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Keine Liebe ohne Wahrheit

Bild: Reuters/Tony GentileDie Versuche im deutschen Episkopat, einen „Segnungsritus“ für homosexuelle Lebensabschnittsgemeinschaften zu etablieren, haben auch international Aufmerksamkeit gefunden und stoßen dort überwiegend auf entschiedene Ablehnung. In den USA werden entsprechende Forderungen bislang fast ausschließlich von den bekannten Aktivisten erhoben - für sie sind die Anstöße aus Deutschland willkommene Unterstützung. Erzbischof Chaput von Philadelphia erteilte allen dahingehenden Überlegungen unter ausdrücklicher Nennung des schlechten Beispiels seiner deutschen Amtsbrüder eine klare Absage.

Im Blog von Fr. Zuhlsdorf ist nun eine nicht-amtliche deutsche Übersetzung des in der Bistumszeitung erschienene Beitrags erschienen, wir zitieren den Hauptteil der Argumentation: 

Es gibt keine Liebe, keine Nächstenliebe, ohne Wahrheit. Genauso gibt es keine wahre Barmherzigkeit ohne Gerechtigkeit, die beseelt und geführt wird von der Wahrheit. Andererseits ist Wahrheit, die missbraucht wird, um andere zu demütigen; Wahrheit, die keine Geduld und Liebe aufweist, eine besonders hässliche Form von Gewalt.

Was also ist der Sinn dieser Ausführungen?

Im Lauf der letzten Wochen haben einige gewichtige Stimmen der Hierarchie der Kirche in Deutschland vorgeschlagen (oder es zumindest angedeutet), einen katholischen Ritus für die Segnung von gleichgeschlechtlichen Paaren, die zivil verheiratet oder eine solche zivile Ehe anstreben, zu unterstützen. Oberflächlich mag diese Idee großzügig und vernünftig klingen.

Allerdings ist – und so sollte es sein! – die Unbesonnenheit solcher öffentlicher Kommentare Grund für ernste Besorgnis. Es bedarf einer Antwort, denn was die Realität in einer Ortskirche betrifft, wirkt sich unvermeidlich auch auf andere Teile der universellen Kirche aus – gegebenenfalls sogar auf unsere Diözese.

Im vorliegenden Fall würde ein “Segnungsritus” einen moralisch verbotenen Akt unterstützen, egal wie aufrichtig die Intentionen der Person sein mögen, welche einen solchen Segen erbittet. Ein solcher Ritus würde das katholische Zeugnis bezüglich der Natur von Ehe und Familie völlig aushöhlen. Er würde die Gläubigen verwirren und zu falschen Annahmen führen. Und es würde die Einheit unserer Kirche verletzen, denn so ein Vorgehen kann man nicht ignorieren oder beschweigen.

Warum aber würde ein scheinbar so barmherziger Akt ein so großes Problem hervorrufen? Personen in bestimmten Lebenssituationen zu segnen, ist praktisch eine Ermutigung zu und Bestärkung in dieser Situation – in diesem Fall gleichgeschlechtliche Beziehungen. Die gesamte christliche Geschichte hindurch war und ist ein einfacher wie weiser Fakt immer maßgeblich: lex orandi lex credendi – unsere Art zu beten formt unsere Art zu glauben. Ein neu geschaffener Ritus verkündet und avanciert eine neue Lehre allein durch den Effekt der Praxis.

Generell gibt es zwei grundlegende Prinzipien, an die wir uns erinnern
müssen: Erstens, wir müssen alle Menschen mit Respekt begegnen und ihnen unsere pastorale Sorge zuteilwerden lassen, was sie als Kinder Gottes mit einer angeborenen Würde auch verdienen. Es soll betont werden, dass dazu auch jene Menschen gehören, die sich zum selben Geschlecht hingezogen fühlen. Zweitens, es gibt keine Wahrheit, keine wahre Barmherzigkeit und kein aufrichtiges Mitgefühl darin, eine Situation zu segnen, welche Menschen von Gott entfernt. Dies darf in keiner Weise verstanden werden als Zurückweisung von Personen, die eine solche Segnung wünschen. Allerdings weigern wir uns, die erkannte Wahrheit über die Natur von Ehe, Familie und die Würde der menschlichen Sexualität einfach zu ignorieren.

Wiederum: Wir alle sind menschliche Wesen, egal welche Stärken und Schwächen wir auch haben mögen, die ein Recht darauf haben, mit Respekt behandelt zu werden, wie es unserer gottgegebenen Würde entspricht. Wir haben auch ein Recht darauf, die Wahrheit zu hören, egal ob sie uns angenehm ist oder nicht – sogar dann, wenn es leider so scheint, dass dies die Einheit der Kirche selbst verkompliziert. Um die Gedanken Thomas von Aquins zu benutzen:
Das Gut der kirchlichen Einheit, von welcher Schisma das Gegenteil ist, ist weniger wert als das Gut der göttlichen Wahrheit, von welcher Unglaube das Gegenteil ist (vgl. S. Th. IIª-IIae q. 39 a. 2 co.).

Jesus sagt uns, dass die Wahrheit uns befreien wird. Niemals aber sagte er, dass sie uns angenehm sein wird. Immer noch sollen wir die Wahrheit in aller Klarheit hören – und sie teilen, in aller Klarheit, aber immer mit Liebe.
Verwirrung zu stiften in Anliegen, die zentrale Inhalte unseres Glaubens betreffen, egal wie gut die Absichten auch sind, wird nur dazu führen, eine sowieso schon schwierige Aufgabe noch schwieriger zu gestalten.

Bereits in einem vorangehenden Beitrag hatte Fr. Zuhlsdorf weitere Texte und Reden von Erzbischof Chaput angeführt, die zeigen, daß der Oberhirte von Philadelphia - wie zahlreiche seiner amerikanischen Amtsbrüder - zu den Bischöfen gehört, von denen in den komenden Zeiten der Verwirrung klare Orientierung zu erwarten ist.

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