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P. Fidenzio Volpi in Beweisnot

Nach einer Mitteilung auf dem italienischen Blog chiesaepostconcilio hat ein italienisches Gericht den Päpstlichen Kommissar zur Verwaltung der Franziskaner der Immakulata, P. Fidenzio Volpi, dazu verurteilt, bestimmte gegen den Ordensgründer und dessen Familie erhobenen Anschuldigungen öffentlich zurückzunehmen, eine Entschuldigung auszusprechen und Schmerzensgeld in Höhe von 20 000 Euro zu zahlen. Nähere Informationen darüber, welches Gericht diesen Spruch gefällt hat und ob er bereits rechtskräftig geworden ist, liegen derzeit noch nicht vor. In englischer Sprache wird die Meldung auf roratecæli verbreitet - das ist auch unsere Quelle.

Die nun gemeldete Entscheidung bezieht sich darauf, daß Kommissar Volpi in einem am 8. Dezember 2013 veröffentlichten Schreiben als einen der wenigen konkreten Vorwürfe, die den FFI gemacht werden, folgende Behauptungen aufstellte:

Eine äußerst schwerwiegende Angelegenheit, die ich Ihnen erst jetzt offiziell zur Kenntnis gebe, ist die Übertragung des Eigentums an beweglichen Gütern und immobilien des Instituts an Laien (bezeichnet als die geistlichen Söhne und Töchter des Instituts, und an Mitglieder der Familie des Gründers, P. Stefano M. Manelli und in einigen Fällen auch an Eltern von Nonnen. Solche Manöver sind aus moralischer ebenso wie aus kanonischer Sicht in höchstem Maße unzulässig und haben auch Folgen im Bereich des Zivil.- und des Staatsrechtes. Sie erfolgten nach der Einsetzung des Apostolischen Kommissars und brachten damit die Absicht zum Ausdruck, die genannten Güter der Verfügung des Heiligen Stuhles zu entziehen. Diejenigen, die daran beteiligt oder solches zugelassen haben, haben schwere Schuld auf sich geladen und müssen, soweit es sich um Kleriker handelt, mit schweren kirchenrechtlichen Strafen rechnen. Ähnliche Vorgänge ereigneten sich in den Apostolats-Einrichtungen des Orden, dem Verlag und dem Fernsehen.“

Offenbar war Volpi nicht dazu in der Lage, diese Behauptungen vor dem weltlichen Gericht zu belegen. Er muß sie daher nun öffentlich zurücknehmen und der in ihrer Ehre geschädigten Familie eine Entschädigung zahlen.

Zur Sache selbst ist folgendes anzumerken: Die franziskanischen Gemeinschaften waren nach ihrer Regel und Tradition, der sich auch die FFI verpflichtet sehen, stets besitzlos. Noch in den 60er Jahren gehörten auch in Deutschland die Klöster, Kirchen und anderen Einrichtungen der Franziskaner nicht dem jeweiligen Konvent oder dem Orden, sondern meist örtlichen Freundeskreisen, die diese den Brüdern unentgeltlich zur Verfügung stellten. Das Modell ist nicht gänzlich unproblematisch, da es die „Besitzlosigkeit“ gelegentlich zu einem leeren Wort werden lässt und verschiedene Möglichkeiten des Missbrauchs eröffnet. Es ist jedoch in der Kirche seit Jahrhunderten gebräuchlich und wird auch von staatlichen Stellen (z.B. den Finanzbehörden) der meisten Länder nicht prinzipiell in Frage gestellt - selbst wenn Präzision der Buchführung und Vermögensverwaltung nicht immer den im heutigen Geschäftsleben üblichen Anforderungen entsprechen.

P. Fidenzio Volpi als Angehöriger einer Gemeinschaft der franziskanischen Familie hätte diese Verfahrensweise eigentlich kennen müssen - aber vielleicht ist diese ja bei den weitgehend verweltlichten Kapuzinern bereits seit Jahrzehnten außer Gebrauch gekommen. Jedenfalls scheint er bei seinem Amtsantritt schon sehr konkrete Vorstellungen über die Verwendung und Verwertung einzelner Liegenschaften der FFI insbesondere in Rom gehabt zu haben und war entsprechend erbost, als sich herausstellte, daß diese seinem und der Ordenskongregation Zugriff entzogen waren.

Das nun gemeldete Urteil, selbst wenn es noch nicht rechtskräftig sein sollte, bringt also jedenfalls den Gewinn, diese Seite der Auseinandersetzung um die FFI wieder ins Bewußtsein zu heben. Nun bleibt abzuwarten, ob und wie die Instanzen, die P. Volpi mit der Abwicklung der Franziskaner der Immakulata beuaftragt haben, auf diese Entwicklung reagieren.

Nachtrag 18. Februar: Der Spruch der Richter beruht auf einer dem Deutschen „Strafbefehl“ ähnlichen Einrichtung des Italienischen Rechts: Das Gericht stellt den Beklagten vor die Alternative, entweder die verlangte Buße zu akzeptieren oder sich in einer Hauptverhandlung zu verantworten. P. Volpi hat diesen Mediationsspruch - es handelt sich also um keine 'Verurteilung' - inzwischen akzeptiert. Irgendeine Reaktion vatikanischer Autoritäten auf diese bemerkenswerte Entwicklung ist noch nicht bekannt geworden.

Nichts Neues von den FFI

Am 8. Dezember 2013, eben an dem Tag, an dem der von Papst Franziskus eingesetzte Kommissar die Verfügung zur Auflösung des Priesterseminars der Franziskaner der Immakulata ausfertigte, machte einer der Seminaristen Filmaufnahmen zum Leben der Seminaristen. Sie sind jetzt - ergänzt durch weitere Aufnahmen aus Liturgie und Leben der FFI - über Rorate Cæli veröffentlicht worden. Die Bilder geben einen bemerkenswerten Eindruck in das Leben der Ordensgemeinschaft - unser Screenshot zeigt die Studenten bei der Vorlesung in offenbar ungeheizten Räumen. Die späte Veröffentlichung der Aufnahmen wird von Rorate Cæli mit dem Hinweis erklärt, es sei notwendig gewesen, die Verantwortlichen für die Aufnahmen vor Repressionen zu schützen.

Bis heute sind immer noch keine Gründe dafür bekannt gemacht worden, warum die FFI mit einer in der Kirche seit Jahrhunderten nicht bekannten Brutalität - es ist ihnen noch nicht einmal erlaubt, um Aufnahme in andere Gemeinschaften oder Ausscheiden aus dem Orden zu bitten - unterdrückt werden. Es ist auch gänzlich unklar, warum ausgerechnet ein Vertreter einer der im nachkonziliaren Winter am schlimmsten vor dem Zusammenbruch durch geistige und personelle Auszehrung stehenden reformierten Gemeinschaften dazu eingesetzt wurde, die FFI „auf Linie“ zu bringen - es sei denn, diese doppelte Auszehrung sei exakt das Programm der herrschenden Linie, deren Vertreter sich unter dem aktuellen Regiment anscheinend höchster Unterstützung gewiss zu sein glauben.

Tradition und Despotismus

Nach einem heute auf Rorate Caeli veröffentlichten Exklusivbericht hat die Verfolgung der Franziskaner inzwischen ein Ausmaß erreicht, das nicht mehr nur auf die Zerstörung des Ordens, sondern auch auf die moralische und seelische Vernichtung ehemals führender Angehöriger abzielt. Sechs Patres der Gemeinschaft, die Gesuche zur Entlassung aus dem Orden gestellt und bis zu deren (in der Regel weitgehend unproblematisch erfolgenden) Genehmigung Aufnahme in anderen Diözesen gefunden hatten, sind von Kommissar Volpi wegen Akten des „Ungehorsams gegen den Papst“ a divinis suspendiert worden. Damit werden sie Schismatikern oder Sittlichkeitsverbrechern gleichgestellt. Sie dürfen die hl. Messe nicht feiern und können, von eng begrenzten Ausnahmen abgesehen, auch nicht die dem Priester vorbehaltenen Sakramente spenden. Die Bischöfe, bei denen sie inkardiniert sind, sehen sich dem Vorwurf ausgesetzt, „Beihilfe“ zu einem Vergehen geleistet zu haben, das nun mit der schwersten Strafe vor der Rückversetzung in den Laienstand bestraft worden ist.

Rorate Cæli macht darauf aufmerksam, daß von der im neuen Pontifikat so vielbeschworenen Barmherzigkeit im Fall der Franziskaner der Immakulata keine Rede sein kann. Selbst die Aufhebung der Gesellschaft Jesu im 18. Jahrhundert durch Papst Clemens XIV. sei wesentlich vernünftiger abgelaufen. Beinahe verzweifelt schließt der Artikel: „Es kann sicherlich nicht wahr sein, dass Papst Franziskus sich des dem Pharao ähnlichen verhärteten Herzens von Kommissar Volpi bewusst ist, der nicht gewillt ist, auf die Stimme der wahren Barmherzigkeit zu hören: ‚Lass mein Volk ziehen!'.“

Wir sehen Grund, an diesem Oprimismus zu zweifeln. In den vergangenen Monaten mussten wir schon mehrfach Indizien dafür zur Kenntnis nehmen, daß Maßnahmen zur Unterdrückung der Tradition die Billigung der höchsten Autorität finden. Despotismus ist den schlechteren Traditionen des Papsttums durchaus nicht fremd.

Hier finden Sie den aktuellen Bericht von Rorate Cæli; eine deutschsprachige Zusammenfassung hat katholisches.info.

Priesterweihen beim IBP

Am vergangenen Freitag, den 27. Juni, hat Bischof Giuseppe Sciacca von der Signatura, dem höchsten Gerichtshof des Vatikans, in der Eglise Saint Eloi in Bordeaux drei Diakonen des Institut Bon Pasteur die Priesterweihe erteilt. Gleichzeitig weihte er zwei weitere Angehörige  des Instituts zu Diakonen. Die Mehrzahl der Neugeweihten kommt aus Polen, wo Bon Pasteur in den vergangenen Jahren besonders erfolgreich tätig war.

Im übrigen steckt das Institut allerdings seit längerem in einer krisenhaften Situation, nachdem eine Visitation durch die zuständige Kommission Ecclesia Dei bemängelt hatte, daß die Priester des Institiuts die Zelebration nach dem Novus Ordo generell ablehnten und dem 2. Vatikanum nicht positiv genug gegenüberstünden. Die satzungsgemäß erforderliche Neuwahl des Generaloberen blieb zunächst ohne Resultat, da nach mehreren Wahlgängen der jeweils unterlegene Kandidat Rom um die Annulierung des Ergebnisses ersuchte. Vor gut einem Jahr wurde der Altabt von Fontgombault, Dom Antoine Forgeot, zum bevollmächtigten Kommissar ernannt, um die Durchführung der Wahl eines Generaloberen zu garantieren. Unter seiner Aufsicht wurde der Gründer und langjährige Generalobere P. Philippe Laguérie im vergangenen September für weitere 6 Jahre in seinem Amt bestätigt.

Die französische  Website des Instituts, deren Inhalte von Ecclesia Dei zum Teil beanstandet und anschließend entfernt worden waren, ist derzeit auf dem Stand von Oktober 2013 eingefroren.

Priesterweihe in Chartres

Am vergangenen Samstag hat Bischof Marc Aillet von Bayonne drei Diakonen des französischen Distrikt der Petrusbruderschaft die hl. Priesterweihe erteilt. Ort der Weihe war die Kathedrale von Chartres, Urbild des hochgotischen Kirchenbaus, in der seit fast 50 Jahren keine Weihen mehr in dem Ritus stattgefunden hatten, in dessen Geist die Kirche vor 8 Jahrhunderten errichtet worden war.

Die Kathedrale von Chartres weist viele Besonderheiten auf: Sie war nie zerstört, ihr Figuren- und Bilderschmuck sowie die Glasfenster sind fast vollständig aus der Gründungszeit erhalten und geben so einen authentischen Eindruck davon, wie unsere Vorfahren sich den Bau der Kirche und das himmlische Jerusalem vorstellten. Am beeindruckendsten aber ist, daß die Stadt Chartres sich die Kleinräumigkeit und auch die Enge einer mittelalterlichen Stadt fast unverändert bewahrt hat. So ist die gewaltige Kathedrale im flachen Land schon aus großer Entfernung ein unübersehbares Markzeichen, lange bevor die ersten Häuser der Stadt sichtbar werden, und je näher man ihr kommt, desto wuchtiger erscheint sie gegenüber den Dächern und Türmen der Ansiedlung: Wahrhaft das Haus Gottes unter den Menschen.

Einen kurzen Bericht von der Weihe gibt Rorate Cæli, eine Bildersammlung mit wunderbaren Photos zeigt die Petrusbruderschaft auf Flickr.

Zusätzliche Informationen