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St. Peter - nur ein totes Museum?

Bild: Edward Pentin, aus dem genannten Artikel im NationalCatholicRegisterSeit gestern steht die Peterskirche unter dem Diktat einer rechtswidrigen und ungültigen (so die Kardinäle Müller und Burke) Anordnung, die „Einzelmessen“ verbietet und die überlieferte Liturgie des authentischen römischen Ritus in eine Kapelle mit 8 Plätzen in der Unterkirche verbannt. Zwei amerikanische Vatikan-Journalisten waren am Montag Vormittag vor Ort – Edward Pentin um kurz nach 7 Uhr, Courtney Mares gegen 8 Uhr 30. Beide melden den gleichen Befund: An den nach verbindlichem Zeitplan angesetzten jeweils zwei Konzelebrationen nehmen noch nicht einmal eine handvoll Priester teil, auch so gut wie keine Gläubigen. Leere und bleierne Stille in dem riesigen Gotteshaus, beide Journalisten fühlen sich in ein totes Museum versetzt.

Hoffnungen, durch Briefe und Mails an das Staatsekretariat die Anordnung zurücknehmen lassen zu können, haben sich nicht erfüllt. Der Apparat hat die  Petenten noch nicht einmal einer Antwort gewürdigt. Er nutzte auch nicht die Woche bis zum Inkrafttreten der Anordnung, dieser eine zumindest den formalen Anforderungen eines Rechtsaktes entsprechende Form zu geben: Nach wie vor kommt der Ukas von einer für die Reglung der Liturgie unbefugten Stelle und richtet sich an die Hausmeisterei statt an den Erzpriester der Basilika als den zuständigen Kirchenrektor. Verachtung des Rechtes entwickelt sich zu einem Kennzeichen dieses unglückseligen Pontifikats, seitdem Franziskus nach seiner Amtsübernahme die zeremonielle Fußwaschung am Gründonnerstag einerseits auch für Frauen „aus dem Volk Gottes“ öffnete, andererseits aber selbst auch an moslemischen Gefängnisinsassen und -insassinen vollzog. Doch auch wenn der gegenwärtige Amtsverweser es anders sieht: der Papst steht nicht über dem Gesetz. Er kann Gesetze erlassen oder ändern – aber wenn er sie einfach ignoriert, wie das manche seiner Vorgänger in Renaissance und Barock gewohnt waren, beschädigt er aufs schwerste die Achtung vor dem Recht und das römische Erbe der Kirche - ebenso die Achtung seiner eigenen Person.

Zur Sache Konzelebration selbst haben wir bereits hier das Nötige gesagt. Bleibt uns noch der Verweis auf einen ausgezeichneten Artikel des amerikanischen Publizisten Robert Royal auf „The Catholic Thing“, in dem der Autor eine Passage aus einem Brief des hl. John Henry Newman aus dem Jahr 1846 zitiert – das war ein Jahr nach der Aufnahme Newmans in die katholische Kirche. Newman beschreibt darin, wie er die zahlreichen „Einzelzelebrationen“ an einem frühen Morgen im Dom von Mailand erlebt hat:

Ich habe schon vor Monaten gesagt, daß ich nie wirklich wußte, was Gottesdienst als objektives Geschehen bedeutet, bevor ich zur katholischen Kirche kam und Teilnehmer an ihrem öffentlichen Gottesdienst wurde. Nun sage ich das selbe über ihre Art der Nutzung von Kathedralen. Ich kann mich da nur schlecht ausdrücken und bin unsicher, ob sie mich verstehen, aber eine kaholische Kathedrale ist eine Art von Welt für sich, jeder geht seinen eigenen Geschäften nach , aber diese „Geschäfte“ sind spiritueller Art. Beter, in Gruppen oder einzeln, knien oder stehen an verschiedenen Plätzen, – einige an Schreinen, andere an Altären ­– sie hören die Messe und kommunizieren, Ströme von Gläubigen treffen aufeinander oder gehen aneinander vorbei – ein Altar nach dem anderen wird für die Messe erleuchtet, wie Sterne am Himmel – Glocken teilen mit, was an Stellen geschieht, die man nicht sehen kann – und während alledem singen die Kanoniker in ihrem Chor die Matutin und Laudes, zum feierlichen Abschluß steigen Wolken von Weihrauch vom Hochaltar auf – und so geschieht es in einem der schönsten Gebäude der Welt an jedem einzelnen Tag – und all das ohne Gekünsteltheit und Krampf, sondern jeder wie er es gewohnt ist, jeder kümmert sich um Seines und überläßt den anderen das Ihre.

Die höhere Einheit zum Lobe Gottes, die aus dieser Vielfalt hervorgeht, haben die Kollektivisten des 20. Jahrhunderts nie verstanden, ihre kläglichen Nachfolger und Nachplapperer im 21. Jahrhundert sind dazu offenbar noch weniger in der Lage. Rücksichtslos und ohne jede Achtung vor Tradition und Gesetz zerstören sie, was sie nicht begreifen – und da sie so gut wie nichts wirklich verstanden haben, ist nichts vor ihnen sicher. Die Peterskirche als Museum, mit Online-Ticketverkauf für die Romtouristen und Virenscanner am Einlaß – wer weiß, vielleicht wäre das genau nach ihrem Geschmack.

Ab in den Untergrund!

Bild: Daniel Ibañez/EWTNMit Wirkung vom 22. März an sind in St. Peter zu Rom „Einzelmessen“ verboten. Die 45 Nebenaltäre der Basilika werden stillgelegt. Priester, die in St. Peter zelebrieren wollen, sind auf die Konzelebration an einem der beiden Hauptaltäre (Altar der Kathedra und Choraltar) verwiesen. Dort hat die Liturgie jeweils in Art einer Gemeindemesse mit Lektoren und Kantoren stattzufinden – mit einer lateinischen Ausnahme stets in italienischer Sprache. Pilgergruppen mit „eigenem“ Priester können unter noch nicht näher bestimmten Bedingungen auf einen Altar in den „grotti“ unter der Basilika ausweichen; nur im Untergrund und nur an einem einzigen Altar (in der sehr kleinen Capella Clementina) darf auch im überlieferten Ritus zelebriert werden – im strengen Zeitplan von 7:00; 7:30, 8:00 und 9:00 und nur von „autorisierten“ Priestern, was immer das heißen möge. (Quelle mit Faksimile des Erlasses und zahlreichen Reaktionen)

Die Bedeutung und auch die ganze Absurdität dieser Neuregelung erschließt sich erst im Blick auf die bis jetzt gültige Praxis. Danach haben viele römische Priester – zeitweilige Besucher ebenso wie ständige Mitarbeiter des Vatikans – mehr oder weniger regelmäßig an einem der Nebenaltäre zelebriert – praktisch nie alleine, weil sich immer Besucher der Kirche fanden, die sich ihrer Zelebration anschlossen. An anderen Altären feierten Pilgergruppen die Messen mit „ihrem“ Priester in jeweils ihrer Sprache – sicher eine zweitbeste Lösung nach Abschaffung des Lateinischen als universaler Liturgiesprache. Auch dort schlossen sich oft Rombesucher aus dem jeweiligen Sprachraum an. Die Messfeiern solcher Gruppen fanden vielfach auch in anderen Riten der Kirche statt, etwa griechisch-katholisch oder syro-malabarisch. Ebenso wurde dort vielfach im überlieferten Ritus zelebriert; die Priester mußten nur selbst dafür sorgen, daß Kanontafeln und das korrekte Messbuch bereitstanden. Auch Priester der Piusbruderschaft, die ein von ihrem Bischof ausgestelltes Zelebret vorlegten, konnten in der Basilika, der faktischen Hauptkirche aller Katholiken, die Messe lesen. Außerdem stranden auch immer schon, da die Nachfrage nach Zelebrationsplätzen regelmäßig die Zahl der Nebenaltäre überstieg, die Altäre in den Grotti der Unterkirche zur Verfügung.

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Der Angriff gilt der Messe

Bild:Website der Rogers State University In den USA ist die Auseinandersetzung um die Teilnahme an Gottesdiensten in Zeiten der Pandemie deutlich schärfer als in Deutschland. Während einige Regionen oder Staaten ähnliche Regelungen getroffen haben, wie sie derzeit auch hier gelten, haben in anderen radikale grünlinke Machthaber die Gelegenheit genutzt, um den Kirchen öffentlichen Gottesdienst praktisch unmöglich zu machen. Teilweise verbinden sie das mit hämischen Demütigungen wie z.B. in Kalifornien, wo zwar Striplokale öffnen dürfen – Gottesdienst aber nicht stattfinden können. Und die Bischöfe finden nur in wenigen Fällen die Kraft, den gebotenen Widerstand zu leisten – nicht zuletzt auch deshalb nicht, weil sie aus Rom keine Unterstützung bekommen – eher im Gegenteil. In dieser Situation hat ein Text von Papst Franziskus, der ausgerechnet in der New York Times erschienen ist und die Pandemie rein unter säkularen Aspekten betrachtet, den Philosophieprofessor Frank Grabowski von der Rogers State University zu einer kritischen Analyse veranlaßt, die Anfang der Woche im Crisis Magazin veröffentlicht worden ist. Wir haben wesentliche Auszüge daraus übersetzt.

Es beginnt ein langes ZitatViele Katholiken waren wahrscheinlich überrascht, als sie den Namen von Papst Franziskus auf der Autorenseite der New York Times erblickten. (Vielleicht aber auch nicht.) Der Artikel – tatsächlich war es ein Auszug aus seinem neuen Buch „Laßt uns träumen“ bestätigt, was wir bereits wissen: Die Corona-Pandemie hat großen Einfluß auf das Denken des hl. Vaters.

Wie alle Krisen, so Franziskus, hat auch diese ihre Helden und ihre Schurken. Unter den Helden sind die Mitarbeiter des Gesundheitswesen, deren selbstloser Einsatz für andere uns daran erinnert, daß menschliche Leben nicht nach ihrer Länge zu messen sind, sondern danach, wie sie genutzt werden. Doch nicht alle haben selbstlos gehandelt. Im Gegensatz zu den Mitarbeitern des Gesundheitswesens und anderen „Antikörpern gegen die Indifferenz gegenüber dem Virus“ stehen andere, die gegen den Lockdown protestieren, sich weigern, Abstand einzuhalten und gegen Reisebeschränkungen auf die Straße gehen.

Diese Demonstranten, die Franziskus als „selbstsüchtig“ betrachtet, sind die Schurken im Stück der Pandemie. Sie beurteilen alles vor dem Hintergrund persönlicher Freiheit und widersetzen sich den Anstrengungen der Regierungen, die Wohlfahrt der Bürger an die erste Stelle zu setzen. Ähnliche Meinungen gegenüber den Protestierenden haben wir schon von staatlicher Seite und aus den Medien gehört, aber wenn der Papst sie sich zu eigen macht, hat das seine eigene bedenkenswerte Bedeutung.

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Don Giuseppe Vallauri R.I.P.

Bild: aus dem Nachruf auf Liturgical Arts JournalAm Vormittag von Allerseelentages starb in Rom in seinem 75. Lebensjahr Don Giuseppe Vallauri – während der der Feier einer heiligen Messe für die Verstorbenen und noch angekleidet mit den Paramenten zur Zelebration. P. Vallauri, der der Missionsgemeinschaft der Söhne der göttlichen Vorsehung angehörte, war einer der kleinen Zahl von Priestern, die sich im nachkonziliaren Tumult für die Erhaltung der überlieferten Liturgie einsetzten. Immer wieder erreichte er es gegen viele Widerstände, Gläubigen seines Umfeldes zumindest eine gelegentliche Teilnahme an der Liturgie des römischen Ritus, wie sie seit weit über tausend Jahren gefeiert worden war, zu ermöglichen.

Dabei war P. Vallauri kein Liturgie-Spezialist, sondern wollte eigentlich als Missionar tätig sein. Er hatte in England studiert und wurde dort nach der Priesterweihe 1972 – als Mission plötzlich nicht mehr hich im Kurs stand - auch fast zwei Jahrzehnte in der Gemeindeseelsorge eingesetzt. Später schaffte er dann doch noch entsprechend der missionarischen und sozialen Orientierung seiner Gemeinschaft für einige Jahre den Sprung nach Afrika. In all diesen Jahren blieb seine Liebe für die überlieferte Liturgie wach und aktiv – ein von ihm mitgestaltetes Video „The Most Beautiful Thing This Side of Heaven The Tridentine Mass - How to Say/Pray It“ (1991) war für viele jüngere anglophone Gläubige und auch Priester der erste Berührungspunkt mit dem römischen Ritus überhaupt. Nach seiner Rückkehr nach Italien 1999 ermöglichte er neben seiner regulären Tätigkeit für die „Söhne der göttlichen Vorsehung“ als eine Art „Wanderpriester kleinen Gemeinden und Familien in ganz Mittelitalien die Feier der hl. Messe und den Empfang der Sakramente nach dem Ritus ihrer Vorfahren.

Einen ausführlicheren Nachruf auf P. Vallauri, dem wir diese Angaben und das Bild entnommen haben, hat J. P. Sonnen auf „Liturgical Art Journal“ veröffentlicht.

Feldhospital - bei Bedarf geschlossen

Bild: Andrew Medichini/APAm Donnerstagabend veröffentlichte der Generalvikar der Diözese Rom einen Erlass, nach dem die Kirchen des Bistums, in denen bereits zuvor schon keine öffentlichen Messen mehr stattfanden, bis in den April hinein ganz geschlossen werden sollten. Das scheint dem Ortsordinarius, der die Kirche gerne als Feldhospital für alle Bedrängten und Verwundeten bezeichnet, denn doch mißfallen zu haben: Am Freitagmorgen warnte er in seiner Predigt in der leeren Hauskapelle von Sta. Marta vor allzu drastischen Maßnahmen, am Freitagmittag wurde der Erlaß weitgehend zurückgenommen. Was nichts daran ändert, daß in anderen Diözesen oder ganzen Ländern wie z.B. Belgien oder Österreich weiterhin Beschlüsse gelten, wonach keine öffentlichen Gottesdienste stattfinden oder die Kirchen ganz geschlossen bleiben. Auch viele deutsche Bischöfe tendieren zu solchen Maßnahmen.

Man muß Franziskus‘ Charakterisierung der Kirche als Feldhospital nicht als besonders glücklich betrachten, um schmerzhaft den Widerspruch zwischen dem Anspruch des Papstes und dem Handeln einer großen Zahl seiner Bischöfe zu empfinden. Die Kirche ist viel mehr als ein Feldhospital – aber es war immer auch eine Funktion der Kirche als Institution, ihre Kirchengebäude in Zeiten der Not als Schutzräume, als Räume des Gebets und der Sakramentenspendung sowie der Vermittlung von Trost in der Gemeinschaft oder im stillen Gebet der Einzelnen offen zu halten. In vorwissenschaftlichen Zeiten war das das einzige, das den Menschen Hoffnung geben konnte. Das hat sich inzwischen insoweit geändert, als wir uns in vieler Hinsicht auch selbst helfen können – aber ist das, was wir selbst run können (und auch sollen) wirklich die einzige Hilfe und Hoffnung, die die Kirche zu geben vermag?

Die Kirche verpflichtet niemanden, eine Kirche (oder auch den Sonntagsgottesdienst) zu besuchen, wenn er fürchten mußt, sich dort zu infizieren und seine Angehörigen zu gefährden. Im Gegenteil: Wer Grund zu der Annahme hat, selbst infiziert zu sein, ist vor seinem Gewissen verpflichtet, Räume und Verhalten zu meiden, wo er für andere zur Gefahr werden kann. Aber den öffentlichen Gottesdienst einzustellen oder die Kirchen ganz zu schließen eröffnet eine ganz andere Dimension. Diese Maßnahme ist ihrem Wesen nach unbarmherzig und autoritär, weil sie den Menschen, die ihre Zuflucht bei Gott suchen, das in einer nicht zu rechtfertigenden Weise erschwert und sie entmündigt. Aber die mit der Kirchenschließung einhergehenden Signale reichen noch weiter: Richtet eure Augen nicht nach oben,  Hilfe kommt Euch im Namen des wohltätigen Staates, der Weisheit der Wissenschaft und der eigenen Kraft. Psalm 120 war gestern. Setzt eure Hoffnung nicht auf Gott, seine Sakramente oder die Heiligen – das passt nicht mehr in unsere Zeit.

Die Schließung der Kirchen in der Zeit der Seuche ist quasi die Ratifikationsurkunde der abgeschlossenen Selbstsäkularisierung der Institution, die einst das Reich Gottes auf Erden verkünden wollte.

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