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Ein Licht in der Finsternis

Auf New Liturgical Movement erinnerte dieser Tage Peter Kwasniewski an einen Ausspruch des Mitbegründers und ersten Präsidenten von Una Voce, Eric de Saventhem, aus dem Jahr 1970:

Es wird zu einer Renaissance kommen. Askese und Anbetung werden wieder ihren Platz als die Quelle völliger Hingabe an Christus einnehmen. Es werden Priestergemeinschaften entstehen, die sich dem Zölibat und einem intensiven Leben des Gebets und der Betrachtung verschreiben. Ordensleute werden sich wieder in Häusern zusammenfinden, die die strengen Regeln einhalten. Es wird eine neue Form einer liturgischen Bewegung entstehen, die von jungen Priestern angeführt und von jungen Leuten getragen wird, die sich gegen die platten, gewöhnlichen verbürgerlichten oder verrückten Liturgien wenden, die schon bald die kürzlich reformierten Riten überwuchern und schließlich zerstören werden.

Es ist von entscheidender Bedeutung, daß diese neuen Priester und Ordensleute, dioese jungen Menschen mit brennenden Herzen, noch wenigstens in irgendeinem Winkel des zusammenbrechenden Baus der Kirche den immer noch in der Finsternis leuchtenden Schatz einer wahrhaft heiligen Liturgie vorfinden. Und unsere Aufgabe, denen die Gnade zuteil geworden ist, den Wert dieses Erbes zu erfassen, besteht darin, es vor der Verschleuderung zu bewahren und zu verhindern, daß es so "entsorgt" und verachtet wird, daß es für immer verloren geht. wir haben die Pflicht, es lebendig zu erhalten: durch unsere eigene liebevolle Anhänglichkeit, durch die Unterstützung der Priester, die es in unseren Kirchen aufstrahlen lassen, durch unser Apostolat auf allen Ebenen von Überzeugungsarbeit.

Trotz allem, was in den letzten beiden Jahren geschehen ist: Was 1970 wie eine verwegene Prophetie geklungen haben mag, ist inzwischen teilweise schon Wirklichkeit geworden. Es gibt keinen Grund, sich entmutigen zu lassen. Übrigens: Wer Eric de Saventhem nur, so wie er auch hier angesprochen wurde, als einen der Gründer von Una Voce kennt, erfährt viel Wissenswertes auf dem ihm gewidmeten Artikel von Wikipedia.

Was den Franziskanern zusetzt

Die skandalöse – im Blick auf den hl. Pater Pio und andere freilich nicht außergewöhnliche – Verfolgung und Zerschlagung der Franziskaner der Immakulata durch die Ordenskongregation hat Fr. Ray Blake zu einer Betrachtung unter der Überschrift: „Bayern und Buenos Aires“ veranlasst. Er schreibt:

Es beginnt ein langes ZitatIch war noch nie in Bayern. Aber ich sehe ein Bild vor mir: Geranien, Sommersonne, etwas Kitsch, in der Ferne vielleicht eine Blaskapelle, und gelegentlich ein paar Lederhosen. Doch mein Haupteindruck ist der einer in ruhiger Ordnung geregelter Effizienz, von sozialem Zusammenhalt bei einer tiefen Achtung vor der Geschichte, vielleicht aus dem Bewußtsein heraus, welche grauenhaften Dinge geschehen können, wenn man die Geschichte vergisst.

Ich war auch noch nie in Buenos Aires. Aber ich stelle mir eine dynamisch vorwärts strebende Stadt vor, voll Lärm und Hektik, mit einem Bewußtsein, daß Bewegung alles ist, und selbst wenn der Verkehr im Chaos stecken bleibt, vermittelt doch der Lärm den Eindruck, daß etwas geschieht. Ich denke, in Buenos Aires gibt es enorme Unterschiede zwischen arm und reich. Es gibt wenig Sinn für die Vergangenheit, vielleicht weil die so schlimm war. Diese Gesellschaft brauch starke Männer, weil sie glaubt, daß sonst Unordnung und Gesetzlosigkeit regieren.

Diese beiden Bilder stehen hinter meinem Verständnis des Unterschieds zwischen dem Pontifikaten Ratzingers und Bergoglios.

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„...unbeeindruckt von Verwirrungen und Verlusten“

Peter Kwasniewski hat auf New Liturgical Movement einige Gedanken zum Zusammenhang von Kirchen- und Liturgiekrise veröffentlicht, die wir hier mit geringfügiger Kürzung übersetzt wiedergeben:

Es beginnt ein langes ZitatImmer stärker zeigt sich in der Kirche von heute ein wiederaufleben der albernen und oft auch häretischen Redeweisen und Praktiken der 60er und 70er Jahre - einer Periode der Unsicherheit, der hektischen Anpassung an die Welt und der Verwirrung, von der so viele von uns gehofft und gebetet hatten, daß sie vergangen wäre oder doch zumindest bald vergehen werde. Es fällt uns schwer, herauszufinden, was wir von dieser Situation halten und wie wir damit umgehen sollen. Natürlich wollen wir allen und allem gegenüber die Liebe walten lassen, ohne dabei einen Fußbreit von der rechten Lehre und vom rechten Handeln abzurücken. Wir wollen die Enttäuschten, die Unentschlossenen und die Gutwilligen für die Tradition gewinnen und gleichzeitig legitime Wege finden, die Anstrengungen derer zu behindern, die uns in den Sumpf der Periode unmittelbar nach dem Konzil zurückzerren wollen.

Es ist immer eine heilsame geistige Übung, einmal zu versuchen, herauszufinden, warum jemand dorthin gekommen ist, wo er ist: Was sind ihre Befürchtungen, was wollen sie schützen, an welchem Problem haben sie sich festgebissen? Und könnte ich nicht heute an der gleichen Stelle stehen, wenn die Göttliche Vorsehung es gewollt oder zugelassen hätte, daß ein paar Kleinigkeiten in meinem Leben anders gewesen wären? (...)

Diejenigen, die heute voller Liebe und Dankbarkeit der katholischen Tradition anhängen, hatten das Glück, nicht während des Erdbebens, sondern danach geboren zu werden, als sich der Staub schon wieder zum guten gelegt hatte und es möglich wurde, mit Verstand an den Wiederaufbau zu gehen. Diejenigen, die heute „jung“ sind - wobei ich unter „jung“ ganz allgemein die nach dem 2. Vatikanischen Konzil Geborenen verstehe - hatten den unschätzbaren Vorteil, ohne Zerrbrille die Katastrophe und den Zusammenbruch wahrnehmen zu können, den der „Geist des 2. Vatikanums“ hinterlassen hat, und die bohrenden und schmerzhaften Fragen zum Missale Pauls VI. zu stellen, die man stellen muß, auch wenn sie so lange als unzulässig galten.

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Von liturgischen Experimenten zum Sittenverfall

Kardinal Raimond Burke hat der amerikanischen Website LifeSiteNews vor einigen Wochen ein Interview gegeben, das in 14 Punkten die ganze herkömmliche Lehre der Kirche gegenüber der in den entwickelten Industriestaaten populären Kultur des Todes zum Ausdruck bringt. Es rückt erst jetzt durch Zitate auf anderen Websites in unser Blickfeld. Zur Erklärung dessen, daß Unkultur und Unmoral innerhalb weniger Jahrzehnte die Vorherrschaft im öffentlichen Diskurs und über die Gesetzgebung übernehmen konnte, führte der Kardinal aus:

Die Kräfte der Säkularisierung waren und sind sehr mächtig, und sie werden vom größeren Teil der Massenmedien unterstützt. Seit mehreren Jahrzehnten wird in den Vereinigten Staaten eine mit schweren Mängeln behaftete Katechese praktiziert, die Erwachsenen und jungen Leuten keine ausreichende Hilfe zur Verteidigung der Wahrheiten des moralischen Gesetzes an die Hand gibt. Dazu kommt die Tendenz, daß die Kirche sich ängstlich hinsichtlich ihrer feierlichen Pflicht zurückhält, die Wahrheit im öffentlichen Raum zu verteidigen. Dabei stützt sie sich auf ein irriges Verständnis der "Nichteinmischungsvorgabe" in der amerikanischen Verfassung. Doch diese Vorgabe verbietet lediglich die Errichtung einer regierungsamtlichen Religion oder einer Staatsreligion in den USA, aber sie verbietet es der Kirche nicht, sich öffentlich für die Wahrheit auszusprechen.“

Auf die abschließend gestellte Frage,  auf welche Weise der Gottesdienst dazu beitragen könne, die Gläubigen zur Verteidigung des Lebens zu befähigen, führte der Kardinal aus:

Nach der altüberlieferten Einsicht der Kirche steht das Gesetz des Gottesdienstes in tiefer innerer Verbindung zum Gesetz des Glaubens und dem des praktischen Lebens. Christus tritt in unsere Mitte durch die Heilige Liturgie, ganz besonders durch die Sakramente der allerheiligsten Eucharistie und der Buße, so daß er unser Herz von Sünden reinigt und durch die Ausgießung des heiligen Geistes mit seiner eigenen Liebe entzündet. Nur wenn wir ein starkes Bewußtsein von der Realität der Begegnung mit Christus in der Heiligen Liturgie haben, werden wir die Wahrheiten des Glaubens und des geordneten Lebens und ihre Bedeutung für unser alltägliches Leben erkennen. Diese Erkenntnis wird genährt, wenn wir die Heilige Liturgie in der Weise feiern, daß wir unseren Blick fest auf Christus und nicht auf uns selbst richten. Es sollte uns nicht überraschen, daß die Epoche des nachkonziliaren Herumexperimentierens mit der Liturgie, die mit so zahlreichen liturgischen Missbräuchen gekennzeichnet ist, mit einem Verlust des Glaubens und moralischem Niedergang einhergeht. Wenn man die Heilige Liturgie als eine rein menschliche Tätigkeit, eine menschliche Erfindung, ansieht, vermittelt sie keine wahrhafte Gemeinschaft mit Gott und kann dann auch den Glauben und seine Bewährung im Alltagsleben nicht fördern.“

Hier noch einmal der Link zum ganzen überaus lesenswerten Interview, das sich durch eine selten gewordene klare Sprache und un-verschämte Bereitschaft zur Aussage von Grundtatsachen des katholischen Glaubenslebens auszeichnet.

Liturgie und Zeitgeschehen

Vom „ohne den Sonntag können wir nicht leben“ der Märtyrer von Abitene im Jahr 304 bis zur Liturgie als „Gipfel, dem das Tun der Kirche zustrebt und gleichzeitig Quelle all ihrer Kraft“ in der Liturgiekonstitution von 1963; vom „dem Gottesdienst soll nichts vorgezogen werden“ der Benediktsregel bis zum „Summorum pontificum cura“ von Papst Benedikt, das der Wahlspruch dieser Website geworden ist, gab es eigentlich nie einen Zweifel: Die Liturgie als öffentlicher Kultus und Ausgangsort des Handelns der göttlichen Gnade steht im Zentrum des Lebens der Kirche. Seit einiger Zeit ist davon nicht mehr viel die Rede, und selbst im Petersdom bemißt sich die Dauer liturgischer Akte neuerdings nach der zumutbaren Übertragungsbereitschaft der Medien und der vermuteten Aufnahmebereitschaft des p.p. Publikums, bevor es zum wohlverdienten Mittagstisch entlassen wird.

In dieser Situation könnte man auf den Gedanken kommen, sich mehr den Themen zuzuwenden, die statt der Liturgie in den Mittelpunkt der Aufmerksamkeit rücken. Einige davon wären es gewiss wert: Neuschaffung vatikanischer Gremien und Verfahrensweisen wie am Fließband, Diversifizierung des Lehramtes in Zweige unterschiedlicher Autorschaft und Kommunikationswege, Mehr-Päpste-Rituale, Beteiligung am Ratespiel „was hat er denn jetzt wieder gemeint?“ usw. usf.. Trotzdem wollen wir, soweit möglich, dieser Versuchung widerstehen. Jedes Nachgeben in dieser Richtung würde bedeuten, die Liturgie auch hier aus dem Zentrum geraten zu lassen.

Um andererseits zu signalisieren, daß auch Summorum-Pontificum wahrnimmt, was da alles geschieht, und natürlich auch, um Positionen zu verbreiten, die der eine oder andere sonst  vielleicht übersehen würde, gibt es in der rechten Spalte die Rubrik „Anderswo gelesen“. Die Links dort sind ausdrücklich unkommentiert - eine Meinung dazu muß man sich also schon selber machen. Auf diese Weise vom Tagesgetümmel entlastet, soll sich Summorum-Pontificum künftig noch stärker auf liturgische Themen konzentrieren - auch wenn deren Aktualität gerade nicht unmittelbar ins Auge fällt.

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