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Geht Freiburg ins Schisma?

Im Bistum Freiburg werden also künftig sog. „wiederverheiratete Geschiedene“ zum Tisch des Herrn treten und ihren neuen Bund in einer kirchlichen Zeremonie segnen lassen können. Das ist, wenn auch hinter viel Pastoralsprech und Wortnebel verborgen, der faktische Inhalt der nun vom „Seelsorgeamt Freiburg“ veröffentlichten Handreichung „Menschen begleiten – auch beim Scheitern von Ehen“. In einer Zeit, da der Bischofsstuhl von Freiburg vakant ist, unternimmt die Diözesanbürokratie damit einen Schritt, der das Potential hat, zur Initialzündung einer zweiten deutschen Reformation und der Bildung deutscher Nationalkirchen zu werden. Reaktionen aus der Weltkirche lassen erkennen, daß dieses Potential zwar teilweise erkannt wird – daß aber kaum Vorstellungen bestehen, wie dem zu begegnen wäre.

Der Freiburger Schritt hat enorme Konsequenzen kirchenrechtlicher und sakramententheologischer Art. Er bedeutet, sollte er nicht von einer höheren Autorität kassiert werden, ein Abrücken von der Einheit der Lehre und eine Neudefinition des Verhältnisses zwischen petrinischem Amt und Ortskirche. Er betrifft sowohl das Verständnis von Schuld, Sünde und Vergebung als auch von Eucharistie. Wir wollen uns hier zunächst nur mit dem letzteren befassen, weil da der Bezug zur Liturgie und ihren Veränderungen in den letzten Jahrzehnten offensichtlich ist.

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Wunden am Leib der Kirche

Als eine „Wunde für Summorum Pontificum“ hat nach Angaben von Sandro Magister Papst Emeritus Benedikt die Entscheidung der Ordenskongregation bezeichnet, den Priestern der Franziskaner der Immakulata pauschal die Zelebration im überlieferten Ritus zu untersagen. Magister beruft sich dafür auf Berichte von Besuchern des abgedankten Papstes und schreibt dazu im Einzelnen:

Das Verbot zur Feier der Messe im überlieferten Ritus, das Papst Bergoglio den Franziskanern der Immakulata auferlegt hat, bedeutet eine wirkungsvolle Einschränkung der Erlaubnis zur Zelebration dieser Liturgie, die Papst Benedikt XVI allen erteilt hatte. Aus Gesprächen mit Besuchern geht hervor, daß Ratzinger in dieser Einschränkung einen „vulnus“ für sein motu proprio Summorum Pontificum von 2007 sieht.

In seinem Interview mit „La Cività Cattolica“ hatte Franziskus die Freigabe des alten Ritus durch Benedikt XV. als eine bloße „vernünftige Maßnahme“ abgetan, die dieser für „Leute, die für so etwas empfänglich sind“, getroffen habe. Dagegen hatte Ratzinger, wie dieser damals auch in seinem Brief an die Bischöfe ausdrücklich dargestellt hatte, die Absicht, daß „diese beiden Formen des römischen Ritus sich gegenseitig bereichern“ sollten.

Im gleichen Interview beschrieb Franziskus die nachkonziliare Liturgiereform als „einen Dienst am Volk aus einer neuen Lektüre des Evangeliums, ausgehend von einer konkreten historischen Situation“. Das bedeutet eine starke Einschränkung des Begriffes von Liturgie, den Ratzinger als Theologe und Papst vertreten hatte.

Darüberhinaus hat Franziskus am 26. September sämtliche 5 Berater des Amtes für die liturgischen Feiern des Papstes abgelöst, darunter auch den Liturgiewissenschaftler P. Uwe Michael Lang, für dessen wichtigstes Buch zur Feier der Liturgie „zum Herrren hin“ Ratzinger seinerzeit selbst das Vorwort geschrieben hatte.“

Der ganze Artikel unter der Überschrift „The Francis Transformation“ ist überaus lesenswert.

Starke Zweifel an der Rechtmäßigkeit des Verbots für die Priester der FFI zur Zelebration der alten Messe hatte bereits im September der Kirchenhistoriker Roberto de Mattei geäußert und dabei festgestellt „Summorum Pontificum hat stärkere Rechtskraft als das Dekret einer Kongregation“. Sein Artikel war ursprünglich in der „Corrispondenza Romana“ erschienen, eine englische Übersetzung findet sich u. a. auf „The Eponymus Flower“.

In einem neuen Artikel, der unter dem Titel „Der Zweck und die Mittel“ ebenfalls bei Corrispondenza Romana erschienen ist, untersucht de Mattei Ursachen und Hintergründe der zunehmenden Neigung, jedes Wort und Verhalten des Papstes in den Rang der Unfehlbarkeit zu erheben und das ewige Lehramt der Kirche durch die Fiktion eines „lebendigen“ Lehramts zu ersetzen, das Tradition und Recht der Kirche praktisch der Willkür des Augenblicks preisgibt.

Der Papst ist oberster Gesetzgeber der Kirche. Er kann Gesetze aufheben und neues Recht setzen - aber nicht in Willkür, sondern nach der Ordnung und in der Tradition der Kirche. Oder wie es Josef Ratzinger in Bezug auf die Liturgie, aber mit Blick auf das Ganze ausgedrückt hat:„Die Vollmacht des Papstes ist nicht unbeschränkt; sie steht im Dienst der heiligen Überlieferung“. (Der Geist der Liturgie S. 143)

Was an Limburg zu lernen ist

Wenn der Streit um den Limburger Bischof Tebartz van Elst wirklich die Bedeutung hatte, die wir am 11. September vermuteten, dann haben wir jetzt – ein wenig und für kurze Zeit zumindest – Grund zum Aufatmen: Nach dem Kölner Kardinal Meisner, von dem wir das erwarteten, und dem Hamburger Erzbischof Thissen, der uns (nicht zum ersten Mal) überrascht hat, hat sich jetzt auch Kurienerzbischof Müller von der Glaubenskongregation mit einem starken „der Bischof bleibt“ zu Wort gemeldet. Solche Wortmeldungen sind nicht etwa deshalb von Bedeutung, weil sie zeigen, daß auch der Limburger Bischof „Stimmen“ auf sich vereinigen kann – die Kirche kennt in diesem Sinne keine Bischofswahlen oder -abwahlen, und Stimmen (oder gar Pressestimmen) haben da, wo die Kirche lebt, kein zählbares Gewicht.

Bedeutsam an diesen Wortmeldungen ist, daß sie auf unterschiedliche Weise etwas von dem eigentlichen Inhalt der Auseinandersetzung sichtbar machen, in deren Zentrum der Limburger Bischof geraten ist. Kardinal Meisner hat den Skandal beim Wort genannt, daß viele Amtsbrüder aus Opportunismus bereit waren (und wohl auch immer noch sind), Bischof Tebartz der Meute zum Fraß vorzuwerfen – Hauptsache, ihr guter Draht zur Presse, also zur weltlichen Macht, bleibt intakt. Bischof Thissen hat das Tabuthema angerührt, daß der Bischof an einen Verwaltungsapparat, der jahrzehntelange Bürokratisierung und geschäftigen Leerlauf auf Gremien-Sinekuren erfolgreich als Demokratisierung verkauft hat, wohl zu hohe Ansprüche gestellt habe: „Ich kann mir vorstellen, dass nicht alle Mitarbeiter da folgen.“ Und Erzbischof Müller benennt den innersten Kern der Sache: Die Kampagne – die wohlgemerkt nicht nur von außerhalb der Kirche betrieben worden ist – habe das „Ziel, Bischöfe, die nicht ins eigene Kirchenbild passten, einzuschüchtern oder zu eliminieren.“ Dazu setzt er noch die Erinnerung daß daß die Bischöfe keine Untergebenen der Bischofskonferenz seien – auch wenn deren Sekretär sich das noch so sehr wünschen mag.

Selten zuvor wurden die Spaltungen, die die Kirche in Deutschland (und anderswo natürlich auch) durchziehen, so deutlich sichtbar und auch von Bischöfen so deutlich benannt wie in den letzten Tagen. Es geht nicht um ein finanziell aus dem Ruder gelaufenes Bauprojekt oder um eine vielleicht zu üppig angelegte Reise mit unklarer Zielsetzung – wenn es darum ginge, hätten nicht nur alle deutschen Bischöfe, sondern auch alle deutschen Chefredakteure genügend Grund, in Sack und Asche zu gehen. Es geht um die Kirche, deren Verweltlichung – als „Verheutigung“ getarnt – die einen mit Macht anstreben, während die anderen anscheinend erst langsam dahinter kommen, daß es tatsächlich nicht um Stilfragen geht, sondern ums Ganze.

Reden über Liturgie in Zeiten der Unordnung II

Weißer Renault R4Wie und was soll man heute über Liturgie schreiben, wo doch erkennbar von Bildzeitung bis Osservatore Romano die Sorge der Welt ganz anderen Gegenständen gilt? Muß man ein Gespräch über Kniebeugen und den rechten Ordo heute nicht ebenso als ein Verbrechen ansehen wie seinerzeit BB ein Gespräch über Bäume?

Oder in einem Wort gesagt: Sollen wir den Laden dichtmachen?

Ich denke: nein. Zumal sich andeutet, daß durch die inzwischen mit voller Wucht eintretende Historisierung des zweiten Vatikanums ganz neue Spielräume aufgetan werden. Sind sich nicht Alle einig, daß die feierliche Festlegung der Liturgiekonstitution, „Der Gebrauch der lateinischen Sprache soll in den lateinischen Riten erhalten bleiben“ (SC 36/1) den Test der Zeit nicht überstanden hat und damit hinfällig geworden ist? Hat sich nicht der neuernannte Vatikanische Staatsekretär Parolin soeben „für eine Zölibatsdiskussion“ ausgesprochen, wie die Website der deutschen Bischoffskonferenz ebenso hoffnungsfroh wie übertreibend behauptet - und damit zentrale Aussagen von Lumen Gentium (42) und Presbyterorum Ordinis (16) der verdienten Unverbindlichkeit überantwortet?

Everything goes.

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Reden über Liturgie in Zeiten der Unordnung

Wie und was soll man da über Liturgie schreiben, wenn einen innerhalb 24 Stunden folgende Nachrichten erreichen:

Aus Limburg kommt die Kunde, daß nun auch S.E. Karl Kardinal Lehmann in das Kesseltreiben der vereinigten Deutschkatholiken und Kirchenfeinde gegen Bischof Tebartz einstimmt und kaum verholen dessen Abberufung fordert. Und in der Tat sind die in Spiegel, Frankfurter Rundschau und Frankfurter Allgemeine ad nauseam widerholten Vorwürfe ja ungeheuerlich: Ein bereits vom Vorgänger eingeleitetes und vom Denkmalschutz und den üblichen Überraschungen verteuertes Bauprojekt habe viel Geld verschlungen, das man besser „den Armen“ gegeben hätte; der Bischof verbrenne zuviel Weihrauch und lasse die Gläubigen unangemessener Weise knien - und im übrigen sei er nicht sensibel genug im Umgang mit den Los-Von-Rom-Propagandisten seines Sprengels. Dazu noch inkompatibel zu den Zeitgeistmedien.

Nun ja, wenn man den Limburger so auf dem Bildschirm sieht, möchte man schon glauben, daß er bald ins Gras beißt. Wieder einer erlegt.

Szenenwechsel. Aus Rom gibt es Nachrichten von dem Kapuziner, der zum Kommissar über die Franziskaner der Immakulata eingesetzt worden ist. Zur Erinnerung: Die Kapuziner sind der Orden, der im Reformtaumel so abgewirtschaftet hat, daß er weltweit innerhalb eines Menschenalters drei Viertel seiner Mitglieder (durch Absterben ohne Neuberufungen) verloren hat und den größten Teil seiner Niederlassungen aufgeben mußte. Um die von Berufungen reichlich gesegneten, freilich gegenüber der Reformbegeisterung zögerlichen Immakulata-Franziskaner jetzt auch der Segnungen des Zusammenbruchs teilhaftig werden zu lassen, hat der Papstkommissar jetzt eine geniale Maßnahme ergriffen: Von den 600 Mitgliedern des Ordens ernannte er nun einen der 5 Dissidenten, die sich gegen die Pflege der überlieferten Liturgie im Orden gewehrt hatten, zum „Generalsekretär“ mit unbegrenzten Vollmachten. Der smarte Alfonso Bruno wird den Laden schon auf Null bringen, während ringsum Lobgesänge auf den neuen Frühling und die neue Demut erschallen.

Am gleichen Tag hält im Gästehaus S. Martha der Bischof von Rom eine Morgenpredigt in der von ihm inzwischen gewohnten Technik der freien Assoziation über drei Punkte. Dabei entdeckt er in der liturgischen Praxis der Kirche des 21. Jahrhunderts eine Tendenz zum Triumphalismus und auch deren Ursache: Das komme daher, daß man nicht wirklich an den auferstandenen Christus glaube, sondern eine Auferstehung aus eigener Machtvollkommenheit inszenieren  wolle. Apart. „Vexilla Regis prodeunt“ nur ein falscher Schein? Venantius Fortunatus ein glaubensschwacher Zweifler, der sich an selbst geschwungenen Bannern hochzieht?

Es verschlägt einem die Sprache.

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