Bereichsnavigation Meldungen:

Die 51. Woche

Bild aus einem Film von der Website der GemeinschaftEine gute Woche zur Vorbereitung auf den Weihnachtsfrieden war das nicht, und das nicht nur wegen des mörderischen Angriffs eines Freiwilligen einer bewaffneten Abteilung des Islam auf einen Weihnachtsmarkt im Herzen Berlins. 

Direkt ins Herz der Kirche zielt der die Gottessohnschaft des Erlösers bestreitende Artikel der Theologieprofessorin Polak, den diese mit wohlwollender Förderung durch Dompfarrer Faber und fahrlässiger Duldung von Kardinal Schönborn im weihnachtlichen Pfarrbrief der Wiener Domgemeinde veröffentlichen konnte. Wir haben darüber geschrieben. Das kommt dabei heraus, wenn man sich für das Verständnis des Glaubens nicht auf die am authentischsten in der Septuaginta überlieferte Form des alten Terstaments stützt, wie sie auch Jesus selbst und seinen Jüngern geläufig war, sondern auf den angeblichen masoretischen Urtext. Angeblich deshalb, weil er in wesentlichen Teilen deutlich jünger (fixiert um das 5. nachchristl. Jahrhundert) ist als das dem 3. vorchristl. Jahrhundert entstammende Septuaginta-Stadium. Tatsächlich enthält die masoretische Version des AT teilweise direkt gegen das Christentum gerichtete Lesungen und Entstellungen – von „Urtext“ keine Spur.

Nicht nur in Gestalt von Figuren wie Polak ernten wir jetzt die Früchte des nachkonziliaren Bemühens, im Zeichen des Dialogs mit dem Judentum die in der ganzen alten Kirche maßgebliche Fassung des alten Testaments in der Septuaginta abzustoßen und sich auf eine Überlieferung einzulassen, die in vielem von Feinden des Christentums redigiert worden ist. Die Gottessohnschaft des Erlösers ist das große Ärgernis für den Teil des Judentums, der sich von diesem Jesus nicht erlösen lassen wollte und bis heute an dieser Verneinung der Grundwahrheit unseres Glaubens festhält.

Auf verdrehte Weise passt dazu die Ausweisung einer in Lehre und Liturgie an der Tradition festhaltenden Schwesterngemeinschaft aus seinem Bistum durch den kürzlich neu ernannten Bischof Konderla von Tulsa im us-amerikanischen Oklahoma. Die „Töchter Mariens, der Mutter Israels“ sind eine Gründung der Konvertitin aus dem Judentum und heutigen Benediktinerin Rosalind/Miriam Moss, die unter Konderlas Vorgänger Bischof Slattery Aufnahme in Tulsa gefunden hatte. Slattery hatte sie der geistlichen Begleitung durch Fr. Charles Rippberger von der Petrusbruderschaft anvertraut, der Tulsa bereits im September verlassen mußte.

Die Feindschaft gegenüber traditionstreuen Frauenorden scheint eines der hervorstechenden Kennzeichen der modernistischen Ordnung zu sein. Bereits im Sommer hat die in Italien lebende amerikanische Autorin Hilary White die neu von Franziskus erlassenen Richtlionien für kontemplative Frauengemeinschaften unter diesem Aspekt analysiert. Jetzt im Dezember erscheint eine deutsche Übersetzung auf Tradition und Glauben: „Der Frühling ist vorüber, meine Damen“.

Womit sich der Blick nach Rom wendet, wo die Auseinandersetzung um Amoris Laetitia an Intensität zunimmt. Sie wird inzwischen auch von den Mainstream-Medien wie hier dem SPIEGEL zur Kenntnis genommen. Von der überaus schwerwiegenden Intervention von Kardinal Burke im Interview bei Lifesite-News hatten wir schon berichtet. Nun hat sich auch der Salzburger Weihbischof Laun per Interview in die Gruppe der besorgten Fragesteller eingereiht – der Text ist bislang nur in englischer Sprache auf Onepeterfive zu bekommen.

Ebenfalls auf Onepeterfive ist eine bemerkenswerte Untersuchung von Maike Hickson erschienen, die darlegt, wie die in Österreich unter der Verantwortung von Kardinal Schönborn arbeitende Nachrichtenagentur „kathpress“ ein Interview zu Amoris Laetitia mit Kardinal Müller so bearbeitet bzw. verstümmelt hat, daß die in einer anderen Fassung des Interviews enthaltenen klaren Aussagen des Präfekten der Glaubenskongregation zur Unveränderlichkeit der katholischen Ehelehre nicht mehr aufzufinden waren. Im Zusammenhang mit der Unruhe um Amoris Laetitia ist auch ein langer Text des amerikanischen katholischen Philosophen Edward Feser zu lesen, der sich unter der Überschrift „Denial flows into the Tiber“ zunächst mit der Geschichte irrlehrender Päpste von Liberius I. (352-266) bis Johannes XXII. (1316-1334) beschäftigt, um dann die Frage zu stellen, was daraus für die Zweifel an Amoris Laetitia zu folgern ist. Es ist, soweit wir das überblicken können, die bislang materialreichste und tiefgehendste Analyse zum Thema. 

Und wenn wir schon bei Franziskus sind: Am Donnerstag absolvierte der Papst seine weihnachtliche Kurienbeschimpfung – same procedure as every year. Es sind die bösen Konservativen und verstockten Traditionsanhänger, die sich den Worten des Heiligen Geistes verschließen, die doch unentwegt von seinen Lippen und aus seiner Feder fließen.

Wo bleibt das Positive? In dieser Woche müssen wir wenigstens nicht nur über den Ozean schauen, um Erfreuliches zu melden. Am vergangenen Quatembersamstag hat der Bischof von Frejus-Toulon, Dominique Rey, vier Seminaristen seiner Diözese und einem aus der Petrusbruderschaft die niederen Weihen erteilt. Außerdem weihte er einen Franzosen, der in der schottischen Diözese Argyll inkardiniert ist, zum Priester. Das alles nach der überlieferten Liturgie, wie sie für diesen Samstag vorgesehen ist. Und in Belgien wird es ab dem 1. Januar eine neue regelmäßige Sonntagsmesse im überlieferten Ritus geben. Sie wird an jedem ersten Sonntag im Monat von einem Priester des Instituts Christus König und hoher Priester in der Basiilika unserer lieben Frau von Dadizele gefeiert – wenige Kilometer entfernt von den Schlachtfeldern des 1. Weltkriegs um Ypern. Sehr lesenswert schließlich, wenn auch von der Überschrift her einigermaßen überraschend, ist ein Artikel von Peter Kwasniewski in Rorate Caeli: The Spirit of the Liturgy in the Words and Actions of Our Lady

Kommen Sie gut in die nächste Woche und das neue Jahr - wenn nichts Weltbewegendes geschieht, werden wir uns erst am 2. Januar wieder mit aktuellen Beiträgen melden.

Zuspitzung um Amoris Laetitia

Bild: Lisa Bourne/LifeSiteNewsIm Gespräch mit Lifesite-News hat Kardinal Raymond Burke als einer der vier Unterzeichner der ,dubia' bezüglich Amoris Lætitia nun mitgeteilt, wie er den weiteren Ablauf der Dinge erwartet. Der Papst hatte bekanntlich auf die Anfang November eingegangenen formale Bitte um Klärung offener Fragen nicht geantwortet und durchsickern lassen, er gedenke das auch nicht zu tun. Gleichzeitig haben einige Angehörige des päpstlichen Hofstaats größtenteils aggressive und unverschämte Erklärungen veröffentlich, die alle eines gemeinsam haben: sie gehen mit keinem Wort auf die Sache ein. Und das, obwohl angesichts widersprüchlicher Interpretationen des päpstlichen Schreibens für alle Welt ersichtlich ist, daß tatsächlich erhebliche Zweifel und Unklarheiten über seinen Inhalt und seine Aussage bestehen. Der Kardinal sagte dazu:

Es muß eine Reaktion auf die Dubia (bzw. auf das Ausbleiben einer Antwort) geben, weil sie die Grundlagen des moralischen Lebens und der unveränderlichen Lehre der Kirche von Gut und Böse hinsichtlich verschiedener sakramentaler Realitäten wie der Ehe und der hl. Kommunion betreffen... Nun stehen wir in den letzten gnadenreichen Tagen vor der Feier der Geburt unseres Herrn, dann kommen die Oktav von Weihnachten und die Feierlichkeiten zum Beginn des neuen Jahres - das ganze Mysterium um Geburt und Erscheinung des Herrn - daher wird diese Reaktion wahrscheinlich erst einige Tage danach kommen.

Diese Antwort wird ebenso eindeutig formuliert sein, wie es die dubia sind, doch sie würde dann nicht länger mehr in Form von Fragen formuliert, sondern sie würde eine Gegenüberstellung der verwirrenden Aussagen in Amoris Lætitia mit der beständigen Lehre und Praxis der Kirche enthalten und damit eine Korrektur von Amoris Lætita vornehmen.“

Eine solche öffentliche Korrektur irriger Ausführungen eines Papstes anhand der beständigen Lehre der Kirche war zum letzten Mal im 14. Jahrhundert erfolgt. Damals hatte Papst Johannes XXII. öffentlich die Überzeugung vertreten, daß die Heiligen erst nach der allgemeinen Auferstehung der Toten am Ende der Zeit der Anschauung Gottes teilhaftig würden - eine Frage, die im Vergleich zum aktuellen Streitpunkt eher theoretische Bedeutung hat. Damals widerrief der Papst nach einigem Hin und her seine irrige Ansicht nicht zuletzt in der Reaktion auf einen Brief der Theologen der Pariser Universität, die ihm einerseits jeden schuldigen Gehorsam zusagten, andererseits aber nachwiesen, daß seine Ansichten dem katholischen Glauben widersprachen.

In vergleichbarer Weise erklärte jetzt auch Kardinal Burke, daß der Schritt der vier Kardinäle „in großem Respekt für das Amt des Nachfolgers Petri“ erfolge, tatsächlich sei eine solche Korrektur eine notwendige „Maßnahme, dieses Amt und seine Ausführung zu bewahren“.


Ein ausführlicherer Bericht findet sich auf der unbeirrbar glaubenstreuen Site lifesitenews.com, die derzeit auch dringlich um Spenden für ihre weitere Arbeit bittet.

Die 49. Woche

ScreenshotGutmensch Nr. 1 in Woche Nr. 49 war zweifellos der Kölner Kardinal und Erzbischof Woelki, als er mit grüner Sprühkreide (umertfreundlich, leicht abwischbar) das Wort „Gutmensch“ auf den Boden seiner Terrasse sprühte.  Die halbe Republik lachte. Knapp gefolgt wurde der Purpurträger von der BDKJ Rottenburg-Stuttgart mit ihrer Plakataktion „Alle Christen glauben an Allah“. Soviel zum Nebensächlichen. Hauptthema der Woche war nach wie vor die weltweit nach der Veröffentlichung von „Amoris Laetitia“ ausgebrochene Beunruhigung in der Kirche.

Den Stand und Hintergründe der Debatte im ehedem katholischen Deutschland referiert Hubert Hecker auf katholisches.info: Warum der liberale deutsche Katholizismus so gereizt und aggressiv auf den Dubia-Brief an den Papst reagiert. In einem Interview mit der italienischen Website La Nuova Bussolo Quotidiana hat sich Robert Spaemann zur Unterstützung der vier Kardinäle der „Dubia“ zu Wort gemeldet – hier Auszüge in englischer Übersetzung. Seine Fragen lassen sich sehr einfach zusammenfassen: Folgt die Kirche Jesus, oder folgt sie dem Zeitgeist? Schwer zu beantworten, in der Tat.

In England hat eine Gruppe katholischer Seelsorger und Intellektueller eine Unterstützungserklärung für die Absender der „Dubia“ veröffentlicht. Die Unterzeichner stellen unter anderem fest, daß die Kirche nach der Veröffentlichung von Amoris Laetita an einen kritischen Moment ihrer Geschichte gekommen sei, der sich nur noch mit der großen Arianischen Krise des 4. Jahrhunderts vergleichen ließe, als selbst der Papst sich unfähig zeigte, den Zweifeln an der gottmenschlichen Natur des Erlösers entgegenzutreten. Da ist wohl was dran.

Weihbischof Athanasius Schneider nennt die Dinge beim rechten Namen (), wenn er nicht mehr alleine vor einem drohenden Schisma warnt, sondern konstatiert:

„Heute sehen wir eine befremdliche Form von Schisma: Nach außen wahren viele Kirchenvertreter die formale Einheit mit dem Papst für das Wohl ihrer Karriere oder aus einer Art von Papolatrie. Zugleich brechen sie aber die Einheit mit Jesus Christus, der Wahrheit, und mit Jesus Christus dem wahren Haupt der Kirche. Andererseits werden Kirchenvertreter als Schismatiker beschuldigt, obwohl sie den kanonischen Frieden mit dem Papst bewahren und treue Söhne Jesu Christi, der Wahrheit sind und Sein Evangelium mit Eifer verkünden.“

Um so wichtiger sei es, daß der Papst unmißverständlich seiner Pflicht nachkomme, den Glauben der Brüder zu stärken:

„Nur der Dienst, den Glauben zu klären, schafft Einheit in der Kirche, und das ist die erste und unerläßliche Verantwortung des Papstes. Wenn der Papstes unter den aktuellen Umständen seine Aufgabe nicht erfüllt, müssen die Bischöfe das unveränderliche Evangelium über die Göttliche Morallehre und die immerwährende Ordnung der Ehe sicher verkünden.“

Neben solchen und anderen eher kirchenpolitisch orientierten Aufrufen brachte die vergangene Woche eine weitere eingehende theologische Analyse der in den „Dubia“ angesprochenen Probleme, verfasst von dem kanadischen Theologen und Philosophen John R.T. Lamont. Dabei beschränkt sich Lamont nicht nur auf die in der Folge von Amoris Laetita in Zweifel gezogenen Glaubensaussagen, sondern wirft auch weitergehende Fragen zur Päpstlichen Unfehlbarkeit, ihrer Bedingungen und Grenzen auf. Er zählt eine Reihe von Beispielen aus dem gegenwärtigen Pontifikat auf, bei denen er diese Grenzen überschritten sieht und diskutiert in einer seit langem nicht mehr gekannten Ausführlichkeit und Ernsthaftigkeit die Mittel, die der Kirche zur Korrektur fehlgegangener Oberhirten zu Gebote stehen. Er kann sich dabei auf eine Reihe von Kirchenlehrern von den ältesten Zeiten bis hin zu Thomas von Aquin und Robert Bellarmin stützen. Wir lernen daraus unter anderem: Was heute nach mehreren Jahrhunderten „guter Päpste“ kaum denkbar erscheint, war in früheren unruhigen Zeiten durchaus schon Diskussionsgegenstand.

Dem Drama auf der Hauptbühne entspricht das Satyrspiel auf dem Nebenschauplatz. P. Spadaro, Chefredakteur des Jesuitenblattes La Civiltà Cattolica und bevorzugtes Sprachrohr – und wohl auch einflußreicher Ideengeber – des Papstes, hat auf seinem Twitter-Account nicht nur kaum bemäntelte üble Beschimpfungen der vier „Dubia“-Autoren gepostet. Er hat auf der Zwitscherseite auch einen Fake-Account unter dem schönen Namen „Habla Francisco“ eingerichtet und im vorgetäuschten Dialog mit diesem Strohmann seine Botschaft zu propagieren versucht. Selten hat man eine eindrücklichere Erklärung dessen gesehen, was bestimmte Kirchenführer unter „Dialog“ verstehen: Das Selbstgespräch im kleinsten denkbaren Kreis.

Die mit Amoris Laetita zwar nicht aufgebrochenen, aber unübersehbar gewordenen Zerfallserscheinungen im Zentrum der Kirche scheinen auch dort Beunruhigung hervorzurufen, wo man Lehre und Wesen der Kirche fernsteht. Selbst bei vielen, die ihre Lehre ablehnen und auf Änderung dringen, hat die Rolle der Kirche als Element von Stabilität in einer von allseitigen Veränderungen mitgerissenen Welt einen gewissen Stellenwert. Fällt dieses Element als solches aus, könnten unberechenbare Folgen eintreten: Gelenkte Evolution ja - Revolution nein.  

Und so erklärt es sich vielleicht, daß ausgerechnet die New York Times ihrem Redakteur und Kommentator Ross Douthat in diesen Tagen ungewöhnlich breiten Raum zur Darstellung und kritischen Kommentierung der weltkirchlichen Entwicklungen einräumte. Douthat als „Quotenkatholik“ in der gerne auch als „Hells Bible“ bezeichneten ultraliberalen NYT abzutun, wäre ungerecht. Er tut dort alles, um einen orthodox katholischen Standpunkt in einem feindseligen Umfeld zur Geltung zu bringen. Und das ist mehr, als mancher deutsche Prälat von sich behaupten kann. Seine Artikel His Holiness Declines to Answer und The End of Catholic Marriage sind über den Tag hinaus lesenswert.

Über anderes, was in dieser Woche in und aus Rom zu hören war, decken wir schamhaft den Mantel des Schweigens: Die Nackten zu kleiden ist Christenpflicht, und ich möchte Ihnen weiterhin einen schönen 3. Adventssonntag wünschen.

Die 48. Woche

Bild: New Liturgical Movement, John BriodyHat er nun den vier Kardinälen mit dem Rauswurf aus dem Kollegium gedroht – oder hat er nur darauf hingewiesen, daß der barmherzige Franziskus den Kardinälen nicht den roten Hut nehmen werde - als ob das jemals Praxis seiner Vorgänger gewesen wäre. Spielt letztlich keine Rolle. Ins Gespräch gebracht hat der großmächtige Präsident der päpstlichen Rota diese Option allemal, und anschließende Dementis und Richtigstellungen sind in Rom derzeit im Dutzend billiger. Die Kamarilla um den Papst reagiert gereizt auf die anschließenden Reaktionen, und das mit Grund: Mit ihren dubia haben die vier Kardinäle die Strategie durchkreuzt, durch Produktion von Zweideutigkeiten klammheimliches Streuen von Zweifeln die Lehre der Kirche da aufzuweichen und unkenntlich zu machen, wo sie angesichts einer eindeutigen und bis auf Christusworte zurückgehenden Lehrtradition nicht geändert werden kann. Nun muß der Papst Farbe bekennen, so oder so – oder weiter schweigen. Im ersten Fall müsste er Eindeutigkeit schaffen – oder Christus widersprechen. Da er beides nicht will, rettet er sich – nicht zu verdecken durch den aufgeregten Wortschwall des Hofstaats - ins Schweigen und gibt damit vor aller Welt zu Protokoll, daß ihn die Wahrnehmung des Lehramtes überfordert.

Was hatten wir sonst noch? Der einstmals katholische Kolpingverband veröffentlicht ein Papier, das sich zwar als „Memorandum zum Schutz menschlichen Lebens“ darstellt – inhaltlich jedoch in den meisten Punkten gegen die geltende Lehre agitiert und Positionen der Kultur des Todes unterstützt. In der Hoffnung auf weitere mit päpstlicher Zustimmung eröffnete Grauzonen? Längst tief in der Grauzone stecken die Ökumenepartner von der EKD. Dort nahm die in diesen Tagen zusammentretende Landessynode von Baden-Württemberg eine Petition mit 23500 Unterschriften entgegen, die fordert, auch BaWüs Protestanten müssten nun eine Trauungshandlung für gleichgeschlechtliche Paarungen einführen – alle anderen Landeskirchen hätten das schließlich schon. In Rom trat erstmals die „Studienkommission zur Erforschung der historischen Stellung des Frauendiakonats“ zusammen, die sich allerdings mit ihrer Arbeit Zeit zu lassen scheint, bis ins nächste oder übernächste Pontifikat. Und eine kanadische Studie unter Angehörigen protestantischer Denominationen hat ergeben, daß nach wie vor eine ganz klare Beziehung zwischen Glaubenstreue und Entwicklung der Mitgliederzahlen besteht: Die Reformierer verlieren beschleunigt Gefolgschaft, die Konservativen halten Stand und gewinnen dazu.

Höchste Zeit also, die protestantische Reformation nach 500-jähriger Erfolgsgeschichte nachzuholen? Im angelsächsischen Raum zumindest, wo man den Niedergang der Reformierer ständig vor Augen hat, schwindet die Bereitschaft, sich dem Zug der Lemminge anzuschließen. Father Zuhlsdorf meldet weiter Gemeinden, die sich entsprechend der Aufforderung von Kardinal Sarah im Advent dem Zug „Ad Dominum“ anschließen. In der Diözese Madison hat am 30. Oktober ein weiteres Mal mit Robert Morlino ein amtierender Ortsbischof das Sakrament der Firmung im überlieferten Ritus gespendet, und in der wunderschönen Kirche des. hl. Kevin in Dublin konnte erneut ein Angehöriger des Instituts Christus König und Hoher Priester Primiz feiern – ausgerichtet in all der gottesfürchtigen  Pracht, wie nur dieses Institut sie zu entfalten versteht. Eines der Bilder davon haben wir oben gezeigt – über ein Dutzend weitere gibt es auf New Liturgical Movement.

Einen schönen zweiten Adventssontag!

Die 47. Woche

Bild: https://en.nursia.org/earthquake/Aus dem leidgeprüften Norcia kommt die Nachricht, daß der bisherige Prior der Benediktiner, Dom Cassian Folsom, sein Amt niedergelegt hat. Der seit Jahren an Leukämie leidende Gründer der Gemeinschaft fühlt sich den Anforderungen des Wiederaufbaus kräftemäßig nicht mehr gewachsen und hat den Generalabt des Ordens gebeten, einen jüngeren Nachfolger zu ernennen. Norcia ist keine Abtei mit dem Recht der eigenen Abtswahl. Der Generalabt hat der Bitte entsprochen und den bisherigen Subprior und Novizenmeister P. Benedikt Nivakoff als Prior eingesetzt. Damit ist gesichert, daß die Gemeinschaft sich im schon bisher dort gepflegten Geist weiter entwickeln kann. Inzwischen haben die Pläne zum Wiederaufbau der Wirkungsstätten der Benediktiner von Nurcia eine so konkrete Gestalt angenommen, daß eine ungefähre Kostenabschätzung vorliegt: Die Kommunität benötigt um die 7.5 Millionen $, um die eingestürzte Kathedrale von Norcia wieder aufzubauen und ein neues Kloster etwas außerhalb der Stadt zu errichten. (Quell und weitere Informationen)

Aus weiteren amerikanischen Pfarreien kommen Meldungen, daß dort – zumindest für die Zeit des Advent und wohl als „Test“ für die weitere Praxis – die heilige Messe in der vom Präfekten der Liturgiekongregation nachdrücklich empfohlenen Orientierung „ad Dominum“ gefeiert werden soll. Dieses Vorgehen kann nicht alle Defekte der gescheiterten Reform von 1969/70 heilen – aber es kann dem Eindruck entgegenwirken, seit 1970 sei in der Kirche „alles anders“ als zuvor, und das ist in der aktuellen Situation von großer Bedeutung. Eben deshalb wenden sich die Erben der Revolutionäre der 60er Jahre des verflossenen Jahrhunderts so erbittert gegen jedes Abrücken von damals erreichten vermeintlichen Fortschritten – und eben deshalb ist es ein Hoffnungszeichen, daß die „Umkehr der Altäre“ gerade in der – im Vergleich zu Deutschland – weitaus vitaleren Katholischen Kirche der USA vielerorts zeichenhaft in Frage gestellt wird.

Die – wieder einmal per Interview transportierte – Darstellung von Papst Franziskus, die Feier der überlieferten Liturgie sei eine Nostalgikern gewährte „Ausnahme“, hat in den vergangenen Wochen zweifachen Widerspruch von kompetenter Seite gefunden. Da war zum einen der Liturgiewissenschaftler Nicola Bux, der in einem Interview mit La fede quotidiana ausführte:

Das steht so nicht im Motu Proprio von Papst Benedikt XVI. Vielmehr liest man dort ausdrücklich, daß die beiden Riten gleiche Würde haben. Das schreibt der Papst und nicht ich. Daher können wir, das Dokument bei der Hand, nicht sagen, daß es sich um eine Ausnahme handelt, außer, man will zu einer Schlußfolgerung kommen, die sich gegen das Dokument des Papstes richtet.

Und dann ebenfalls in einem Interview, mit der gleichen Argumentationsrichtung, aber noch mehr Gewicht Kardinal Burke, der als ehemaliger Präsident des obersten vatikanischen Gerichtes auch über juristische Kompetenz zur Beurteilung der Verbindlichkeit rechtlicher Dokumente verfügt:

Frage: Im neuen Buch von Pater Spadaro „In deinen Augen ist mein Wort“ nennt Papst Franziskus den überlieferten römischen Ritus eine „Ausnahme“. Was denke Sie dazu?

Kardinal Burke: Daß er keine Ausnahme ist. Er ist die Messe der Kirche aller Zeiten und daher kann er nicht übergangen werden und hat gleiche Würde. Im übrigen genügt es das Motu proprio von Papst Benedikt XVI. zu lesen, das eindeutig ist.

Streitpunkte wie die der Kommunion für die „wiederverheireten Geschiedenen“ sind dogmatisch äußerst schwerwiegend und mögen von großer Bedeutung für das Bild der Kirche in der Öffentlichkeit sein - im Leben der Gemeinden nehmen sie nur begrenzten Raum ein. So hoch ist der Anteil der vermeintlich glaubenstreuen Katholiken, die Trotz Scheidung und Wiederverheiratung allsonntäglich zur Messe gehen, nicht. Die Frage der Liturgie betrifft demgegenüber jeden Messbesucher unmittelbar, und die Form der Messfeier erweist sich immer mehr als das entscheidende Element nicht nur für den Ausdruck des Glaubens, sondern auch für seine Gestaltung im Bewußtsein der Menschen.

Zusätzliche Informationen