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Spaltung oder Untergang?

Fr. Zuhlsdorf, der sich zur Zeit in Rom aufhält und dort viele alte Freunde von seiner früheren Tätigkeit bei der Päpstlichen Kommission Ecclesia Dei trifft, hat heute mitgeteilt, daß etwa 200 Mitglieder der Franziskaner der Immaculata eine Petition an die Kommission gerichtet haben, eine eigene Gemeinschaft zu errichten, die ausschließlich die überlieferte Liturgie feiert.

Das ist eine sehr betrübliche Entwicklung. Sie zeigt, daß die Spaltung des Ordens so tief geht, daß eine starke Minderheit jede Hoffnung verloren hat, mit der „Gegenseite“ in einer Gemeinschaft bleiben zu können. Der Versuch, die Einheit mit brachialen Mitteln durch das (rechtlich überaus zweifelhafte) Verbot der überlieferten Liturgie herbeizuzwingen, muss als gescheitert gelten. Und falls die Kurie - was zu befürchten ist - eine Neugründung nicht zulassen will, wäre der Orden auf viele Jahre hinaus durch Auseinandersetzungen und Austritte so beeinträchtigt, daß er jede Attraktivität und jedes Charisma verlieren müsste, die ihn in den vergangenen Jahren zu einer der wenigen wachsenden Gemeinschaften in der Kirche gemacht hatten.

Aber auch wenn es zu einer Teilung käme, wird es keine Gewinner geben - außer den Kräften, die an einer Marginalisierung, Isolierung und schließlichen Abstoßung aller Katholiken arbeiten, die die Kontinuität waren und an der überlieferten Lehre und Liturgie festhalten wollen. Sie wollen, wie aus anderen Abteilungen der römischen Gerüchteküche zu vernehmen ist, der Kommission Ecclesia Dei ohnehin die Kompetenz nehmen, neue Gemeinschaften im alten Ritus zuzulassen.

Schneller als uns lieb ist werden wir wohl anhand tatsächlicher Entwicklungen feststellen können, was es damit auf sich hat.

Säuberung bei den Franziskanern der Immakulata

Wie wir am 11. September mitgeteilt hatten, hat der päpstliche Kommissar für die Verwaltung der Franziskaner der Immakulata von den 600 Mitgliedern des Ordens mit P. Alfonso Bruno einen der 5 Dissidenten, die sich besonders lautstark gegen die Pflege der überlieferten Liturgie im Orden gewandt hatten, zum „Generalsekretär“ mit unbegrenzten Vollmachten ernannt. Bruno hat jetzt zwei hervorragende Vertreter der bisherigen Ordenslinie auf spektakuläre Weise kaltgestellt.

Pater Serafino M. Lanzetta betreute als Pfarrer eine der zahlreichen dem Orden zugewiesenen Pfarreien, Ognissanti bei Florenz. Er nahm als Referent an allen Jahrestagungen zum Motu proprio Summorum Pontificum teil und organisierte selbst im Rahmen der Franziskaner der Immakulata solche Tagungen. Zu seinen jüngsten Buchveröffentlichung gehören Iuxta modum, in dem er als einzig möglich Lesart des Zweiten Vatikanischen Konzils die Tradition nennt. Gemeinsam mit dem Ordensgründer und Generaloberen Pater Manelli betreute er die Herausgabe mehrerer Tagungsbände des Ordens, etwa zu den Themen Die Hölle und Das Zweite Vatikanische Konzil: ein Pastoralkonzil

Unter Papst Benedikt XVI. war Lanzetta gerngesehener Autor im Osservatore Romano. Schwerpunkt seiner pastoralen Tätigkeit als Pfarrer war das Beichthören. P. Lanzetta wurde nun als Pfarrer abgesetzt und muß seine Tätogkeit am Priesterseminar des Ordens einstellen. Er wurde – obwohl oder weil er kein Deutsch spricht – an die Ordensniederlassung in Kitzbühel, Österreich, versetzt.

Weniger bekannt ist Pater Paolo M. Siano, der sich in seinen Publikationen ebenfalls mit Fragen des rechten Verständnisses des umstrittenen II. Vatrikanischen Konzils befasst hat und im vergangenen Jahr im Verlag der FFI Casa Mariana Editrice ein Handbuch zu Esotorik, Ritual und Symbolismus in der Freimaurerei veröffentlicht hat. Er geht jetzt nach Afrika.

Die Versetzungen wurden bekanntgegeben, nachdem die beiden Patres bei der kommissarischen Ordensleitung um die Genehmigung zur Zelebration der hl. Messe im überlieferten Ritus nachgesucht hatten. Ausführlicher dazu katholisches.info und Chiesa e post concilio.

25 Jahre Petrusbruderschaft

Das Wappen der Bruderschaft zeigt zwei gekreuzte Schlüssel mit drei Am kommenden Freitag, dem 18. Oktober, feiert die Petrusbruderschaft den 25 Jahrestag ihrer Errichtung als Gesellschaft apostolischen Lebens durch Papst Johannes Paul II. am 18. 10. 1988. Die eigentliche Gründung hatte bereits am 18. Juli 1988 als Reaktion auf die wenige Wochen zuvor erfolgten unerlaubten Bischofsweihen durch Erzbischof Lefebvre stattgefunden. Heute hat die Petrusbruderschaft weltweit etwa 400 Mitglieder, darunter 250 Priester und Diakone und 150 Seminaristen.

Herzlichen Glückwunsch und die besten Wünsche für die nächsten 25 Jahre.

Wie der amerikanische Distrikt auf seiner Website mitgeteilt hat, feiert der Generalobere P. John Berg zum Jahrestag um 11.30 Uhr in der römischen Pfarrkirche der Bruderschaft Santissima Trinità dei Pellegrini ein feierliches Levitenamt. Es wird über den amerikanischen Kanal LiveMass.net im Internet übertragen; ebenso die für 6. 30 Uhr angesetzte Vesper mit anschließendem sakramentalem Segen.

Wechsel in Wisques

Die alten Mönche verlassen den Chor - ein junger trägt ein Lesepult herein.In zehn eindrucksvollen Bildern hat der polnische Photograph Pawel Kula den Übergang des französischen Benediktinerklosters St. Paul in Wisques von der bisherigen Mönchsgemeinschaft, die St. Paul wegen Überalterung aufgibt, an die „Aussiedler“ aus Fontgombault dokumentiert. Die Serie beginnt mit der am Vormittag des 10. Oktober noch unter der alten Leitung mit Ortsbischof Jaeger konzelebrierten Messe nach dem Novus Ordo. Dann zeigt sie verschiedene Stadien der „Umrüstung“ der Kirche für den Gebrauch einer Mönchsgemeinschaft, deren Priester nach den Büchern und Regeln der überlieferten Liturgie (d.h. auch an Einzelaltären) zelebrieren. Sie endet mit Bildern vom ersten Hochamt der neuen Gemeinschaft und dem gemeinsamen Chorgebet der Mitglieder des bisherigen und des neuen Konvents am Abend des 11. Oktober

Hier zu Pawel Kulas Bildern auf facebook und Google+

Wisques: Neues Filialkloster für Fontgombault

Bild Wikimedia Im Mai hatten wir gemeldet, daß Mönchen aus Fontgombault das wegen Überalterung des Konvents vor der Schließung stehende Benediktinerkloster St. Paul in Wisques übernehmen würden - Wisques ist ein kleiner Ort in Nordfrankreich, gerade einmal 30 km von der Nordsee und von der belgischen Grenze entfernt. In der heute endenden Woche ist das Wirklichkeit geworden: Am Donnerstag, den 10. 10., sind 13 Mönche aus Fontgombault offiziell in Wisques eingezogen. Zu diesem Anlass feierte Diözesanbischof Jaeger von Arras, der die Niederlassung mit Sympathie begleitet und offiziell genehmigt hat, im St. Pauls-Kloster eine hl. Messe. Anschließend ernannte Dom Philippe Dupont, Abt von Solesmes und Generalober der Kongregation der Benediktiner von Solesmes, den Abt von Fontgombault, Dom Jean Pateau, zum Administrator von Sankt-Paul. Ab dem gestrigen Freitag gilt in Wisques damit wieder die alte Ordnung der Benedikter nach dem Gebrauch von Fontgombault und wird die hl. Messe nach dem überlieferten Ritus zelebriert.

Das gibt Gelegenheit, auf die verbreitete Fehldarstellung einzugehen, daß in Fontgombault nicht der überlieferte Ritus nach den Büchern von 1962, sondern die Messe nach der Ordnung des Jahres 1965 gefeiert würde. Die stillen Messen der Mönche werden ausnahmslos so zelebriert, wie das nach den Büchern von 1962 festgelegt ist. Bei der öffentlichen Konventsmesse und nur bei dieser gibt einige Sonderregelungen - so entfällt z.B. das Staffelgebet, da die Messe sich unmittelbar an die vorhergehende Hore des Stundengebetes anschließt. Auch andere Besonderheiten beruhen nicht auf den Büchern von 1965, sondern gehen auf alte monastische Gebräuche zurück, von denen tatsächlich einige in den Ordo von 1965 übernommen worden waren.

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