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Paris - Chartres - Paris

Bild: www.nd-chretiente.comFür viele traditionsorientierte Katholiken in Frankreich, vor allem unter den jüngeren, ist es ein Höhepunkt des Jahres: Die alljährlich zu Pfingsten stattfindende Wallfahrt von Notre Dame in Paris zur Kirche Notre Dame in Chartres. In diesem Jahr schon zum 35. Mal.

Genau genommen ist es ein zweifacher Höhepunkt: Während die Gläubigen, die sich den Gemeinschaften von Ecclesia Dei verbunden fühlen, von Paris nach Chartres pilgern, wandern umgekehrt die Anhänger der Piusbruderschaft von Chartres nach Paris – auch in diesem Jahr noch auf dem (fast) gleichen Weg, aber in der anderen Richtung, zumindest geographisch gesehen. Beide Pilgerzüge ziehen Tausende von Teilnehmrn an, die sich für einige Tage aus dem weltlichen Getriebe verabschieden und ganz demonstrativ katholische Gegenkultur nach Innen leben und nach Außen demonstrieren. Zumindest in der Regionalpresse wird diese Demonstration durchaus zur Kenntnis genommen.

Aktuelle Bilder vom Zug in Richtung Chartres gibt es auf der Website Notre-Dame de Chrétiené, von der Pilgerfahrt in Richtung Paris auf pelerinagesdetradition.com.

Immer weniger Priester

Bild:Mark Ahsmann, CC BY-SA, WikimediaEine Überraschung ist das nicht: Im Bistum Osnabrück gibt es in diesem Jahr erstmals seit hundert Jahren keine einzige Priesterweihe. Nach Zahl der Katholiken (570 000) gehört das Bistum zu den mittelgroßen Diözesen Deutschlands, und es gab auch einmal eine Zeit, in der die Katholiken der Diaspora als besonders glaubenstreu galten – aber das ist lange her. Seit 22 Jahren ist mit Franz Josef Bode ein Mann Bischof von Osnabrück, der zu den bekanntesten Vertretern des deutschen Postkatholizismus gehört: Diakoninnen – na klar, Zölibat „angemessen, aber nicht zwingend“ , Minarette ein Teil Deutschlands – aber sicher doch. In seiner Zeit vor Osnabrück war Bode in mehreren Funktionen für die Priesterausbildung zuständig – wie qualifiziert er für diese Aufgabe war, kann man ja jetzt sehen. Für das, wofür dieser Bischof steht, werfen immer weniger junge Männer ihr Leben in die Waagschale.

Das Niederschmetternde ist, daß Bode und sein mit Absicht oder aus Unvermögen auf eine priesterlose Kirche zulaufender Kurs ja keine Einzelerscheinung ist, nicht in Deutschland und nicht in der Weltkirche. Wie es der Zufall will, wurden gerade dieser Tage auch Statistiken bekannt, die ein deprimierendes Bild von den entsprechenden Entwicklungen weltweit zeichnen: Erstmals hat Europa im Jahr 1915 mehr Priester verloren, nämlich 2502, als in der ganzen Welt neu geweiht wurden: 2366. Ein großer Teil der Priester in Europa und Nordamerika gehört in die Altersgruppe der über 70-Jährigen. Ein noch viel stärkerer Rückgang der Zahlen in den nächsten Jahren ist daher absehbar – und unvermeidlich, wenn man auf die Entwicklung in den Seminaren schaut, von denen viele in den vergangenen Jahren zusammengelegt oder geschlossen werden mußten.

Wobei freilich für Deutschland und (West-)Europa eines festzuhalten ist: In Relation zu der immer kleiner werdenden Zahl von Getauften, die am Leben der Kirche teilnehmen, bleibt der Anteil der Priesterberufungen über die Jahrzehnte hin bemerkenswert konstant. Der eigentliche Befund ist nicht „Kirche ohne Priester“, sondern „Gesellschaft ohne Kirche". Soviel zu den Illusionen eines „Neuen Frühlings“ und einer „Neuen Pastoral“ - die wohl mit ihren letzten Vertretern dahingehen werden müssen.

Die 11. Woche

Link zur Broschüre im TextDie Woche begann schlecht mit der Nachricht aus Brüssel, daß Erzbischof Kardinal de Kesel die seit 2001 im Bistum wirkenden glaubenstreuen „Gemeinschaften von Jerusalem“ aus der Diözese gedrängt hat: sie passten nicht mehr in das neue pastorale Konzept. Auch das Priesterseminar der Jerusalemer, an dem unter anderem junge Männer aus Frankreich studierten, die sich die vom Glaubenszerfall betroffenen Seminare ihres Heimatlandes nicht antun wollten, muß weichen: Das sei „unsolidarisch“ gegenüber den französischen Bistümern, wo vielfach Priestermangel herrsche. Wie kommt‘s wohl?

Die nächste schlechte Nachricht kam dann wie so oft in letzter Zeit aus Rom, wo erstmals anglikanische Amtsträger eine anglikanische Vesper im Petersdom feierten – als ob es in Rom nicht genügend Kirchen gäbe. Anderswo wäre freilich die Tatsache nicht genügend sichtbar geworden, daß als Lektorin für die erste Lesung Großbritanniens Botschafterin Sally Axworthy amtierte – Politik ist alles.

Das gilt ganz besonders natürlich in Deutschland, wo die Bischofskonferenz, die zu grundlegenden Glaubenslehren eher selten etwas Eindeutiges zu sagen weiß, zum Abschluß ihrer Frühjahrskonferenz mit aller Entschiedenheit verlautbarte, es sei mit dem christlichen Glauben unvereinbar, AFD zu wählen. (S. dazu auch Stellungnahme Prof. Ginderts vom Forum Deutscher Katholiken).

Wie sehr sich die Deutschkatholiken auf den herrschenden Zeitgeist festgelegt haben, demonstrierten ihre Repräsentanten dann auf ihrer „Jahrestagung Illegalität“, wo Positionen übernommen wurden, die vor zwei oder drei Jahren noch ausschließlich auf den Spruchbändern des schwarzen Blocks bei Demonstrationen linksradikaler Revolutionäre zu lesen waren, inzwischen aber unter einer CDU-Kanzlerin Regierungslinie geworden sind.

Die Unterwerfung unter dominierende Ansichten im gesellschaftspolitischen Bereich ist die eine Seite der Medaille. Die andere Seite wird dadurch gekennzeichnet, daß diese Helden der Selbstaufgabe in dem Maß von spezifisch katholischen, ja sogar von allgemein christlichen Positionen abrücken, wie diese dem säkularisierten Bewußtsein unbequem oder schlichtweg irrelevant geworden sind. Eine besonders unappetitliche Mischung dieser beiden Elemente ist dieser Tage an einer offiziösen Reaktion auf die Behandlung des Themas „Ostern“ beim Discounter Aldi-Süd sichtbar geworden.

Wir hätten auch nie gedacht, daß dieser Einzelhandelskonzern auf unserer Seite jemals eine Rolle spielen würde – aber so ist es nun mal gekommen. Denn: Die Leute von Aldi haben im Netz und auf einem in den Filialen auf Papier ausliegenden Heftchen (hier das PDF) versucht, ihren Kunden zu erklären, was es mit Ostern auf sich hat – und dabei gehen sie weitaus mehr in die Tiefe, als unsereins das erwartet hätte. Leseprobe:

Ostern feiern Christen auf der ganzen Welt jedes Jahr die Auferstehung von Jesus Christus, dem Sohn Gottes. Es ist das wichtigste Fest der christlichen Kirche – sogar noch wichtiger als das Weihnachtsfest. In den Tagen rund um das Osterfest – Palmsonntag, Gründonnerstag, Karfreitag, Karsamstag, Ostersonntag und Ostermontag –  finden deshalb auch besondere Gottesdienste in den Kirchengemeinden statt.

Und später:

Nachdem römische Soldaten Jesus gefangen genommen hatten, wurde er von Pilatus, dem mächtigsten Mann der Stadt, zum Tode am Kreuz verurteilt. Sein schweres Kreuz musste Jesus selbst auf den Berg tragen, auf dem er wenig später gekreuzigt wurde und starb. … Freunde und seine Mutter holten Jesus vom Kreuz, wickelten ihn in Tücher und legten seinen Körper in eine Höhle. Den Eingang der Höhle verschlossen sie mit einem großen Felsen. Als einige Frauen am Ostersonntag nach dem Grab schauen wollten, sahen sie, dass der Fels zur Seite gerollt und das Grab leer war. Plötzlich erschien ihnen ein Engel und erzählte von Jesus Auferstehung. Diese Auferstehung Christi von den Toten wird am Ostersonntag gefeiert.

Gut – nicht alles in dem Flyer ist so perfekt formuliert, daß eine der überlieferten Liturgie und Lehre treue Gemeinde ihn unbedingt auslegen müßte – aber inhaltlich bietet er eher mehr als weniger als etwa das „Kirche+Leben Lexikon“ des Bistums Münster.

Das ist natürlich nicht nur aus Gründen des „Markenschutzes“ für die Vertreter der Deutschkatholischen Kirche GmbH schwer erträglich. Einen Vertreter des mittleren Managements, Johannes Sabel, Leiter des Katholischen Bildungswerks Bonn, hat das so aufgeregt, daß er auf der Seite bonner-muenster.de einen wütenden Rundumschlag gepostet hat: Er kritisiert nicht nur – worüber man ja noch diskutieren könnte – daß das Handelsunternehmen mit werblicher Absicht den „Markt der Sinnanbieter“ betreten habe - ja was denn sonst? Er betet auch die ganze linksgrüne Litanei herunter von „fragwürdigen Arbeitsbedingungen“, „ausbeuterischer Dumpingproduktion“ und anderen Versatzstücken des zeitgeistigen Phrasenhandels. Oder dürfen nur vollendete Heilige vom Glauben sprechen - und wer beglaubigt das?

Am schönsten aber ist die Inhaltsbestimmung von Ostern, die der Katholische Bildungswerks-Leiter Sabel der Discounter-Broschüre entgegensetzt:

...dass wir im Tod Jesu gerade die ungerecht Leidenden erinnern und mit der Auferstehung eine Hoffnung verbunden ist, die für die Menschen eintritt, die unter Verhältnissen leiden, die ein Discounter wie ALDI wenn nicht erzeugt, so doch stützt...

Statt kindgemäßer Nacherzählung des Evangeliums ein Kurzreferat der Befreiungstheologie!

Jetzt warten wir nur noch darauf, daß Aldi-Süd mit seiner Broschüre unter Beschuß gerät, weil diese sich unsensibel gegenüber den religiösen Überzeugungen des moslemischen Kundensegments verhalte und dem „eine Welt – eine Religion“-Gedanken zuwider handle.

Tatsächlich stehen die Chancen nicht schlecht, daß einige Moslems, aber auch viele Kinder, die nur den kirchlichen Religionsunterricht besuchen, aus der bösen Broschüre vom bösen Aldi mehr über den christlichen Glauben erfahren könnten, als ihnen die Kirchen-GmbH jemals verraten wollte.

Kleider machen Leute

Photo: Roel van Koppenhagen auf katholisch.deDas letzte Mal, daß wir etwas von den niederländischen Dominikanern hörten, war anläßlich der Publikation ihres Manifests „Kirche und Amt“. Darin hatten sie das gesamte traditionelle katholische Verständnis vom Priestertum abgeräumt. Sie wollten nicht etwa nur das Priesteramt auch für Frauen und überhaupt jedes von 62 Geschlechtern öffnen – in Zukunft sollte es überhaupt keiner besonderen Weihe mehr bedürfen, den „Vorsitz bei der Eucharistiefeier“ zu übernehmen.

Nach 10 Jahren ist der Orden – über die Zahl seiner Angehörigen und Niederlassungen in NL war leider nichts in Erfahrung zu bringen – nun mit einer weiteren genialen Idee an die Öffentlichkeit getreten: Zusammen mit dem „bekannten Modelabel Byborre“ haben die Söhne des hl. Dominikus einen neuen Habit entwickelt, um auszutesten, auf welche Weise man die Mönche besser in der heutigen Gesellschaft sichtbar machen könne. Apostatisch.de, pardon, katholisch.de ist begeistert versäumt freilich nicht, gleich zweimal zu betonen, daß der neue Entwurf keinesfalls zur tatsächlichen Verwendung bestimmt sei, sondern nur die Diskussion über ein zeitgemäßes Charisma des öffentlichen Auftritts beflügeln solle. 

Das glauben wir aufs Wort.

Kleider machen Leute – das war schon immer so. Der andere Spruch, der einem hierzu einfallen könnte, wäre eine dominikanische Abwandlung von: Der Kaiser ist nackt. Das verkneifen wir uns aber. Nicht nur, weil es uns irgendwie unziemlich vorkäme, sondern weil die Verhältnisse ja wohl eher umgekehrt sind: Das neue Kleid, das beweisen die auf katholisch.de gezeigten Photos des im Habit posenden professionellen Models, gibt es zweifellos. Aber wie lange gibt es auch noch jemanden, der es tragen könnte?

Alte Liturgie in Albanien

Private Umstände, die die Arbeit an Summorum Pontificum in den vergangenen 14 Tagen behinderten, haben dazu geführt, daß wir diesen hier schon etwas länger vorliegenden Bericht von Piero Pilia erst heute veröffentlichen.

Am 01. Oktober wurde in Shkodra (Albanien), in der Kirche der Franziskaner, im Rahmen einer Trauung die erste Messe im tridentinischen Ritus in einer Kirche seit 1967 gefeiert. Dabei handelte es um eine Trauungsmesse, die auf ausdrücklichen Wunsch des Brautpares, beide Konvertiten, im Alten Ritus zelebriert werden sollte. 

Von der alten Ausstattung der Kirche, die Jahrzehntelang zweckentfremdet wurde, ist nichts mehr vorhanden, somit mußte alles Nötige für die Feier (Römische Kasel, Kanontafeln, Messbuch) vom Zelebranten selbst aus Rom mitgebracht werden.

Vor allem die feierliche Brautmesse hat bei den eingeladenen Gästen (darunter einige Mitglieder des Hochadels) einen bleibenden, positiven Eindruck hinterlassen. Sie wurde vom H.H. Pater Giorgio Lenzi vom Institut du Bon Pasteur gefeiert. Für den Gesang des Propriums und für die Ministration waren eigens zwei Mitglieder des Chorherrenstifts vom Hl. Erzengel Michael zu Sozan angereist. Der Gemeindechor hatte die Missa de Angelis erlernt, und die Mutter des Bräutigams (eine international bekannte Sopranistin) hat das Offertorium mit dem Ave Maria von Schubert begleitet. Die Begleitung erfolgte durch eine ausgezeichnete Organistin.

Besonders rührend war die Freude eines älteren Mannes, der es kaum fassen konnte, die Messe seiner Jugend endlich wieder mitfeiern zu können. Auch die anfängliche sympatische Skepsis des dortigen Ordinarius war nach der Messe verflogen. Am eindrucksvollsten war aber die Tatsache, daß auch die Muslime unter den Hochzeitsgästen vom feierlichen Ritus angetan waren.

Als Wehmutstropfen sei noch erwähnt, daß gemunkelt wurde, der Bischof der Stadt hätte zur gleichen Zeit die Diakonatsweihen angesetzt, um seinen Klerus zu hindern, auch nur aus Neugier bei der Alten Messe vorbei zu schauen. Am 2. Oktober konnte Pater Lenzi dann das eucharistische Opfer auch noch am Werkstagsaltar in der 2001 errichteten Kathedrale von Tirana feiern.

Das kommunistisch und im Geist Stalins regierte Albanien war 1967 zum ersten atheistischen Land auf der Welt erklärt worden; alle Kirchen und Moscheen wurden geschlossen, zerstört oder zweckentfremdet. Der Klerus wurde inhaftiert, gefoltert oder grausam umgebracht. Auch die Franziskaner aus der o.g. Kirche mußten dieses Schicksal erleiden. Viele von ihnen werden in diesem November seliggesprochen.

Nach dem Fall des Kommunismus, 1992, wurden die überlebenden Geistlichen aus der Haft entlassen. Die erste öffentliche Heilige Messe wurde auf dem sogenannten alten katholischen Friedhof der Stadt Shkodra vom Priester Simon Jubani gefeiert. Da die Religionsausübung (auch im Privaten) noch vor der Liturgiereform verboten und unter drastischer Strafe gestellt wurde, war auch keine Möglichkeit für die Umsetzung der Liturgiereform. Somit war diese erste Messe nach fast 25 Jahren noch im Alten Ritus. Erst in der Folgezeit wurde die Reform von 1970 auch im katholischen Albanien durchgesetzt.

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