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Recht als Werkzeug?

„Das Kirchenrecht muss sich permanent dem Kirchenbild anpassen, das sich durch das Zweite Vatikanische Konzil weiterentwickelt hat“. So Papst Franziskus in einem zum Wochenende bekanntgewordenen Brief zur Hundertjahrfeier des ersten Kodex des Kirchenrechts. Es sei „nötig, dass das Kirchenrecht immer der konziliaren Ekklesiologie entspricht“ Das macht freilich nur dann Sinn, wenn man annimmt, das Konzil oder auch jedes andere Konzil könne die Lehre von der Kirche so tiefgreifend veräbdern, daß die jeweils Neue Lehre mit der vorhergehenden rechtlich nicht mehr in Eins zu fassen sei.

Franziskus schreibt weiter von seiner Hoffnung, dass das Kirchenrecht zu einem „Werkzeug“ werde, um eine „langfristige Rezeption“ des Zweiten Vatikanischen Konzils zu erleichtern. Wichtig seien ihm dabei die Punkte „Kollegialität, Synodalität, mehr Verantwortung für die Ortskirchen und Mitverantwortung aller Christgläubigen für die Mission der Kirche“. (Quelle)

Correctio filialis veröffentlicht

Eine Gruppe von 65 hochrangigen katholischen Klerikern, Wissenschaftlern und Publizisten hat heute eine „Brüderliche Zurechtweisung“ veröffentlicht, in der sie „mit tiefem Schmerz, aber bewegt von der Treue zu unserem Herrn Jesus Christus“ Papst Franziskus dazu auffordert, den in Folge seiner Enzyklika Amoris laetitia aufgetretenen und in der Kirche verbreitten Irrtümern entgegen zu treten. Es handelt sich dabei also nicht um die von den Kardinälen als Verfasser der Dubia angekündigte und noch ausstehende Correctio fraternalis, sondern um eine davon unabhängige Initiative von Priestern und Laien. Das Dokument ist dem Papst bereits am 11. August übergeben worden. Die heuteige Veröffentlichung erfolgte aus Anlaß des Patronatsfestes des Ordinariats ULF von Walsingham.

Das 15 engbedruckte Seiten umfassende und mit zahlreichen Anmerkungen versehene Dokument, dessen inhaltlicher Würdigung wir uns in den kommenden Tagen zuwenden werden, kann hier als PDF heruntergeladen werden. Es ist in einem in höchster Weise respektvollen Ton verfasst und läßt andererseits keinen Zweifel an der Ernsthaftigkeit und am Gewicht der darin erhobenen Vorwürfe. Es ist unterzeichnet unter anderem von Prof. Philip Blosser, Bischof Fellay von der Piusbruderschaft, Christopher Ferrera von The Remnant, Fr. John Hunwicke vom Ordinariat ULF von Walsingham, Prof. Roberto de Mattei, Martin Mosebach, Prof. Enrico Radaelli und Joseph Shaw von der Una Voce England - um nur einige der Namen von Personen anzuführen, die auch in summorum-pontificum.de des öfteren zu Wort kommen. Damit zeichnet sich hier eine Zusammenarbeit von der Tradition verpflichteten Personen und Gruppierungen innerhalb der Kirche ab, wie sie in dieser Breite bisher noch nicht zu beobachten war.

Eine deutsche Übersetzung des Textes der correctio ist bei Uwe Ley nachzulesen.

Unter dem Link https://katholisch-bleiben.de/ kann jeder Katholik sich einer Petition zur Unterstützung des Schreibens anschließen. Außerdem gibt es eine WEbsite, wo sich Wissenschaftler und Publizisten als Mitunterzeichner der Correctio eintragen können; diese ist unter www.correctiofilialis.org erreichbar. Zumindest von Computern außerhalb de souveränen Vatikanstaates aus. Wie Armin Schwibach am 25. 9. per Twitter mitteilt, hat das Kommunikationssekretariat des Vatikans den Zugang zu dieser Seite gesperrt.

10 Jahre Summorum-Pontificum

Bild: nessainlatino.itMit einer mehrtägigen Wallfahrt und einem Kongress am Donnerstag feierten der Tradition anhängende Katholiken in Rom das Inkrafttreten des Motu Proprio Summorum Pontificum, mit dem Papst Benedikt vor 10 Jahren der überlieferten Liturgie Legalität und Würde in der Kirche zurückgab. Zum Ende der römischen Veranstaltungen gab es heute eine feuerliche Prozession durch die Straßen Roms, die mit einem Pontifikalamt in der Peterskirche endete. Das feierliche Hochamt am Altar der Kathedra zelebrierte an Stelle des vor wenigen Tagen verstorbenen Kardinals Caffara der Sekretär der für die überlieferte Liturgie zuständigen Kommission Ecclesia Dei, Erzbischof Guido Pozzo.

Das italienische Blog Messainlatino zeigt hier Bilder von der Prozession und hier Photos vom Pontifikalamt im Petersdom. Dort fanden wir auch die oben gezeigte Aufnahme.

Weitere Berichte und Bilder aus Rom sowie kurze Informationen zum Jubiläums-Hochamt von Ortsbischof Morlino in Madison hat Father Zuhlsdorf.

Kardinal Caffarra R.I.P.

Bild: Radio VaticanGestern meldete das Erzbistum Bologno für uns überraschend den Tod seines vor zwei Jahren emeritierten Oberhirten, Carlo Kardinal Caffarra. Mit dem unlängst verstorbenen Kölner Kardinal Meisner und den Kardinälen Brandmüller und Burke gehörte er zu den Unterzeichnern der „Dubia“, mit denen die Kardinäle vor nunmehr schon einem Jahr dem Papst die in der Kirche weit verbreiteten Zweifel zur Interpretation von „Amoris Laetitia“ vorgetragen hatten Der Kardinal wurde 79 Jahre alt und schien bei für dieses Alter guter Gesundheit zu sein. Mitte des Monats wollte er im römischen Petersdom das große Pontifikalamt zum Abschluß der Veranstaltungen des Coetus Internationalis Summorum Pontificum zum 10. Jahrestag zelebrieren. Nun ist er, so hoffen und beten wir inständig, Teilnehmer an der großen Liturgie im himmlischen Jerusalem, und alle Zweifel und Fragen, deren Beantwortung der aktuelle Inhaber der petrinischen Schlüsselgewalt ihm verweigerte, sind gelöst.

Requiem aeternam dona ei, Domine, et lux perpetua luceat ei.

Carlo Caffarra war vor zehn Jahren der erste Kardinal, der nach dem Erlass von Summorum Pontificum wieder ein Pontifikalamt nach der alten Liturgie feierte. Für die Katholiken, die an der überlieferten Lehre und Liturgie festhalten, ist der Tod dieses Oberhirten ein schmerzlicher Verlust. Ein Grund zur Mutlosigkeit oder gar zur Resignation ist er nicht. Nicht nur, weil heute wieder viele jüngere Priester und auch Bischöfe sichtbar an dem festhalten, was die Kirche immer geglaubt, gelehrt und gefeiert hat. Auch deshalb, weil gerade in diesem Pontifikat deutlich wird, daß die Bewahrung des Glaubens Aufgabe des ganzen Volkes Gottes ist – des Volkes Gottes, und nicht der Nachbeter des Zeitgeistes und Zelebranten einer modischen „Diversität“, die nichts anderes ist als die Diktatur des Relativismus.

Kurzer Prozess

Bild: lifesitenews.comDas ging aber flott. Im August hat der österreichische Theologe Seifert seine kritischen Überlegungen zur Interpretation von Amoris Laetitia veröffentlich - hier unser Bericht mit Verweisen auf ausführlichere Stellungnahmen. Gestern nun hat Erzbischof Martinez Fernandez Seifert aus der Internationalen Philosophischen Akademie von Granada entlassen. Seiferts Artikel schade der Einheit der Kirche, verwirre die Gläubigen und verbreite „Misstrauen gegen den Nachfolger Petri“. Bereits im vergangenen Jahr war Seifert nach kritischen Bemerkungen zum umstrittenen päpstlichen Lehrschreiben vom Unterricht am Priesterseminar der Diözese ausgeschlossen worden.

Wir wollen hier nur kurz auf die rabiate Weise eingehen, in der nicht nur Fernandez mit einem Kritiker umgeht, der doch nichts anderes tut, als die Klarheit der Lehre zu verteidigen, die in der Kirche schon immer gegolten hat und auch im Katholischen Katechismus von 1993 festgeschrieben ist. Wären die Bischöfe - und auch die Päpste - seit 1960 auch nur halb so entschieden gegen Professoren und Prälaten vorgegangen, die diese Lehre bestritten, sähe es heute in der Kirche anders aus. Doch so ließen sie sich vom Gedankenfreiheits-Geschrei der Dissidenten beeindrucken, die nun, nachdem ihre Machtübernahme vollendet zu sein scheint, mit allen, die sich ihnen noch entgegenstellen, kurzen Prozess machen.

Die Behauptung, Kritiker wie die Verfasser der Dubia oder jetzt eben Prof. Seifert säten Zweifel und untergrüben die Einheit der Kirche, ist einfach lächerlich. Die Kritiker machen nur sichtbar, was niemand bestreiten kann: Daß Amoris Laetitia wegen der darin enthaltenen Unklarheiten zu einem Dokument der Spaltung zu werden droht, wenn diese Unklarheiten nicht so schnell wie möglich und mit der Autorität dessen, der das Schreiben verfasst hat, beseitigt werden. Doch damit ist kaum zu rechnen. Der Papst, der täglich in St. Marta seine unsortierten Gedanken ausbreitet, der kürzlich sogar anerkennende Worte für die Protestbewegung gegen ein in Österreich geplantes Kraftwerk fand und der die höchste Auitorität des Lehramtes bemüht, um die „Unumkehrbarkeit“ einer misslungen Liturgiereform zu behaupten, hat seit über einem Jahr für alle, die Klarheit zu Amoris Laetita erbittet, nur ein taubes Ohr. Die Unklarheiten sind offenbar gewollt, sie werden bewußt als Mittel zur Erschütterung der traditionellen Lehre eingesetzt, und damit einhergehende Erscheinungen von Spaltung werden - sofern sie nicht direkt gewollt sind - zumindest gleichgültig hingenommen.

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