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Gibt es ein „Geheimes Lehramt“?

Gefunden bei Fr. ZuhlssorfDie heute endende Woche war geprägt vom Lärm um das Buch von Benedikt XVI. und Kardinal Sarah, das nicht von Benedikt sein darf - und der Aufruhr ist noch lange nicht zu Ende. Viele Fragen sind offen, und eine irritiert uns ganz besonders: Wieso glüht eigentlich die Luft von Anschuldigungen gegen die beiden Autoren, sie hätten einen Angriff auf Papst Franziskus unternommen, wo sie doch in ihren Texten keine andere Position vertreten als die, zu der sich auch Franziskus mehrfach öffentlich und in starken Worten bekannt hat?

Hier für alle, die die früheren Einlassungen des Papstes zum Thema nicht in Erinnerung haben oder es müde sind, sich auf seine vielfach widersprüchlichen Aussagen zu berufen: Noch als Kardinal hat Bergoglio in einem Gespräch mit Rabbi Abraham Sorka betont, daß er den Zölibat vorbehaltlos unterstütze - „mit allen damit verbundenen Vor- und Nachteilen, denn in 10 Jahrhunderten hat es mehr positive als negative Erfahrungen gegeben. Tradition hat ihr Gewicht und ihren Wert“. Im vergangenen Januar erinnerte Franziskus gegenüber Journalisten an einen Satzvon Paul VI., der gesagt hatte: „Ich würde lieber mein Leben opfern als das Gesetz über den Zölibat zu ändern“. In eigenen Worten fügte er dann hinzu: „Ich persönlich denke, daß der Zölibat ein Geschenk für die Kirche ist. Ich stimme einem ‚optionalen‘ Zölibat nicht zu, nein.“ Er hielt die Möglichkeit eng begrenzter Ausnahmen für abgelegene Gebiete „wie etwa die pazifischen Inseln“ offen, um dann einzuschränken: Dazu kann ich mich nicht entschließen. Ich bin gegen eine Freigabe der Eheschließung vor dem Diakonat. Das ist nun mal meine Meinung. Ich möchte das nicht machen, das ist klar. Bin ich damit „engherzig“? Mag sein. Aber ich möchte nicht mit dieser Entscheidung vor Gott treten.“ (Zitiert bei Vatican News)

Das ist vielleicht nicht die denkbar stärkste Begründung des Zölbats – sie bleibt in der Sphäre von Praxis und Tradition und es fehlt vollständig die theologische Ebene – aber sie markiert doch eine unmißverständliche Position. Wie können dann Ausführungen wie die von Benedikt und Sarah, die diese Position unterstützen und theologisch untermauern, so lautstark als unerträglicher Angriff auf Franziskus skandalisiert (hier eine aussagekräftige Zusammenstellung) werden?

Die nächstliegende Antwort auf diese Frage ist, daß genau diese theologische Untermauerung des Zölibats als Kernelement des Verständnisses vom Priestertum den Zorn der Reformtruppe hervorgerufen hat: Für die Änderung einer bloßen „Tradition“ oder „Rechtsregelung“ glauben sie bei Franziskus leichtes Spiel zu haben . Mit der jetzt in die Diskussion gebrachten klassischen theologischen Begründung wird das wesentlich schwieriger.

Es gibt aber auch noch eine zweite denkbare Antwort, auf die dieser Tage Fr. Raymond de Souza im National Catholic Reporter hingewiesen hat. Sie steht nicht im Widerspruch zur ersten, sondern bringt zusätzliche Aspekte ins Spiel, die überdies noch weitere Merkwürdigkeiten dieses Pontifikats erklären können. Danach unterstellen die engsten Mitarbeiter und viele journalistische Unterstützer des Papstes, daß es bei Franziskus neben dem offiziellen Lehramt auch ein davon vielfach abweichendes „geheimes Lehramt“ gebe, mit dem er – zurückhaltend ausgedrückt - „unorthodoxe“ Lehren verkündet und Ziele anstrebt, die über den Rahmen des bisher in der Kirche Denkbaren hinausgehen. De Souza schließt:

Die linke Presse leistet dem Papst wahrhaftig einen schlechten Dienst, wenn sie andeutet, daß er Tricks anwendet oder in manipulativer und täuschender Absicht in der Öffentlichkeit das Eine lehrt und privat auf das Andere hinarbeitet. Es wäre respektvoller, anzunehmen, daß der Heilige Vater nicht das sagt, was er für wahr hält.

Doch es gibt kein „geheimes Lehramt“. Benedict und Kardinal Sarah stehen in voller Übereinstimmung mit der katholischen Lehre, und Papst Franziskus ebenso.

Der verwüstete Weinberg

Bild: Stefano daö PozzoloDie Verwaltung des päpstlichen Museums Castel Gandolfo hat einen kleinen Weinberg gerodet und planiert, der 2005 unter Papst Benedikt angelegt worden war. Die Weinstöcke dazu waren ein Geschenk des Bauernverbandes Coldiretti, der die damalige Verwaltung von Castel Gandolfo auch bei der Wahl des Standortes beraten hatte. Lesenswert der Bericht auf katholisch.de über den Vorgang, der nicht nur einen angeblichen erforderlichen „Straßenbau“ als Begründung anführt, sondern auch hervorhebt, Papst Franziskus habe die Tradition der Nutzung des Ortes als Sommerresidenz „abgeschafft“ und mit dem Wingert sei einer der „symbolischsten Orte des vorhergehenden Pontifikats“ „eingeebnet“ worden.

Was halt so einem katholisch.de-Schreiber durch den Kopf geht, wenn ihm „symbolisch“ zu Mute ist.

Wir dachten dabei eher an die Verse (9-16) über den verwüsteten Weinberg in Psalm 79 (80):

Du hobst in Ägypten einen Weinstock aus, du hast Völker vertrieben, ihn aber eingepflanzt.
Du schufst ihm weiten Raum, er hat Wurzeln geschlagen und das ganze Land erfüllt.
Sein Schatten bedeckte die Berge, seine Zweige die Zedern Gottes
Seine Ranken trieb er bis hin zum Meer, und seine Schößlinge bis zum Fluß Euphrat.
Warum rissest Du seine Mauern ein? Alle, die des Weges kommen, plündern ihn aus.
Der Eber aus dem Wald wühlt ihn um, und die Tiere des Feldes fressen ihn ab.
Gott der Heerscharen, wende Dich uns wieder zu, blick vom Himmel herab und sieh auf uns.
Sorge für diesen Weinstock und für den Garten, den Deine Rechte gepflanzt hat.

*

Das Photo oben von Stefano dal Pozzolo (KNA) fanden wir in einem Bildbericht von domradio.de über den „Papstbauernhof“ bei Castel Gandolfo. „Der verwüstete Weinberg“ ist der Titel eines Buches von Dietrich von Hildebrand (1973) über die Folgen des zweiten Vatikanischen Konzils.

Collaboratores veritatis

Bild:https://www.reporternuovo.it/2020/01/14/robert-sarah-ratzinger/Der absurde Kampf darum, ob und warum ja oder warum nicht der Name Benedikt auf dem Umschlag des Buches mit Kardinal Sarah erschienen soll, beschädigt alle Beteiligten – und ist überaus erfolgreich dahingehend, vom in der Sache doch zwischen beiden Autoren unumstrittenen Inhalt abzulenken.

Die kirchenpolitischen Motive für den Amoklauf der Glaubensfeinde (Beispiel) gegen die bevorstehende Veröffentlichung sind leicht zu erkennen. Zwar hat sich Papst Franziskus nie öffentlich für eine allgemeine Aufweichung der Zölibatsregel ausgesprochen, eher dagegen – aber die linken Säkularisierer hatten sich gute Chancen auf eine „Fußnote“ in der kommenden Auswertung zur Amazonas-Synode ausgerechnet, die bei verbaler Beschwörung von Traditionstreue doch eine Hintertür zur allgemeinen Relativierung des Zölibats geöffnet hätte. Diese Chancen sind durch den Widerspruch Benedikts und Sarahs gesunken. Das tut weh.

Mindestens ebenso schmerzlich für die Gegner des Zölibats dürfte Form und Inhalt der Argumentation sein, mit der die beiden Verfasser ihre Position darlegen. Sie beschränken sich nämlich nicht auf eine bloße Berufung auf die Tradition – die schon alleine großes Gewicht haben sollte – sondern untermauern diese Tradition mit einer in jeder Hinsicht tiefgehenden Interpretation der Geschichte und des Wesens des Priestertums überhaupt. Papst Benedikt geht dabei bis auf das Aaronitische Priestertum und die Leviten des Alten Testamentes zurück.

Die Angehörigen des Stammes Levi waren nach der alten Ordnung ganz dem Gottesdienst geweiht. Sie hatten keinen Anteil am Landbesitz, sondern lebten vom und für den Tempel. Zwar nicht zölibatär – ihr Priestertum war erblich – aber zur Vorbereitung auf den Opferdienst im Tempel und während ihres Aufenthaltes dort waren sie zur Enthaltsamkeit verpflichtet. Als Jesus selbst und die frühe Kirche verheiratete Männer zu Priestern weihte, blieb dieses Erfordernis der zeitweisen Enthaltsamkeit selbstverständlich beibehalten – so gilt es noch heute in den Kirchen des Ostens. Im Westen wurde der spirituelle Stellenwert der Enthaltsamkeit und Weltentsagung schon früh tiefer erkannt und ab dem zweiten Jahrhundert eben wegen dieses Stellenwertes als generellen Voraussetzung für den priesterlichen Dienst „in persona Christi“ wahrgenommen und praktiziert.

Mit klaren Worten wendet sich Benedikt jetzt gegen die seit Luther immer wieder vorgebrachte Entstellung dieser Entwicklung:

Heutzutage wird allzu gerne behauptet, daß das alleine auf eine Geringschätzung des Leibes und Verachtung der Sexualität zurückgeht – doch das ist falsch. Ohne einen Verzicht auf materielle Güter kann es kein Priestertum geben. Dem Ruf zur Gefolgschaft Jesu kann man nur folgen unter diesem Zeichen der Freiheit und der Zurückweisung jedes Kompromisses. Ich denke, das Zölibat hat große Bedeutung als Verzicht auf den Anteil am Irdischen und auf einen eigenen Kreis familiären Lebens, und so wird das Zölibat zu einer wesentlichen Voraussetzung dafür, daß unser Verhältnis zu Gott seinen konkreten Ausdruck findet und die Grundlage unserer Existenz bildet.“ (Übersetzt nach OnePeterFive)

Damit schließt Benedikt unmittelbar an an eine Predigt die er zum Gründonnerstag 2008 im Petersdom gehalten hatte:

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Paul VI. - Papst der Widersprüche

Der Name Pauls VI. wird in der Kirchengeschichte wohl auf immer mit „seiner“ Liturgiereform verbunden sein, deren Scheitern von Jahr zu Jahr deutlicher erkennbar wird. Es wäre jedoch ungerecht und verfehlt, sein Gedächtnis darauf zu reduzieren. In seinen Enzykliken – und nicht nur in der als „Pillenenzyklika“ geschmähten Humanæ Vitæ – hat er die Lehre der Kirche, auch und insbesondere die Lehre von den Sakramenten und der Eucharistie – in großer Klarheit dargelegt und kraftvoll verteidigt. Hier eine Aufstellung der wichtigsten Texte. Allerdings hat ihn der Sturm des weltweiten Widerspruchs und auch des innerkirchlichen Ungehorsams, den Humanæ Vitæ (veröffentlicht 25. Juli 1968 im 5. Jahre seines Pontifikats) ausgelöst hatte, so erschüttert, daß er in den dann noch folgenden 10 Jahren seines Pontifikats keine weitere Enzyklika geschrieben hat. Es gibt Spekulationen, nach denen in dieser Erschütterung der Grund dafür sehen ist, daß er bei der Liturgiereform den vermeintlichen Anforderungen der Moderne so weit entgegen gekommen ist.

Neben den speziellen Themen gewidmeten Enzykliken ist von besonderer Bedeutung das „Credo des Gottesvolkes“ (CdG), das auf Pauls VI. Anregung verfaßt, von ihm im Juni 1968 feierlich verkündet und schließlich auch noch als „Motu Proprio“ in den Akten des Apostolischen Stuhles veröffentlicht wurde. In Deutschland wurde es wegen seiner Bekräftigung katholischer Glaubenswahrheiten von der Theologie und von der Seelsorge praktisch nicht zur Kenntnis genommen. Hier der Text.  In Anlehnung an die Ordnung der traditionellen Glaubensbekenntnisse werden in diesem Dokument die Grundwahrheiten des Glaubens ausführlicher dargelegt und durch Passagen zu einigen der Zeit entsprechenden (Streit-)Fragen ergänzt.

Einige davon sollen hier hervorgehoben werden:

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Ein amazonischer Traum

Bild: Wikimedia Commons - CC 2.0Nachdem Lifesite-News in der letzten Woche eine inhaltlich zuverlässigere und vor allem vollständige Übersetzung des Schlußdokuments der Amazonas-Synode vorgelegt hat, können wir daran gehen, die von den Synodalen getroffenen Aussagen einer näheren Würdigung zu unterziehen. Das Dokument zerfällt – ganz grob gesprochen – in zwei Teile: Die ersten etwa 90 Kapitel zeichnen das Bild der Verfasser von der Lebenswelt der Amazonas-.Bewohner – vorwiegend soziologisch gesehen, aber auch in seinen spirituelllen Seiten. Bereits hier ist schwer zu unterscheiden, was Beschreibung der Wirklichkeit – immer so, wie die Verfasser sie sehen – ist, und was ihre Projektionen sind, die sie der gesellschaftlichen Realität von heute überlagern oder die sie sich für deren zukünftige Entwicklung ausgedacht haben. Dieser größere Teil enthält nicht weniger als einen Abriß der von den Autoren propagierten Theologie mit amazonischem Gesicht – deren Analyse wird uns vermutlich noch auf Jahre hinaus beschäftigen, zumal unübersehbar ist, daß viele darin ein Vorbild für die religiöse Entwicklung der ganzen Welt sehen. Hier hängt alles davon ab, wie weit und in welcher Form diese Überlegungen in das zu erwartende päpstliche Dokument über die Synode eingehen.

Das letzte Viertel des Textes – also die Abschnitte 90 – 120 enthalten in etwas konkreterer Form Aussagen darüber, wie sich die Autoren Organisation und Struktur ihrer Kirche der Zukunft vorstellen. Auch hier bleibt noch vieles im Ungefähren, aber immerhin wird erkennbar, daß diese Kirche in Überlagerung der bestehenden kirchlichen und staatlichen Strukturen eine eigene synodale Organisation (112) auf mehreren Ebenen, eine eigene Universität und eigene Studiengänge ( 114) sowie und einen (oder mehrere) eigene Riten und Rechtsformen (116,117) erhalten soll. Am konkretesten an dem hier gezeichneten Zukunftsbild sind die in den Abschnitten 93 - 111 vorgetragenen Überlegungen zu neuen kirchlichen Ämtern für Laien. Dabei lassen wir hier zunächst die des dort auch in der Übersetzung noch durchscheinenden schwülstigen Jargons der „Theologie mit amazonischem Gesicht“ außer acht und konzentrieren uns auf den Kern des Gesagten. Er besteht, kurz vorweggenommen darin, daß die Kirche der Zukunft nicht mehr als Einsetzung von Oben erscheint, sondern als Ausdruck der Selbstorganisation eines von weltlicher und religiöser Fremdbestimmung befreiten „Gottesvolkes“.

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