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Die 16. Woche

Screenshot eines Videos von Bonifatius-TVDie Tage rund um Ostern waren für die, die sich überhaupt noch für römische Angelegenheiten interessieren, durch zwei bemerkenswert kritische Veröffentlichungen der allgemeinen Presse zum aktuellen Pontifikat gekennzeichent. In der Schweizer Weltwoche Matthias Matussek unter der Überschrift: „Papst Allerlei“ und auf SpiegelOnline der dort gerade noch geduldete – man ist ja liberal, nicht wahr – Jan Fleischhauer unter „Selbstsäkularisierung – Der Sponti-Papst“.

Interessanter als diese beiden – in der Sache rundum zutreffenden und in ihrer Polemik durchaus berechtigten – Artikel in ‚großen‘ Medien erschien uns ein Beitrag des katholischen Publizisten Peter Winnenmöller auf seinem Blog „katholon“, dem er die Überschrift „Keine Panik im Kirchenschiff“ gegeben hat. Anders als die papalistischen Weißwäscher, die jetzt überall auftauchen, um nach der Parole „right or wrong – my Pope“, zu rechtfertigen, was doch nicht zu rechtfertigen ist, gesteht er die Berechtigung der Kritik an der Art, wie der Mann aus Argentinien sein Amt wahrnimmt, durchaus ein. Doch im Unterschied zu den beiden eingangs genannten Kritikern versucht er zunächst, dem doch noch etwas Positives abzugewinnen:

Das nämlich ist das Problem, daß dieser Papst in der Tat brachialer und radikaler agiert als alle seine Vorgänger in diesem und dem vergangen Jahrhundert. Mit dieser autoritären Form der Herrschaft kommen wir offensichtlich nicht mehr so gut klar. Geht man dem Stil seiner Herrschaft mal auf den Grund und nimmt einmal völlig ernst, was er uns zumutet, auch und gerade mit der Ignoranz gegenüber Europa und den europäischen Traditionen, dann ist er ein Vater, der seine Kinder aus dem Nest wirft. Geht, geht in die Welt, ihr seid so lange Christen hier in Europa, nun lebt das auch in eurer Welt, hier in Europa! Nur ein starkes, überzeugend gelebtes Christentum in Europa könnte ihn überzeugen. Das sollte ein Ansporn sein.“

Nun gut, das mag so beabsichtigt sein oder auch nicht – nur der Herr selbst schaut bis auf den Grund der Herzen, und wir haben nicht das Recht, seinem endgültigen Urteil vorzugreifen. Im Weiteren jedenfalls löst sich Winnenmöller von diesem Versuch, das Positive zu beschwören, und präsentiert einen überaus praktischen Vorschlag:

Bei aller Schwarzmalerei rund um dieses Pontifikat muß man doch anerkennen, welche Herausforderung dahinter steht. Es ist egal, was der Papst in Rom tut oder nicht tut, katholisch bin ich hier vor Ort, wo ich lebe. Katholisch ereignet sich nicht in irgendeinem Sonderuniversum, sondern hier in der Welt. ... Wir sind / leben / wirken in der Welt, aber wir sind nicht von der Welt. Das hat Jesus selbst uns gesagt. Das hat uns Papst Benedikt XVI. deutlich ins Stammbuch geschrieben.
Abgerechnet über ein Pontifikat wird von der Kirchengeschichte. Das müssen wir nicht tun. Ob dieses Pontifikat zukunftsweisend ist, darf bezweifelt werden. Sage ich, andere mögen es anders sehen. Die Katastrophe, die einige glauben, an die Wand malen zu müssen, wird es auch nicht werden.

Lassen wir den Papst in Rom und seien wir katholisch zu Hause.“

Das ist ein guter Ratschlag - wir sollten versuchen, ihn zu beherzigen. Soweit das nicht mit dem Bild übereinstimmt, das wir uns bisher oft vom Papst und seinem Amt gemacht haben, ist vielleicht genau das unser Problem.

Die 13. Woche

Bild: rosy auf pinterestWas für eine Woche! Alle Massivholzköpfe in der katholischen Welt haben sich zusammengetan, um dafür zu sorgen, daß diese Welt immer schneller auf die Größe eines römischen Stadtstaates zusammenschrumpft – angefangen bei Papstgünstling und Ungeist-Schreiber Spadaro, der meinte, seinem Chef einen Gefallen zu tun, wenn er ein Photo von der Inanspruchnahme eines Baustellenklos durch Seine Heiligkeit gleich in die ganze Welt twitterte. Und das war keine Fake-News, wie sie neuerdings auch im kirchlichen Umfeld gezielt eingesetzt werden – z.B. von einer neu aufgetauchten Gruppierung „Anonimi della Croce“, die hauptsächlich Gläubige der Tradition verwirrt hat. Die Anonimi machen sich die Tatsache zunutze, daß im aktuellen Chaos alles denkbar erscheint und setzen frei erfundene Meldungen in die Welt, die das – leider Gottes natürlich ebenfalls vorhandene – Skandalisierungsbedürfnis von Konservativen perfekt bedienen. Also Vorsicht, diese Quelle ist keine

Perfekt das Skandalisierungsbedürfnis bediente auch Fr. Hunwicke mit seiner Meldung zum 1. April, in der er ausgerechnet den Großmufti von Kairo harte Kritik an der Karwochenliturgie des überlieferten Ritus üben ließ: Die schlimme Geschichte vom Pharao, dessen Verfolgung der Israeliten im Roten Meer so spektakulär gestoppt wurde, sei eine Diskriminierung und Beleidigung der Vorfahren des Ägyptischen Volkes. Und der schlimme Hunwicke setzte noch eins drauf, in dem er die erfundene Geschichte mit einer ebenso erfundenen Meldung garnierte, die Bischofskonferenz von England und Wales habe sich mit dem Obermufti solidarisiert und verlange eine Revision der traditionellen Bücher. 

Der gute alte Juvenal meinte, es sei schwierig, keine Satire zu schreiben – ach der Ahnungslose in seinem idyllischen Zeitalter! Inzwischen ist es fast unmöglich, eine Satire zu schreiben, die auch morgen noch eine ist. Warten wir's nur ab.

In der Grauzone zwischen Fake-News und Recherche dürfte sich auch eine zunächst von der BILD-Zeitung aufgebrachte Story handeln, daß am Grunde der Auseinandersetzungen bei den Maltesern eine 30-Millionen Spende nicht ganz klarer Herkunft liege, über deren Weißwaschung und künftige Verwendung es wohl zu Meinungsverschiedenheiten gekommen sei – so Sandro Magister und andere, die auf Bemühungen der neuen Ordenführung verweisen, gerichtlich gegen die Verbreiter dieser Nachricht vorzugehen - aber nur gegen die Kleinen.

Keine Fake-News sind dagegen die „Zwischenrufe im Wahljahr 2017“, die die deutsche Bischofskonferenz als Pressemeldungen in die Welt sendet.  So geht Staatskirche.

Und danach nehmen wir eine scharfe Kurve zum akademischen Bereich, aus dem in der 13. Woche zwei Nachrichten an unsere aus Selbsterhaltungstrieb eigentlich bewußt auf „Nicht-Empfang“ gestellten Ohren drangen: An der State University von Iowa mussten Geschichtsstudenten eine Darstellung der Terroranschläge vom 9/11 aus der Perspektive von Al Qaida anfertigen – man übt halt schon einmal die Gesten der Unterwerfung. Und die postkatholische Universität Löwen leitete Maßnahmen gegen einen Hochschullehrer ein, der Abtreibung als Mord bezeichnet hatte: Für die hochwohllöbliche Alma Mater sei Abtreibung ein fundamentales Menschenrecht und stehe als unverzichtbarer Bestandteil der universitären Wertebasis außerhalb jeder Kritik. 

Ganz soweit mit den Neuen Werten des Neuen Menschen in seiner Neuen Zeit ist man in Rom noch nicht, aber es besteht Grund zur Hoffnung: Selbstverständlich wurde der Luxemburgische Regierungschef Xavier Bettel bei seinem Besuch beim Papst ganz offiziell von seinem Ehemann begleitet – noch Papst Benedikt hatte diplomatisch und protokollarisch gangbare Wege gesucht und gefunden, dieser Anerkennung der „Ehe für alle“ auszuweichen.

„Wo bleibt das Positive, meine Herren?“ pflegte der Alte vom Rheine seinerzeit die Journalisten (damals noch ganz ohne -innen) gelegentlich zu fragen. Die wahrhaft aufrüttelnde Rede, die Kardinal Sarah in Herzogenrath verlesen ließ, wurde hier bereits erwähnt. Ansonsten gab es noch in Cincinnati die Errichtung eines „birituellen“ Oratoriums - die USA sind tatsächlich immer noch und in jeder Hinsicht das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Um das Positive positiv sein zu lassen, verschieben wir unsere Gedanken über die Problematik einer Biritualität in einem Oratorium im Kleinen oder in der Kirche im Großen auf ein ander Mal.

Trotz allem: Kommen Sie gut in die neue Woche!

Die 10. Woche

Pieter Bruegel d. Ä., Bild WikimediaKommunikation ganz allgemein ist eine schwierige Sache, wie man seit dem Experiment von Babel weiß, und in diesem Sinne sagen wir diese Woche zunächst einmal, wozu wir nichts sagen wollen: Zu der Frühjahrstagung der deutschen Bischofskonferenz, die immer weiter damit vorankommt, die Deutsch-Katholische-Kirche in eine NGO zu verwandeln, und auch nicht zu der am Beginn des 5. Jahres des bergoglianischen Pontifikats giftig aufwallenden römischen Gerüchteküche, in der anscheinend nichts mehr undenkbar ist – bis hin zu Spekulationen, ein Teil der Kräfte, die Franziskus ins Amt gehievt hätten, betreibe nun seine Ablösung, da sein erratisches Vorgehen die Verwirklichung ihrer Ziele nicht länger befördere.

Mit römischen Gerüchten konnten wir soeben wieder einmal die Erfahrung machen, daß sie zwar meist nicht völlig grundlos sind, aber selten verläßliche Informationen über das enthalten, was wirklich geschieht. Wie Bischof Fellay am 3. März während eines Besuches in Polen mitgeteilt hat, trifft es nicht zu, daß die Bruderschaft den Komplex der Immaculata all‘ Esquilino erworben hätte. Der Bischof bestätigte zwar, daß die Bruderschaft auf der Suche nach einer Immobilie in Rom sei, ließ jedoch gleichzeitig erkennen, daß dieses Vorhaben sich recht schwierig gestaltet: Die schrumpfenden Gemeinschaften, die über in Frage kommende Immobilien verfügen und diese zwecks Altersversorgung der verbliebenen Mitglieder auch durchaus verkaufen würden, benötigen für solche Geschäfte die Genehmigung der Ordenskongregation – und die gehört, wie der Bischof andeutete, zu den erbittertsten Gegnern einer Rückkehr der Bruderschaft in die volle Einheit.

Auf der anderen Seite scheint sich auf der Seite der Glaubenskongregation eine erfreuliche Veränderung dahingehend abzuzeichnen, daß sie der Bruderschaft offenbar keine Erklärungen mehr abfordern will, die diese nicht abgeben kann. Tatsächlich habe Kardinal Müller – so Bischof Fellay – die Bruderschaft ausdrücklich aufgefordert, sich seinem Kampf gegen den Modernismus anzuschließen. Woraus er folgert:

Es gibt viele Widersprüche, es gibt Kämpfe zwischen den Bischöfen, zwischen den Kardinälen – das ist eine neue Lage. Rom ist nicht länger eins, Rom ist gespalten. Es ist dahin gekommen, daß einige begreifen, daß die Dinge zu weit gegangen sind. Und nun sagen sie „Man muß etwas tun, man muß Widerstand leisten“.

Im Übrigen bleibt Bischof Fellay bei seiner bisherigen Linie des vorsichtigen Vorangehens.

In dieser Situation können wir keinesfalls vorpreschen, wir müssen sehr vorsichtig agieren und uns für die Zukunft so absichern, daß wir in keiner denkbaren Falle gefangen werden können. Deshalb übereilen wir nichts.

Das Thema samt den darauf bezüglichen Gerüchten wird uns also noch einige Zeit erhalten bleiben.

Dann haben wir noch zwei durchaus erfreuliche Meldungen, die in den letzten Februartagen bekannt geworden sind Es geht um die offizielle Errichtung von zwei neuen benediktinische Gemeinschaften der Tradition nach diözesanem Recht durch den jeweiligen Ortsbischof. Das eine sind die „Benediktiner der ewigen Anbetung des allerheiligsten Sakraments des Altares“ von Silverstream in der irischen Diözese Meath. Prior der derzeit 7 Mönche zählenden Gruppe ist der den Anhängern der überlieferten Liturgie wohlbekannte Dom Mark Kirby. Die Errichtung ihrer Gemeinschaft ist unter dem Datum vom 25. Februar bereits erfolgt. Zweite Gruppe sind die „Benediktiner der Immakulata“ in der norditalienischen Diözese Albenga-Imperia, derzeit ebenfalls 7 Mönche. Die Gründung der Gemeinschaft geht noch auf die Zeit des traditionsfreundlichen Bischofs Olivieri zurück, der kürzlich auf Befehl des Papstes in den Ruhestand geschickt worden war. Sein Nachfolger gilt als wenig traditionsfreundlich, hat sich jedoch bereit erklärt, die Gemeinschaft zuzulassen und in seiner Diözese arbeiten zu lassen. Datum der offiziellen Errichtung soll der kommende 21. März sein. (Quelle)

Zum Abschluß noch zwei Fundstücke aus dem Umfeld der Komunikationsspezialisten von Radio Vatikan, die einen Einblick in die Zukunft des römischen Kommunikationswesens im postkatholischen Zeitalter gewähren. Babel ist nicht fern.

Auf einer Zusammenkunft der Organisation für Sicherheit und Zusammenarbeit in Europa am Weltfrauentag hat der ständige Repräsentant des Heiligen Stuhles bei der OSZE, ein gewisser Msgr Urabanczyk, eine Stellungnahme zur Gender-Gerechtigkeit beim Militär abgegeben. Wie Radio Vatican meldete, sagte der Monsignore unter anderem:

Der Heilige Stuhl unterstützt uneingeschränkt die gleichberechtigte Teilnahme der Frauen an allen politischen, wirtschaftlichen, sozialen und kulturellen Angelegenheiten. Das schließt selbstverständlich auch die gerechte Beteiligung von Frauen in den Streitkräften ein, um so den unverzichtbaren Beitrag der Frauen zur Gesellschaft und der internationalen Gemeinschaft zum Ausdruck zu bringen.

Das zweites Fundstück verdanken wir Bernd Hagenkord S.J., Leiter der deutschsprachigen Redaktion von Radio Vatican. Unter der Überschrift „Papst ZweiPunktNull“ sieht er mit Franziskus geradezu den Anbruch einer neuen Epoche der Kirchen-, ja der Weltgeschichte gekommen, und bestimmt deren wesentliches Kennzeichen nach einem freilich schon wieder leicht angejahrten Paradigma der Kommunikationstheorie. Danach bedeute Kommunikation nicht mehr, eine Botschaft von A nach B zu bringen (also z.B. von Paulus nach Korinth), sondern (ganz im Sinne postmoderner Kommunikationstheoretiker), die Etablierung eines kommunikativen Prozesses zunächst unbestimmten oder unbestimmbaren Inhalts.

Was (Franziskus) macht und sagt und wie er mit Gesten umgeht, transportiert nicht eine wahre Botschaft, die es außerhalb dieser Kommunikation gibt, sondern die Bedeutung liegt in dieser Kommunikation selber, sie entsteht erst in der Kommunikation.

Das sei schwer zu verstehen, räumt Hagenkord ein, wenn man noch altmodisch „analog“ denke:

Wenn man eine vom Menschen und seiner Kommunikation – Zeugnis und Verkündigung – unabhängige Botschaft festlegen möchte. Eine Denkweise, die uns das analoge Denken vorschlägt, das Gedanken druckt und ins Regal stellt, die dann auch noch in hundert Jahren dieselben sind, sprich Gültigkeit für sich beanspruchen, unabhängig von der Kommunikationssituation.

Was den Papst auch zu einem „ZweiPunktNuller“ macht ist die Frage nach der Wirklichkeit. Die digitalen Medien sind nicht virtuell in dem Sinn, dass sie nicht real seien. Sie sind real, weil sie Wirkung haben, weil sie unsere Welt verändern. Das tun sie aber nicht über das Argument, sondern über den kommunikativen Prozess. Auch der Papst wirbt, predigt, begegnet in Prozessen, dort findet Veränderung statt, wenn man die denn zulässt.

Vom Inhalt und dem Ziel der Veränderung, so müssen wir Hagenkord wohl verstehen, braucht man dabei gar nicht viel zu reden – das ändert sich je nach den Umständen, nach der Zeit, nach der Kommunikationssituation. Hauptsache, Bewegung.

Und am Ende bleibt dann NullPunktNull – Point Zero Babylon.

Die 7. Woche

Bild: Abtei der Benediktiner von Clear CreekVersuchen wir es zur Abwechslung mal mit einer Wochenladung halbwegs positiver Nachrichten.

In der Kathedrale des irischen Waterford – immerhin der größten Kathedrale der ältesten Stadt Irlands – konnte am Sonntag, den 22. Januar, zum ersten Mal seit 50 Jahren wieder eine heiliges Amt im überlieferten Ritus gefeiert werden. Nicht in der Krypta oder an einem Seitenaltar, sondern am Hauptaltar. Eine weitere ist für den 26. Februar, den Sonntag Quinquagesima angesetzt. Ob und wie es weitergeht, ist abzuwarten. Das gilt auch für die Teilnehmerzahlen. Beim ersten Mal waren etwa 250 Gläubige zur Messe gekommen, viele davon, aber bei weitem nicht ausschließlich zur Messe ihrer Jugend. Bilder und einen kurzen Bericht gibt es auf New Liturgical Movement.

Dann gibt es nach längerer Pause wieder einmal Erfreuliches aus Clear Creek zu berichten – der amerikanischen Gründung der am überlieferten Ritus festhaltenden Benediktiner von Fontgombault und selbst seit 2010 Abtei eigenen Rechts. Faszinierend zu beobachten war über die Jahre hin die Entwicklung der Klosterkirche. Erst nicht viel mehr als eine Baracke, dann der Aushub einer enormen Baugrube. Dort entstand eine mit dem Niveau des Bodens abschließende Krypta, die den Mönchen seit einigen Jahren als Kirche dient. Gebaut wird nach Maßgabe der vorhandenen Mittel, d.h. Der eingehenden Spenden. Das scheint sich in den letzten Jahren recht erfreulich entwickelt zu haben. Am 2. Februar konnte die Abtei die Fertigstellung der Außenmauern von Apsis und Chorraum melden. Da ist es wohl nur eine Frage der Zeit – und des Geldes, versteht sich – bis Chorgebet und hl. Messe aus der Krypta in den oberirdischen Bauteil umziehen können. Hier Bilder vom Abschluß der Bauarbeiten am Chor.

Der Bau und seine Erscheinungsbild, errichtet mit modernen Bauverfahren nach Vorbildern aus dem frühen Mittelalter, wirft ästhetische Fragen auf, mit denen wir uns ein ander Mal befassen wollen. Jetzt erst mal herzlichen Glückwunsch nach Oklahoma, Herzstück des Wilden Westens, ehedem vor allem prominent durch Billy the Kid und die letzten Feldzüge gegen die Indianer.

Erfreulich, wenn auch nur ein Randgebiet betreffend, der Bericht in New Liturgical Movement über den an einigen Orten wieder aufgenommenen außerliturgischen Brauch, zum Sonntag Septuagesima feierlich das „Alleluja“ zu beerdigen, das mit diesem Tag bis zur Osternacht seinen Platz in Ordinarium und Offizium räumen muß. Umso glänzender ist dann die noch einmal feierlicher ins Bild gesetzte Wiederauferstehung zu Ostern. Liturgie ist eben keine bloße Lehrstunde oder gottesdienstliche Verrichtung, sondern auch ein alle Sinne und Emotionen ansprechendes Erlebnis – das nie begriffen und alle darauf gerichteten Elemente in Frömmigkeit und Liturgie zugunsten einer angeblich allein dem modernen Menschen gemäßen Nüchternheit abgeschafft zu haben, war vielleicht die verhängnisvollste Fehleinschätzung der Reformatoren von 1970. Umso begrüßenswerter, wenn einiges davon jetzt wieder zurückgeholt wird.

Erfreulich erscheinen auch zwei neue Auskünfte der Kommission Ecclesia dei, in denen deutlich gemacht wird, daß es 1. keiner Genehmigung des Ortsbischofs bedarf, um eine zusätzliche Messe im überlieferten Ritus in einer Gemeinde zu feiern, und 2. daß die Anforderungen, die der Bischof als Wahrer der liturgischen Ordnung an den Zelebranten bzw. eine an der überlieferten Form interessierte Gruppe stellen kann nicht willkürlich so hoch geschraubt werden können, daß solche Messen nicht stattfinden. Im Gegenteil: Die bestehenden Vorschriften machen deutlich, daß der Priester nicht mehr Latein können muß, als nötig, um die Texte sinngemäß vorzutragen, und für die teilnehmende Gruppe gibt es praktisch keine Mindestanforderungen hinsichtlich Zahl und Herkunft – auch Mitglieder aus Nachbargemeinden sind willkommen.

Aus den beiden von Fr. Zuhlsdorf wiedergegebenen Anfragen an Ecclesia die bzw. aus den darauf ergangenen Antworten wird noch etwas weiteres ersichtlich: Ecclesia Dei antwortet kurialer Tradition entsprechend möglichst präzise auf eingereichte „dubia“. D.h. Wenn jemand fragt, ob es erlaubt ist, mittwochs in einer diözesan anerkannten Privatkapelle die alte Messe zu zelebrieren, muß er damit rechnen, daß die Antwort lautet: Es ist erlaubt, mittwochs in einer Privatkapelle im überlieferten Ritus zu zelebrieren. Daraus kann man nicht schließen, daß eine solche Zelebration donnerstags in der Stadtpfarrkirche unzulässig wäre – danach war schließlich nicht gefragt. Von daher würden wir unseren Kommentar vom 5. Januar zu einer Antwort der Kommission heute nicht so kritisch formulieren.

In diesem Sinne: eine gute 8. Woche.

Im Reich der Widersprüche

Am gestrigen Dienstag (14. 2.) fand im Vatikan eine Pressekonferenz statt, auf der eine etwas anspruchsvoll als „Buch“ bezeichnete 40-Seiten-Schrift von Kardinal Coccopalmerio vorgestellt wurde. Die 40 Seiten widmen sich der Interpretation – so sagt es der Titel – des 8. Kapitels von Amoris Laetitia. So gesehen ist die Schrift als Kommentar zu einem Textabschnitt, in dem es angeblich keinerlei Unklarheiten gibt, denn doch wieder recht umfangreich geraten.

In seinem Büchlein sagt Kardinal Coccopalmiero so ziemlich das exakte Gegenteil dessen, was Kardinal Müller, Präfekt der Glaubenskongregation, zum gleichen Gegenstand ausgeführt hatte. Müller besteht ganz im Sinne der bisherigen Lehre darauf , daß man nicht sagen könne,  „dass es Umstände gibt, aufgrund derer ein Ehebruch keine Todsünde bildet. „Für die katholische Lehre ist das gleichzeitige Bestehen von Todsünde und rechtfertigender Gnade unmöglich.“ Das will Coccopalmiero keinesfalls so eng sehen: Wenn Personen, die sich „in einer nicht legitimen Verbindung befinden“, den Wunsch hätten, diese Situation zu ändern, dazu jedoch nicht im Stande seien, könne die kirchliche Autoritt sie sehr wohl zur Eucharistie zulassen. Das bedeute kein Abrücken von der bisherigen Lehre.

In letzterem kann man ihm sicher folgen, seit als neues Dogma des jesuitischen Pontifikats verkündet worden ist, daß 2 + 2 auch 5 sein könne. Trotzdem bleiben noch ein paar kleinere Fragen offen. Was sind z.B. alles „nicht legitime Verbindungen“ - in der gegenwärtigen Lage eröffnet diese Formulierung ganz neuartige, um nicht zu sagen vielfältige Perspektiven. Und was heißt es, eine Situation zwar ändern zu wollen, das aber nicht zu können? Heißt das, daß es Situationen gibt, in denen die Erfüllung der Gebote schlichtweg unmöglich ist? Das freilich wäre vom Konzil zu Trient ausdrücklich als Irrtum zurückgewisen worden. Aber was ist schon Trient – da wußte man ja noch nicht einmal um die postkatholische Weisheit des 2 + 2.

Neben der unerträglichen Verwirrung in der Sache ist bemerkenswert die Form, in der die Auseinandersetzung ausgetragen wird. Kardinal Müller, der als Präfekt der Glaubenskongregation in der Lage wäre, in Übereinstimmung mit dem Papst ein entscheidendes Wort zu sprechen, hat es zwar an Klarheit nicht fehlen lassen. Aber er sprach diese Klarheit nicht in einer offiziellen Stellungnahme seines Amtes aus, sondern im Interview mit einer Zeitung. Anscheinend war es nicht möglich, die für eine amtliche Stellungnahme erforderliche Übereinstimmung mit dem Papst herzustellen.

Ähnlich liegen die Dinge um die Stellungnahme des Kirchenrechtlers Coccopalmieri, der für fundamentaltheologische Fragen keine direkte Zuständigkeit besitzt. Die in einer Pressekonferenz erfolgte Präsentation dieser Stellungnahme – anscheinend läuft in diesem Pontifikat alles über die Presse – war ursprünglich sogar als (freilich formlose, aber dennoch offizielle) Antwort auf die Dubia der vier Kardinäle gehandelt worden. Sie wurde kurz vor Beginn herabgestuft, indem Coccopalmieri eine Terminkollision in seinem Kalender entdeckte und der Präsentation fernblieb.

So ist also, sowohl was die formale Seite betrifft als auch im Inhaltlichen, wieder alles offen, der Widerspruch bleibt ungelöst. Und das schafft genau das Umfeld, das die bergoglianische Reformation zu ihrer Umsetzung benötigt.

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