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Erzbischof Di Noia schreibt an die Piusbruderschaft

Porträtphoto im DominikanerhabitMonatelang herrschte Funkstille zwischen „Rom“ und der Piusbruderschaft. Viele empfanden das als sehr bedauerlich. Andere - und zwar auf beiden Seiten - sahen darin ein willkommenes Indiz dafür, daß sich nichts ändern würde. Draußen bliebe draußen, und Drinnen bliebe weiterhin ungestört.

Mit seinem bereits im Advent geschriebenen und offenbar auch mit dem Papst und dem Präfekten der Glaubenskongregation abgestimmten Brief, der inzwischen von Bischof Fellay allen Priestern der Bruderschaft weitergeleitet worden ist, kommt nun wieder Bewegung in die Sache. Erstmals dringt die römische Seite mit diesem Schreiben zum theologischen Kern der Differenzen vor und bietet der Bruderschaft einerseits eine Perspektive für ihr künftiges Wirken innerhalb der Struktur der Kirche, setzt andererseits aber auch klare Grenzen für ein Agieren als „loyale Opposition“ im Innern.

Konkret erinnert der Erzbischof die Bruderschaft an den hohen Stellenwert der Einheit der Kirche und daran, daß die Grenzen dessen, was an Verschiedenheit innerhalb dieser Einheit möglich ist, jedenfalls nicht von einer Gruppe alleine gezogen werden können. Damit richtet sich das Argument nicht nur an die Bruderschaft, die bestimmte neuerdings aufgekommene Ansichten und Interpretationen für unzulässig hält, sondern ebenso an die (vielfach tonangebenden) Vertreter dieser Ansichten, die keinen Widerspruch zu ihren Neuerungen zulassen wollen.

Eindringlich mahnt er zu liebevoller Geduld, wenn das für die Klärung dieser Differenzen einzig zuständige Lehramt nicht schnell oder nicht hart genug zu Entscheidungen kommt. Dabei lässt er den Weg zur sachlichen Kritik an eventuellen Versäumnissen des Lehramtes offen, besteht aber darauf, daß diese Kritik, selbst wo sie begründet ist, nicht das Recht gibt, ein eigenes Lehramt zu errichten und damit die gefährdete Einheit tatsächlich zu zerreißen. Damit gibt das Schreiben dem Spannungsfeld zwischen Einheit und Wahrheit eine Form, die nicht mehr so antagonistisch geprägt ist, wie das bisher vielen unvermeidlich schien. Gleichzeitig erklärt und begründet es damit auch wenigstens ansatzweise die zurückhaltende Ausübung päpstlicher Autorität - und wendet sich unübersehbar gegen das autoritäre Gebaren in den Machtbereichen der Hermeneutiker des Bruches.

Der Priesterbruderschaft eröffnet er die Perspektive, sich entsprechend dem Charisma ihres Gründers in der „Ausbildung von Priestern in der Fülle der katholischen Tradition“ zu betätigen - was freilich erfordern würde, daß diese Priester dann auch in der Seelsorge eingesetzt werden. Wörtlich schreibt der Erzbischof:

Das eigentliche Charisma der Bruderschaft besteht darin, Priester zum Dienst am Volk Gottes auszubilden  - und nicht sich anzumaßen, die Lehre oder Disziplin anderer Glieder der Kirche zu beurteilen und zu korrigieren."

Damit ist die Voraussetzung für die Rückkehr der Bruderschaft in die volle Einheit klar benannt und begründet. Allerdings gibt es für den „Dienst von in der Fülle der katholischen Tradition ausgebildeten Priestern am Volke Gottes“ derzeit keine tragfähigen Strukturen. Sie zu finden und zur Geltung zu bringen, wird nach der theoretischen Klärung des widerspruchsvollen Verhältnisses zwischen „Einheit“ und „Wahrheit“ - und der Anerkennung des Ergebnisses durch die Bruderschaft - die eigentliche Aufgabe der wohl noch geraume Zeit erfordernden Gespräche sein.

Es ist sicher verfrüht, über mögliche Ergebnisse zu spekulieren. Aber nachdem Erzbischof Müller als Präfekt der Glaubenskongregation laut über ein Ordinariat für rückkehrwillige Lutheraner nachgedacht hat , kann man in der Tat darüber nachdenken, ob eine Ordinariatsstruktur für traditionsorientierte Katholiken nicht die geeignete Form bietet, dem, „was immer und von allen geglaubt worden ist“, seinen Platz in einer programmatisch vielfältigen Einheit zu sichern.

Wir veröffentlichen den Text des Schreibens von Erzbischof Di Noia in der von „Rorate Caeli“ gebotenen Form in englischer Sprache, aber mit eigenen kommentierenden Anmerkungen.

Zum vollständigen Text (englisch)

Weihen beim ICKSP

Bischof Sample bei der WeihezeremonieEine ganze Serie von Weihen zeigte in der ersten Juli-Woche, daß das Institut Christus König und Hoher Priester in den vergangenen Jahren eine bedeutende Zahl von Berufungen anziehen konnte. Alle Weihen fanden in Florenz statt, in dessen Nähe sich der Ort Cricigliano mit dem Priesterseminar der Gemeinschaft befindet.

Am 2. Juli erteilte der emeritierte Bischof von Christchurch (Neuseeland), Msgr. Basil Meeking (geb. 1929) den neueingetretenen Seminaristen die Tonsur und die niederen Weihen. Am folgenden Tag spendete der amtierende Bischof von Marquette (USA), Msgr. Alexander Sample (geb. 1960), 15 vor dem Abschluss ihres Studiums stehenden Seminaristen die Weihe zum Diakonat bzw. zum Subdiakonat. Am 5. Juli schließlich erteilte der Präfekt der Apostolischen Signatura, Raymond Kardinal Burke (geb. 1948) 5 Diakonen die Priesterweihe.

Die Website des Instituts zeigt eine umfangreiche Bilderserie von den Weihen am 3. Juli, die in der überaus prachtvollen Kirche San Michele e Gaetano von Florenz stattfanden.

Alles verzögert sich

PorträtphotoDie vielfach bereits für das Wochenende erwartete Erklärung der Piusbruderschaft zum Stand der Gespräche mit Rom verzögert sich. Immerhin, es gibt seit heute ein Interview mit Bischof Fellay, das im Tenor wohl schon Wesentliches der erwarteten Erklärung vorwegnimmt:

Wir werden in sehr kurzer Zeit Rom die Position des Kapitels zukommen lassen, das uns die Gelegenheit gegeben hat, unsere Marschroute zu präzisieren. Wir bestehen auf der Bewahrung unserer Identität, was das einzige wirksame Mittel darstellt, um der Kirche zu helfen, die Christenheit zu erneuern. So wie ich ihnen kürzlich gesagt habe: „Wenn wir den Schatz der Tradition für das Heil der Seelen fruchtbar machen wollen, müssen wir sprechen und handeln“ (Siehe Interview vom 8. Juni 2012). Wir können kein Stillschweigen bewahren im Angesicht des allumfassenden Glaubensabfalles, auch nicht vor dem schwindelerregendem Zusammenbruch der Berufungen und des religiösen Lebens. Wir können nicht schweigen zu dieser „schleichenden Apostasie“ und ihren Ursachen. Denn ein Schweigen in Glaubensfragen ist nicht die Antwort auf diese „stillschweigende Apostasie“, die selbst Johannes-Paul II. im Jahr 2003 festgestellt hat.

Die Ernennung Bischof Müllers zum Präfekten der Glaubenskongregation und damit zum federführenden Prälaten für die Rekonziliationsgespräche findet wenig überraschender Weise keine große Gegenliebe: 

Der ehemalige Bischof von Regensburg, in dessen Diözese sich unser Seminar von Zaitzkofen befindet, schätzt uns nicht, das ist für niemanden ein Geheimnis. Nach der mutigen Tat von Benedikt XVI. 2009 zu unseren Gunsten schien er nicht im mindesten im gleichen Sinn mitarbeiten zu wollen. Er hat uns wie Parias behandelt. Schließlich war er es, der erklärt hat, dass unser Seminar geschlossen werden müsste und dass unsere Studenten in die Seminare ihres Herkunftslandes gehen müssten, bevor er unumwunden verkündete: „Die vier Bischöfe der Bruderschaft müssten alle demissionieren!“

Hier finden Sie das ganze Interview auf DICI.org.

Noch eine Diskussionsrunde zwischen Piusbruderschaft und Vatikan?

Das Logo des Vatikanischen Informationsdienstes zeigt die Abkürzung 'VIS und das Wappen des Hl. Stuhls.Der vatikanische Informationsdienst VIS hat heute das offizielle Kommuniqué des heiligen Stuhls über das Gespräch von Bischof Fellay bei der Glaubenskongregation veröffentlicht. Wir haben es aus dem Englischen übersetzt. Etwa gleichzeitig hat auch die Bruderschaft Pius X. ein Kommuniqué herausgegeben - für Deutschland gleich auch in deutscher Sprache. Wir bringen beide Dokumente im vollen Wortlaut und überlassen es den Lesern, sich eine Meinung zu bilden. Allerdings erscheint uns die in beiden Kommuniqués gegebene Information, daß die Glaubenskongregation am Schluss des Treffens ein Papier überreichte, das für den Fall einer Rekonziliation der Bruderschaft die Organisationsform einer Personalprälatur vorschlägt, darauf hinzudeuten, daß zumindest die Glaubenskongregation von einem positiven Abschluss ausgeht.

Zum Originaltext der Kommuniqués

Die letzte Phase der Gespräche von FSSPX und Glaubenskongregation

Bischof Fellay entsteigt seinem Dienstwagen.Bischof Fellay von der Priesterbruderschaft hatte heute eine zweistündige Zusammenkunft mit S.E. Kardinal Levada, dem Präfekten der Glaubenskongregation. Nach den reichlich kursierenden Mutmaßungen - offizielle Aussagen gibt es bis jetzt nicht - wurde ihm bei dieser Gelegenheit die nun auch vom Papst noch einmal mit einigen redaktionellen Änderungen versehene „Lehrmäßige Präambel“ überreicht, deren Unterzeichnung Voraussetzung für die Wiedereingliederung der Bruderschuaft in die kirchliche Struktur ist. Der Wortlaut der Präambel und ihrer verschiedenen Entstehungsstadien ist nach wie vor nicht bekannt. 

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