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Nun auch die Franziskanerinnen der Immakulata

Nach über einjähriger „Visitation", die freilich keinerlei Ergebnisse für rechtlich benennbares Fehlverhalten erbrachte, hat die Ordenskongregation jetzt auch die Franziskanerinnen der Immakulata durch Ernennung einer Kommissarin unter Kuratel gestellt. Wenn es dem weiblichen Zweig der FFI nun ähnlich ergeht wie den Mönchen – und alles spricht dafür – bedeutet das die Zerschlagung des Ordens in seiner bisherigen Form und die Unterwerfung seiner Mitglieder unter ein Zwangsregime, dem sie sich ohne äußerste Gewissensqualen weder fügen noch entziehen können. Ein würdiger Beginn für das vom gegenwärtig glücklos herrschenden Papst ausgerufene Jahr der Barmherzigkeit.

Kommissarin wird mit Noris Adriana Calzavara ausweislich ihrer Facebook-Seite Repräsentantin einer Haltung und Praxis, die der Spiritualität der Franziskannerinnen der Immakulata völlig entgegengesetzt ist. Im Unterschied zu den Franziskanern, für deren Zerschlagung bis heute keine konkreten Gründe genannt worden sind, gibt es hinsichtlich der Franziskanerinnen nun zumindest einen deutlichen Hinweis. Im Dekret der Ordenskongregation heißt es, daß es den Franziskanerinnen „nicht gelungen ist, die Reichtümer der Konzilslehre und des folgenden päpstlichen Lehramtes in ihrem geweihten Leben auf angemessene Weise zu assimilieren und im Kontext ihres apostolischen Leben und Auftrags anzuwenden".

Zwar weiß in der seit Jahrzehnten herrschenden äußersten Verwirrung niemand mehr genau, was unter den Reichtümern der Konzilslehre oder unter dem gelegentlich auch von einem senilen Altkommunisten vorgetragenen päpstlichen Lehramt zu verstehen sei – aber der Punkt ist dennoch klar: Wer den Bruch mit der Vergangenheit der Kirche nicht nachvollziehen und an der überlieferten Lehre und Liturgie festhalten will, soll im amtlichen Gefüge der Nachkonzilskirche keinen Platz mehr haben. Und das, obwohl die Ordenskongregation, die seit Jahrzehnten nur noch den Zusammenbruch des Ordenslebens und die Auflösung zahlreicher Gemeinschaften verwaltet, besser als viele andere die faulen „Früchte" der praktischen Anwendung dessen kennen sollte, was gemeinhin als Konzilslehren ausgegeben wird.

Freilich fehlt es innerhalb und außerhalb der Kirche nicht an Stimmen, die das Ordensleben überhaupt für ein zu überwindendendes Relikt mittelalterlichen Irrglaubens halten und „religiöse" Gemeinschaften nur noch insoweit dulden wollen, wie diese sich gesellschaftlich nützlichen, verwertbaren und anerkannten Aufgaben widmen – bis hin zu einer zeitgemäßen „Sexualerziehung" und der Erteilung von Abtreibungslizenzen. So gesehen entbehrt es nicht der Logik, daß Ordensgemeinschaften wie die der Franziskaner und Franziskanerinnen der Immakulata, zumal sie auf beunruhigende Weise die Lebenskraft und Zeitgemäßheit der Ideale des traditionellen Ordenslebens verkörpern, in allerhöchstem Auftrag zerstört werden.

Aufwärts mit der Petrusbruderschaft

Die Website der amerikanischen Petrusbruderschaft hat Anfang der Woche die neuesten Statistiken zur zahlenmäßigen Entwicklung der Priesterbruderschaft veröffentlicht. Die Zahlen führen - für die heutige Kirche ine absolute Seltenheit - auf erfreuliche Weise nach oben. Mit 15 Priesterweihen war das zu Ende gehende Jahr das zweitstärkste Jahr in der Geschichte der Bruderschaft. Der jähjrliche Durchschnitt liegt bei 11. Weihen. Derzeit sind neben 262 Priestern 14 Diakone und 145 Seminaristen Mitglieder oder Anwärter der Bruderschaft. Das läßt erwarten, daß die Zahl der Priesterweihen auch in den kommenden Jahren über dem bisherigen Durchschnitt liegen wird. In diesem Jahr sind 34 junge Männer in die Seminare der Bruderschaft eingetreten, um ihre Berufung zu prüfen und sich auf den Weg zum Priestertum zu machen.

Mit Stand von diesem Jahr betreut die FSSP 34 Personalpfarreien und ist in weltweit 121 Diözesen mit 220 „Messzentren“ vertreten, in denen in der Regel mindestens einmal wöchentlich, nach Möglichkeit natürlich am Sonntag, eine hl. Messe im überlieferten Ritus stattfindet. Daneben werden in diesen Zentren Katechesen, Konvertitenkurse und andere Veranstaltungen zur Neuevangelisierung angeboten.

Die oben wiedergegebene Statistik zeigt einen bemerkenswerten Knick für die Jahre nach 2000. Danach ging die Mitgliederzahl für drei Jahre zurück, bei den Neueintritten dauerte es sogar 10 Jahre, bis der ursprüngliche Stand wieder erreicht wurde. Das Jahr 2000 war das Jahr der „Protokoll 1411/99-Krise“. Hinter dem Aktenzeichen verbirgt sich ein römischer Erlass, der von vielen Mitgliedern und Freunden der Bruderschaft als ein Versuch angesehen wurde, die Mitglieder generell zur (Kon-)Zelebration im neuen Ritus zu verpflichten. Erst durch das Pontifikat Papst Benedikts und vor allem durch das Motu Proprio Summorum Pontificum konnten diese Befürchtungen weitgehend ausgeräumt werden. Allerdings begründen seitdem viele Diözesanbischöfe ihre Weigerung, die FSSP zur Seelsorge in ihren vom Priestermangel geplagten Bistümern heranzuziehen, mit der Behauptung, für Priester, die im alten Ritus zelebrieren, gäbe es keinen Bedarf. Lieber setzen sie Laien für „Wortgottesfeiern“ ein oder unterstützen die Lobby für ein „Frauenpriestertum“.

So spiegelt sich die allgemeine Krise der nachkonziliaren Kirche auch in den ansonsten überaus erfreulichen Zahlen zur Entwicklung der Petrusbruderschaft.

Bilder von der Priesterweihe in Linz

Am 4. Juli hat Diözesanbischof Ludwig Schwarz im Linzer Mariendom Diakon Philipp Faschinger von der Petrusbruderschaft die Priesterweihe erteilt - Faschinger ist einer von insgesamt 7 Patres der Bruderschaft in Europa, die in diesem Jahr geweiht werden konnten. Seit gestern sind Bilder von der Weihezeremonie in Linz online auf der Website des deutschsprachigen Distrikts der FSSP.

Im nordamerikanischen Distrikt der Bruderschaft wurden in diesem Jahr insgesamt 8 Priester neu geweiht, hier gibt es Bilder auf der Website des Seminars Unserer Lieben Frau von Guadalupe.

 

Wie weiter mit den FFI?

Nach dem Tod von P. Volpi – der Herr sei seiner Seele gnädig – und der Ende Juni erfolgten Ernennung von P. Sabino Ardito SDB zu seinem Nachfolger als Kommissar für die Angelegenheiten der Franziskaner der Immakulata stellt sich verständlicherweise die Frage, wie es mit dem seit über zwei Jahren so schwer geprüften Orden weitergehen wird. Die aktuellen Entwicklungen sind schwer zu deuten. Der 75 Jahre alte emeritierte Professor Ardito ist einer größeren Öffentlichkeit erst im Zusammenhang mit dieser Ernennung bekannt geworden. Die Tatsache, daß er Kirchenrechtler ist, der auch von der Glaubenskongregation für schwierige Fälle herangezogen wurde, berechtigt zu gewissen Hoffnungen. Das bisherige Vorgehen gegen die FFI war jedenfalls nicht gerade von großem Respekt vor rechtlichen Grundsätzen geprägt – gegenüber dem Kirchenrecht ebensowenig wie gegenüber dem Zivilrecht.

Das Kommissariat, das sich bereits im Februar vor einem Schlichtungsgericht dazu bereit erklären musste, bestimmte gegen den Ordensgründer und dessen Familie erhobene Vorwürfe nicht weiter öffentlich zu verbreiten, steckte im Juni eine weitere empfindliche juristische Niederlage ein: Das Gericht von Avellino bestätigte die Besitztitel der Laienvereinigung der FFI an den vom Kommissar beanspruchten Grundstücken und Liegenschaften. Es fällt schwer, in diesem nun zurückgewiesenen Anspruch des Kommissariats keine eklatante Unrechtmäßigkeit zu sehen, denn wie auch bei der Ordenskongregation bekannt sein sollte, gehört es zu den franziskanischen Traditionen, daß der Orden selbst keine Kirchen oder Klostergebäude besitzt: Sie werden von Laienvereinigungen erworben und unterhalten und dem Orden lediglich zur Nutzung überlassen.

Unter diesen Umständen wäre es interessant zu wissen, auf welche Weise die Ernennung von P. Ardito zustande gekommen ist.

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Wahrheit und Barmherzigkeit

Das vergangene halbe Jahr hat einige bemerkenswerte Entwicklungen hinsichtlich der rechtlichen Stellung der Priesterbruderschaft St. Pius gebracht. Auffälligstes Anzeichen war die Anerkennung der Bruderschaft als Einrichtung der katholischen Kirche durch den argentinischen Staat, die erst auf Intervention des damaligen Kardinals Bergoglio und später des Vatikans ermöglicht worden sein soll. Diese staatliche Anerkennung betrifft zwar lediglich den steuerlichen Status der Bruderschaft in Argentinien und ist kirchenrechtlich irrelevant. Aber die römische Intervention hat, soweit sie denn tatsächlich stattgefunden hat, zweifellos klimatische Auswirkungen auf die Position der Bruderschaft innerhalb der Kirche.

Andere klimatische Entwicklungen deuten genau in diese Richtung. Bereits im Dezember war S.E. Walter Kardinal Brandmüller bei einem inoffiziellen Besuch des Priesterseminars der FSSPX in Zaitzkofen auch mit Bischof Fellay zusammengetroffen. Thema des Gespräches war, unter anderem, die Lehrautorität des Zweiten Vatikanischen Konzils. Am 16. Januar hatte Weihbischof Schneider Das Seminar zum hl. Pfarrer von Ars in Flavigny besucht; am 11. Februar traf er sich im Seminar Thomas von Aquin in Winnona in den USA mit Bischof Fellay und weiteren Priestern der Bruderschaft. Bei diesen Treffen handelt es sich jedenfalls nicht nur um private Besuche. Wie die FSSPX mitteilte, sind diese Treffen eine Fortführung der „erweiterten und weniger Formellen Gespräche", auf die sich Bischof Fellay und Kardinal Gerhard Ludwig Müller als Präfekt der Glaubenskongregation (und Präsident von Ecclesia Dei) im September 2014 verständigt hatten. Dann ist da die Einsetzung von Bischof Fellay als Richter erster Instanz für die Untersuchung eines Disziplinarfalls in der Bruderschaft. Damit erkennt der Vatikan ganz offiziell seine letzte Zuständigkeit für die Bruderschaft an und ebenso Bischof Fellay als deren zuständigen Oberen - und vermeidet es gleichzeitig, einen eigenen Beauftragten für die Angelegenheit einzusetzen. So geht Diplomatie, wenn man auf Kooperation und nicht auf Konflikt setzt.

Offenbar wird das diplomatische Spiel derzeit von beiden Seiten gepflegt. Bei der Gelegenheit einer Glockenweihe für die Kapelle einer Schule in Chateauroux gab Bischof Fellay Ende Juni ein Intervierw, in dem er den aktuellen Stand der Dinge zwar nicht überoptimistisch, aber doch überaus abgewogen und in konstruktivem Ton zusammenfasste. Sehr positiv wertete er die vom Präfekten der Gottesdienstkongregation Robert Kardinal Sarah ins Gespräch gebrachte Möglichkeit, die überlieferten Gebete des Offertoriums als Option in den Neuen Ritus aufzunehmen. Als großes aktuelles Problem bezeichnete er die Behandlung der Franziskaner der Immakulata durch die Ordenskongregation und den bisherigen Administrator – hier deutet sich durch die Neubesetzung der Position eine Entschärfung an. Gleichzeitig räumte er ein, daß es auch im Umfeld der Bruderschaft Scharfmacher gibt, die jeden Ausgleich blockieren. Namentlich erwähnte er die „Resistance“ des aus der FSSPX ausgeschlossenen Bischofs Williamson, der er unkatholisches Denken und sektiererisches Verhalten vorwarf. Ausdrücklich verwahrte sich Bischof Fellay gegen Versuche, der FSSPX eine Art Alleinvertretungsanspruch zur Rettung der Seelen zu unterstellen oder einen solchen in ihrem Namen erheben:

„In solchen Äußerungen kann ich mich nicht wiedererkennen. Festigkeit in der Lehre ist tatsächlich unabdingbar, denn der Glaube steht nicht zur Verhandlung. Der Glaube ist als ein Ganzes von Gott gegeben, und wir haben kein Recht, eines aus den offenbarten Wahrheiten auszuwählen und anderes abzulehnen. ... Der Missionar muß die Stimme des Glaubens auch außerhalb vernehmbar machen und gleichzeitig versuchen, die, die bereits glauben, im Glauben zu s tärken. Wir können uns nicht nur an die Gläubigen der Bruderschaft richten. Die Fackel erleuchtet die Welt, und das Licht des Glaubens scheint mit Wärme. Der Glaube muß von Nächstenliebe und Barmherzigkeit getragen werden – so sehe ich den Missionar.“

Zum Abschluß des Interviews gab Bischof Fellay seinen Lesern einen etwas orakelhaften Satz mit, den wir hier nur weitergeben, aber nicht interpretieren wollen: „Meiner Ansicht nach stehen wir am Vorabend bedeutender Ereignisse, die wir noch nicht genau beschreiben können. Ich möchte alle um ihr Gebet bitten und schließe mit dem Blick auf Gott, der uns immer Hoffnung gibt.“

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