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Pfarrer Ziegler zum Fest der unbefleckten Empfängnis

Die Liturgie am heutigen Fest der unbefleckten Empfängnis Mariens verkündet im Tagesgebet den im Jahr 1854 zum Dogma erhobenen Glaubenssatz, daß die hochheilige Gottesmutter bereits bei ihrer Empfängnis nicht von der Erbschuld des Menschengeschlechts betroffen war:

Gott, Du hast durch die unbefleckte Empfängnis der Jungfrau Deinem Sohn eine würdige Wohnstatt bereitet; nun bitten wir Dich: Wie Du sie in Voraussicht des Todes dieses Deines Sohnes bor allem Makel bewahrt hast, so laß auf ihre Fürbitte hin auch uns rein zu Dir gelangen.

Dieses Tagesgebet ist im lateinischen Missale des Novus Ordo im Wortlaut unverändert erhalten, die deutsche Fassung hat den Text ohne Eingriff in den Inhalt umformuliert.

Theologischer Hintergrund dieses Festgeheimnisses ist die bis in die Offenbarungen des alten Bundes zurückreichende Glaubenswahrheit, daß die Menschheit durch schuldhafte Auflehnung gegen Gottes Gebot den Zustand der ursprünglichen Gnade verloren hat und alle Menschen in diesem Zustand der Gottesferne geboren werden. Erst in den Wirren des Glaubensabfalls nach dem 15. Jahrhundert wurde dieses Wissen von einigen „Reformatoren“ bestritten. Das veranlaßte das Konzil von Trient, diese Wahrheit in einem eigenen Dekret zu bekräftigen. Der Katechismus der katholischen Kirche von 1997 hat das in Abschnitt 403 – wie sollte es anders sein – aufgenommen und bestätigt:

Im Anschluß an den hl. Paulus lehrte die Kirche stets, daß das unermeßliche Elend, das auf den Menschen lastet, und ihr Hang zum Bösen und zum Tode nicht verständlich sind ohne den Zusammenhang mit der Sünde Adams und mit dem Umstand, daß dieser uns eine Sünde weitergegeben hat, von der wir alle schon bei der Geburt betroffen sind und ‚die der Tod der Seele‘ ist [Vgl. K. v. Trient: DS 1512.]. Wegen dieser Glaubensgewißheit spendet die Kirche die Taufe zur Vergebung der Sünden selbst kleinen Kindern, die keine persönliche Sünde begangen haben [Vgl. K. v. Trient: DS 1514].“

Unter diesen Umständen ist es außerordentlich irritierend, daß der Münsteraner Pfarrer Dr. Detlef Ziegler in der angeblich von der katholischen Kirche verantworteten „Morgenandacht“ des Deutschlandfunks vom 8. Dezember zu Protokoll gibt, der Glaube an die Erbsünde oder eine Erbschuld lasse sich heute nicht mehr aufrecht erhalten, diese im Licht der Erkenntniss moderner Naturwissenschaft veraltete Vorstellung sei überdies erst im 5. Jahrhundert (durch Augustinus) in die Kirche eingeführt worden.

Dieser überaus leichtfertige Umgang mit einer im Dekret von Trient bestätigten, im feierlichen Dogma der Kirche eingeschlossenen, in der Liturgie ehrfurchtsvoll aufgenommenen und im Katechismus erneut bekräftigen Lehre ist umso erstaunlicher, da gerade erst am Vortag das bischöfliche Internetportal katholisch.de es für angebracht hielt, eine im Widerspruch zur überlieferten katholischen Lehre stehende Interpretation einer mehrdeutigen Fußnote in einem päpstlichen Schreiben zweifelhaften Charakters, das auf durchaus zweifelhafte Weise in die Akten des apostolischen Stuhls befördert worden ist, als „für alle Katholiken im Gehorsam anzunehmen“ hinzustellen:

Unter der Debatte um diesen heiklen Punkt hat der Papst nun einen Strich gezogen. Zweifel an seiner Aussage sind zwar weiterhin erlaubt, jedoch dürfen sie nicht mehr öffentlich geäußert werden.

So zumindest Nachwuchsjournalist Kilian Martin – auch bei katholisch.de überläßt man die Formulierung des größten Unfugs Leuten aus der dritten Linie, von denen man sich falls opportun leicht wieder distanzieren kann. In der Sache selbst kommt weder katholisch.de noch den Acta besondere Kompetenz und  Glaubwürdigkeit zu. Ist der Ruf erst ruiniert... Die zum heutigen Hochfest offen und öffentlich geäußerte Bestreitung einer auf unzweifelhafte Weise verbindlich gemachten Glaubenslehre muß der hochwürdige und hochgelehrte Herr Pfarrer Detlef Ziegler – auch wenn die Sendung „unter Verantwortung der katholischen Kirche“ erfolgte – am letzten Tage selbst verantworten.

Franziskus schafft Klarheit!

Die Klärung, auf die die Kirche so lange gewartet hat, ist endlich erfolgt. Katholisch.de hat es bereits gestern gemeldet, wir zitieren:

Papst Franziskus hat eine energische ökologische Wende verlangt. Die Umweltzerstörung zeige "dramatische" Folgen für die Menschen. Eine "negationistische Haltung" angesichts des weltweiten Problems sei nicht angebracht, erklärte der Papst in einer am Donnerstag verbreiteten Videobotschaft an ein Symposium zu Umweltthemen in Costa Rica. Franziskus rief zur Zusammenarbeit von Wissenschaft, Wirtschaft und Politik auf, aber auch zu Bildungsinitiativen. Technische Lösungen allein ohne eine persönliche Verhaltensänderung im Alltag könnten den Planeten nicht retten, so der Papst.

Es seien die Solidarität und das Engagement aller nötig. Sein Lehrschreiben "Laudato si" sei ein Aufruf an jeden einzelnen, diese Botschaft im konkreten Leben umzusetzen, sagte Franziskus. Die am Mittwoch eröffnete Tagung, die von der Katholischen Universität Costa Rica und der "Vatikanischen Stiftung Joseph Ratzinger - Benedikt XVI." ausgerichtet wird, geht am Freitag zu Ende. Im Mittelpunkt standen die Enzyklika "Laudato si" von 2015 und der Schutz Amazoniens.

Die Überschrift des ganzen bei katholisch.de: „Niemand darf Klimawandel-Folgen leugnen“. Endlich wissen wir, wo wir dran sind, endlich Klarheit. Das Lehramt hat seinen Betrieb wieder aufgenommen. Dogma und Anathema sind zurück.

Kardinal Burkes Warnung

Bild: catholicherald/GettyMit außerordentlich ernsten Überlegungen hat sich Kardinal Burke zur Situation der Kirche im 5. Jahr Franziskus‘ geäußert. In einem unter heutigem Datum erscheinenden Interview mit Paolo Gambi im Catholic Herald beginnt der Kardinal seine Ausführungen mit der Feststellung:
Gegenwärtig herrschenVerwirrung und Irrtümer über die grundlegendsten Lehren der Kirche, zum Beispiel hinsichtlich Ehe und Familie. Die Vorstellung, daß Personen, die in einer irregulären Beziehung leben, zu den Sakramenten treten könnten, widerspricht der Wahrheit sowohl hinsichtlich der Unauflöslichkeit der Ehe wie auch der Heiligkeit der Eucharistie.

Der hl. Paulus sagt uns in seinem 1. Brief an die Korinther, daß wir uns vor dem Empfang des Leibes Christi prüfen müssen, damit wir uns nicht durch unwürdigen Empfang die Verdammnis zuziehen. Inzwischen geht die Verwirrung in der Kirche aber noch weiter, denn jetzt gibt es Unklarheit darüber, ob es überhaupt Dinge gibt, die in sich böse sind – und das ist die Grundlage jeden moralischen Gesetzes. Wenn diese Grundlage in der Kirche in Frage gestellt wird, dann sind die gesamte Ordnung des menschlichen Lebens und die Ordnung der Kirche selbst bedroht.

Es gibt die Vorstellung, daß wir uns in der heutigen auf dem Säkularismus und einen völlig anthropozentrischen Ansatz gegründeten Welt selbst den Sinn des Lebens, die Bedeutung von Familie usw. schaffen können, diese Verwirrung scheint auch die Kirche erfasst zu haben. Von daher kann man das Gefühl haben, daß die Kirche anscheinend nicht bereit ist, den Geboten unseres Herrn zu gehorchen. Dann stehen wir vielleicht vor den letzten Tagen.

Als nächstes erbat der Interviewer eine Einschätzung der bemerkenswerten Aussage des Generalsekretärs der italienischen Bischofskonferenz, Bischof Nunzio Galantino, der die Reformation kürzlich als ein „Ereignis des heiligen Geistes“ bezeichnet hatte. Im Zusammenhang damit brachte er die Rede auch darauf, daß in Rom derzeit von einer Kommission für eine gemeinsame Messfeier mit Protestanten gesprochen werde. Dazu führte der Kardinal aus:

Nun, ich kann nicht erkennen, wie die Spaltung der Kirche ein Akt des Heiligen Geistes sein könnte. Das ergibt einfach keinen Sinn. Und ich weiß nicht, worum es in dieser Kommission geht – aber es ist unmöglich, eine gemeinsame Eucharistie mit Lutheraner zu feiern, denn sie glauben nicht an die Eucharistie, die die katholische Kirche lehrt, an die Transsubstantion (…). Für Katholiken bedeutete die Teilnahme an einer ökumenischen Eucharistie die Aufgabe des katholischen Glaubens. Das ist ein von Grund auf falscher Ökumenismus, der dem Glauben und vielen Seelen schweren Schaden zufügen würde.

Eine weitere Frage Paolo Gambis bezog sich auf die oft gehörte Behauptung, die Messe des Novus Ordo stelle die Erfüllung eines Auftrag des 2. Vatikanischen Konzils dar. Dazu Kardinal Burke:

Die Einzelheiten des revidierten Messritus stellen keine notwendige Folge des Zweiten Vatikanischen Konzis dar. Tatsächlich folgte die Reform des Ritus.in ihrer Umsetzung nicht so getreu, wie das hätte sein sollen, dem, was das Zweite Vatikanische Konzil gelehrt hat und wollte. Das ist der Grund dafür, daß wir heute von einer „Reform der Reform“ sprechen – soll heißen: wir sollten erneut untersuchen, wie der Ritus der Messe in größerer Treue zum Konzil zu reformieren wäre.

Zweifellos hat das Konzil den Auftrag zu einigen Reformen am Ritus der Messe erteilt. Doch einige verurteilten die Reform so, wie sie dann praktisch stattgefunden hat, als gewissermaßen zu gewaltsam, da sie so viele Aspekte der Liturgie beseitigte, daß es schwierig war, noch eine Kontinuität der Riten vor und nach dem Konzils wahrzunehmen. Doch eine solche Kontinuität ist unabdingbar, denn der Ritus der Messe ist seit den ersten christlichen Jahrhunderten als eine sich organisch entwickelnde Wirklichkeit auf uns gekommen – man kann keine „neue“ Messe im Sinn eines vollständig neuen Ritus schaffen.“

Hier noch einmal das Link zum vollständigen Text des Interviews, in dem noch mehrere andere aktuelle Probleme des Glaubens und der Kirchenverwaltung angesprochen werden. Darunter auch die Frage der gegenwärtigen Position des Kardinals, der zwar noch den Titel eines Patrons des Malteserordens trägt, sich gegenwärtig aber sowohl von Seiten des Papstes als auch des Ordens selbst von allen Angelegenheiten dieser von heftigen Auseinandersetzungen erschütterten Gemeinschaft ausgeschlossen ist.

Mit Sentimentalität gegen die Leere

Bild: Diözese Linz/Kraml  https://www.dioezese-linz.at/portal/zu/sommerakademie/bilder/gallery/20048.htmlDer nachkonziliare Modernisierungswahn hat Liturgie und Kirchen ausgeräumt und alles abgeschafft, was Sinne und Gefühle ansprechen könnte. Die Gottesdienstliche Versammlung sieht vielerorts, von den komischen Gewändern mal abgesehen, ziemlich ähnlich aus wie die Jahrestagung eines x-beliebigen Vereins, und die Kirche wie das Vereinsheim. Natürlich ist diese Ödnis schwer zu ertragen – aber da die Bilder und Motive der Tradition verpönt sind, werden neue an deren Stelle gesetzt. Gerne greift man dazu auf die gerade in der Säkulargesellschaft aktuellen Sentimentalitäten zurück – man will ja den Anschluss nicht verlieren.

Katholisch.de, das unerschöpfliche Zeitgeistmagazin für die Pastoral der Lebenswirklichkeit, hat dazu im November dem Priester und Professor für Moraltheologie an der katholischen Privatuniversität Linz, Michael Rosenberger, zwei große Gespräche gewidmet. In dem einen geht es um die Fragestellung „Warum im Paradies immer Veggie-Day ist“, der andere spricht ein „Ganz klares Ja für Kreuze auf Tiergräbern“ aus.
Gestützt auf die Autorität von Bergoglios „Laudator Si“ widerspricht Rosenberger darin dem hl. Augustinus, der bei Tieren keine unsterbliche Seele sehen konnte, und stellt fest:

Menschen schätzen ihre Haustiere, kümmern sich intensiv um sie und möchten einem verstorbenen Tier ein würdiges Gedenken geben. Die Kirche sollte über den Schatten der Tradition springen und anerkennen, dass die Menschen da ein wichtiges Bedürfnis haben, das auch ihre Liebe zur Schöpfung ausdrückt. Warum sollte die Kirche da nicht Unterstützung und Beistand geben?

Noch schöner kann man es eigentlich nicht ausdrücken, daß der Zweck von Theologie und Kirche darin besteht, den Bedürfnissen der Menschen, so wie sie diese sehen, zu folgen. Sparen wir uns ein näheres Eingehen auf die Ausführungen des Moraltheologen, zur Liturgie von Tierbestattungen, und auch zu den Überlegungen, die ihn einen jährlichen Fleischverbrauch von nicht mehr 15 Kilo pro Person empfehlen lassen. Auch das Folgende zu bewerten überlassen wir dem Sachverstand der Vertreter der sicher demnächst an den Universitäten einzuführenden Biotheologie: „Es gibt keine prinzipielle, sondern nur eine graduelle Differenz zwischen Mensch und Tier“. Ach ja.

Nur eine Aussage aus dem katholisch.de Auftritt des Theologen vom 13. 11. erscheint uns noch besonders erwähnenswert. Im Anschluss an die Information, daß die katholische Akademie Bayern und weitere kirchliche Bildungshäuser mehrmals in der Woche vegetarisches Essen anbieten (wer hätte das gedacht!), teilt der Moraltheologe mit, daß diese Häuser

... für so ein Projekt bereits mit dem Preis ‚Tierschutz auf dem Teller‘ der Schweisfurth-Stiftung ausgezeichnet (wurden) – solche Zeichen wirken also in die Welt hinein und werden geschätzt.“

Wer hier wohinein gewirkt hat erscheint uns allerdings eher fraglich. Aber wer wird kleinliche Fragen stellen, wo es doch um die empfangene Wertschätzung geht. Sentimentalität geht immer.

Stationen der Apostasie

Bild: Wikimedia CommonsAuf die Einflüsterer des Zeitgeisters innerhalb der Kirche kann man sich verlassen: Die politische Entscheidung – denn alles Recht im säkularen Staat ist letztlich Politik – zur Einführung einer dritten Kategorie für die Geburtsurkunden hat das Zentralorgan der deutschen Bischöfe dazu veranlasst, mit einer ganzen Serie von Beiträgen zu fordern, daß die Kirche jetzt – als willfähriger Diener der sie nährenden weltlichen Macht - die Konsequenzen aus dieser Regelung ziehen müsse. Und das für Bereiche, die von zentraler Bedeutung für Leben und Lehre der Kirche sind.

Den Anfang machte am 14. November der Münsteraner Theologe und Kirchenrechtler Thomas Schüller mit dem Hinweis:

Sollte nun jemand nach 2018, wenn der deutsche Gesetzgeber die gesetzlichen Grundlagen für das dritte Geschlecht geschaffen haben wird, sich im dritten Geschlecht eintragen lassen, kann er/sie/es nicht kirchlich heiraten, weil er/sie/es kein eindeutiges Geschlecht hat."

Das Urteil aus Karlsruhe werde kirchenrechtlich, "vor allem aber im Lichte der möglicherweise zu überdenkenden christlichen Sicht auf den Menschen noch vertieft zu bedenken sein", betonte Schüller.

Bereits am 23. legte katholisch.de dann mit einem zweiten, aus Christ und Welt übernommenen Beitrag unter dem Titel Theologe: Kirche muss Intersexualität diskutieren nach. Der brachte zwar inhaltlich nichts neues – aber die schöne Formulierung: „Die Wirklichkeit ist komplexer als ein klassisches binäres Menschenbild.“ Und weiter:

Was die Sakramentenlehre anbelangt, Taufe, Ehe, Weihe, aber auch die Frage des Eintritts in einen Männer- oder Frauenorden – damit muss Rom sich befassen“.

Man sieht: Alles steht zur Disposition – das Verfassungsgericht hat gesprochen. Es gab mal eine Zeit, da hätte der Verweis auf „Rom“ ausgereicht, um die Sache beruhigt zu den Akten zu legen. Seit die Apostasie auch dort ihr Haupt erhebt, kann man sich das nicht mehr leisten.

Schon am 27. 11. holte katholisch.de dann zum dritten Streich aus. Diesmal durfte eine Frau an die Front, die im Bistum Basel des Bischofs Gmür wirkende Theologin Andrea Birke vom Arbeitskreis Regenbogenpastoral. Während Birke den Betroffenheitspart übernahm, bemühte sich der Mainzer Kollege Stephan Goertz um die praktische Nutzanwendung und forderte eine theologische Weiterentwicklung:

Wer an der binären Eindeutigkeit des Geschlechts festhält, der verweigert Intersexuellen die Anerkennung ihrer Geschlechtsidentität. Da diese aber zum Kernbereich der Persönlichkeit eines Menschen gehört, berühren wir hier den Bereich der Menschenwürde. Kann die Kirche länger daran festhalten, dass es eine intime Liebesbeziehung nur zwischen Mann und Frau geben darf?“

Womit eher unelegant der Bogen vom angeblichen Verlangen, seltene Sonderfälle zu berücksichtigen, zum Ruf nach der Öffnung der Ehe für Alle und Alles geschlagen ist. Und des Sakraments der Weihe gleich mit. Wir haben es hier schon öfter geschrieben, und wir können es nur wiederholen: Die Sakramente und damit das innere Wesen der Kirche als Träger des göttlichen Handelns in der Welt steht zur Disposition.

Die Entscheidung der vom Bundestag nach Parteiproporz eingesetzten Karlsruher Richter bildet nur den wohlfeilen Aufhänger für diesen mit allen Mitteln und bei jeder Gelegenheit vorgetragenen Angriff. Bemerkenswert und lehrreich ist im konkreten Fall der Taschenspielertrick, mit dem aus dem negativen Befund „nicht eindeutig zuzuordnen“ (wobei diese Uneindeutigkeit übrigens naturwissenschaftlich durchaus bestritten wird) die positive Setzung eines „Dritten Geschlechts“ gemacht wird. Ebenso bemerkenswert die Bereitschaft, neben und sogar noch vor dem Wort Gottes in der hl. Schrift und der Tradition auch die staatliche Rechtsordnung zu den Erkenntnisquellen der katholischen Theologie zu erheben. Übrigens durchaus nicht im Widerspruch, sondern in Übereinstimmung mit der Mehrheit der deutschen Bischöfe, die seit der Amtsübernahme von Franziskus keine Gelegenheit auslassen, zu betonen, die Kirche müsse sich an der „Lebenswirklichkeit der Menschen“ orientieren.

Der Trick mit der positiven Umdeutung des in säkularer Perspektive diskutablen Richterspruchs ist das entscheidende. Von „nicht eindeutig“ zu „drittes Geschlecht“. Erst diese Umdeutung ermöglicht den Zerstörern der Kirche die Konstruktion eines Problems, wo es kein Problem gibt. Das geltende Recht der Kirche, so wie es seit Anfang überkommen ist, sagt: Die Ehe ist die Verbindung eines Mannes und einer Frau. Oder: Zum Priester geweiht werden kann ein Mann...“ Wenn dann Personen kommen, die unter Berufung auf einen vom Staat ausgestellten Schein geltend machen, weder Mann noch Frau sondern ein Drittes, Viertes oder Fünftes zu sein, kann die Antwort der Kirche nur sein: Wenn Ihr davon wirklich überzeugt seid, dann kann die Kirche euch dieses Sakrament nicht spenden. Wir können euch als Personen mit einem besonderen Schicksal achten und lieben, wir können Euch im Sakrament der Buße eure Sünden vergeben und euch im Sakrament der Eucharistie in die Einheit mit Christus führen – aber wer nicht Mann oder Frau ist oder sein will, kann nicht ein Sakrament empfangen, dessen Wesen darin besteht, nur von Männern oder Frauen empfangen werden zu können.

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