

Der Vorstoß zur Verbannung der Einzelmesse, die bekanntlich schon Luther ein Gräuel war und von der Bruchtheologie seit Jahrzehnten bekämpft wird, und dessen scharfe Zurückweisung durch den – im Unterschied zu den Verfassern des Dokuments – überaus kompetenten Kirchenrechtler Kardinal Burke, bringt den Mann auf dem Stuhl Petri in eine äußerst unangenehme Situation: Entweder er schließt sich den Einwänden an und verordnet die Zurücknahme des Erlasses – dann läßt er eine gute Handvoll seiner getreuesten Anhänger, die zweifellos nicht ohne sein Wissen und seine Zustimmung gehandelt haben, im Regen stehen. Oder er sanktioniert die zahlreichen Rechtsverstöße und erweist sich damit (ein weiteres Mal) als absolutistischer Machthaber, der nicht nur unbeschränkte Kompetenz zur Gesetzgebung besitzt, sondern die Institution des Rechtes selbst verachtet.

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Das Verbot von Einzelmessen...

(16. 3. 2021)

… in der Peterskirche wird am kommenden Montag in Kraft treten, falls die zuständigen Stellen nicht doch noch vorher zur Einsicht kommen. (Natürlich höflich verfaßte) Protestschreiben könnten ihnen dabei helfen. Pro Missa Tridentina hat dazu eine Orientierungshilfe verfaßt und bietet weitere Informationen. Und hier ist die Adresse des zuständigen Erzbischofs Edgar Peña Parra:  Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! "

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Panorama des Pandämoniums

(16. 3. 2021)

Die Erklärung der Glaubenskongregation zur Unmöglichkeit eines kirchlichen Segens für die Homo-Ehe (hier auf Englisch) hat in der deutschkatholischen Kirche, die in dieser Frage ihren Wesenskern angesprochen zu sehen scheint, alle Sicherungen durchbrennen lassen. Der Oberbätzing knirrscht mit den Zähnen, man werde „auf dem Synodalen Weg darüber diskutieren“(Quelle) – und dann wohl verbindlich ein Anathema verkünden, so scheint er sich das vorzustellen. Die Freiburger Deutschtheologen Striet und Goertz sehen in der von der Kongregation ausgesprochenen Selbstverständlichkeit „ein Festhalten an der Morallehre der 50er Jahre“ (denn vorher war mit der Homoehe alles in Ordnung?) und prognostizieren, daß die Erklärung nichts als Ungehorsam hervorrufen werde. Wozu sie ja schon einmal ihren Teil beitragen.

Offen zum Ungehorsam ruft der aktuell in der Schweiz apostasierende Deutschtheologe Daniel Bogner auf. Ein „Warnstreik“ der Gläubigen soll die dringend erforderliche „kreative Zerstörung“ und „Revolution der Kirche“ auf den Weg bringen; als geeignetes Mittel zu beidem empfiehlt er die Weihe von Priesterinnen. Der Leiter der Katholischen Akademie des Bistums Meißen schleudert einen Bannstrahl gegen Rom, wie ihn Martin Luther nicht schöner hätte formulieren können: Die Glaubenskongregation schnürt dem Heiligen Geist die Luft ab. Aber noch ist Rettung möglich: Dr. Stefan Orth von der Herdekorrespondenz will aus dem Synodalen Weg ein Drittes Vatikanisches Konzil hervorgehen lassen, das die Lehre zeitgemäße weiterentwickeln und eine Neue Rechtgläubigkeit feststellen soll.

Alle zitierten Beiträge erschienen gestern (15. 3.) und heute auf der Webseite der deutsche Bischöfe – wobei der Dienstag noch nicht einmal zur Hälfte vorbei ist.

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Februar

Das Programm der Entchristianisierung

Bild: Michael Hesemann, kath.net

(1. 2. 2021)

Aus Anlaß der Amtseinführung des „katholischen“ US-Präsidenten Biden, der als erste Amtshandlung das massivste Abtreibungs- und Genderisierungs-Programm der US-Geschichte in Gang brachte, hat Kardinal Müller im Interviev mit kath.net bereits am 25. Januar an die Grundsätze erinnert, die das Verhalten der Kirche und ihrer Repräsentanten zur Staatsgewalt bestimmen müssen. Sein Ausgangspunkt ist die - eigentlich - selbstverständliche Aussage:

Ein katholischer Bischof unterscheidet sich von Machtpolitikern und Ideologen durch den Gehorsam gegenüber dem geoffenbarten Wort Gottes. Er wäre ein falscher Apostel, wenn er um seiner politischen Präferenz willen oder aus Vorliebe für diese oder jene Partei das natürliche Sittengesetz relativiert.

Dem folgt eine harte Kritik an der amerikanischen Entwicklung, in der er die „subtil-brutalsten Kampagne zur Ent-Christianisierung der westlichen Kultur seit 100 Jahren“ erkennt. Sspeziell mit Blick auf Mitteleuropa führt er aus:

Wir haben seit dem 18. Jahrhundert mit dem Absolutismus auch im katholischen Frankreich, Österreich und Bayern die unselige Tradition des Staatskirchentums (Gallikanismus, Febronianismus, Josephinismus). Die Kirche definiert sich nicht mehr von ihrer göttliche Mission am Heil aller Menschen her, sondern vom Dienst, den sie im Rahmen des Gemeinwohls in Abhängigkeit vom Staat der Gesellschaft leisten darf.  (...) Seitdem ordnet man sich öffentlich weitgehend dem innerweltlichen Staatszielen unter (die sog. Systemrelevanz) und setzt sich nur im privaten Kreis mit der aggressiven Dechristianisierung der Gesellschaft auseinander.

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Fr. Zuhlsdorf - cancelled?

 

(3. 2. 2021)

Fr. John Zuhlsdorf und sein Blog gehören zu den wichtigsten Stimmen des traditionsorientierten Katholizismus in den USA. Sein Einfluß reicht weit über die Tradikreise hinaus und ist auch den Katholiken - insbesondere auch Konvertiten - eine große Hilfe, die erst allmählich bemerken, wie weit sich ihre Gemeinde vom überlieferten Glauben entfernt. Seine klare Sprache ist für die progressiven Kreise der US-Kirche ein dauerndes Ärgernis.

Im Zuge der Cancel-Kampagnen nach dem Amtsantritt des Anti-Trump-Bündnisses Biden/Harris, die inzwischen das Ausmaß stalinistischer Säuberungen angenommen haben, haben diese fälschlichwerweise als „liberal“ etikettierten Nicht-mehr-Katholiken eine massive Verleumdungskampagne gegen Fr. Zuhlsdorf gestartet, dem sie in Schreiben an alle denkbaren kirchlichen Stellen in den USA und in Rom Vergehen gegen die kirchliche Einheit und unzulässige politische Parteinahme vorwerfen.

Als ersten Erfolg konnten sie inzwischen verbuchen, daß der Bischof der Diözese Madison, der das Online- und Real-Life-Apostolat Zuhlsdorfs bisher mit Wohlwollen begleitete, dem Druck nachgab und Fr. Zuhlsdorf gebeten hat, sich andere Aufgaben in einer anderen Diözese zu suchen. Was - unter anderem - die Notwendigkeit eines Umzugs mit sich bringt und die Kapazitäten für die Weiterführung der Arbeit schwer belastet. 

Ausführliche Informationen zum aktuellen Stand der Dinge unter anderem hier:

 

 Wir bleiben am Thema.

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Spielkind Bätzing

(7. 2. 2021)

Einen Höhepunkt neuzeitlichen theologischen Denkens erklomm der Verwaltungsratsvorsitzende der Bezirksleiterkonferenz der Neukatholisch GmbH & Co.Kg  in seiner Antwort auf die Frage eins Journalisten, wie er denn seinen heranwachsenden Töchtern erklären solle, daß sie nicht Priesterin werden könnten.

Bis heute zählt das Argument: Im „heiligen Spiel“ der Messe stellt der Priester Jesus im Gegenüber zur Kirche dar. Jesus ist das Haupt, die Kirche ist der Leib; Jesus ist der Bräutigam, die Gemeinde ist die Braut. Darum muss der Priester ein Mann sein. Aber damit würden Ihre Töchter sich vermutlich nicht zufriedengeben und würden sagen: Wenn wir getauft sind, und wenn wir doch zur Kirche gehören, dann repräsentieren wir ja auch Christus in der Welt. Und heutzutage versteht doch jeder die Logik und den Gehalt der heiligen Darstellung, auch, wenn eine Frau vorstehen würde. Denn der Priester ist ja eben nicht Christus. Und Jesus selbst ist gegenwärtig bei der Messe und schenkt sich uns in Brot und Wein. Und dann würde ich sagen: Ja, genau darüber wird diskutiert..

In seiner ganzen geistigen Tiefe nachzulesen bei neukatholisch.de

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In der Luft zerrissen

 

Bild: KNA/Pistilli; aus dem genannten Artikel auf katholisch.de.

(9. 2. 2021)

... hat der gemeinhin nicht als übermäßig rauflustig bekannte Ökumene-Kardinal Kurt Koch das Papier des Ökumenischen Arbeitskreises „Gemeinsam am Tisch des Herrn“, in dem behauptet worden war, die kirchentrenenden Fragen hinsichtlich der Eucharistie seien geklärt und überwunden. Kardinal Koch mußte dazu nicht in spitzfindige theologische Erwägungen eintreten – es reichte völlig, zu zitieren, was in öffentlichen Stellungnahmen und aktuellen Grundsatzpapieren der Protestanten zum Thema nachzulesen ist. Das Ergebnis: Nein, sie betrachten nicht generell die Taufe als Voraussetzung für die Teilnahme an ihrem „Abendmahl“, ebensowenig verlangen sie Ordination oder Weihe als unabdingbare Voraussetzung für die „Leitung“ der Eucharistiefeier, und dreimal nein, sie haben in ihren „Segnungsgebeten über Brot und Wein“ nicht überall Anamnese, Epiklese und Anrufung des hl. Geistes übernommen. Es gibt nicht wie behauptet ein die Konfessionen übergreifendes gemeinsames Abendmahlsverständnis - zumindest, wenn eine der Konfessionen römisch-katholisch ist.

Was unausweichlich zu der Frage führt: sind die Hauptverfasser des Papiers, der protestantische Kirchenhistoriker Leppin und die „katholische“ Professorin Sattler, akademische Analphabeten – oder einigermaßen ungeschickte Gaukler und Betrüger. Oder Beides? Und was ist dann bitte der Limburger Bistumschef Bätzing, der – worauf Kardinal Koch mit irritierendem Nachdruck hinweist, sich namens der Deutschen Bischöfe das Papier zu eigen gemacht hat?

All das ist  - dankenswerterweise mit vielen Links auf weitere Quellen und

Dokumente - nachzulesen auf katholisch.de, wo man sich vermutlich geschicktere Vertreter der Fusionspläne gewünscht hat als die nun in ihrer Inkompetenz bloßgestellten Autoren des Ökumenischen Arbeitskreises.

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Die Zensurmaschine

(11. 2. 2021)

LifeSiteNews ist ein auch hier des öfteren zitiertes Internetportal, das sich ursprünglich vor allem dem Schutz von Leben und Familie verschrieben hatte. In den letzten Jahren hat sich die Seite darüber hinausgehend zu einer der einflußreichsten Stimmen im Kampf gegen die Diktatur des Relativismus in Gesellschaft und Kirche entwickelt. Die Site nutzt alle Mittel der modernen Internettechnik – 55 000 Follower auf Twitter, über 300 000 auf Youtube.

Es hat sie genutzt – die Präsenz auf Twitter wurde bereits Ende Januar gesperrt, gestern folgte die Schließung (und Löschung!) des Youtube-Kanals. (Quelle) Bereits im November wurde von Twitter die Präsenz des „Project Veritas“ gesperrt, das sich die Aufdeckung und Dokumentation von Zensurmaßnahmen im Netz zur Aufgabe gemacht hat. Denn: Wer das „Recht der Frau“ zur Abtreibung bestreitet, verbreitet nach den „Gemeinschaftsrichtlinien“ der Plattformen „hate“, wer von „Internetzensur“ spricht, verbreitet „fake news“ - ist ja klar.

Gestern hat die von konservativen Publizisten gegründete Petitions- und Spendenplatform „CitizenGo“ mitgeteilt, daß der Finanzdienstleister „TransferWise“, über den das Projekt Spenden einwirbt und verbucht, ihm das Konto gesperrt hat. Hier gab man sich noch nicht einmal die Mühe, einen Verstoß gegen selbstgestrickte Richtlinien zu behaupten, sondern erklärte frei heraus, daß man „die Aktivitäten der Plattform nicht unterstützen“ wolle.

Hier sind noch nur Sekundärfunktionen betroffen - im Fall „Parler“ wurde ein Projekt ganz und gar aus dem Netz geworfen. Da all die modernen Komunikationsmittel als private Unternehmen betrieben werden, ist nach gängiger Rechtsauffassung das Recht zur freien Meinungsäußerung oder das Antidiskriminierungsgebot hier nicht einklagbar – die Pressefreiheit wird wieder zur „Freiheit von zweihundert reichen Leuten, ihre Meinung zu verbreiten“. (Paul Sethe 1965 (https://www.spiegel.de/spiegel/print/d-46413915.html). Das „freie Internet“ war eine Illusion, deren Destruktion nun von eben den technischen Eliten betrieben wird, die sie jahrzehntelang verbreitet haben.

Von dieser Entwicklung ist jeder betroffen. Jeder kann von seinem „Serviceprovider“ vom aktiven oder passiven Zugang zu den Netzdiensten ausgeschlossen werden. Wir haben uns abhängig gemacht von einer Technik, die Mittel zur Kontrolle bereitstellt, wie sie so umfassend und existenzbedrohlich noch nie in der Geschichte gegeben waren.

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Die Bätzing-Sternberg-Krise...

(17. 2. 2021)

... überschreibt Norbert Otterbeck heute einen Kommentar auf kath.net, und er spart nicht mit kräftigen Worten, wie das ja einer Aschermittwochspredigt auch gut ansteht. Mit am besten gefiel uns dieser Absatz:

„Wer zu heiß in der modernen Theologie gebadet hat, der kann durchaus die Gottesfurcht verlieren. Man weiß ja so gut Bescheid über den niedlichen Gegenstand der eigenen Wissenschaft. Wieviel persönliche Religion bleibt übrig, wenn tausenderlei exegetische Hypothesen das Vertrauen in die Heilige Schrift erschüttert haben? Wie definiert man Kirche, wenn deren Geschichte überwiegend im zynischen Ton als ein Labyrinth ungeheuerer Irrwege dargeboten wird? Manche/r Professor/in "leert" die Dogmatik, anstatt sie zu lehren.“

Ebenso die Beschreibung der kirchlichen Sonderzone, die deren Bewohner irtümlich für die moderne Welt halten:

„In diesem speziellen Biotop kann an sich schon von der ursprünglichen Religion, der es darum ging, Gott zu lieben, ihm zu dienen und so möglichst viele Seelen zu retten (auch die eigene), nicht viel übrigbleiben. ... Wer mit 19 in ein Theologenkonvikt eintritt und tapfer Stufe um Stufe der diözesanen Laufbahn meistert, der kann sein ganzes Leben in kirchlichen Immobilien verbringen, muss vielleicht nie eine Wohnung suchen, hat wahrscheinlich immer eine Kantine in räumlicher Nähe. Das Gehalt "stimmt" sowieso. (Noch.)“

Es ist dieses „Noch“, auf dem nach menschlichem Ermessen all unsere Hoffnungen ruhen, denn alles was ein „Noch“ hat, findet auch ein Ende.

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Was in USA geschieht...

(20. 2. 2021)

...weiß derzeit so genau keiner; die Amerikaner wohl am wenigsten. Aber eine alte Erfahrung sagt, daß das, was dort geschieht, spätestens 10 Jahre später auch hier virulent - und wenn man sieht, wie schnell derzeit Cancel-Unkultur und kritische Weisseins-Theorie hierzulande Raum greifen, ist die Gnadenfrist wohl noch kürzer. Es lohnt sich also, die dortigen Entwicklungen mitzuverfolgen. Das aber nicht bei Spiegel oder FAZ, die längst jeden Anspruch aufgegeben haben, sondern bei den konservativen und christlich geprägten Medien der USA, von denen es (immer noch) eine ganze Reihe gibt, die sehr ernst zu nehmen sind.

Eines der Flaggschiffe der konservativen Medienlandschaft ist der „National Review". Dort ist unter Datum vom 17. Februar ein Artikel von Andrew Micta zu lesen, der sich unter der Überschrift: The American Cultural Revolution Will leave Scars“ nicht nur bei den ins Auge fallenden Oberflächenphänomene der Entwicklung aufhält, sondern tiefer gräbt: Wer sind die gesellschaftlichen Träger der Bewegung, was sind ihre ideologischen Beweggründe. Autor Micta landet nicht bei einer finsteren Verschwörungstheorie, sondern bei der Katastrophe eines Bildungssystems, das bei immer niedrigeren Ansprüchen notwendigerweise den primitivsten Ideologien breitesten Raum gibt.

im katholischen Crisis-Magazine nimmt Autor R. C. Vanlandingham den Fall der Wegsäuberung von Gina Carano aus dem Star-Wars-Universum zum Anlaß, den „Rise of the Corporate Fascist Empire“ zu analysieren. Sein Ausgangspunkt ist die bemerkenswerte Beobachtung, daß plötzlich Globalisten und Antiglobalisten (wer erinnert sich noch an attac?), Großindustrie und Umweltschützer, Regierungen, Presse, Geheimdienste und linke Sturmtruppen eine Einheitsfront gebildet haben, um die letzten Reste der religiös und bildungsorientierten Gesellschaftsschichten abzuräumen, das sich gegen die von den Fortschrittlern gemeinsam, wenn auch aus verschiedenen Motiven, betriebene Schaffung des Neuen Menschen auflehnt.

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Antike gegen Mittelalter

 

Bild: aus dem zitierten Artikel

(25. 2. 2021)

... gehört zu den besonders gerne inszenierten Schaukämpfen der Geschichtsverdreher, in denen die Antike stets um Längen gewinnt - denn mit dem Christentum kam erst das eigentliche Übel in die Welt. Nicht, daß wir jetzt umgekehrt die Antike schlechter machen müßten, als sie war. Sie hat dem europäischen Denken positive Impulse geschenkt, die heute noch nachwirken - aber sie war bei weitem nicht vollkommen. Und mit dem Niedergang der antiken Welt wurde es beileibe nicht finster, sondern „das Licht zur Erleuchtung der Heiden“ tauchte nicht nur die geistlichen Dinge, sondern auch viele weltlichen Verhältnisse in neuen Glanz.

Das Blog Nolite timere hat sich die Mühe gemacht, ein realistischers Bild der Verhältnisse dieses Zeitraumes in einer Art Crashkurs zusammenstellen. Der kann nicht nur denen von großem Nutzen sein, deren Geschichtsunterricht erst mit dem Jahr 1933 einsetzte. Schon aus purer Gewohnheit tritt unsereinem oft der Angstschweiß auf die Stirn, wenn vermeintlich aufgeklärte Mitmenschen die Zauberformel „aber die Kreuzzüge“ oder „Und was ist mit den Hexenprozessen?“ aus der Tasche ziehen - nötig haben wird das nicht. Also: Nicht den Schneid abkaufen lassen - und in Ruhe den langen Artikel auf Nolite timere lesen und villeicht auch den dort angegebenen Links zur Vertiefung folgen. Es lohnt sich.

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Einen Blick in die Zukunft...

 

Bild: neonnettle.com

(27. 2. 2021)

... gewährt passend zu unserem Artikel vom 24. dieses Bild - zum Vergrößern bitte anklicken. Die bezaubernde junge Frau dominierte kürzlich eine Frauen-Meisterschaft in USA, herzlichen Glückwunsch. Noch mehr Bilder und Beispiele bringt ein Artikel auf der uns bisher gänzlich unbekannten Website neonnettle.com. Sie belegen: In weiten Teilen Nordamerikas braucht es weder viel Hormone noch gar Chirurgie, um als Trans-Frau sportliche Erfolge einzuheimsen - der gute Wille genügt.

Die Sache schlägt allen Frauen, die sich durch Leistung hervortun wollen, ins Gesicht und hat überdies einen ernsthaften ökonomischen Aspekt: An vielen teuren US-Hochschulen bilden sportliche Erfolge eine Möglichkeit, an von Unternehmen ausgesetzte Stipendien zu kommen. Da haben Bio-Frauen natürlich gegenüber den Trans-Frauen schlechte Karten. Versuche, den Wahnsinn gerichtlich zu stoppen, sind vielfach gescheitert. Die neue Präsidentschaft hat dahingehende Erlasse der Vorgängerregierung bereits in ihren ersten Amtstagen einkassiert.

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Januar

Zum Fest der Beschneidung des Herrn

Bild: Wikimedia

(1.1. 2021)

Am Tag des heutigen Festes, das durch die Liturgiereform fast ganz aus dem Gedächtnis der Gläubigen getilgt worden ist, verweisen wir zunächst auf zwei frühere Beiträge hier: Erlaubt ist, was gefällt, wo einige Hintergründe der besagten Tilgung diskutiert werden, und Zum Fest der Erscheinung des Herrn, wo der Zusammenhang der Feste im Kreis der Weihnachtszeit dargestellt wird. Ganz aktuell vom heutigen Tag verweisen wir auf einen überaus lesenswerten Beitrag von Clemens Victor Oldendorf auf Kathnews: Brückenschlag zum mosaischen Judentum, der zeigt, wie dieser Brückenschlag hier anscheinend absichtsvoll vermieden wird. Fr. Hunwicke hat bereits gestern einige Informationen zur Geschichte des Festes im Ritus von Sarum veröffentlicht und über zukünftige Möglichkeiten im Ritus des Ordinariats nachgedacht.

Ein Zwischenruf des Wiener Theologen Tück macht uns darauf aufmerksam, daß seit ein, zwei Jahren in Novus-Ordo-Kreisen die Wiedereinführung des Festes der Beschneidung des Herrn gefordert wird. Freilich nicht mit einer theologischen Begründung, sondern politisch: um dem angeblich auch und gerade in christlichen Kreisen wiederauflebenden Antisemitismus entgegenzuwirken und ein Zeichen der Solidarität mit den Juden zu setzen. So ähnlich haben wir uns das mit dem Verständnis von Feiertagen bei Neukatholens ja immer schon vorgestellt - nur nicht ganz so platt. 

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Lehrer und Prophet

Bild: Monday Vatican

(5. 1. 2021)

Der Rang Papst Benedikts als Lehrer des Glaubens ist in der katholischen Kirche der ganzen Welt anerkannt - sieht man einmal von den Blindgängern an deutschen Fakultäten ab. Immer deutlicher wird jedoch erkennbar, daß Joseph Ratzinger auch mit geradezu prophetischem Scharfblick wahrgenommen hat, welche Herausforderungen auf die Kirche und Gesellschaft des 3. Jahrtausends zukommen. Seine Warnung  vor der Destruktivität des Islam in der Regensburger Rede, sein Aufruf zur „Entweltlichung“ der Kirche in Freiburg und seine vielfach wiederholte Mahnung, sich nicht der Dikatatur des Relativismus zu unterwerfen, gewinnen mit jedem Monat an Aktualität.

Autor Joseph Pronechen vom National Catholic Register hat jetzt in einem lesenswerten Beitrag diese prophetische Seite des Wirkens von von Benedikt hervorgehoben, und das Beiboot Petri hat den Artikel übersetzt.  Aus des Papstes Predigt zu Pfingsten 2012 zitiert Pronechen einen Absatz über den Turmbau von Babel, der mit bestürzender Präzision auf die heutige Situation vorausweist:

Dieser biblische Bericht enthält eine "ewige Wahrheit",- die wir in der Geschichte und in unserer Welt sehen. "Der Fortschritt von Wissenschaft und Technologie hat es uns ermöglicht, die Kräfte der Natur zu beherrschen, die Elemente zu manipulieren und Lebewesen zu reproduzieren - fast bis zur Schaffung eines Menschen. In dieser Lage zu Gott zu beten, scheint obsolet oder sinnlos zu sein, weil wir alles, was wir auch wollen, selber konstruieren und erreichen können... dennoch erkennen wir nicht, daß wir die Erfahrung Babels wiederholen. Es ist wahr, wir haben immer mehr Möglichkeiten der Kommunikation, Informationen zu erhalten, Nachrichten zu verbreiten, aber können wir sagen, daß unsere Fähigkeit einander zu verstehen, zugenommen hat? Oder verstehen wir einander vielleicht- paradoxerweise- immer weniger? Verbreitet sich nicht das Gefühl gegenseitigen Mißtrauens, Verdachtes und von Angst unter den Menschen immer weiter - bis dahin, daß ein Mensch für den anderen eine Gefahr darstellt?"

Sehr zur vollständigen Lektüre empfohlen.

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Die Oligarchen von High-Technology

(13. 1. 2021, mit Aktualisierungen)

... und die sitzen nicht in Moskau, sondern im Silicon Valley – haben in den ersten Tagen dieses Jahres das Internet so, wie wir es bisher kannten, abgeschaltet. Dazu haben sie eine umfassende Zensur aller Stimmen angeordnet und durchgesetzt, die nicht ihren politischen Ansichten entsprechen. Was ihnen nicht passt, soll nicht nur künftig nicht mehr zu lesen sein – auch die Vergangenheit wird in den Archiven für den öffentlichen Zugriff gesperrt. Wer sich für Details zu Maßnahmen und Begründungen der selbsternannten „Masters of the Universe“ interessiert, wird in diesem Artikel von Roland Noè auf kath.net bestens informiert.

Noé verbindet die Information mit einem Aufruf, auf die (wenigen und noch schwachen) Kommunikationsplattformen auszuweichen, die von der Zensur von Google und Twitter, Apple und Amazon und wie sie alle heißen, nicht betroffen sind. Das können wir voll unterstützen und geben es gerne weiter. Wir machen jedoch darauf aufmerksam, daß die Einführung der Zensur in den USA zwar nicht durch staatliche Stellen erfolgt ist, aber mit deren und der sie okkupierenden Parteien Billigung und Ermutigung. Noch betrifft die Zensur, Blockade und Informationsunterdrückung „nur“ die marktbeherrschenden Unternehmen der High-Tech-Feudalherren. Noch betrifft sie „nur“ die USA und technologisch abhängige Länder. Die politischen Absichten, diese Zensur auf das gesamte Netz auszuweiten, sind jedoch unübersehbar. Die technischen Mittel dazu liegen bereit – chinesische Firmen, die diese bereits in ihrem Land installiert haben, werden gerne bei der Einrichtung behilflich sein.

Entgegen einem zählebigen Mythos: Das Internet ist zensierbar – und die Möchtegern-Zensoren haben Blut geleckt. Die totalitäre Cancel-Culture regiert die Stunde. Noch sind Kleinst-Plattformen wie die unsrige nicht betroffen. Es reicht aber ein jederzeit von Antifa-SA-SS mit Duldung der Regierung auslösbarer „Shitstorm“ um unseren (oder jeden anderen) Zugangsprovider zur Sperrung unliebsamer Zugänge zu veranlassen – das geht mit einem Mausklick, der Rechtsweg ist praktisch ausgeschlossen. Wir müssen das Netz nutzen, solange es geht. Aber wir müssen uns auch darauf einstellen, daß Opposition jeder Spielart völlig von der Nutzung der digitalen Kommunikation und Information ausgeschlossen wird. (11.1.)

Aktuelle Links:

Eine gute Ergänzung zu unserem kurzen Kommentar vom 11.1. bietet diese am 12. erschienene Analyse der amerikanischen Entwicklung im CrisisMagazine: The Deplatforming of Ameriaca. Den ganzen Umfang, den die Machtergreifung der High-Tech-Konzerne inzwischen erreicht hat, beschreibt Stefan Frank heute auf der „Achse des Guten“ unter der Überschrift: Der Internet-Putsch

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Das nächste Konklave...

(15. 1. 2021)

… mit dessen Kommen noch sicherer zu rechnen ist als heutzutage mit einem „Amen“ in der Kirche, veranlaßt Walter Kardinal Brandmüller zu einigen Überlegungen über eine Reform des Wahlmodus – nachzulesen auf kath.net. Sein Ausgangspunkt ist theologisch die Feststellung, daß das Papsttum zentrale Instanz der Kirche ist, die eine Ellipse mit zwei Brennpunkten bildet: Rom und Weltkirche. Dieses Verhältnis erscheint ihm derzeit gestört, nicht zuletzt wegen der vielen Kardinalsernennungen der letzten Jahre „von der Peripherie“. So wurden Papstwähler kreiert, die sich weder untereinander kennen, noch viel Erfahrung mit der Weltkirche noch deren römischen Zentrum haben – mit vielen bedenklichen Konsequenzen.

Dem Befund ist zuzustimmen, aber ob der vom Kardinal skizzierte Ausweg wirklich zur Besserung beitragen kann, steht dahin. Sehr knapp zusammengefasst läuft sein Vorschlag darauf hinaus, die Zahl der Papstwähler zu verringern auf Würden- und Amtsträger mit langjährigem römischem Tätigkeitsschwerpunkt, die Zahl der Wählbaren jedoch explizit über den Kreis des Kardinalskollegiums hinaus auf den Weltepiskopat auszuweiten bzw. auf die Bischöfe, die durch zeitweise Tätigkeit an der Kurie oder anderen weltkirchlichen Einrichtungen Erfahrungen über ihr örtliches Bischofsamt hinaus erworben haben.

Funktional gesehen hätte das einiges für sich. In ekklesiologischer Perspektive meldet sich spontan das Bedenken, daß hiermit (bereits jetzt schon zur Genüge vorhandene) Elemente eines Laufbahnprinzips verstärkt werden und andererseits das traditionelle Bischofsbild, das den Bischof als in nachgerade eheähnlicher Gemeinschaft mit seiner Diözese verbundenen Oberhirten sieht, weiter geschwächt würde: Je umtriebiger und internationaler, desto papster?

Da die Anregung von Kardinal Brandmüller aber kaum Chancen hat, aufgenommen oder auch nur ernsthaft bedacht zu werden, muß das nicht unsere Sorge sein. Die Kirche ist, wie sie das immer war, in Gottes Hand, und der Herr wird entscheiden, wann und auf welche Weise er den zur Strafe und Ermahnung für die Abweichungen von seinen Wegen verhängten Elendstreck enden läßt.

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Gemeinsam am Tisch des Herrn?

(20. 1. 2021) 

In einer „persönlichen Stellungnahme“ übt der Bonner Theologe Klaus Obenauer heute auf kath.net eine ebenso scharfe wie fundierte Kritik an der u.a. vom Vorsitzenden der DBK Bätzing unterstützten Erklärung „Gemeinsam am Tisch des Herrn“, die ganz im Zuge der Vereinigungsbestrebungen der deutschen Kirchenorganisationen wesentliche Elemente der katholischen Lehre vom Messopfer, von der Realpräsenz und vom Priestertum preisgibt. Obenauers Fazit:

Zentrale Wahrheiten des katholischen Eucharistieglaubens werden, wie im Falle von Wandlung und Realpräsenz, nivelliert bis enerviert, beziehungsweise sie werden, wie im Falle von Priestertum bzw. Weihesakrament und Messopfer, sogar wenigstens versteckt angegriffen, auf dass man die eine oder andere Passage u.U. als nur schwer verhohlene Bestreitung lesen kann. Das ist für einen katholischen Christen, der im überlieferten Glauben seiner Kirche verwurzelt ist, schlicht nicht hinnehmbar.

In der Perspektive sieht Obenauer die Gefahr, daß das Dokument, sollte sich sein quasi-offizieller Charakter verfestigen, die Intention künftiger Zelebranten in der Weise beeinflussen kann, daß der Vollzug der sakramentalen Handlung ungültig wird - nicht allein bei der Eucharistie, sondern auch bei der Priesterweihe. Damit würde die Organisation letztlich auch ihren sakramentalen Charakter verlieren.

Der Artikel ist Pflichtlektüre für jeden, der sich über den aktuellen Stand der Gefährdung des Glaubens aus dem Inneren von Episkopat und Apparat heraus informieren und die grundlegenden Gegenargumente gegen die dort nicht ungeschickt vorgetragenen Verirrungen kennenlernen will.

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Los von Rom!

Bild: Nadine Malzkorn, aus dem zitierten Artikel auf katholisches.

(25 1. 2021)

Norbert Lammert, langjähriger Berufspolitiker und heute gut altersversorgter Präsident der Konrad-Adenauer-Stiftung, verkörpert in seiner Person die engen Verbindungen zwischen den staatsnahen Katholiken und den politischen Gallionsfiguren dieses Staates. Und er verkörpert wie wenige andere den „antirömischen Komplex“, der weite Teile des katholischen Deutschland seit der Emser Punktation von 1786 immer wieder heimsucht. Nun hat er sich ganz in diesem vorrevolutionären Sinne zum Synodalen Weg geäußert, und katholisches.de (von dort auch das Photo) zitiert ihn begeistert:

Überall da, wo es um einen Interessensausgleich geht, sind demokratische Entscheidungsprozesse allen anderen überlegen. (...) Es ist inzwischen ganz unübersehbar deutlich geworden, wie sehr die Frage der Autorität der Kirche in Zeiten dramatischer Veränderung auch von ihrer Fähigkeit und Bereitschaft abhängt, sich mitten in dieser Welt auf deren Herausforderungen und Fragen einzulassen und einzustellen." Auch die Akzeptanz der Kirche hänge maßgeblich von ihrer Bereitschaft und Fähigkeit ab, "Neues anzunehmen und zuzulassen, das bislang vielleicht noch nicht hinreichend zur Entfaltung kommen konnte".

Und zum „synodalen Weg“:

Die jüngsten Äußerungen und Interventionen aus Rom bekräftigen meine Hoffnungen nicht ... Wir müssen am Ende tun, was wir glauben, verantworten zu können. Und wenn die katholische Kirche in Deutschland sich nicht entschließt, sich aus der wohlwollenden Bevormundung von Seiten des Vatikan zu befreien, wird auch der Synodale Weg nicht das angestrebte Ziel erreichen.

Noch Fragen, irgendwer?

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Kesseltreiben gegen Kardinal Woelki

(26. 1. 2021) 

Seit der Kölner Erzbischof Rainer Maria Kardinal Woelki deutlich gemacht hat, daß er den „Synodalen Weg“ nicht bis zum Bruch mit Rom mitgehen will, hat er keine ruhige Minute mehr. Es hagelt Rücktrittsforderungen von verschiedenen Seiten und mit unterschiedlichen Begründungen - der Mann soll weg. Wortführer auf lokaler Ebene ist Joachim Frank vom Kölner Stadtanzeiger, der wohl glaubt, als seinem Amt untreu gewordener Priester hier eine besondere Kompetenz zu besitzen. Überregional beteiligen sich am Kesseltreiben Witzfiguren wie die Damen von Maria 2.0, aber auch eben die Bischofskollegen des Kölners, die hinter dem „Los-von-Rom-Kurs" des Synoden-Spektakels stehen.

Der italienische Journalist Nico Spuntoni hat sich die Mühe gemacht, den bisherigen Verlauf des Krieges gegen den Kardinal aufzuschreiben, das Beiboot Petri hat es übersetzt, und wir zitieren daraus einige Sätze:  

Am Vorabend der Veröffentlichung des geplanten scoops durch den Kölner Stadtanzeiger hat sich Woelki dirket an den Papst gewandt. den er- wie er selbst im Verlauf einer Video-Konferenz mit den Pfarrgemeinderäten erklärte- darum gebeten hat, "festzustellen.ob er eine Verletzung des kanonischen Rechts begangen habe"... Das verursachte jedoch ein ungewöhnliches Tauziehen zwischen den deutschen Diözesen: Der Bischof von Münster, Felix Genn, gab bekannt, daß er mit der Prüfung begonnen habe, um festzustellen, ob eine kanonische Untersuchung gegen Woelki eingeleitet werden sollte, und zu diesem Zweck Kontakt mit dem apostolischen Nuntius in Berlin, Monsignore Nikola Eterović aufgenommen habe. Genn scheint daher bereit zu sein, gegen seinen Bruder im Amt eine Untersuchung durchzuführen, wie dies von einem Kirchenrechtler seiner Diözese,Thomas Schüller, gefordert wurde, der bereits mehrfach Woelkis Rücktritt gefordert hat.

Der Kardinal bezog sich in der oben genannten Videokonferenz auf Schüller, um seine Ablehnung des Szenarios einer Untersuchung gegen ihn unter dem Vorsitz von Genn zum Ausdruck zu bringen: "Dieser Anwalt des Kanonischen Rechts weiß zum Beispiel offenbar nicht, daß der älteste Bischof in einer kirchlichen Provinz keinen Kardinal vor Gericht stelen kann, das kann nur der Papst ", sagte Woelki.

Wir sind gespannt, wie es weitergeht.

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Hl. Thomas, bitte für uns

Bild: Wikimedia Commons

(28. 1. 2021)

Heute gedenkt die Kirche des hl. Thomas v. Aquino - des größten und wirkmächtigsten Kirchenlehrers seit den Tagen der Väter. Sein an klassischen Vorbildern geschultes und streng der Rationalität und wisssenschaftlicher Aufrichtigkeit verpflichtetes Denken hat die Theologie jahrhundertelang geprägt - auch da, wo es zeitweise nicht voll verstanden oder hinter Spitzfindigkeiten verschleiert wurde. Der Versuch des 20. Jahrhunderts, die Klarheit seiner Gotteslehre mit Rahnerschem Geraune zu ersetzen, kann als gescheitert gelten - es hat sich wissenschaftlich als steril und pastoral als verderblich erwiesen.

Das Datum des heutigen Gedenkens folgt nicht wie bei den meisten Heiligen ihrem als "Geburtstag für den Himmel" wahrgenommen Todestag - das wäre bei Thomas der 7. März 1274 - sondern dem Jahrestag der glanzvollen Überführung der Gebeine des bereits 1323 Heiliggesprochenen in die Dominikanerkirche von Toulouse im Jahr 1369. Zu diesem Anlaß hat der gelehrte Dominikanermönch Aldobrandini Ferrariensis drei Hymnen für das Ordensbrevier geschrieben, die nach allen Regeln der klassischen Dichtkunst das Lob des großen Lehrers singen und dem den schuldigen Tribut zollen, durch den er die Lehre empfangen hat:

Während das himmlische Gestirn

den Augen das Licht sichtbar macht,
ist die dem Thomas verliehene Gestalt
mit Licht für Jahrhunderte erfüllt.

...

Lasst uns mit frohen Stimmen
den Ruhm des ewigen Königs lobsingen,
der uns durch die Bitten
des glückseligen Thomas Verzeihung gewähre.

Alle drei Hymnen sind im Hymnarium im lateinischen Originaltext und der deutschen Übersetzung von René Strasser nachzulesen. Vom Einstieg bei der Hymne zu den Laudes Superna mater inclita führen (in der Scholie) Links zu den beiden anderen..

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