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Priesterweihe in Linz

Am kommenden 4. Juli wird Bischof Schwarz von Linz in seiner Bischofskirche einem Diakon der Petrusbruderschaft die Priesterweihe erteilen. Die Weihe von Diakon Philipp Faschinger, der aus der Diözese stammt, wird im überlieferten Ritus erfolgen.

Der Vorgang ist in mehrfacher Hinsicht bemerkenswert. Bisher waren die regierenden Bischöfe des deutschsprachigen Raumes generell höchst zurückhaltend, überhaupt die Messe im überlieferten Ritus zu zelebrieren; erst recht nicht in ihrer Bischofskirche. Ausnahmen waren Erzbischof Haas von Lichtenstein und Bischof Huonder von Chur. Die Diözese Linz und ihr Bischof stehen nun nicht gerade für besondere Anhänglichkeit an die Tradition: In wenigen Bistümern von DACH ist der zahlenmäßig dominierende progressive Teil von Gläubigen und Klerus so radikal, so antirömisch und so von Irrlehren beeinflusst wie in Linz. Die Diözese ist tief gespalten; die wenigen traditionstreuen Kräfte haben einen schweren Stand, und der stets auf Ausgleich bedachte und wenig tatkräftige Bischof ebenso.  

Dennoch ging die Initiative zur bevorstehenden Weihe in Linz wohl von Bischof Schwarz aus: Der Bischof wird in diesem Jahr 75, muss dementsprechend seinen Rücktritt anbieten und wollte - so wird zumindest berichtet - sein letztes Amtsjahr nicht ohne eine Priesterweihe beschließen, zumal auch in den letzten Jahren schon keine „eigenen“ Priester für die Diözese geweiht werden konnten. In der Petrusbruderschaft werden in diesem Jahr insgesamt 9 Diakone zu Priestern geweiht - Faschinger ist allerdings der einzige aus dem deutschsprachigen Raum.

PMT-Hauptversammlung 2015

Von der PMT-Hauptversammlung 2015 in Frankfurt, aus deren Anlass S.E. Kardinal Burke ein Pontifikalamt zelebrierte, gibt es jetzt auf der Seite der PMT einen kurzen Bericht (pdf) sowie eine Bilderschau. Wir nutzen diesen Hinweis zuätzlich als Gelegenheit, auf ein bereits 2011 erstmals online gestelltes Interview mit P. Martin Reinecke aufmerksam zu machen, in dem Reinecke die Bedeutung des Liturgiehistorikers Klaus Gamber darstellt. Die Schriften Gambers sind großenteils im Antiquariatshandel zu bekommen, besonders empfehlenswert sind die beiden kleineren Bände „Ritus modernus: Gesammelte Aufsätze zur Liturgiereform“ und „Die Reform der Römischen Liturgie, Vorgeschichte und Problematik“ sowie die ausführlichere Darstellung „Liturgie Übermorgen - Gedanken über die Geschichte und Zukunft des Gottesdienstes“.

Pontifikalamt in Frankfurt

Zum 25. Jahrestag von Pro Missa Tridentina Deutschland hat S. E. Raimond Cardinal Burke gestern in St. Mauritius in Frankfurt ein Pontifkalamt gefeiert. k-tv hat eine leicht gekürzte Aufzeichnung mit einem zurückhaltenden, aber hilfreichen Kommentar von P. Martin Reinecke ins Netz gestellt.

Klaus Pfeffers Rundum-Sorglos-Kirche

Das Skandalöse an der Zukunftsvision für die Kirche von Klaus Pfeffer ist ja nicht, daß sie das Erlöschen der katholischen Kirche in Deutschland voraussieht – das ist noch nicht einmal originell. Wenig originell ist es auch, daß diese Vision für Pfeffer kein Schreckens-, sondern ein Wunschbild ist – das teilt er mit vielen. Originell ist dagegen, daß SciFi-Autor Pfeffer im Brotberuf Generalvikar des Bistums Essen ist – und das ist denn doch auch wieder skandalös.

Die Grundlinien des Pfefferschen Zukunftsbildes sind schnell skizziert. Die darin vorkommenden „Christen“ haben etwas, von dem man freilich nicht so genau sagen kann, was es ist. Sie sind einfach angenehme, sympathische Zeitgenossen, die sich ehrlich und aufrichtig in der Welt bewegen. Sie gehen achtsam und feinfühlig mit anderen um, sind hilfsbereit und verläßlich und erregen sicherlich keinen Anstoß, mit Nichts und bei Niemandem. Mit ihnen hält mehr Menschlichkeit Einzug in den gesellschaftlichen Alltag. So ist ihnen ein Plätzchen unter vielen unterschiedlichen religiösen oder weltanschaulichen Gruppen sicher.

Mehr oder weniger regelmäßig treffen sie sich in kleinen Gemeinschaften oder zu Fortbildungsangeboten. In größeren Städten und an zentralen Orten gibt es attraktive Kirchenzentren, die im Inneren (außen wollte der Denkmalschutz nicht mitgehen) modernisiert sind und eine einladend meditative Atmosphäre verbreiten. Sie geben festlichen Gottesdienste, die von geistlichen Leiterinnen und Leitern mit hohen Management-Qualitäten durchgeführt werden und in die sich alle einbringen können, einen ansprechenden und schwungvollen Rahmen. In diesem Rahmen wird die ältere Glaubenstradition in die gegenwärtige Zeit übersetzt. Konfessionen gibt es keine mehr, aber das vielfältige Angebot wird unterschiedlichen Traditionen gerecht. Diese Angebote sind sehr angesehen, denn neben hoher fachlicher Kompetenz ziehen sie mit einer zusätzlichen christlichen Prägung Menschen in unterschiedlichsten Problemlagen an.

Ist das nicht schön?

In Pfeffers schöner neuer Welt gibt es zwar noch „Christen“ undefinierter Denkungsart, aber keinen Christus, und Gott nur noch als Bestandteil des Serviceangebots „Gottesdienst“. Da hierfür Gottesdienstleiterinnen und -leiter zuständig zeichnen, sind auch die bisherigen Probleme mit Priestermangel, Zölibat und Frauenordination aufs angenehmste entsorgt. Von Sakramenten ist ohnehin keine Rede – entfällt also auch jede Debatte mit den ehemals Reformierten, wie viele es davon geben soll.

Besonders tröstlich der Hinweis, daß die Leiterinnen und Leiter der Gottesdienstzentren bei der Gestaltung der Angebote den unterschiedlichen Traditionen gerecht werden - der einfühlsame Umgang der Ordinariate pfefferscher Prägung mit den Anhängern der katholischen Traditon zeigt ja, wie das geht: Ab in die Friedhofskapelle! Oder noch wahrscheinlicher:

Leider ist dem Ansuchen ihrer Gemeinschaft auf Zuteilung eines Zeitslots zur Nutzung unseres Kirchenzentrums nicht stattzugeben, da ihre Weigerung, Frauen als Gottesdienstleiterinnen zu beschäftigen und Eheschließungen unabhängig von Zahl und Gender der teilnehmenden Bürgerx zu ermöglichen, dem Antidiskriminierungsethos unserer Gesellschaft, dem auch wir uns vor allem verpflichtet sehen, nicht gerecht wird.

Hochachtungsvoll unleserlich.

Ein zweiter Beitrag zum Thema wird die sozialökonomischen Hintergründe der von Hw. Msgr. Generalvikar Pfeffer skizzierten und erhofften Entwicklung beleuchten.

Gesiebte Tradition

Der hl. Liborius war im 5. Jahrhundert Bischof und Bürgermeister von Le Mans -ein Amts- und Zeitgenosse des hl. Martin von Tours, und wenn man den Berichten Glauben schenken kann, ähnlich wirkungsmächtig und erfolgreich. Seit der Übertragung seiner Reliquien aus Westfranken nach Ostfranken zu den gerade befriedeten und getauften „Sachsen“ von Paderborn im Jahr 836  wird der Liboritag dort mit großer Anteilnahme gefeiert - es ist, wie wenn Weihnachten und Ostern auf einen Tag fallen, Kirchentag von oben und von unten noch dazu und im weltlichen Paderborn ein Volksfest reif für einen Eintrag im Buch der Rekorde.

Kirchlicherseits holt man für das neuntägige Fest alles hervor, was die Schatzkammern der Tradition zu bieten haben: Zu Beginn wird der Schrein im Dom ausgesetzt - geschmückt mit dem Ehrenzeichen eines Flabellum, das sich in Rom keiner mehr aus der Versenkung zu holen traute. Am Sonntag tragen zünftige Bruderschaften den goldenen Schrein mit den Reliquien des Heiligen in einer Prozession durch die Stadt. Für die Pontifikalvesper gibt es ein eigenes aus dem Spätmittelalter stammendes musikalisches Programm.  Nach dem Libori-Triduum wird der Schrein am Dienstag feierlich wieder beigesetzt - das Fest geht weiter. 

Während der neun Tage gibt es Pontifikalämter für die verschiedensten Gruppen und Intentionen: Am ersten Sonntag der Ortsbischof für alle, am Montag mit dem Bischof von Le Mans für die Völkerverständigung und ein weiteres für die Frauen. Am Dienstag Pontifikalamt für das Landvolk (ohne Differenzierung nach Frauen und Männern - die sind wohl noch nicht so weit). Am Mittwoch eines für die Missionarinnen und Missionare. Donnerstag Pontifikalamt für „die ältere Generation“ (die sind wohl schon darüberhinaus). Am Freitag gibt es gleich zwei Pontifikalämter: Zunächst eines für die Ministrantinnen und Ministranten, am Abend noch eins für die Jugendlichen. Samstags haben die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter der Caritas ihr Pontifikalamt, am zweiten Sonntag die Familien.

Da lag es nahe, daß die in Paderborn durchaus zahlreich vertretenen Anhänger der überlieferten Liturgie ein Gesuch an das Bistum stellten, man möge auch für sie ein Pontifikalamt im alten Ritus ausrichten, also in dem Ritus, der nach Summorum Pontificum eine von zwei Formen des römischen Ritus darstellt und Anspruch auf gleiche Anerkennung und Wertschätzung hat. Die Antwort des zuständigen Amtswalters (hier eine ausführlichere Darstellung) kam im besten Kanzleistil und verfügte nach Hinweis auf die behauptete Sättigung des Grundbedarfs: „...Von da­her er­scheint mir das An­ge­bot an hl. Mes­sen in der außer­or­dent­li­chen Form des römi­schen Ri­tus in der Li­bo­ri­wo­che mehr als aus­rei­chend zu sein und kei­ner Er­wei­te­rung durch die Fei­er ei­nes Pon­ti­fi­kal­am­tes zu bedürfen.“

Nein, das ist kein Skandal und bestenfalls eine milde Form von Diskriminierung. Aber es ist ein weiteres Indiz dafür, daß die Funktionärskirche längst jedes inhaltliche Verhältnis zur Tradition (und nebenbei auch zum geltenden Recht) verloren hat. Die Tradition ist eine Abstellkammer, aus der man hervorholt, was man gerade brauchen kann, und in der man verstauben lässt, was den Tagesbedürfnissen zu widersprechen scheint. Und dazu gehört eben auch die Form der Liturgie, in der die Paderborner 1000 Jahre lang das Fest ihres Heiligen begingen. Wer sich dazu bekennt, kann bestenfalls auf Zuteilung des Grundbedarfs hoffen - von der anderswo demonstrierten Fülle, von Entgegenkommen und Empathie bleibt er ausgeschlossen.

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