Bereichsnavigation Themen:

Petrusbruderschaft in Philadelphia

Während Lifesite-News heute erneut die Gerüchte aufgreift, Rom plane die Ghettoisierung der überlieferten Liturgie in einer künftigen Personalprälatur der FSSPX - hier unser Bericht vom 14. Juli - setzen amerikanische Bischöfe ihren Kurs ansatzweiser Integration der überlieferten Liturgie in ihre Diözesen fort. Wie Erzbischof Charles Chaput am dienstag auf seiner Facebook-Seite mitgeteilt hat, wird künftig ein Priester der Petrusbruderschaft die Seelsorge für die Karmeliterinnen des Konvents St. Joseph und die darum versammelte Gemeinde in Philadelphia übernehmen.

Das Kloster der unbeschuhten Karmeliterinnen in Philadelphia besteht seit 1902. Der Konvent wurde durch den kürzlich erfolgten Zugang von sechs Schwestern aus Valparaiso und vier aus Elysburg peresonell so verstärkt, daß seine Zukunft gesichert ist. Der Orden gibt seinen Klöstern Unter- und Obergrenzen für die Zahl der Angehörigen eines Konvents vor, die erforderlichenfalls durch Translokationen eingehalten werden. Die unbeschuhten Karmeliterinnen führen ein streng von der Welt abgeschiedenes Leben der Kontemplation und des Gebets. Unser Bild  von der Website des Konvents in Philadelphia zeigt den Blick aus dem abgeteilten „Nonnenchor“ der Klosterkirche auf die heilige Liturgie.

Eine Kirche für Christus den König

Bild: Betty Longbottom, Wikimedia CC BY-SA 2.0Eine erfreuliche und in vielerlei Hinsicht zum Nachdenken anregende Nachricht kommt aus der englischen 150 000-Einwohner-Stadt Preston. Dort wird im Herbst das Institut Christus König und Hoher Priester die Seelsorge in der zentrumsnahen historischen Kirche des Hl. Thomas von Canterbury und der Englischen Märtyrer übernehmen. Das Institut, das in den vergangenen Jahren einen erfreulichen Wachstum an Berufungen zu verzeichnen hatte, ist außer in Lancaster, zu dem Preston gehört, auch noch in den britischen Diözesen Liverpool, Shrewsbury und East-Anglia mit der Seelsorge in Pfarreien beauftragt. Insoweit ist die jetzt in einer gemeinsamen Presserklärung von Bischof Michael Campbell von Lancaster und Generalprior Wach vom Institut bekanntgegebene Entscheidung keine Besonderheit. Die Besonderheiten zeigen sich beim Blick insbesondere auf den Ort.

Besonders auffällig: In Preston gibt es mit der Kirche St. Walburge‘s bereits eine weitere vom ICKSP (seit 2014) betreute Pfarrei – sie liegt noch nicht einmal 1 km von English Martyrs entfernt. Und ebenso wie in St. Walburg‘s ist vereinbart, daß auch in English Martyrs einmal in der Woche (und hier am Samstag Abend) ein Diözesanpriester eine Messe nach dem Novus Ordo zelebriert – solange die Personalsituation der Diözese das zuläßt. Diese Situation ist dadurch gekennzeichnet, daß es in der Diözese Lancaster gegenwärtig 80 aktive und 40 pensionierte Priester gibt  – die Altersstruktur dürfte der üblichen entsprechen, so daß sich das Verhältnis in wenigen Jahren umkehren wird. Dazu kommen knapp 50 aktive ständige Diakone, von denen ebenfalls bereits 20 im Ruhestand sind. Und dabei hat allein die Stadt Preston mindestens Zehn zu frömmeren Zeiten erbaute katholische und ebenso viele anglikanische Kirchen – beiderseits viele von der Schließung bedroht.

Eine weitere Besonderheit der geographischen Lage: English Martyrs liegt unmittelbar westlich eines Stadtteils, in dem eine erste flüchtige Übersicht auf Google Earth mindestens 5 Moscheen ermittelte – die nächstgelegene gerade einmal 300 m entfernt. Darunter auch einige mit so anheimelnden Namen wie Quwwat ul Islam (Macht des Islam, hier mit angegliedertem isamischem Schulzentrum) oder Felsendom-Moschee. Noch einmal einen halben km weiter westlich liegen dann noch eine Koranschule, in mittlerer Nähe ein Gebetshaus AfriChild Ministries und das Vajravahi Kadampa Buddhist Centre südlich von St. Walburge‘s. Was fiel sonst noch auf? Preston Church4You, die Preston Ethical Spiritualist Church, Preston Christadelphians und The Wycliffe Memorial Church.

Diesem Befund nach zu urteilen, ist die Nachfrage nach spirituellen Angeboten in dieser doch recht kleinen Stadt sehr umfangreich. Man kann mit Interesse beobachten, was das Institut Christus König in diesem Umfeld erreichen kann.

Ergänzung am 12. 7.:

Unter Datum von heute bringt New Liturgical Movement einen Bildbericht über die historische und architektonische Bedeutung von English Martyrs

Gott gebührt die erste Stelle

Die „Option Benedikt“ - IV

Das allgemeine Programm der Gemeinschaften, in denen Christen sich den Zumutungen und Ungeheuerlichkeiten des Zeitgeistes widersetzen können, wurde in Teil III dieser Buchvorstellung skizziert. Es ist überaus anspruchsvoll. Wie könnten Gemeinschaften aussehen, die das auch in der Praxis umsetzen könnten? Die Frage wird bei Dreher nicht zusammenhängend beantwortet – aber seine Überlegungen enthalten an verschiedenen Stellen wertvolle Hinweise.

Das entscheidende Element zuerst: Die Gemeinschaften müssen Menschen, am besten ganze Familien umfassen, die sich darin einig sind, daß sie in Ihrem Leben Gott den höchsten Stellenwert einräumen und daß sie sich, ganz benediktinisch gesprochen, darin unterstützen wollen, in den Himmel zu kommen. Und das eben nicht in klösterlicher Abgeschiedenheit – was seinerzeit manches einfacher machte – sondern mitten in der Welt, meistens wohl innerhalb großer Städte. Dort sind die Arbeits- und Lebensbedingungen diesem Ziel alles andere als förderlich – aber dort gibt es auch die größte Chance, Gleichgesinnte zu finden, um diese Gemeinschaften so stark werden zu lassen, daß sie eine Chance haben, ihr Ziel zu verfolgen.

Ein Leben unter dieser Zielsetzung stellt unter den bereits eingetreten oder für die Zukunft zu erwartenden gesellschaftlichen Rahmenbedingungen weit aus höhere Ansprüche als die Organisation von Gottesdiensten, Gebetskreisen, Bibelstunden, Kinderkatechismus und ähnlichem. Immer drängender stellt sich die Aufgabe, eigene Bildungseinrichtungen aufzubauen, die geeignet sind, der zeitgeistigen Indoktrination etwas entgegenzusetzen. Das Recht der Eltern, die Erziehung ihrer Kinder nach den hergebrachten Grundsätzen der christlich-abendländischen Kultur zu gestalten – sei es durch Privatschulen, sei es durch Homeschooling oder in Mischformen – ist ein natürliches Menschenrecht, zu dessen Erhalt und Durchsetzung jede Anstrengung geboten ist. Auch da, wo das die finanzielle Leistungsfähigkeit der Eltern oder der Gemeinschaft aufs äußerste belastet und Berufs- und Karrierechancen beeinträchtigt. Auch da, wo es erst politisch erkämpft werden müßte wie in Deutschland oder gegen Angriffe verteidigt wie in den USA.

Und mit der Vermittlung einer an christlichen Grundsätzen orientierten Bildung und Erziehung ist es ja nicht getan. Nach den Erfahrungen der vergangenen Jahre macht sich Dreher in Einem keine Illusionen. Es wird in Zukunft immer mehr Berufe geben, in denen Christen, die ihren Glauben wirklich ernst nehmen und nach seinen Geboten leben, entweder nur noch schlechte Aussichten haben oder erst gar nicht zugelassen werden. Er riskiert es nicht, diese Tendenz konsequent zu Ende zu denken – allerdings erinnert er punktuell daran, daß es auch in der Vergangenheit vielfach Situationen gab, in denen Christen sich um ihres Glaubens willen etwa zur Gründung eigener Siedlungen oder sogar zur Auswanderung zwangen. Mittel, die in Zeiten weltumspannender Kommunikationsmedien nur begrenzt praktikabel erscheinen.

Weiterlesen...

Einheit „einfach so“?

Bild: Screenshot aus dem Video der Bruderschaft im angegebenen LinkAm 9. Mai haben wir unter der Überschrift Schisma ist auch nicht besser über aktuelle Entwicklungen um die Piusbruderschaft berichtet, die darauf hindeuteten, daß die von einigen Vatikan-Astrologen bereits für diesen Monat erwartete „volle Einheit“ noch einige Zeit auf sich warten lassen werde. Aus der FSSPX war ein Schreiben von zehn lokalen Oberen bekannt geworden, die sich weigern wollen, Eheschließungen im Personenstandsregister der zuständigen Diözese anzuzeigen, wie das von Rom zum Erfordernis für die Gültigkeit von Eheschließungen vor einem Priester der Bruderschaft gemacht worden ist. Und aus Rom selbst kamen Wortmeldungen dahingehend, daß die Verhandlungen zwar in einem guten Geist verliefen, von einem Termin jedoch keine Rede sein könne. Und der Papst selbst ließ anläßlich einer Pressekonferenz „Dem Himmel so nah“ im Flugzeug erkennen, mit diesem Stand der Dinge durchaus zufrieden zu sein: „Ich halte nichts davon, Dinge zu übereilen. Gehen, gehen, gehen – dann werden wir weitersehen.“.

Es sieht so aus, als könnten und müssten wir das wörtlich nehmen. Bischof Fellay hat Ende April in einem Interview, das erst jetzt veröffentlicht wurde, wissen lassen, daß der Vatikan ihm bereits Ende letzten Jahres brieflich mitgeteilt hat, die Bruderschaft könne auch ohne Genehmigung des Ortsbischofs Priesterweihen vornehmen. Man wird ihm schwerlich widersprechen können, wenn er darin eine weitere Anerkennung sieht, daß die Kirche diese Weihen nicht nur als gültig, sondern auch als ordnungsgemäß betrachtet und die Priester daher nicht mehr wie bisher als gleich mit Beginn ihres Amtes suspendiert gelten.

Damit ergibt sich jetzt nach der Legalisierung von Beichten und Eheschließungen durch bzw. vor Priestern der Gemeinschaft hinsichtlich der Verwaltung der Sakramente folgendes Bild: Taufen und Eucharistie waren nie umstritten, ebensowenig die Krankensalbung. Beichterlaubnis und Eheassistenz sind neuerdings ebenfalls geregelt, und nun also auch die Priesterweihe - einschließlich der dieser vorausgehenden niederen Weihen und der Weihe zum Diakon. Unerwähnt geblieben ist bislang die Firmung, deren Gültigkeit freilich auch nie in Frage gestellt worden ist und deren Einbeziehung in die diözesanen Strukturen analog dem Verfahren bei Eheschließungen gestaltet werden könnte: Durch schlichte Meldung des Vollzugs an die Personenstandsregister.

Das allerdings könnte - ebenso wie bei den Eheschließungen zu Schwierigkeiten führen, die auch den Widerspruch der zehn lokalen Oberen erklären dürften: Eintragungen ins Personenstandsregister der Diözese sind logischerweise nur für Personen möglich, die in diesen Registern geführt werden. Wer etwa durch Kirchenaustritt oder weil er nie eingetragen war in diesem Register nicht vorkommt, wird zum Problemfall, und das für beide Seiten. Für Länder mit staatlicher Eintreibung einer Kirchensteuer ergibt sich in diesem Zusammenhang noch eine zusätzliche Komplikation. 

Noch weitaus größere Probleme

Ein Vorgeschmack des Himmels

Bild: Von der Website des KlostersDie Karmeliterinnen des Hl. Jesuskindes von Prag in Traverse City, Michigan, suchen einen seelsorgerlichen Betreuer, der die hl. Liturgie würdig und ehrfurchtsvoll feiert - normalerweise nach dem Novus Ordo auf Latein und „ad Dominum“, an Montagen aber auch in der überlieferten Form. An sich wäre diese Mitteilung auf New Liturgical Movement nur von lokalem Interesse und bliebe außerhalb unseres Gesichtsfeldes - wären wir nicht durch diese Meldung auf die Website des Klosters gestoßen, die einen bemerkenswerten Einblick in die Rezeptionsgeschichte der Liturgiereform erlaubt.

Das Ende der 40er Jahre gegründete Kloster streng kontemplativer Schwestern hat offenbar die aus Rom befohlenen Reformen mehr durchlitten als erlebt. In Treue zur Kirche haben sie alle verordneten Reformen nachvollzogen und versucht, dabei dennoch eine Liturgie zu erhalten, die ihnen einen „Vorgeschmack des Himmels“ vermitteln kann. Stets haben sie sich geweigert, das Allerheiligste von seinem zentralen Platz auf dem Altar verdrängen zu lassen - auch nicht vom gehorsam eingerichteten „Volksaltar“. Seit einigen Jahren sind sie nun dabei, für Offizium und Messfeier die lateinische Sprache wieder einzuführen - ein pensionierter Lateinlehrer vermittelt ihnen die nötigen Sprachkenntnisse. Regelmäßig haben sie auch eine Messe im überlieferten Ritus - da an ihren Gottesdienste auch vielen Gläubige von außerhalb teilnehmen, ist an einen vollständigen Übergang anscheinend nicht gedacht. Aber eine Sondergenehmigung aus Rom hat ihnen einen ihrer größten Wünsche erfüllt: Abweichend von der in den USA von den Bischöfen verfügten generellen Regelung dürfen sie die Kommunion kniend empfangen.

Ein Umbau durch den bekannten Kirchenbauer Duncan Stroik hat ihrer Kapelle nun wieder ein unverkennbar katholisches Aussehen verliehen und erlaubt die Zelebration in beiden Richtungen. Auch die Kommunionbank ist zurückgekehrt. Und nun suchen sie also - der bisherige „Chapelain“ hat sich in ein Sabbatjahr verabschiedet - einen Priester, der mit ihnen die Liturgie „im Sinne der Reformen von Papst Benedikt“ feiert. Beten wir, daß die Suche bald Erfolg hat.

Zusätzliche Informationen