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Ein Bischof für Pius?

Bild: Diözese ChurUnter der einigermaßen aufgeregten Überschrift „Papally Approved? Unexpectedly, a New Bishop for the Society of Saint Pius X“ berichtete Rorate Cæli am 20. Januar über die in Europa schon seit längerem bekannte Tatsache, daß der Churer Bischof Huonder nach seiner bevorstehenden Emeritierung seinen Wohnsitz in einem Institut der Piusbruderschaft nehmen wird: Im Institut Sancta Maria in Wangs, Kanton St. Gallen – das ist eine Internatsschule für Jungen. Diese Entscheidung habe der Bischof – was wenig überraschend kommt – in Absprache mit dem Vatikan bzw. dem Papst selbst getroffen.

Ein „Bischof für die Piusbruderschaft“ wird Vitus Huonder mit dieser Wahl seines Alterssitzes sicher noch nicht, und selbst wenn er es würde, könnte ein solcher Akt die Bruderschaft nicht aus dem Dilemma der drohenden Überalterung ihrer 1988 irregulär geweihten Bischöfe befreien – mit dann 77 Jahren wäre er der älteste in der Reihe. Ob Huonder in den kommenden Jahren überhaupt bischöfliche Aufgaben in der Bruderschaft übernehmen wird, bleibt abzuwarten. Eine Überraschung wäre es nicht.

Jedenfalls wird man kaum fehlgehen, in der offensichtlich mit römischer Zustimmung erfolgten Wahl von Huonders Wohnsitz einen weiteren Schritt in der seit Jahren zu beobachtenden Annäherung zwischen Rom und der Bruderschaft zu sehen. Die bisherigen Stationen waren im wesentlichen die Aufhebung der Exkommunikationen (2009), die Erteilung der Beichterlaubnis und zur Assistenz bei der Spendung des Ehesakraments (2015) sowie die soeben erfolgte Absorption von Ecclesia Dei in die Glaubenskongregation als „Verhandlungspartner“ für die Bruderschaft. Nach alledem kann heute nicht mehr gesagt werden, daß die Bruderschaft außerhalb der kirchlichen Disziplin stehe – ihr genauer Status innerhalb der kirchlichen Ordnung ist jedoch nach wie vor ungeklärt.

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Sensation oder Fake-News?

Bild: Screenshot von der KNA-WebsiteAuf katholisch.de lesen wir heute einen ziemlich merkwürdigen Artikel über die Piusbruderschaft, der vor allem darum bemüht ist, die Bruderschaft in den Schatten des „Holocaust-Leugners“ Williamson zu rücken. Ein Zeitgeist, für den die Gottesleugnung selbstverständlich ist, muß sich seine eigenen Tabus schaffen, und die Zeitgeistkirche übernimmt sie gerne. Der Artikel läßt deutlich die Beunruhigung des Verfassers (und der Redaktion) darüber erkennen, daß die Auflösung der Kommission Ecclesia Dei und die vollständige Übernahme ihrer Aufgaben durch die Glaubenskongregation einen weiteren Schritt zu einer wie auch immer beschaffenen Regularisierung der Bruderschaft sein könnte. Viel Geschwafel vom Geist des Konzils und dessen ketzerischer Zurückweisung durch die Bruderschaft, wenig Substanz.

Doch dann kommt ein Absatz der, wenn er denn zuträfe, eine bemerkenswerte Information enthielte, die bisher aus keiner anderen Quelle zu entnehmen wäre. Der Verfasser (Roland Juchem KNA) konstatiert zunächst, daß seit dem Amtsantritt des Neuen Generaloberen Pagliarini eine Verhärtung im Verhältnis zwischen Vatikan und Bruderschaft eingetreten sei und fährt dann fort:

Dies könnte mit ein Grund dafür sein, dass die Dialogkommission Ecclesia Dei kürzlich aufgelöst wurde. Nun ist die Glaubenskongregation direkt für den theologischen Austausch mit der Bruderschaft zuständig. Um liturgische Fragen mit Traditionalisten sowie den außerordentlichen Ritus kümmert sich jetzt die Liturgiekongregation.

Das ist eine knallharte Tatsachenbehauptung - sie steht allerdings im Widerspruch zu der bisherigen (nicht ganz so harten) Auskunft aus Rom, daß sämtliche Aufgaben der aufgelösten Kommission von der ihre Nachfolge antretenden Abteilung der Glaubenskongregation übernommen würden. Eine seriös arbeitende Nachrichtenagentur und seriös arbeitende Redakteure von katholisch.de können die von ihnen gegebene Variante sicher duch Benennung einer autoritativen Quelle belegen. Oder im anderen Fall den entsprechenden Absatz als Fake-News zurückziehen.

Zum Ende von „Ecclesia Dei“

Bild: aus dem genannten Artikel von fsspx.newsMit Motu Proprio vom 17. Januar, veröffentlicht am Sonntag den 19. hat Papst Franziskus die bisherige päpstliche Kommision Ecclesia Dei aufgelöst. Ihre bisherigen Aufgaben und ihr Personal sowie die ihr zugewiesenen Haushaltsmittel werden der Kongregation für die Glaubenslehre zugewiesen. Der bisherige Sekretär der Kommission, Erzbischof Guido Pozzo, übernimmt die Aufgabe des Superintendenten (Haushaltsverantwortlichen) des Chors der Sixtinischen Kapelle, der seinerseits dem Amt für die päpstlichen Liturgien zugeordnet wird. (Quelle)

Als Begründung für die Auflösung nennt Andrea Tornielli von Vatican News den Umstand, daß die Kommission ihren Auftrag nach über 30-jähriger Tätigkeit weitgehend erfüllt habe und daß die einzige offene Aufgabe – die Einigungsgespräche mit der Piusbruderschaft – sinnvollerweise so, wie auch die Bruderschaft es befürwortet, von der Glaubenskongregation direkt übernommen werden sollte.

Von Bedeutung für die Zukunft der bisher inoffiziell als „Ecclesia Dei-Gemeinschaften“ bezeichneten Orden und Vereinigungen der überlieferten Liturgie erscheint ein Satz im letzten Absatz der Präambel des Motu Proprio, in dem es (nach unserer Übersetzung aus einer inoffiziellen englischen Version ) heißt:

In heutiger Erwägung der Umstände, die den heiligen Papst Johannes Paul II. Zur Errichtung der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei bewogen und in Wahrnehmung der Tatsache, daß die Institute und Gemeinschaften, die gewöhnlich in der außerordentlichen Form zelebrieren, heute in Anzahl und Lebensweise ihre eigene Stabilität gefunden haben sowie in Wahrnehmung dessen, daß die Aufgaben und Ziele der bisherigen Kommission Ecclesia Dei im wesentlichen doktrinärer Art sind und geleitet von dem Wunsch, daß diese Ziele dem Bewußtsein der kirchlichen Gemeinschaften immer deutlicher sichtbar werden, verfüge ich mit dem gegenwärtigen aus eigenem Antrieb gegebenen Apostolischen Schreiben“ – folgt der administrative Wortlaut der Anordnung.

Der Formulierung „in Anzahl und Lebensweise ihre eigene Stabilität gefunden“ kann man entnehmen, daß es zukünftig keine weiteren solche Gemeinschaften geben wird und daß keine Änderungen hinsichtlich ihrer Arbeitsweise geplant sind. Andererseits ist nicht zu erkennen, wer künftig die bisher von Ecclesia Dei wahrgenommene „Dienstaufsicht“ über diese Gemeinschaften übernehmen soll. Die Glaubenskongregation erscheint kaum als der richtige Ort dafür – logisch wäre nach der Präambel die Ausübung dieser Rolle durch die Kleruskongregation, die derzeit von entschiedenen Gegnern der Tradition geleitet wird.

Zu Spekulationen darüber, was das bedeuten könnte, wie sie z.B. auf Kathnews hinsichtlich der Ausbildung und Weihe künftiger Priester in diesen Gemeinschaften oder von Hilary White zur Rechtsstellung traditionstreuer Frauenorden angedeutet werden, sehen wir derzeit keine ausreichende Grundlage. Auf kurze Frist erwarten wir keine einschneidenden Änderungen – und bereits auf mittlere Sicht sind wir alle tot – einschließlich des „Papstes der Überraschungen“ und der mit ihm verbundenen römischen Protagonisten einer neuen Kirche des 3. Jahrtausends. Wir haben gelernt: Was das eine Regiment mit einem Federstrich schaffen konnte, kann das andere mit einem Federstrich abschaffen. Eine Rückkehr zur Stabilität, die jahrhundertelang Kennzeichen der römischen Kirche war, ist jedenfalls vorerst nicht zu erwarten.

Unter diesem Aspekt sehen wir uns auch kaum in der Lage, die in einer ersten Stellungnahme der Piusbruderschaft zur Auflösung von Ecclesia Dei anklingende Genugtuung nachzuvollziehen, wenn es dort heißt:

Eine Folgerung liegt auf der Hand: Während die sogenannten Ecclesia-Dei-Gemeinschaften „ihre spirituellen und liturgischen Traditionen“ bewahren konnten, werden sie in der bevorstehenden Diskussion (zwischen der Bruderschaft und der Glaubenskongregation) keine Rolle spielen. Sollten sie weiterhin bei einer Sektion der Glaubenskongregation verbleiben, ist das ein rein äußerer Zusammenhang. Sie können die Messe und die „spirituellen und Liturgischen Traditionen“ behalten – aber nicht die Gesamtheit der damit einhergehenden Glaubenslehre. Das war immer der Vorwurf der Bruderschaft des hl. Pius X. gegen Dom Gerard (Gründer von Barroux) und alle anderen, die glaubten aus der Einheit der Tradition ausbrechen zu können, um eine lediglich praktische Lösung auszuhandeln. Die Krise der Kirche kann nicht auf ein spirituelles oder liturgisches Problem reduziert werden. Sie geht tiefer, denn sie berührt das Herz des Glaubens und der offenbarten Lehre.“

Das mag noch nicht einmal ganz falsch sein – ob es aber der Herausforderung der gegenwärtigen Situation gerecht wird, steht auf einem anderen Blatt.

Wird „Ecclesia Dei“ aufgelöst?

Update vom 29.12.: Neue Verweise

Seit einigen Tagen kursieren in Rom Gerüchte, nach denen die Kommission Ecclesia Dei - sie ist für die allgemeinen Rechtsangelegenheiten der überlieferten Liturgie und für die diese Liturgie pflegenden Gemeinschaften zuständig, aufgelöst werden soll. Die Aufgabe der vor 30 Jahren errichteten Kommission habe sich inzwischen erledigt. Wie es weiter heißt, ist ein Motu Proprio, das die volle Eingliederung der Kommission in die Glsubenskongregation verfügt, bereits ausgefertigt und steht vor der Veröffentlichung.

Von der Website Fr. Zuhlsdorfs, der früher selbst bei Ecclesia Dei tätig war, übernehmen wir dazu folgende vorläufige Einschätzung:

Die Kommission Ecclesia Dei ist bereits ein Bestandteil der Glaubenskongregation. Sie hat immer noch ihren eigenen Auftrag, den sie im Rahmen der Glaubenskongregation wahrnimmt. Sollte sie vollständig in der Glaubenskongregation aufgehen, dann wäre künftig der Kardinalpräfekt dieser Kongregation weiterhin zumindest für einen Teil dessen, was die Kommission bisher gemacht hat, verantwortlich.

Würden ihre Aufgaben (vollständig) der Glaubenskongregation übertragen, dann gingen auch ihre disziplinären und juristischen Kompetenzen sehr wahrscheinlich zumindest teilweise an die kirchenrechtliche Abteilung Sektion der Glaubenskongregation. Davon ist wenig zu befürchten. Diese Abteilung ist eine bekannte Verteidigerin des geltenden Kirchenrechtes.

Allerdings gehört zu den Kompetenzen von Ecclesia Dei auch die Untersuchung von Fragen wie der Vereinheitlichung des Kalenders und ähnliches. Dieser Aufgabenbereich könnte an die Kongregation für den Gottesdienst gehen, und von dort würden dann auch rubrizistische Fragen zur überlieferten Liturgie beantwortet. Wenn dafür nicht die richtigen Leute eingestellt werden, könnte das eher schlecht sein, wenn man bedenkt, wie diese Kongregation in den Jahren etwa seit 2013 personell „gesäubert“worden ist.“ 

Eine andere wichtige Aufgabe der Kommission Ecclesia Dei ist die Betreuung geistlicher Gemeinschaften, die die überlieferte Liturgie pflegen wollen. Dieser Teil ihrer Aufgaben würde wahrscheinlich an die Kongregation für die geistlichen Gemeinschaften gehen - und das wäre unter den aktuellen Umständen ziemlich verheerend. Man denke nur an die Franziskaner der Immakulata. Bestehende Gemeinschaften würden zwar nicht ausgelöscht, aber sie bekämen auch nicht mehr viel Unterstützung. Die Errichtung neuer Gemeinschaften wäre unter diesem Regime so gut wie unmöglich. Die Kongregation ist von der Spitze an dermaßen feindselig, daß alles andere kaum vorstellbar erscheint - das ist einfach unbestreitbar. Man schaue sich nur an, wie sie kürzlich mit der französischen Schwesterngemeinschaft umgesprungen sind, die nichts anderes wollten, als den Novus Ordo in einer mehr der Tradition entsprechenden Weise zu feiern und bei der Fürsorge für Alte und Schwache ihren traditionellen Habit zu tragen.

Andererseits ist es möglich, daß der gesamte Aufgabenbereich bei der Glaubenskongregation bleibt und alles weitergeht, wie bisher, außer daß Bischöfe, die sich der geltenden Gesetzeslage widersetzen, künftig mit dem Präfekten dieser Kongregation zu tun haben.“

Informationen und Spekulationen zum Thema hauptsächlich hinsichtlich möglicher Auswirkungen auf das Verhältnis Roms zur Piusbruderschaft bringt katholisches.info. Wir bleiben am Thema.

Neue Verweise

Ein Kommentar des kenntnisreichen Edward Pentin im National Catholic Register nimmt eine etwas optimistischere Perspektive als Fr. Zuhlsdorf ein. Giuseppe Nardi findet dies nur begrenzt überzeugend. Wir warten weiter auf ein offizielles Dokument.

Zweierlei Jesuiten

Bild: aus dem genannten Artikel in NLMBei den meisten Nachrichten, die uns heute aus dem Bereich der Societas Iesu erreichen, verspürt man unwillkürlich den Wunsch, nach sofortiger Auflösung des Klubs zu rufen und seinem Führungspersonal den Beitritt zum nächstgelegenen Ortsverband der Grünlinken oder des Gottlosenvereins zu empfehlen. Unberechtigt ist dieser Wunsch kaum. Es ist ein beispielloser Absturz von den Jesuiten der Gegenreformation wie Petrus Canisius in Deutschland, Andreas Bobola in Polen und Francesco De Geronimo in Italien zu intellektuellen Glasperlenspielern wie Teilhard de Chardin und Karl Rahner, denen inzwischen ausgesprochen antiintellektuelle Pragmatiker der Macht wie „2+2=5“-Spadaro, „Jesus hatte keinen Kasettenrekorder“-Sosa oder „Wer bin ich zu urteilen“-Bergoglio in höchste Position von Orden und Kirche gefolgt sind.

Aber selbst in diesem verwüsteten Weinberg lassen sich Hoffnungszeichen ausmachen. Weniger in Deutschland, wo die „Jüngeren“ (d.h. unter 60-Jährigen) wohl ausnahmslos auf Parteilinie gebracht worden sind, aber in den USA, wo die Modernisten zwar stark genug sind, das Bild der Kirche nach Außen zu prägen – aber nicht stark genug, um auch im Innern jede Abweichung in die Unsichtbarkeit zu drängen. An der Jesuit-High-School of Tampa, Florida – also einem Nachfolger der in Deutschland so gut wie ausgestorbenem Jesuitengymnasien – ist in diesem Sommer als Nachfolgebau einer sehr zeitgeistigen Kapelle aus den 60ern (in USA sagt man korrekterweise auch da „Kapelle“, wo wir allein von der Größe her „Kirche“ sagen würden) ein Neubau im historisierenden Stil des Büros Stroik eingeweiht worden. Diese Kapelle sieht wie eine richtige katholische Kirche aus – und nicht etwa wie die „in der internationalen Fachwelt hochgelobte“ neue Kunsthalle einer deutschen Provinzstadt.

Wie bei buchstäblichen allen Neubauten dieser Stilrichtung in den USA ist der Altarraum nicht so angelegt, daß er die Zelebration „ad orientem“ möglichst verhindert, sondern so, daß er sie nicht nur ermöglicht, sondern geradezu ermutigt. Anscheinend war das aber nicht nur die Stileigenheit des Architekten, sondern auch ganz im Sinne des Bauherrn: Die Rorate-Messe zum dritten Adventssonntag diesen Jahres wird in Zusammenarbeit mit Latin-Mass Society als levitiertes Hochamt nach dem überlieferten Missale ausgerichtet, wie Fr. Zuhlsdorf dieser Tage mitzuteilen wußte. Zelebrant ist Fr. Vincent Capuano vom Kollegium der Schule, Diakon ein Priester der Diözese St. Petersburg, zu der Tampa gehört, der Subdiakon kommt vom Personalordinariat vom Stuhl des hl. Petrus - also von zurückgekehrten Anglikanern bzw. Episkopalen. Die Schola des. hl. Dunstan wird die Messe mit ihrem Choralgesang begleiten, den Altardienst übernehmen die Jungen der Erzbruderschaft des hl. Stephan und Schüler des Jesuitengymnasiums.

In der offiziellen Mitteilung heißt es dann noch: Unsere Schule ist glücklich über die Zusammenarbeit mit der Gemeinde und dem Klerus von Epiphany of Our Lord Catholic Church, um diese wunderbare Liturgie in unserer neu geweihten Kapelle feiern zu können. Letzteres ist das anscheinend von der Diözese eingerichtete Zentrum für die Traditionelle Liturgie in Tampa. Da tut sich also einiges in Sachen katholische Tradition in der 400 000-Einwohner-Stadt Tampa – und die Jesuiten dort sind voll dabei.

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