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Was von Franziskus bleibt

Bild: J.P. Laurens, Die Leichensynode, Wikimedia Commons.Andrea Gagliarduccis wöchentlich erscheinenden Lagebericht „Monday Vatican“, der jeden Montag auf Deutsch auch beim Beiboot Petri erscheint, lesen wir immer mit großem Interesse und meistens auch mit viel Zustimmung. In der Ausgabe dieser Woche, in der Gagliarducci sich mit den ins Gerede gekommenen Regularien und Perspektiven des künftigen Konklaves befasst, sind wir an einem Satz hängen geblieben, der uns zu denken gibt. Gagliarducci spricht davon, die Kurienreform von Franziskus habe einiges in Rom  „für immer geändert“ – und gegenüber dahingehenden Behauptungen, die auch von anderen vertreten werden, haben wir schon öfter unsere Skepsis markiert.

Es ist sicher richtig, daß Franziskus das Papstamt in seiner Wirkung und Wahrnehmung innerhalb wie außerhalb der Kirche nicht nur „verändert“, sondern schwer beschädigt hat. Das betrifft vor allem seinen Regierungsstil, in dem despotische Elemente neben der bewußten Schaffung oder Zulassung von „Grauzonen“ stehen, die verschiedenen Kräften Raum geben, eigene Konzepte – insbesondere jenseits der Tradition – zu verfolgen – und Franziskus als dem „Letztentscheider“ zusätzliche Optionen eröffnet. Indem er das Papstamt fast völlig aus seiner herkömmlichen Rollenerwartung gelöst hat, hat Franziskus die Handlungsmöglichkeiten seines Nachfolgers enorm erweitert – einschließlich der in der Vergangenheit nur sehr diskret angewandten Möglichkeit, Projekte und (Rechts)Akte eines Vorgänges aufzuheben oder umzukehren. Nichts von dem, was Franziskus angeordnet hat, kann seinen Nachfolger binden.

Gagliarducci macht zu Recht darauf aufmerksam, daß es hier eine nicht unbedeutende Ausnahme gibt, und das sind die Bestimmungen für die Zusammensetzung und die Arbeit des Konklaves, das diesen Nachfolger bestimmen soll.

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Kardinäle warnen vor falschen Propheten

Bild: Montage aus Aufnahmen von tagespost und cna/IbanezEin seltener Lichtblick, und dann auch noch im Zusammenhang mit dem Synodalen Weg, ist dieser Tage in der katholischen Kirche Deutschlands – oder dem, was noch von ihr übrig ist – sichtbar geworden: Die in vielem doch oft (und nicht ohne Grund) so verschieden wahrgenommenen Kardinäle Müller und Kasper haben sich in unerwarteter Übereinstimmumg mit ernsten Ermahnungen an die Synodalisten gewandt, zu den Grundlagen des Glaubens der Kirche zurückzukehren.

Kardinal Kasper hat anläßlich des Online-Studientages der Vereinigung „Neuer Anfang“ einen Vortrag gehalten, in dem er sich ausführlich zu den Themen Reform der Kirche, Synodale Elemente sowie Rolle und Pflicht der Bischöfe geäußert hat. Ein Kurzreferat besonders wichtiger Aussagen gibt es auf CNA Deutsch, den gesamten Text kann man auf der Website des Neuen Anfangs nachlesen.

Man wird und muß nicht mit allen dort getroffenen Aussagen des doch auch zu den Ideengebern einer überschießenden Reformbewegung gehörenden Theologen Kasper übereinstimmen – aber es ist unverkennbar, daß er hier eindeutig katholische Positionen vertritt und dabei vieles sagt, was auch Gläubige unterschreiben könnten, die sich betont durch ihr Verhältnis zur Tradition definieren.

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Fronleichnam: Adoramus te devote

Bild: Aufnahme aus einer nicht näher bezeichneten Kirche in den USADie Krise der Kirche ist im Grunde keine Krise der Strukturen und keine Krise der Mißbräuche, sondern sie ist eine Krise des Glaubens. Das wird jedes Jahr deutlicher, und die Eucharistie steht im Zentrum dieser Glaubenskrise.

Das Gedächtnis, das der Herr in der Eucharistie gestiftet hat, ist zum Spielball machtgieriger Prälaten und Politiker geworden. In Deutschland verschleudern Bischöfe zu kommoder Gelegenheit den Leib des Herrn an Nichtkatholiken und Nichtchristen. In USA mißbrauchen Politiker den Leib des Herrn zum Wählerbetrug im Wahlkampf – und ein Bischof, der nicht dieses, und sondern die Verweigerung des Mißbrauches kritisiert, wird vom Papst zum Kardinal befördert.

Das Fronleichnamsfest – das freilich auch in diesem Jahr in Rom und anderswo nur in „kleiner Besetzung“ gefeiert wird – ist gleichsam ein Rettungsanker, der geeignet ist, das führungslos treibende Schifflein Petri an den unverrückbaren Wahrheiten des Glaubens festzuhalten. Die großen Gesänge, die der hl. Thomas von Aquiono vor bald 700 Jahren zur Einführung des Festes gedichtet hat, legen diesen Glauben so klar da, wie das in menschlicher Sprache nur möglich ist. Im letzten Jahr verwiesen wir aus Anlaß dieses Festes auf Thomas’ Fronleichnamshymnus „Lauda Sion“. In diesem Jahr bringen wir vollständig sein „Adoro te devote“ in der Übersetzung von Friedrich Wolters, um 1920:

Ich bete dich ergeben, verborgne Gottheit, an,
Die in diesen formen ganz sich bergen kann,
Die mein ganzes sinnen immerdar regiert,
Da es, dich betrachtend, sich in dir verliert.

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Der Herr sei ihrer Seele gnädig!

Bild: VaticanMediaDer Regens des Limburger Priesterseminars ist heute tot aufgefunden worden, nachdem Bischof Bätzing ihn am Vortag aufgrund von Vorwürfen wegen „übergriffigen Verhaltens“ von allen Ämtern und Verpflichtungen freigestellt hatte. Die Anzeichen, soweit bisher bekannt, deuten auf Selbstmord.

Eine furchtbare Nachricht. Die Priesterweihe verleiht der Seele des zur dauernden Vegegenwärtigung des Erlösungsopfers berufenen und geweihten Mannes ein Prägemal, das auch durch den Tod nicht getilgt wird. Er ist Priester auf ewig nach der Ordnung des Melchisedech. Das Schicksal der Seele, die so mit dem äußersten Nachweis des Verlustes von Glaube, Hoffnung und Liebe in das Gericht geht, kann nur entsetzlich sein, wenn nicht der Herr der Gerechtigkeit auch mildernde Umstände erkennt, die seiner Barmherzigkeit Raum schaffen. Die arme Seele des Verstorbenen bedarf daher des flehentlichen Gebetes aller, die überhaupt noch an ein Weiterleben der Seele nach dem irdischen Tod glauben, und diese Notwendigkeit wird nur verstärkt durch das Wissen um die durch und durch „liberale“, d.h. modernistische, Einstellung des Toten.

Wir wissen weder, welche Vorwürfe dem ehemaligen Regens gemacht worden sind, noch ob und in wie weit sie zu Recht erhoben wurden. Was wir sehen ist, daß in Gesellschaft und Kirche ein Klima der Vorverurteilung geschaffen worden ist, das es Beschuldigten in manchen Fällen als den einzigen Ausweg erscheinen läßt, ihrem Leben ein Ende zu setzen. Dafür ist Limburg bei weitem nicht das einzige Beispiel. Selbst ein Aparatschik wie Bätzing sollte das wissen und davor zurückschrecken, möglicherweise berechtigte und erforderliche Maßnahmen in einer Weise vorzunehmen und öffentlich zu machen, die auf die Wiedereinführung der „Todesstrafe“ bei Verdacht hinauslaufen . Aber was tut man nicht alles aus Angst vor dem Lynchmob. Man wirft das nächstbeste Opfer der Meute zum Fraß vor.

Schon allein diese manifeste Unfähigkeit von Bischof Bätzing, seiner Verantwortung als Seelsorger und Personalverantwortlicher gerecht zu werden, sollte genug sein, den Mann zum sofortigen Rücktritt zu bewegen – oder die Bischofskongregation zu veranlassen, die Abberufungsprozedur in Gang zu setzen.

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Viele Einerseits und Andererseits um einen Rücktritt von Franziskus

Bild: AP Photo/Alessandra TarantinoIn katholischen Medien, teilweise aber auch in der weltlichen Presse, gab es zu Pfingsten zahlreiche Spekulationen über einen möglichen Rücktritt von Papst Franziskus noch in diesem August. Auslöser war – neben den Bildern Franziskus’ im Rollstuhl – die Ankündigung einer Reise nach L’Aquila unmittelbar nach dem für den 27. August geplanten Konsistorium, auf dem Franziskus den Kardinälen seine Kurienreform erläutern will. In L’Aquila befindet sich das Grab von Coelestin V., des einzigen unter halbwegs regulären Umständen zurückgetretenen Papstes vor Benedikt XVI. Und auch Benedikt, der sein Amt mit der Bitte um die Kraft, nicht vor den Wölfen zu fliehen, angetreten hatte, war nach L’Aquila gereist, freilich bereits vier Jahre vor seinem Rücktritt.

An den daraufhin aufgebrochenen Spekulationen wollen wir uns nicht beteiligen – für eine Auflistung von Gegenargumenten verweisen wir auf einen Artikel des manchmal sehr scharfsichtigen und manchmal eher abseitigen Mundabor’s Blog. Stattdessen hier einige allgemeine Überlegungen zur Stellung und zum Gewicht des Papstamtes überhaupt nach bald 10 Jahren Franziskus, des „Diktatorpapstes“, als den ihn der Historiker Henry Sire in seinem aufsehenerregenden Buch von 2017 beschrieben hat.

Franziskus hat die Stellung seines Amtes in zwei gegensätzlichen Richtungen beeinflusst. Auf der einen Seite hat er durch sein gesamtes Handeln – in seiner offen zur Schau getragenen Verachtung aller Traditionen, in den von ihm verfassten oder in Auftrag gegebenen Texten, in seiner Personalpolitik, in der Art seines öffentlichen Auftretens und in oft despotischem und menschenverachtendem Agieren hinter den Kulissen – ein heute von vielen nicht für möglich gehaltenes Bild des Papsttums gezeichnet: Auch im 21. Jahrhundert kann ein Papst als unbeschränkter Herrscher auftreten, dessen Wille Gesetz ist und dessen Untergebene wie die Höflinge eines absolutistischen Herrschers der Willkür des Potentaten folgen oder in die Wüste gehen müssen.

Auf der anderen Seite hat er durch genau diesen Regierungsstil das Papsttum generell, dann aber auch sein eigenes Erbe, auf spektakulär Weise geschwächt.

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