Bereichsnavigation Themen:

In, nicht von der Welt

Die „Option Benedikt“ - VII

Es ist Zeit, den Faden der Option Benedikt wieder aufzunehmen. Wir hatten in bisher sechs Abschnitten wesentliche Inhalte des Buches von Rod Dreher dargestellt – hier die Links:

Am Schluß des bisher letzten Teils Mensch-Maschine-Medien hatten wir überdies auf die Beiträge von „King Bear“ aka Tobias Klein auf seinem Blog „Huhn meets Ei“ verlinkt, der dort umfangreiche Abschnitte aus dem Buch in Übersetzung präsentiert und wohl daran gehen möchte, das ganze Buch zu übersetzen. Wenn sich denn ein Verlag findet. Tobias Klein seinerseits hat bereits im Juli ebenfalls eine Liste von Artikeln zum Thema zusammengestellt. Mit diesen Hinweisen ist, wer sich näher informieren möchte, zunächst einmal recht gut bedient. Und das Buch in Originalsprache bleibt natürlich nach wie vor empfehlenswert. Es ist in einem typischen amerikanischen journalistischen Stil geschrieben und stellt keine allzu hohen Anforderungen an die Sprachkompetenz.

Wir wollen bei diesem Stand der Dinge noch weiter als bisher schon von Drehers Buch lösen und darüber nachdenken, wie sein Grundgedanke der Bildung von spirituell und sozial überlebensfähigen katholischen Gemeinden (communities, nicht parishes) wohl unter europäischen, speziell unter deutschen, Verhältnissen, anzugehen sein könnte. Schließlich gibt es bedeutende Unterschiede in den Rahmenbedingungen.

Die vielleicht wichtigste betrifft die unterschiedlichen Regelung zur Schulpflicht. In den USA haben Eltern wesentlich mehr Freiheit, zu bestimmen, welche Schule ihre Kinder besuchen sollen, wie an dieser Schule unterrichtet wird oder ob sie den Unterricht nicht sogar ganz oder teilweise in eigener Regie übernehmen wollen. Zwar gibt es auch dort im Zeichen des neuen Totalitarismus Bestrebungen, diese Rechte einzuschränken – aber das ist alles noch meilenweit entfernt von der deutschen Ausgestaltung einer allgemeinen Schulpflicht, die auf preussische Ursprünge zurückgeht, von den Nazis erheblich verschärft wurde und gegenwärtig durch eine Amok-laufende Kultusbürokratie immer stärker unter das Diktat von Relativismus und Genderismus gestellt wird. Anders als in den USA gibt es da praktisch kein Entrinnen. Und vielleicht – darüber wird noch nachzudenken sein – hat das unter den spezifischen deutschen Bedingungen auch positive Seiten.

Ein zweiter großer Unterschied betrifft die Stellung des Religiösen im öffentlichen Leben. Religion ist, auch wenn dort ebenfalls gewisse Säkularisierungstendenzen unverkennbar sind, im Leben vieler US-Amerikaner ein wichtiges Thema, und das Gespräch über religiöse Überzeugungen und Praktiken ist nicht wie in Deutschland mit starken Tabus aus vielen Lebensbereichen praktisch verbannt. Das macht es Amerikanern leichter, über den Rahmen bestehender Gemeinden hinaus Kontakte aufzunehmen und Netze zu knüpfen, die im Sinne eines „Community buildung“ genutzt werden können. Hier kommen dann auch die modernen Kommunikationsmedien positiv ins Spiel: Nie war es so leicht, gleichgesinnte Fremde ausfindig zu machen, wie mit Hilfe des Internets. Was keinesfalls dazu führen darf, die negativen Seiten der stürmischen „Dikgitalisierung“ aller Lebensbereiche auszublenden. Sowohl in den USA als auch in Deutschland und in vielen anderen Ländern ist mit den modernen digitalen Medien ein mächtiger „Miterzieher“ auf den Plan getreten, dessen Einfluß gar nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.

„Schule“ und „Medien“ - diese beiden Stichworten verweisen auf eine der Hauptaufgaben, an denen sich jedes Konzept der Option Benedikt in der Praxis bewähren muß: Es muß den Eltern die Möglichkeit bieten, ihre Vorstellungen vom christlichen Leben sowie von der Gesellschaft und deren Wertorientierung an die nächste Generation, zuerst natürlich an die eigenen Kinder, weiterzugeben.

Völliger Abschluß von einer nicht ohne Gründe als feindlich angesehenen Umwelt wird dazu in der Praxis wenig hilfreich sein, und das nicht nur wegen der Schulpflicht, der man ja immerhin noch durch Auswanderung in ein (noch) weniger autoritär geprägtes Umfeld entrinnen könnte. Die fernab der Welt isoliert lebende Landkommune ist nicht die Zielvorstellung der „Option Benedikt“. Die meisten dahingehenden Versuche sind denn auch kläglich bis katastrophal gescheitert, und wir kennen nur eine einzige Form, die sich als lebensfähig erwiesen hat: Das Leben im Kloster nach der Regel des heiligen Benedikt und deren traditionellen Varianten.

Das ist hier aber nicht das Thema. Drehers „Option Benedikt“ richtet sich ausdrücklich an die Menschen, die sich dazu berufen fühlen, als Christen in der Welt zu leben – in der Welt, aber doch nicht von dieser Welt. Die „Option Benedikt“ verlangt es, diesen Widerspruch aufzulösen und fruchtbar zu machen – für sich selbst und die Familie, aber auch für andere. Sektenhafte Abschließung ist dazu kein geeignetes Mittel – dazu mehr in weiteren Beiträgen.

Eine blühende Gemeinschaft

Bild: New Liturgical MovementAm Sonntag, den 20. August - wir erfahren erst jetzt davon - sind im Priorat unserer Lieben Frau von Epehsus in St. Joseph, Missouri (80 000 Einwohner), sechs junge Frauen als Novizinnen der Benediktinerinnen Mariens, Königin der Apostel, eingekleidet worden. Zwei weitere Schwestern, die der Gemeinschaft schon länger angehören, legten ihre einfachen Gelübde ab. Die junge Gemeinschaft, die das Stundengebet und die gesamte Liturgie in ihrer überlieferten Form pflegen, ist 1995 mit Unterstützung der Petrusbruderschaft gegründet worden. Sie wurde 2014 von Bischof Finn im Rahmen von Ecclesia Dei als Einrichtung diözesanen Rechts offiziell errichtet. Die Gemeinschaft mit im vergangenen Jahr über 10 Profess-Schwestern hat außerhalb von St. Joseph mit dem Bau eines Klosters, begonnen, in dem die Schwestern in klassischer benediktinischer Tradition ein Leben des Gebets und der Arbeit, größtenteils in der Landwirtschaft, führen. Wie die Zahl von sechs Neuaufnahmen anzeigt, finden Spiritualität und Lebensweise der Nonnen, die die „Option Benedikt“ in ihrer konsequentesten Form verwirklichen, erfreulichen Anklang.

Die Einkleidung und Profess am 20. August erfolgte im Rahmen eines feierlichen „Hochamtes in Anwesenheit eines höheren Prälaten“, das P. Mark Bachmann OSB von der Abtei Clear Creek mit Assistenz von Priestern der Petrusbruderschaft zelebriert. Der „höhere Prälat“ war der Nachfolger von Bischof Finn, in Kansas City-St. Hoseph, Bischof James Johnston. Er nahm auch die einfachen Gelübde der beiden Novizinnen entgegen. Die von ihm zum Hochamt gehaltene Predigt ist zusammen mit mehreren Bildern von Hochamt und Profess auf New Liturgical Movement wiedergegeben.

Das Missale der Ordinariate

Bild: Personalordinariat des Stuhles PetriDen größten „Neuigkeitswert“ der in Ausgabe 2017-II der UVK präsentierten Vorträge auf der 18. Kölner Liturgischen Tagung im Frühjahr hat für uns die Vorstellung des Messbuchs der Personalordinariate der anglikanischen Tradition. Übernommen hatte diese Vorstellung Bischof Steven Lopes vom Personalordinariat des Stuhles Petri in Nordamerika, der selbst maßgeblichen Anteil an der an der Erarbeitung dieses Missales hatte, das seit 2015 unter dem Titel „Divine Worship: The Missal“ offiziell in Kraft ist. Dieser Titel ist der offizielle Titel, die Sprache dieses Missales ist Englisch in einer leicht altertümlichen, vom Alltag unterschiedenen aber dennoch ohne größere Mühe verständlichen Form.

Wir haben hier bisher über die Liturgie der Ordinariate hauptsächlich unter dem Aspekt berichtet, daß diese Liturgie eine Form der Meßfeier ermöglicht, die dem überlieferten Ritus sehr nahe kommt. Das ist richtig – aber nur ein Teil der Wahrheit. Bischof Lopes legt – sicher nicht ganz ohne nachvollziehbare kirchenpolitische Motivation – großen Wert auf die Feststellung, daß The Missal einerseits auf die aus dem 11. Jahrhundert stammenden spezifisch englischen liturgischen Traditionen von Sarum/Salisbury zurückgeht, andererseits aber „sein theologischer und den Rubriken entsprechender Kontext eindeutig die ordentliche Form des römischen Ritus“ ist. Tatsächlich gilt die „General Instruction of the Roman Missal“ des modernen Ritus auch für die Liturgie des Ordinariats, wobei The Missal freilich einen rubrizistischen Anhang für die zahlreichen Fälle enthält, in denen diese Liturgie vom aktuellen „Missale Romanum“ abweicht.

Eine dieser Abweichungen ist überaus bezeichnend: The Missal enthält neben dem Römischen Kanon nur noch einen weiteren, nämlich das sogenannte 2. Hochgebet – und zu dem ist ganz im Sinne der General Instruction angemerkt, daß er nur für Messen an Werktagen, für Kinder oder unter anderen besonderen pastoralen Notwendigkeiten zu verwenden ist. Ein anderes besteht darin, daß die Ordnung von The Missal in Übereinstimmung mit den Gewohnheiten der Anglikaner in Nordamerika die Feier der hl. Messe „ad Dominum“ zur Regel macht – ohne dabei zu verhindern, daß dort, wo sich wie vielfach in England die Richtung „ad Populum“ durchgesetzt hat, weiterhin entsprechend verfahren wird. Derlei ist wohl darunter zu verstehen, wenn Lopes von Beispielen spricht, „wie Divine Worship zur Erneuerung und Weiterentwicklung des Römischen Ritus beitragen kann“ - wenn man nicht auf Bruch, sondern auf Kontinuität setzt.

In seinen sehr materialreichen Ausführungen behandelt Bischof Lopes im Wesentlichen 4 Bereiche. Zunächst bestimmt er in einigen Grundelementen den Umfang und die Charakteristik des „anglican patrimony“, das die Katholiken des Ordinariats in die Einheit einbringen. Vor diesem Hintergrund beschreibt er dann in einiger Ausführlichkeit das, was er als „die Ordinariatsform des Römischen Ritus“ bezeichnet. Dabei macht er erneut deutlich, daß mit „Römischer Ritus“ hier die „ordentliche Form“ gemeint ist – freilich nur um später ausführlich die Elemente vorzustellen, bei denen sich die Ordinariate an der überlieferten Liturgie orientieren.

Weiterlesen...

Petrusbruderschaft in Philadelphia

Während Lifesite-News heute erneut die Gerüchte aufgreift, Rom plane die Ghettoisierung der überlieferten Liturgie in einer künftigen Personalprälatur der FSSPX - hier unser Bericht vom 14. Juli - setzen amerikanische Bischöfe ihren Kurs ansatzweiser Integration der überlieferten Liturgie in ihre Diözesen fort. Wie Erzbischof Charles Chaput am dienstag auf seiner Facebook-Seite mitgeteilt hat, wird künftig ein Priester der Petrusbruderschaft die Seelsorge für die Karmeliterinnen des Konvents St. Joseph und die darum versammelte Gemeinde in Philadelphia übernehmen.

Das Kloster der unbeschuhten Karmeliterinnen in Philadelphia besteht seit 1902. Der Konvent wurde durch den kürzlich erfolgten Zugang von sechs Schwestern aus Valparaiso und vier aus Elysburg peresonell so verstärkt, daß seine Zukunft gesichert ist. Der Orden gibt seinen Klöstern Unter- und Obergrenzen für die Zahl der Angehörigen eines Konvents vor, die erforderlichenfalls durch Translokationen eingehalten werden. Die unbeschuhten Karmeliterinnen führen ein streng von der Welt abgeschiedenes Leben der Kontemplation und des Gebets. Unser Bild  von der Website des Konvents in Philadelphia zeigt den Blick aus dem abgeteilten „Nonnenchor“ der Klosterkirche auf die heilige Liturgie.

Eine Kirche für Christus den König

Bild: Betty Longbottom, Wikimedia CC BY-SA 2.0Eine erfreuliche und in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregende Nachricht kommt aus der englischen 150 000-Einwohner-Stadt Preston. Dort wird im Herbst das Institut Christus König und Hoher Priester die Seelsorge in der zentrumsnahen historischen Kirche des Hl. Thomas von Canterbury und der Englischen Märtyrer übernehmen. Das Institut, das in den vergangenen Jahren einen erfreulichen Wachstum an Berufungen zu verzeichnen hatte, ist außer in Lancaster, zu dem Preston gehört, auch noch in den britischen Diözesen Liverpool, Shrewsbury und East-Anglia mit der Seelsorge in Pfarreien beauftragt. Insoweit ist die jetzt in einer gemeinsamen Presserklärung von Bischof Michael Campbell von Lancaster und Generalprior Wach vom Institut bekanntgegebene Entscheidung keine Besonderheit. Die Besonderheiten zeigen sich beim Blick insbesondere auf den Ort.

Besonders auffällig: In Preston gibt es mit der Kirche St. Walburge‘s bereits eine weitere vom ICKSP (seit 2014) betreute Pfarrei – sie liegt noch nicht einmal 1 km von English Martyrs entfernt. Und ebenso wie in St. Walburg‘s ist vereinbart, daß auch in English Martyrs einmal in der Woche (und hier am Samstag Abend) ein Diözesanpriester eine Messe nach dem Novus Ordo zelebriert – solange die Personalsituation der Diözese das zuläßt. Diese Situation ist dadurch gekennzeichnet, daß es in der Diözese Lancaster gegenwärtig 80 aktive und 40 pensionierte Priester gibt  – die Altersstruktur dürfte der üblichen entsprechen, so daß sich das Verhältnis in wenigen Jahren umkehren wird. Dazu kommen knapp 50 aktive ständige Diakone, von denen ebenfalls bereits 20 im Ruhestand sind. Und dabei hat allein die Stadt Preston mindestens Zehn zu frömmeren Zeiten erbaute katholische und ebenso viele anglikanische Kirchen – beiderseits viele von der Schließung bedroht.

Eine weitere Besonderheit der geographischen Lage: English Martyrs liegt unmittelbar westlich eines Stadtteils, in dem eine erste flüchtige Übersicht auf Google Earth mindestens 5 Moscheen ermittelte – die nächstgelegene gerade einmal 300 m entfernt. Darunter auch einige mit so anheimelnden Namen wie Quwwat ul Islam (Macht des Islam, hier mit angegliedertem isamischem Schulzentrum) oder Felsendom-Moschee. Noch einmal einen halben km weiter westlich liegen dann noch eine Koranschule, in mittlerer Nähe ein Gebetshaus AfriChild Ministries und das Vajravahi Kadampa Buddhist Centre südlich von St. Walburge‘s. Was fiel sonst noch auf? Preston Church4You, die Preston Ethical Spiritualist Church, Preston Christadelphians und The Wycliffe Memorial Church.

Diesem Befund nach zu urteilen, ist die Nachfrage nach spirituellen Angeboten in dieser doch recht kleinen Stadt sehr umfangreich. Man kann mit Interesse beobachten, was das Institut Christus König in diesem Umfeld erreichen kann.

Ergänzung am 12. 7.:

Unter Datum von heute bringt New Liturgical Movement einen Bildbericht über die historische und architektonische Bedeutung von English Martyrs

Zusätzliche Informationen