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„Ars Celebrandi“ in Polen

Anfang dieses Monats hat im polnischen Marienwallfahrtsort Lichen ein Workshop zur ars celebrandi in der überlieferte Liturgie stattgefunden. Insgesamt haben über 150 Priester, Seminaristen, Kirchenmusiker und Ministranten an der einwöchigen Veranstaltung unter dem Patronat von Ortsbischof Wieslaw Mehring teilgenommen. Teilnehmer kamen nicht nur aus Polen, sondern auch aus Nachbarländern wie Tschechien, Litauen und Lettland. Sogar aus Frankreich, dem die polnischen Traditionalisten durch das Institut Bon Pasteuer besonders verbunden sind, waren zwei Priester angereist. Zehn Priester - einige von ihnen schon vor vielen Jahren geweiht - feierten während des Workshops ihre erste Heilige Messe in der überlieferten Form.

Die Veranstaltung, die auch im kommenden Jahr wieder stattfinden wird, hat ihre eigene Website - die Google-Übersetzung ins Englische ist gut lesbar. Ganz ohne Übersetzung kann man die Bildergalerie bewundern, auf der die Veranstalter über 600 Bilder vom diesjährigen Workshop zusammengetragen haben. 

Schlechte Nachricht aus England

Mit Beginn dieses Monats wurde „his Hermeneuticalness“, der auch unseren Lesern wohlbekannte Fr Timothy Finigan, von Blackfen, einer westlichen Teilstadt von London, nach Margate an der Küste versetzt.  Sein Nachfolger wurde Fr. Steven Fisher, der - s. Photo - zu Ratzinger-Zeiten einen durchaus traditionsnahen Eindruck erweckte und auch gelegentlich die „außerordentliche Form“ zelebrierte. Deshalb war man allgemein guter Hoffnung, Fisher werde die von Finegan über Jahre hinweg entwickelte Praxis beibehalten, eine von mehreren Sonntagsmessen und auch einzelne Werktagsmessen weiterhin in der überlieferten Form zu zelebrieren.

Das war ein krasser Irrtum. Nach aktuellen Meldungen aus Blackfen brauchte Fisher keine 14 Tage im neuen Amt, um in der hl. Messe in der überlieferten Liturgie ein Element der Spaltung zu erkennen, das darüberhinaus ortsfremde Elemente in die Kirche von Blackfen locke. Ende des Monats sei Schluss damit, ordnete der neue Pfarrer an, und wenn es in Zukunft überhaupt noch gelegentich lateinische Messen am Ort geben solle, dann nach seinem, Fishers, Ritus - mit Kommunionhelferinnen, Handkommunion und allem, was das Konzil an segensreichen Gaben beschert hat.

FSSPX im Petersdom

Am 9. August dieses Jahres konnte P. Michel de Sivry vom franösischen Distrikt der Piusbruderschaft mit Erlaubnis der zuständigen römischen Stellen eine hl. Messe in der Peterskirche feiern. Ort der Zelebration war der Altar mit den Gebeinen des hl. Papstes, dessen 100. Todestages (20. August) in diesem Jahr gefeiert wird. P. de Sivry war aus Anlass dieses Gedenkjahres mit einer Gruppe von Gläubigen von der Gemeinde Saint-Martin-des-Gaules in Noisy-le-Grand nahe von Paris nach Rom gekommen.

Es wäre sicher eine Übertreibung, dieses erfreuliche Ereignis als Indiz für eine bevorstehende Überwindung der tiefgreifenden Meinungsverschiedenheiten zwischen der Bruderschaft und maßgeblichen römischen Kongregationen sehen zu wollen. Andererseits setzt es doch die teilweise hochrangigen Würdenträger ins Unrecht, die keine Gelegenheit versäumen, die Bruderschaft als "schismatische Gruppierung" zu bezeichnen.

Weitere Information sowie ein Video von der Messfeier finden sich auf der offiziellen Seite des französischen Distrikts der Bruderschaft La Porte Latine.

Karmeliter der Tradition in Italien

P. Konrad Löwenstein - ein Sohn des vor kurzem verstorbenen Prinz Rupert Löwenstein, des langjährigen Vorsitzenden der Latin Mass Society von England und Wales - hat in einem Schreiben an das traditionsorientierte Blog „cordialiter“ eine bemerkenswerte Mitteilung gemacht:

Ich habe Informationen über eine Initiative, die im Herbst eine kontemplative Gemeinschaft karmelitischer Spiritualität mit dem überlieferten Ritus errichten will.

Wie aus anderen Quellen zu erfahren war, ist P. Löwenstein selbst maßgeblich an der Gründung der neuen Vereinigung beteiligt. Als Kontakt für junge Männer, die sich für die Petrusbruderschaft oder die Neugründung interessieren, hat er auf „cordialiter“ eine Mailadresse angegeben: Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein! .

Die Petrusbruderschaft, deren Kommunität in Venedig P. Löwenstein derzeit angehört, ist bis jetzt in Italien wenig verbreitet. Klösterliche Gemeinschaften, die der überlieferten Liturgie verpflichtet sind, scheint es allerdings mehrere zu geben. Wohlbekannt sind die Benediktiner von Norcia und die Benediktiner der Immaculata von Villa Talla in der Diözese Albenga-Imperia. Die meisten anderen traditionsorientierten Konvente in Italien gehören allerdings dem weiteren Umfeld der Piusbruderschaft an oder haben gänzlich irregulären Status. Eine ungute Folge der auch in Italien vorherrschenden Tendenz, die traditionsorientierten Katholiken mit allen Mitteln auszugrenzen, statt ihnen den Raum in der Kirche zu geben, auf den die zweitausendjährige Tradition selbstverständlichen Anspruch hat.

Katholische Spannweite

Die beiden Herren rechts und links dürften auch den meisten Lesern von Summorum Pontificum bekannt sein: Es sind die 'Rolling Stones' Keith Richards und Mike Jagger, sie sehen sich auf diesem Bild von 1991 entschieden ähnlicher als auf aktuellen Aufnahmen. Aber wer ist der Gentleman in der Mitte? Es ist der Finanzberater der Stones, der sie 1968 aus einem Knebelungsvertrag mit ihrem früheren Manager und dessen Plattenfirma herausholte und ihnen ermöglichte, erstmals Geld zu verdienen – und das nicht zu knapp.

Der Banker, der die Gruppe bis 2007 betreute, ist auch der Grund dafür, daß dieses Bild auf Summorum Pontificum erscheint: Für Prince Rupert Loewenstein, mit vollem Namen Fürst Rupert Louis Ferdinand Frederick Constantine Lofredo Leopold Herbert Maximilian Hubert John Henry zu Löwenstein-Wertheim-Freudenberg, wird am heutigen Samstag in St James, Spanish Place, London ein levitiertes Requiem in der überlieferten lateinischen Liturgie gefeiert. Als Präsident und Geldgeber der Latin Mass Society und in gelegentlichen publizistischen Auftritten hat sich der Finanzfachmann jahrzehntelang für Erhalt und Verbreitung der Liturgie in ihrer gewachsenen Form eingesetzt.

Die Musik der Stones schätzte er nicht besonders, diese umso mehr seine Fähigkeit zum Umgang mit Geld: „Er ist mindestens so sehr ein Künstler in Geldangelegenheiten wie ich auf der Gitarre“ ließ sich Keith Richards zitieren. Die Szene, für deren Stars Rupert Löwenstein sein Können einsetzte, und von der er sich ansonsten eher fernhielt, wollte ihn mit dem Spitznamen „Rupie the Groupie“ provozieren – er trug es ohne mit der Wimper zu zucken. Und wo Mike Jagger Frauen und Gespielinnen schneller wechselte, als die Boulevardpresse nachhalten konnte, blieb Rupert bei seiner Josephine Clare – wäre er nicht vor vier Wochen im Alter von 80 Jahren gestorben, hätten die beiden im Juli ihren 57. Hochzeitstag gefeiert.

Wer mehr über das erstaunliche Leben dieses Lebens in einer wahrhaft katholischen Spannweite erfahren will, wird vermutlich in seiner letztes Jahr erschienenen Autobiographie „A Prince Among the Stones“ fündig. Für uns reicht hier ein Hinweis, der erkennen läßt, daß das Engagement Löwensteins für die Liturgie jedenfalls viel mehr war als der Spleen eines Aristokraten. Während Tochter Maria Theodora einen Kunsthändler aus altem pisanischem Adel geheiratet hat, trat Sohn Rudolf in den Dominikanerorden ein; der jüngere Sohn Konrad wurde ebenfalls Priester, er gehört der Kommunität der Petrusbruderschaft an, die in Venedig die Kirche San Simeone Piccolo betreut.

Und nun warten wir also darauf, wen wir auf den Bildern vom heutigen Requiem zu sehen bekommen – rund um die „alte Messe“ können die erstaunlichsten Dinge geschehen.

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