Bereichsnavigation Meldungen:

„Weder notwenig noch wünschenswert“

Wigratzbad gibt es auf dem katholischen Atlas zweifach: Einmal den Wallfahrtsort, in Kleriko-Neusprech „Gebetsstätte“ geheißen, und dann als Standort des Priesterseminars der Petrusbruderschaft. Organisatorisch ist beides unabhängig voneinander, aber funktional und auch personell gab es in der Vergangenheit diverse Überschneidungen, die auffälligste dieser Überschneidungen bestand darin, daß die Bruderschaft für große Anlässe die Kirche der Gebetsstädte nutzen konnte. Das Priesterseminar selbst hat nur eine kleine Kapelle.

Nun war die Nutzung der Kirche für die Gemeinschaft der alten Liturgie nie unproblematisch - es ist halt ein typischer Bau der Nachkonzilszeit, errichtet zur höheren Ehre des Architekten und seiner Freunderln im Ordinariat. Seit einem erneuten Umbau im vergangenen Jahr ist die Kirche nun für Weihen in der überlieferte Liturgie überhaupt nicht mehr verwendbar. Man kennt das: Wo die geltende Rechtslage nichts hergibt und Argumente nicht gefragt sind, hilft allemal Beton. Die Bruderschaft musste daher für ihre letzten Weihen auf andere Kirchen ausweichen - die Priesterweihe im Juni fand in Lindenberg statt.

Die Bruderschaft hat daher, wie das Kirchenrecht es vorschreibt, das Bistum Augsburg um die Genehmigung gebeten, am Ort ihres Priesterseminars eine für die überlieferte Liturgie geeignete Kirche bauen zu dürfen - aus eigenen Spendenmitteln, um die notleidende Kirchensteuerkasse der Diözese nicht zu belasten. Eine  bereits 2013 eingereichte dahingehende Bitte hat Bischof Zdarsa jetzt abgelehnt. Zur Begründung erklärte sein Pressesprecher Michel, es gebe am Ort bereits mehrere öffentliche Sakralräume, ein zusätzlicher sei daher „weder notwendig noch wünschenswert“.

Vom neuen Frühling

Die Deutsche Bischofskonferenz hat heute Zahlen zur Kirchenstatistik 2014 veröffentlicht. Sie weisen - unter anderem - für dieses Jahr 217 716 Kirchenaustritte aus. Das ist das bisher höchste Jahresergebnis, höher noch als im Jahr 2010, dem Höhepunkt des Mißbrauchskandals.

Die üblichen Verdächtigen haben die Zahl in der üblichen Weise kommentiert.  Bischof Genn von Münster, Vorsitzender der DBK-Kommission für geistliche Berufe und Kirchliche Dienste, brachte die „Verwirrung um den Kirchensteuereinzug auf Kapitalvermögen“ ins Spiel. Der Sprecher von Wir sind Kirche lieferte eine Spitzenleistung in angewandter Dialektik: „Der Geist von Franziskus ist noch nicht so in Deutschland spürbar, wie es sein müsste. Diese Kontrollwut, wie wir sie auch von Papst Benedikt erlebt haben - das muss vorbei sein.“

Besonders schöne Worte fand der DBK-Vorsitzende Kardinal Marx:

Die heute veröffentlichte Statistik zeigt, dass Kirche vielgestaltig ist und eine missionarische Kraft hat, auch wenn uns die hohe Zahl von Kirchenaustritten schmerzlich bewusst macht, dass wir Menschen mit unserer Botschaft nicht erreichen. Hinter der Zahl der Kirchenaustritte stehen persönliche Lebensentscheidungen, die wir in jedem einzelnen Fall zutiefst bedauern, aber auch als freie Entscheidung respektieren.“

In einer Synthese aller genannten, angedeuteten oder unterstellten Gründe versuchte sich der Kölner Generalvikar Dominik Meiering: 

Der Kirchenaustritt ist nur der letzte Schritt auf einem langen Weg, auf dem einem Menschen die Kirche immer fremder wird. Wer in der Kirche keine Heimat mehr hat, dem fällt es leichter, bei einem akuten Anlass förmlich den Austritt zu erklären.“

Doch genau die Suche nach einem akuten Anlass dürfte in die Irre führen, die Realität ist weitaus weniger spektakulär - und dafür viel beunruhigender: Inzwischen kommt die zweite Generation der nach dem Konzil aufgewachsenen und von keiner Katechese, keinem inhaltlich relevanten Religionsunterricht und keiner missionarischen Predigt jemals erreichten Taufscheinkatholiken ins berufstätige Alter. Sie bekommen ihre Lohnabrechnung oder ihren Steuerbescheid und stolpern dort über einen Posten, an den sie ja überhaupt nicht gedacht hatten: Die Kirchensteuer. Da braucht es in den meisten Fällen keinen langen Weg  oder eine persönliche Lebensentscheidung - der Austritt aus der Kirchensteuergemeinschaft ist für viele in dieser Generation wenig mehr als ein naheliegender Schritt zur Aufbesserung der Urlaubskasse.

Eine Ernennung in Chur

Wenige Tage vor dem 8. Jahrestag des Motu Proprio Summorum-Pontificum erreicht uns eine überaus erfreuliche Nachricht aus dem Bistum Chur. Auf der Website der Diözese heißt es unter Datum vom 30. Juni:

Der Bischof von Chur hat am 15. Juni 2015 den Pfarrer der Personalpfarrei „Hl. Maximilian Kolbe“, P. Martin Ramm FSSP, zum „Bischofsvikar für die Angelegenheiten der Ausserordentlichen Form des Römischen Ritus“ im Bistum Chur ernannt. Die Ernennung ändert nichts Wesentliches an den bisherigen Verantwortlichkeiten von Pater Martin Ramm. Jedoch möchte der Bischof von Chur damit die besondere Verantwortung gegenüber „Gläubigen eines bestimmten Ritus oder eines bestimmten Personenkreises“ (can. 476 CIC) hervorheben.  

Das ist zwar, wie in der Meldung selbst bereits zum Ausdruck gebracht, ein eher symbolischer Akt, aber er bekräftigt noch einmal die besondere Fürsorge, die die der überlieferten Form der Liturgie und Lehre verbundenen Katholiken in diesem Bistum erfahren. Dabei geht diese Fürsorge weit vor die Zeit von Summorum Pontificum - durch das sie rechtlich allen Bistümern der Kirche anempfohlen wird - zurück: Die beiden dort bestehenden Personalpfarreien im alten Ritus haben als Messzentren der alten Liturgie eine mehr als 35-jährige Geschichte.

In Deutschland gibt es unter dem Einfluss der traditionsfeindlichen Mehrheit der deutschen Bischofskonferenz nach wie vor keine einzige Personalpfarrei des überlieferten Ritus. Allerdings hat Bischof Hanke von Eichstätt kurz nach dem Erlass des Motu Proprio den Kirchenrechtler Dr. Alexander Pytlik im Dezember 2007 zum „Verantwortlichen für die Feier der außerordentlichen Form der lateinischen Liturgie in der Stadt Eichstätt“ ernannt und ihn als Kirchenrektor der ehemaligen Dominikanerkirche St. Peter und Paul eingesetzt.

Priesterweihen in Lindenberg/Wigratzbad

Wie wir bei den Kollegen von katholisches.info lesen, konnte auch die Petrusbruderschaft am vergangenen Samstag Priesterweihen durchführen. In der Pfarrkirche von Lindenberg - die der Diözese gehörende Kirche am Seminarort Wigratzbad ist nach der letzten zeitgeistunterworfenen Renovierung für solche Zeremonien nicht mehr verwendbar - empfingen sogar sechs Diakone aus mehreren europäischen Ländern die Priesterweihe. Weihender Bischof war S.E. Nicolas Brouwet von Tarbes und Lourdes.

Auf katholisches.info gibt es auch einige Bilder von der Weihe in Lindenberg. Auf den hier regelmäßig besuchten Webseiten der Petrusbruderschaft haben wir noch keine Meldungen oder Bilder gefunden. Inzwischen sind Bilder von den Weihen auf französischen Websites aufgetaucht, und zwar auf Seminaire Saint-Pierre Wigratzbad und bei der überaus rührigen Schola Saint Cecile.

Priesterweihe in Zaitzkofen

Am gestrigen Samstag, den 27. Juni, hat Weihbischof de Galarreta im Seminar „Herz Jesu“ Zaitzkofen zwei Diakonen der Piusbruderschaft die Priesterweihe erteilt und zwei weitere Seminaristen zu Diakonen geweiht. Bereits im Mai hatten drei Seminaristen in Zaitzkofen von Weihbischof Tissier de Mallerais die Diakonsweihe empfangen; weitere Weihen dieses Jahres haben am 12. Juni im amerikanischen Seminar stattgefunden bzw. werden am 29. Juni in Ecône stattfinden.

Der Regens des Seminars, P. Franz Schmidtberger, zitierte in seinem Einladungsartikel zur Priesterweihe im Mitteilungsblatt Juni Zahlen aus einer unlängst durchgeführten Umfrage unter anderem zum spirituellen Leben der Priester in Deutschland und kam zu einer niederschmetternden Zusammenfassung:

Führen Sie sich die Zahlen aus den jüngsten Umfrageerhebungen vor Augen: 54 % der Priester in Deutschland erklären, dass sie nur einmal im Jahr oder noch seltener zur hl. Beichte gehen. Wie mag es in solchen Priesterherzen aussehen! Bei den Diakonen sind es 70 %, bei den Pastoralassistenten erreicht die Zahl eine schwindelerregende Höhe. 58 % der Priester erklären, dass sie jeden Tag oder öfters am Tag beten. Das heißt nun nichts anderes, als dass 42 % nicht jeden Tag, vielleicht nur selten oder überhaupt nicht beten.“

Ob solche Entwicklungen die Tätigkeit der FSSPX außerhalb der anerkannten kirchlichen Strukturen rechtfertigen, ist unsererseits nicht zu beurteilen. Daß der von der Bruderschaft immer wieder angeführte „Notstand“ keine reine Erfindung ist, steht allerdings außer Zweifel.

Zusätzliche Informationen