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Paulus aktuell

Der 25. Januar ist seit alters her und auch nach dem aktuellen Kalender der Kirche der Gedenktag der Bekehrung des hl. Paulus. Vom Blitz der Liebe und der Gewalt Gottes getroffen gab, der eifrige Christenverfolger auf Dienstreise von Jerusalem nach Damaskus von einer Sekunde zur anderen seine bisherigen Gewissheiten auf, kehrte um und begab sich auf einen Weg, der ihn zunächst zum Apostel vieler Städte und Völker werden ließ und schließlich zum Martyrium nach Rom führte. In der alten Kirche wurde er als „der Apostel“ schlechthin angesprochen; wie kein anderer hat er dazu beigetragen, daß die Lehre des Gekreuzigten und Auferstandenen sich innerhalb weniger Jahrzehnte wie ein Flächenbrand im ganzen östlichen Mittelmeerraum verbreitete. Fast mehr noch als die Namen der Evangelisten selbst steht sein Name für die Evangelisierung, die Verkündigung der frohen Botschaft von der Überwindung von Sünde und ewigem Tod für die Menschen aller Zeiten und Länder.

Das Tagesgebet würdigt die überragende Stellung des Paulus unter den Verkündern des Glaubens mit den Worten:

O Gott, Du hast die ganze Welt durch die Predigt des hl. Apostels Paulus belehrt; wir bitten Dich, gib uns, die wir heute seine Bekehrung feiern, die Gnade, seinem Beispiel folgend Dir entgegenzuschreiten.

Das Missale des Novus Ordo greift den überlieferten Wortlaut auf und versucht sogar noch, ihn zu erweitern und für das moderne Verständnis zu präzisieren. In der deutschen Fassung von Schott-Online:

Gott, du Heil aller Völker, du hast den Apostel Paulus auserwählt, den Heiden die frohe Botschaft zu verkünden. Gib uns, die wir das Fest seiner Bekehrung feiern, die Gnade, uns deinem Anruf zu stellen und vor der Welt Deine Wahrheit zu bezeugen.

Soweit die Theorie. Die großen „katholischen“ Webseiten Deutschlands wie katholisch.de, kirche+leben.de, domradio.de und die Webauftritte der großen Diözesen usw. erwähnen den Festgedanken und -auftrag des heutigen Tages mit keinem Wort. Und das Zeugnis der Wahrheit bestenfalls in Spurenelementen auf den hinteren Seiten.

Weltuntergangsängste in Rom

Animation der einstürzenden Peterskuppel - gefunden http://lifeafterpeople.wikia.com/wiki/St._Peter%27s_BasilicaBringt Franziskus das Ende der Kirche, wie wir sie kennen? So fragt ungewohnt alarmistisch die neueste Ausgabe von „MondayVatican“. Der Journalist Andrea Cagliarducci ist einer der kenntnisreichsten, aber auch einer der zurückhaltendsten Vaticanistas Italiens. In seinen auf „MondayVatican“ publizierten Analysen ist er stets bemüht, den handelnden Personen nur den besten Willen zu unterstellen, manches klang in der Vergangenheit nach Schönfärberei. Umso irritierender also, wenn er jetzt konstatiert, im Vatikan breite sich Weltuntergangsstimmung aus und Franziskus eile in großen Schritten darauf zu, der Kirche, wie sie zweitausend Jahre bestanden habe, das Ende zu bereiten.

Ausgangspunkt des aktuellen Alarmrufs sind die anscheinend weit gediehenen Pläne für die Abschaffung der Präfektur des päpstlichen Haushalts, deren Bedeutung nach Cagliarduccis im Artikel überzeugend begründeten Ansicht weit über eine bloße untergeordnete Administration hinausgeht – auch wenn sie in den letzten Jahren praktisch genau darauf reduziert worden sei.
Die Präfektur des päpstlichen Haushaltes ist danach von Papst Paul VI. in der Absicht zur Wahrung der Kontinuität als „modernisierte Fassung“ des tief in die Geschichte zurückreichenden päpstlichen Hofes eingesetzt worden und habe wie dieser die Aufgabe gehabt, die spirituelle Wirklichkeit rund um das Papstamt zum Ausdruck zu bringen: Jede Aktion und jede Geste des regierenden Pontifex wären mit einer religiösen Bedeutung verbunden gewesen:

Falls der päpstliche Haushalt verschwinden würde, ginge diese historische religiöse Bedeutung verloren. Jeder Besuch eines Staatsoberhauptes beim Papst würde dann auf das diplomatische Protokoll ohne Rückbindung an dessen spirituellen Hintergrund reduziert. Alles wäre nur noch Verwaltungssache in einem rein weltlichen Sinne. Und dabei ist (unterstellt Gagliarducci) Weltlichkeit doch der Teufel, den Franziskus am heftigsten bekämpft.

Weltlichkeit hat letzten Endes keine Beziehung zum Gebrauch von Symbolen. Weltlichkeit tritt ein, wenn man Symbole nicht mehr beachtet und als bloße Überreste von Vergangenem bertrachtet. Aber in der Kirche gibt es keine bloßen Überreste von Vergangenem – alles hat seinen (spirituellen) Sinn.

In diesem Sinne – Cagliarducci belegt das mit lesenswerten Zitaten – habe Paul VI. den päpstlichen Haushalt als Nachfolger des päpstlichen Hofes erhalten wollen, „um eine würdige Körperschaft und nützliche Einrichtung der Verbindung zum Stuhl Petri, dem geistlichen Mittelpunkt der Katholischen Kirche und dem Sitz des Vikars Christi auf Erden“ zu gewährleisten. Damit habe er „einerseits den seinem Wesen nach spirituellen Auftrag des römischen Papstamtes und andererseits dessen Funktion im gesellschaftlichen und staatlichen Bereich“ unterstreichen wollen.

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„Wozu sind wir auf Erden?“

Montage aus eigenen AufnahmenMit dem heutigen Tag stellen wir Summorum Pontificum einen neuen Leitsatz voraus: Das erste Frage-Antwort Paar aus dem „Grünen Schulkatechismus“ der deutschen Bistümer in den 50er Jahren:

Wozu sind wir auf Erden? - Wir sind auf Erden, um Gott zu erkennen, ihn zu lieben, ihm zu dienen und einst auf ewig bei ihm zu leben.“

Mit dieser Frage und der darauf gegebenen Antwort hat es eine ganz eigenartige Bewandnis: Die Frage, vielleicht etwas „zeitgemäßer“ formuliert, wird von vielen offen aufgenommen werden und kann den Ausgangspunkt für ein Gespräch oder für stilles Nachdenken bilden. Die Buchhandlungen quellen über von Büchern, die genau darauf Antwort geben wollen. Doch die Antwort aus dem Katechismus kann zu Beginn des dritten nachchristlichen Jahrhunderts kaum auf positive Reaktion rechnen. Die meisten werden sie verständnislos zur Kenntnis nehmen und das Gespräch möglichst schnell beenden. Andere werden nachgerade aggressiv reagieren und den Antwortgeber vielleicht sogar für verrückt erklären: Für so einen Quatsch haben sie keine Zeit; so kann man ihnen doch nicht kommen, nicht im Jahre 2019 – ein Gespräch kommt erst gar nicht in Gang.

Irgendwann in den Jahren zwischen 1955 und 1968 hat der katholische Mainstream insbesondere in Deutschland die dahin gehende Entwicklung akzeptiert. Er meidet es nach Möglichkeit das Begriffspaar „Erde – Himmel“ anzusprechen. Auch die Gotteserkenntnis steht nicht hoch in Kurs – damit sollen sich die Theologen befassen. Natur ist alles - „Übernatur“ ist unfassbar und unbegreiflich geworden. Der anthropozentrische Christ, wie er nach jahrzehntelangem Verpuppungsstadium im letzten Jahrzehnt in voller Schönheit sichtbar geworden ist, steht mit beiden Füßen auf der Erde. Gott, den er nicht sieht, „liebt“ er in einem mehr oder weniger beliebig bestimmten Nächsten, den er sehen kann – und sei es nur im Fernsehen. Sein Dienen gilt der Erde, deren menschenwürdige Gestaltung und Verbesserung er als seine eigentliche Aufgabe begreift. Über das ewige Leben und den Himmel wird er später einmal nachdenken, falls er diese Begrifflichkeit nicht als Ablenkung von seiner eigentlichen Aufgabe durchschaut hat.

Das Merkwürdige daran ist, daß der Versuch, den modernen Menschen in den Mittelpunkt des Glaubens zu stellen, letztlich nur dazu geführt hat, daß dieser Mensch sich voll Unverständnis und oft nur noch gelangweilt von dieser ihm angeblich auf den Leib geschnittenen Religion abwendet.

Gottesdienst ist unter diesen Umständen und in diesem Teil der Kirche hauptsächlich gemeindliche Aktivität. „Liturgie“ in ihrer Besonderheit und all das, was über den irdischen Horizont hinaus auf ein ewiges Leben verweisen könnte, sind schlichtweg kein Thema – das haben zahllose Artikel, Predigten und Erklärungen von Oberhirten zu Weihnachten und zum Jahreswechsel noch einmal auf bestürzende Weise deutlich werden lassen. Der neue Leitsatz versteht sich auch als Erinnerung daran, in welchem Kontext allein sinnvoll von Liturgie geredet werden kann. In der Liturgie erkennen wir Gott, wir dienen ihm, wir zeigen ihm unsere Liebe und wir nehmen das Leben mit ihm symbolisch schon vorweg.

Eine Woche "katholisch.de"

Bild: Holger Hollemann/dpa - aus dem im Beitrag zitierten Artikel des KStAIn rasender Geschwindigkeit entfernt sich „katholisch.de“ von allem, was man vor dem großen Bruch für zentrale Elemente katholischer Lehre und katholischer Identität gehalten hätte. In der vergangenen Woche brachte das „Sprachrohr“ der deutsch-katholischen Kirche neben linksgründen Trivialthemen wie einem Aufruf zu verantwortungsbewußtem Konsum oder der Mitteilung, daß die Linksfraktion im Bundestag mit ihrem Vorstoß für ein Weihnachtskindergeld gescheitert sei fast an jedem Tag einen oder mehrere Beiträge, die demonstrieren, wie weit der Weg in die Apostasie schon vorangekommen ist.

Letzten Samstag, den 8. 12., platzierte Redakteur Roland Müller unter der Überschrift „Afrika: Warum die Kirche Homosexuelle diskriminiert“ eine heftige Kritik am afrikanischen Kardinal Polycarp Pengo. Der hatte sich seinerseits gegen Bestrebungen gewandt, wirtschaftliche Zusammenarbeit mit afrikanischen Ländern davon abhängig zu machen, daß diese westliche Vorstellungen zur sexuellen Libertinage übernehmen sollten. Homophobie, Zynismus und Machtpolitk warf dieser Müller dem Kardinal vor, ohne auch nur einen Nebensatz darauf darauf zu verwenden, daß es in dieser Sache ja nicht nur um Moden des Zeitgeistes, sondern auch um göttliche Satzung geht.

Am Montag den 10. feierte Anna Fries von der KNA unter dem Titel „Warum die Kirche gegen die Menschenrechtserklärung war“ den 70. Jahrestag der Verabschiedung der Erklärung in der UNO. Die in der Überschrift gestellte Frage beantwortet sie unter Berufung auf einen Trierer Theologen dahingehend, „damals“ hätte die Kirche Religions-, Presse- und Meinungsfreiheit als unvereinbar mit dem kirchlichen Wahrheitsanspruch betrachtet. „Dahinter stehe der Gedanke, dass es eine von Gott geoffenbarte Wahrheit gebe, die allein der Kirche anvertraut sei.“ DAS KONZIL habe ein Abrücken von dieser Haltung eingeleitet, doch „bis heute“, so der in vorwurfsvollem Ton daherkommende Schlußsatz, „gelten auf dem kleinen vatikanischem Staatsgebiet ... weder die Religionsfreiheit noch die Rechte-Gleichheit von Mann und Frau.“

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Passau auf der schiefen Ebene

Bild: katholisch.de - aus dem im Text genannten ArtikelAls Essens Bischof Franz-Josef Overbeck kürzlich eine Weiterentwicklung der katholischen Sexualmoral nach Maßgabe der modernen Wissenschaft forderte, waren wir nicht sonderlich überrascht. Overbeck hatte gemeint, die Kirche müsse die Frage beantworten, was Erkenntnisse aus anderen Wissenschaften zu Homosexualität, zu Gender-Fragen oder zu den Rollen von Mann und Frau für die Theologie bedeuten. Die „Wissenschaft“ oder das, was gerade dafür ausgegeben wird, als Lehrmeisterin der Theologie – das ist eine wohlbekannte Vorstellung des zum Atheismus tendierenden Modernismus (Kardinal Müller) von Anfang an.

Aus Essen haben wir ähnlich Unerfreuliches letzthin schon öfter gehört, aber nun scheint auch der Passauer Kollege Oster ins gleiche Horn zu stoßen. Zwar bekennt er sich in einem aktuellen Beitrag auf der Internetseite seines Bistums zunächst zur geltenden Lehre der Kirche, wenn auch nur in reichlich gewundenen Worten. Doch dabei drängt sich immer stärker die sogenannte „Lebenswirklichkeit der Menschen“ in den Vordergrund – während die anscheinend aus einer anderen Lebenswirklichkeit herrührende Lehre der Kirche hinter dem Horizont zu verschwinden scheint – und ebenso Gottes Gebot, in dem diese Lehre gründet. Offen in Frage stellen will Oster dieses Gebot nicht – aber mit einigem begrifflichem Aufwand sucht er nach Relativierungsmöglichkeiten, und schließlich findet er sie.

Der Weg auf dem dies geschieht, ist irritierend. Oster stellt sich die Frage, inwieweit die Sexualität ein „Lernfeld für die Kirche“ sei – schließlich hören wir ja sehr viel von der zuhörenden Kirche, worunter wir ja wohl einer Kirche zu verstehen haben, die mehr auf die Menschen als auf Gott hört. Und hat diese zuhörende Kirche nicht erst kürzlich gelernt, daß die Todesstrafe mit der Würde des Einzelnen nicht zu vereinbaren ist – und entsprechend ihre Lehre im Katechismus geändert?

Dem Verweis auf diesen Präzedenzfall folgt bei Oster dann zunächst eine erneute Bekräftigung der bestehenden Lehre: „Nicht wir können festlegen, was Gott für wertvoll zu halten und insofern zu segnen hat. Sondern Gott lädt uns ein, uns an Ihm zu orientieren und alle unsere Suche nach Werten an Ihm auszurichten.“ Doch wie das mit „Einladungen“ so ist – man kann sie auch ausschlagen – und letztendlich ist das doch wohl auch das gute Recht jedes Einzelnen. Und so landet Oster dann nach mehrfachem Hin und Her dabei, die „Sünde“ in Anführungszeichen zu setzen als etwas, das nicht per se schlecht ist, sondern „als ‚sündig‘ qualifiziert ist“.

Das mag noch im Rahmen der modernen Ambivalenz bleiben, die anscheinend immer mehr zum Grundbestand einer „pastoral“ ausgerichteten Lehre zu werden scheint, die sich nur noch in der Theorie an dem in der Tradition überlieferten Gebot Gottes orientiert. Doch ganz am Schluß öffnet der Bischof dann ein Fenster, das es einer (besseren?) Zukunft ermöglichen könnte, sich auch von dieser Restbindung zu befreien. Eine „neue Anthropologie“ - die er freilich noch nicht sähe – könnte dazu führen, daß auch solche Beziehungen für gut befunden und gesegnet werden könnten, bei denen das heute noch nicht der Fall ist. So könnten dann auch Lebenssituationen kirchlicherseits „ehrlich ermutigt“ werden, „die nicht einfach oder ausschließlich von einem Standpunkt des Glaubensgesetzes her beurteilt oder gar verurteilt werden können“. Neue Anthropologie, kommt sie nur überzeugend genug daher, schlägt alten Glauben? Ansatzpunkte dazu könnte ja vielleicht der Moraltheologe Kruip liefern.

Was bei Bischof Oster noch mit vielem Wenn und Aber, Einerseits und Andererseits daherkommt, bringt katholisch.de auf die kommode Formel:

Lebensformen außerhalb dessen, was die Kirche unter Ehe verstehe, könnten bislang nicht offiziell gesegnet und damit gutgeheißen werden, betont Passaus Bischof Stefan Oster. Doch eine Änderung wäre möglich.“

Mag sein, daß die Autoren von KNA den Bischof damit ein wenig überinterpretieren. Doch im Prinzip haben sie ihn wohl schon richtig verstanden. Das Gesetz der schiefen Ebene ist ebenso wenig hintergehbar wie das der Schwerkraft.

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