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Administrative Reduktion des Priestertums

Bild: Wikimedia CommonsDer Trierer Bischof Ackermann war in der ersten Juni-Woche in Rom, um dort mit der Kurie über seine vom Vatikan gestoppten Pläne zur Bistumsreform zu sprechen. Kernstück dieser Reform  ist in der öffentlichen Berichterstattung die geplante Reduzierung der bislang 887 zum Teil sehr kleinen Pfarreien des Bistums auf 35 Großpfarren. Die ersten 15 davon hatte Ackermann bereits im vergangenen Herbst errichtet, war dann jedoch aus Rom gestoppt worden. Seitdem liegt die Reform auf Eis. Daß an die 900 Pfarreien herkömmlichen Typs bei derzeit noch 229 Diözesanpriestern(die allerdings von 95 Ordenspriestern unterstützt werden) nicht auf Dauer zu halten sind, liegt auf der Hand, zumal auch die noch Aktiven größtenteils nicht mehr weit von der Altersgrenze (für Priester 75 Jahre) entfernt sind und in den letzten 10 Jahren gerade einmal 22 oder 23 im Bistum ausgebildete und geweihte Neupriester dazu kamen.

Die zahlenmäßige Reduzierung ist die auffälligste, in ekklesiologischer Sicht jedoch nicht die tiefgreifendste Seite des geplanten Umbaus. Pfarreien sind schließlich nicht nur Verwaltungsbezirke auf einer Landkarte, in denen die „Grundversorgung“ mit Gottesdiensten und Sakramenten irgendwie organisiert werden muß. Pfarreien sind Einheiten der Seelsorge, in denen die Priester neben der „Grundversorgung“ auch eine väterliche Fürsorge für die Gläubigen übernemen, um diese als „Seelenführer“ bei dem zu unterstützen, was letztlich den Kern jeder Seelsorge ausmacht: Sie und ihre Familien auf dem Weg durch diese vorläufige Welt zu begleiten und ihnen zu helfen, die ewige Heimat zu erreichen. Schwierig war das immer, aber heute ist es besonders anspruchsvoll.

Die entsprechenden Fähigkeiten und der darauf gerichtete Wille sollten auch als Kernkompetenz im Theologiestudium vermittelt werden, in dem doch seit jahrzehnten – zumindest dem Namen nach – die „Pastoral“ eine so dominierende Rolle spielt. Umso irritierender ist es, daß nach den Trierer Planungen die meisten Priester in Zukunft auf den Status von „Hilfsgeistlichen“ reduziert werden, die nicht nur wie ehedem die Kapläne von einem Pfarrer angeleitet, sondern von einem Dreiergremium „administriert“ werden, in dem zwei Laien den nominell noch als Pfarrer bezeichneten Ratsvorsitzenden der Großpfarrei jederzeit überstimmen können – von den ganzen anderen Gremien der künftigen Großstrukturen ganz zu schweigen. 

Genau gegen diese Reduzierung der Mehrzahl der Priester zu Verwaltungsangestellten, die von laiendominierten Gremien, Räten, Ausschüssen und Stuhlkreisen abhängig sind, richtet sich der Römische Widerspruch in der Hauptsache. So zeitgeistaffin und wenig glaubenstreu einige Sektionen der Kurie im gegenwärtigen Pontifikat auch agieren mögen – diese Entkernung und Aushöhlung des Prietserbildes ist dort anscheinend nicht zustimmungsfähig. Vielleicht sieht man dort auch klarer als in Trier, daß eine derartige Reduktion des Priesteramtes die Bereitschaft, einer dahin gehenden Berufung zu folgen, noch weiter verringern müßte – oder sollte genau das die Absicht hinter den Planungen der Ackermann & Co sein?

Wie auch immer – die Betreiber der nur notdürftig als „Reform“ verkleideten Zerstörung der römischen Kirche reagieren gereizt auf das vermutlich letztlich doch wie bisher noch immer überwindbare „so nicht“ aus dem Vatikan. Der Münsteraner Kirchenrechler Schüller, der dem Vernehmen nach maßgeblich an den Trierer Planungen mitgewirkt hat, will den Monita durch einige sprachliche „Präzisierungen“ hinsichtlich der Leitungsgewalt der Pfarrer in den neuen Großgemeinden entgegen kommen und erklärt im Übrigen die römischen Einwände gegen die Größe der geplanten Neo-Pfarreien für unerheblich: Die Entscheidung darüber liege nicht in Rom, sondern sei „allein Aufgabe des Ortsbischofs“. Der wirds dann schon richten - im Geist des Synodalen Weges, versteht sich.

Die Lust zur Konfrontation mit Rom ist ungebrochen. Aber was wäre auch anderes von Kirchenführern zu erwarten, die 500 Jahre nach Luther daran gehen, das von diesem begonnene Zerstörungswerk zu vollenden.

Wohin geht die Deutschkirche?

Bild: ScreenshotWer es bisher noch nicht wusste, findet erschöpfende Antwort auf diese Frage in zahlreichen Beiträgen, die in dieser Woche auf katholisch.de zu lesen waren. 

Erfreulicher – für die Redaktion – Auftakt der Woche war die mit der Abbildung einer merkwürdigen Versammlung im Dom zu Limburg illustrierte Nachricht (hier unser Kommentar), daß Kardinal Koch auf Dauer keine Koexistenz von Alter und Neuer Messe sehen kann. Im Vertrauen gesagt: Wir auch nicht.

Am Dienstag wurde dann der „Standpunkt“ vorgetragen: Aus der Sonntagspflicht sollte eine Einladungf zur Sonntagstreue werden“. Das hat was: Wenn schon die Verpflichtung zur ehelichen Treue nurmehr als Einladung verstanden wird, wäre es ungerecht, quasi ein Verstoß gegen das Gebot der Gleichstellung, dem Sonntagsgottesdienst eine bevorzugte Stellung einzuräumen. Die Tübinger Dogmatikerin (selten so gelacht) Johanna Rahner untermauert das gleichen Tags theologisch: Es gibt keine ewigen Wahrheiten, sind doch „Glaubensinhalte und Kirchenlehren nicht unveränderlich“.

Bei soviel kirchlichen Themen darf der Blick in die Welt nicht fehlen. Der bekannte konservative amerikanische Think-Tanker Steve Bannon hat in Italien ein aufgegebenes Kloster angemietet, um dort, wie katholisch.de undwiderstehlich formuliert, eine Akademie für Rechtspopulismus“ zu errichten. Sowas geht ja nun gar nicht, und deshalb hat eine rote Regionalregierung versucht, den Mietvertrag zu annullieren. Bannons Trägerverein klagt dagegen und hat jetzt bereits in zweiter Instanz Recht bekommen – die deutschen Linkskatholiken sind fassungslos. Apropos Auslandsberichterstattung: Wann haben wir bei katholisch.de eigentlich zum letzten Mal etwa über den in islamischen Ländern so beliebten Sport des Christenschlachtens gelesen? Wirklich erst im Dezember letzten Jahres? Seitdem alles in Butter auf‘m abrahamitischen Kutter?

Am Mittwoch war es ruhig in der Redaktion, aber am Donnerstag, da legten sie sich wieder mächtig ins Zeug:

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„Aufgefahren in den Himmel“

Bild: Netzfund auf PinterestZur Einstimmung auf das Fest Christi Himmelfahrt belehrt uns Thomas Jansen auf „katholisch.de“ zu Anfang dieser Woche folgendermaßen:

Während an Ostern die Auferstehung Christi gefeiert wird, geht es an Christi Himmelfahrt um seine "Erhöhung", wie die Theologen sagen. Gemeint ist das im übertragenen Sinne: Das Fest erinnert nicht an ein historisches Ereignis aus dem Leben Jesu. Es geht nicht darum, dass er in die Wolken abhebt. Die Himmelfahrt illustriert vielmehr eine theologische Aussage: Jesus hat Teil an der Herrschaft Gottes und ist ihm so nahe wie kein anderer.“

In der Tonart geht es dann weiter – kaum ein Stehsatz aus der Mottenkiste protestantischer historisch-kritischer Bibellektüre des 19. Jh. (und damit also des aktuellen Standes deutschkatholischer Universitätstheologie) bleibt unrecycelt. Dabei darf natürlich auch der Hinweis nicht fehlen, die ganze Erzählung finde sich ja nur in einem von vier Evangelien und trage alle Zeichen einer nachträglichen Einfügung. Geschenkt. Stünde das in der FAZ, als deren Redakteur Jansen derzeit angestellt ist, würde man derlei mit Kopfschütteln über den Niveauverlust des Blattes zur Kenntnis nehmen. Auf der von den deutschen Bischöfen mit vielen Millionen jährlich alimentierten Seite mit dem anspruchsvollen Titel ist mehr als Kopfschütteln angebracht.

Das umso mehr, als Autor Jansen dort auch schon mal ein Jahr lang als Chef vom Dienst gejobbt hat – man muß also befürchten, daß der Mann dem Geist des Hauses (fast hätten wir geschrieben „genius“) noch näher steht als die ohnehin schon geringe geographische Entfernung zwischen Bonn und Frankfurt vermuten läßt.

Das ist keine bloße Unterstellung. Im Text findet sich die vermutlich von der Redaktion hinzugefügte Zwischenüberschrift „Keine Himmelfahrt in der Alten Kirche“ die  suggeriert, die ganze Vorstellung sei eine spätere Erfindung des finsteren Mittelalters. Jansens Text selbst behauptet nur, es habe im Frühchristentum kein eigenes Fest der Himmelfahrt gegeben – das sei erst im Laufe des 4. Jahrhunderts bezeugt. So macht man man aus einer möglicherweise korrekten Aussage über das Fest eine Tatsachenbehauptung über die frühe Theologie – Fakenews vom feinsten und mit Bischöflichem (Geld)Segen. Was das „bezeugt“ hinsichtlich des Festes betrifft, mag das durchaus seine Richtigkeit haben – bis zum 4. Jahrhundert sind die „Zeugnisse“ aus der Zeit der Christenverfolgungen insgesamt spärlich. Doch schon in den frühesten Glaubensbekenntnissen der soeben befreiten Kirche steht das „aufgefahren in den Himmel“ an prominenter Stelle. Es gehört ganz ohne Zweifel zum ältesten Glaubensgut der Kirche und ist seit jeher verpflichtender Glaubensinhalt für alle Katholiken. 

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Sakramente - die Seele der Kiche

Bild: Staatl. Kunsthalle Karlsruhe, Creative CommonsSeit gut einem Jahr wird uns zunehmend deutlich, daß die verschiedenen „Reformkonzepte“ des Modernismus nicht nur auf eine Verwässerung von Lehre und Disziplin der Kirche abzielen, sondern den Wesenskern der Kirche selbst beeinträchtigen: Ihre sakramentale Natur und die darin begründeten Sakramente selbst. Einer der ersten, die diesen Angriff in seiner ganzen Reichweite erkannt haben, war der unermüdliche Msgr Nicola Bux, dessen bereits 2016 erschienenes Buch „Con i Sacramenti non Si Scherza“ 2019 bei der Edition Una Voce auch auf Deutsch erschienen ist: Mit den Sakramenten spielt man nicht.

Ziele des Angriffs waren in den vergangenen Jahren vor allem zwei Sakramente. Zum einen wurde der Hauptinhalt der Ehe, die auf Fortpflanzung ausgerichtete lebenslange Gemeinschaft eines Mannes und einer Frau, aggressiv in Frage gestellt. Zum anderen wurde das Sakrament der Weihe relativiert. Dessen doch gerade erst vom 2. Vatikanischen Konzil festgestellte Dreigliedrigkeit erweist sich nun als Hindernis für die Einführung eines Frauendiakonats – das seinerseits nur die Eingangsstufe eines „Frauenpriestertums“ und die damit verbunden Aufhebung des Weihepriestertums überhaupt darstellt.

Die Sakramente der Beichte sowie der Krankensalbung werden weniger offensiv bekämpft; sie verschwinden durch offenbar absichtsvolle Vernachlässigung und Verflachung allmählich aus dem Bewußtsein der Gläubigen. Die Eucharistie erscheint auf den ersten Blick unangefochten; Antreten zum Empfang der Oblate ist geradezu Pflichtelement jedes Sonntagsgottesdienstes geworden, wobei freilich in Liturgie und Katechese immer weniger verdeutlicht wird, worum es sich bei diesem „geweihten Brot“ eigentlich handelt und daß es zum Empfang des Leibes des Herrn besonderer Bedingungen bedarf.

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Sonntagsmesse in Zeit der Not

Bild: Aus dem genannten Artikelder 'Tagespost', Phpto: Jakob Alktenhofer

Am 1. Mai haben wir in der Randspalte kurz Stellung zum „Schuldbekenntnis“ der deutschen Bischöfe genommen, die zum Auftakt des Gedenkens an das Ende des 2. Weltkrieges in Europa vor 75 Jahren praktischerweise ihre damaligen Vorgänger beschuldigten, nicht genug gegen den Krieg getan zu haben – ein überaus komfortables Verfahren, sich 75 Jahre nach den Ereignissen auf der Seite der „Guten“ zu inszenieren. Inzwischen hat sich der gelernte und ein Leben lang auch praktizierende Geschichtswissenschaftler Walter Kardinal Brandmüller des Skandals angenommen und in der Tagespost eine glänzende Gegenrede zum Zeitgeistbekenntnis der Bischofskonferenz veröffentlicht. Sein Einwurf besteht aus zwei Hauptteilen:

Im ersten hält der Kardinal den Autoren des Papiers ein Seminar für Erstsemester, in dem er sie in die Grundbegriffe dessen einführt, was Geschichte ist und wie man darüber schreiben oder auch nicht schreiben kann. Der zweite Teil beginnt mit der Zwischenüberschrift: „Auch über uns könnte man irgendwann zu Gericht sitzen“ und zählt einige Punkte auf – Empfängnisverhütung, Abtreibung, Frauenweihe – in denen der deutsche Episkopat in seiner Sucht nach Zeitgeist-Kompatibilität vom ewigen Gesetz Gottes abgewichen ist, ohne im Geringsten zu bedenken, welche Folgen das für die Fehlgeleiteten, vor allem aber für die ungetreuen Hirten haben kann und wird. Die Lektüre des Textes ist sehr zu empfehlen.

Hier noch einige Gedanken zu dem oben wiedergegebenen Bild des Militärphotographen Jakob Altenhofer, mit dem die Redaktion den Text Brandmüllers illustriert hat. Es zeigt wie wenige andere die Unübersichtlichkeit der Verhältnisse nicht nur dieses schrecklichen Krieges – und die Unangemessenheit jedes Versuches, dem mit zeitgeistglatten Verlaubarungen gerecht zu werden.

Schauplatz ist ein Dorf in der besetzten Ukraine, die Scheune im Hintergrund ist wohl infolge der Kämpfe beschädigt. Viele Teilnehmer hat der Gottesdienst nicht, es mögen zwei Dutzend sein, hauptsächlich Mannschaften, einer anscheinend mit Kopfverband. Der Priester Theodor Lotz trägt als Militärgeistlicher nominell Offiziersrang – gehören er und der Bischof, der ihn in dieses Amt geschickt hat, zu den Mitschuldigen und Kriegsverbrechern? Und die Soldaten selbst, die ja nicht nur mitgereist sind, sondern auch mitgekämpft und mitgeschossen haben, um bis hierhin zu kommen?

Mindestens ebenso groß wie die Zahl der Soldaten erscheint die der im Hintergrund sichtbaren Dorfbewohner, nahezu ausschließlich Frauen. Die Männer sind zum Teil mit der damals fast besiegten Roten Armee auf dem Rückzug, andere wurden von den Soldaten der Wehrmacht bei deren Vormarsch getötet oder verwundet, wieder andere sind mit den Partisanen in den Wäldern und werden bei nächster Gelegenheit auf jeden Träger einer deutschen Uniform schießen – ohne zu fragen, ob er bei einem Einsatzkommando oder beim Feldgottesdienst war. Höchst wahrscheinlich ist auch die Teilnahme am Gottesdienst selbst gefährlich. Für die Soldaten, weil Militäransammlungen im modernen Krieg auch sonntags als legitime Ziele gelten, für die Zivilisten, weil man ihnen ihre Anwesenheit als „Kollaboration mit dem Feind“ auslegen könnte.

Was sie dennoch gemeinsam auf diesen Platz geführt hat und und in die Knie sinken läßt, das ist neben der Ehrfurcht vor dem überall und immer wieder gegenwärtigen und gekreuzigten Herrn das Bewußtsein: „Wir können ohne den Sonntag nicht leben“. Also exakt jenes Bewußtsein, das den sich nun so selbstherrlich als Ankläger aufspielenden Bischöfen offenbar abhanden gekommen ist.

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Einem Beitrag des Historikers Eduard Werner (Forum Deutscher Katholiken) in kath.net müssen wir entnehmen, daß die Deutschen Bischöfe bzw. ihre Ghostwriter und ihre Gallionsfiguren Bätzing und Willmer samt Ghostwritern nicht nur (siehe oben) keine Ahnung von historischer Methode haben, sondern auch des Lesens unkundig sind. Oder bei Abfassung ihrer Denkschrift zur Anschuldigung ihrer Vorgänger bewußt verlogen und böswillig vorgegangen sind. Passt alles.

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