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Bischöfe unter Druck

Bild: Cicero Dezember 2016, /picture alliance 

Auf unseren Seiten wird oft harte und wie wir hoffen stets begründete Kritik an Bischöfen geübt, die den Verpflichtungen ihres Amtes nicht gerecht werden und dem salus animarum durch Unterwürfigkeit gegenüber dem Zeitgeist mehr schaden, als das jeder außenstehende Feind der Kirche könnte. Hier sollen heute zwei Nachrichten wiedergegeben werden, die uns dieser Tage unabhängig voneinander erreichten, und die zeigen, in welcher Zwangslage sich Bischöfe wiederfinden können, wenn sie es wagen, sich diesem Zeitgeist zu widersetzen. Und nein, die Mitteilungen kommen nicht aus China, wo die atheistische Diktatur sich die Kirche zur Dienerin zu machen sucht, sondern aus Deutschland und der Schweiz, wo eine gottlose „Volksherrschaft“ auf diesem Wege schon weiter vorangeschritten ist.

Das Bistum Eichstätt wird derzeit von einem „Finanzskandal“ erschüttert, der in Wirklichkeit nichts anderes ist als ein allerdings in seiner Dimension ungewöhnlicher Fall von Betrug und Unterschleif zuungunsten des Bistums. Der neue Wallfahrtsdirektor von Vesperbild, geistl. Rat Erwin Reichart, schrieb dazu Leserbriefe an die Tageszeitungen die sämtlich nicht veröffentlicht wurden. Auch der bisher letzte nicht, den er zur Richtigstellung eines Artikels der Lokalblätter mit der schönen Überschrift „Auch für die katholischen Bischöfe endet die Zeit der Alleinherrschaft“ verfasst hatte. Hier der per Email an den Verteiler der Öffentlichkeitsarbeit versandte Text:

Es beginnt ein langes ZitatWeltfremd

Schon die Überschrift „Auch für die katholischen Bischöfe endet die Zeit der Alleinherrschaft“ ist völlig weltfremd.

Unter dem Druck des Zeitgeistes haben leider nicht wenige Bischöfen seit Jahrzehnten ihre Autorität längst abgegeben oder abgeben müssen. Wenn heute ein Bischof sein Amt übernimmt, muss er damit rechnen, dass inzwischen alle möglichen regieren nur nicht er selbst.

Nicht selten müssen Bischöfe heute jahrelang darum kämpfen, einigermaßen Boden unter den Füssen zu bekommen.

Hinzu kommt, dass diese Kreise nicht selten in den Medien mächtige Verbündete haben.

Es ist schier unglaublich, wie vielen Räten ein Bischof heute folgen soll:

z. B. der Ordinariatskonferenz, der Hauptabteilungsleiterkonferenz, der Personalkommission, der Dekanekonferenz, dem Domkapitel, dem Priesterrat, dem Diözesanrat und so weiter. Solange diese alle dem Bischof im Sinne der Kirche zuarbeiten, wäre das ja noch nicht schlecht.

Aber nicht umsonst hat der Eichstätter Bischof öffentlich erklärt, dass seine Bemühungen, das Finanzsystem zu reformieren, in diesem Betrieb auf erheblichen Widerstand gestoßen sind.

Außerdem muss man bedenken, dass es seit Jahrzehnten in der Kirche total verpönt war und ist, Autorität auszuüben, zu kontrollieren oder gar zu strafen. Ein guter Bischof tut so was nicht, ruft der Zeitgeist bis heute.

Was sind die Lehren aus dem Finanzskandal?

  1. Ein Bischof braucht natürlich echte Fachleute um sich, aber diese müssen tief gläubig und damit absolut ehrlich sein.
  2. Ein Bischof braucht gute Ratgeber, aber diese müssen drastisch reduziert werden und müssen wiederum von tiefem Glauben an Jesus Christus und seine Kirche beseelt sein.
  3. Die vom Kirchenrecht vorgeschriebene Autorität des Bischofs muss wieder hergestellt werden?
  4. Es fehlen auf allen Ebenen echt christlich eingestellte Laien für Führungspositionen!

Woher soll ein Bischof solche gute Mitarbeiter nehmen?

Wir brauchen katholische Privatschulen, in denen für die Zukunft eine christliche Elite herangebildet wird.

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Soweit der Wallfahrtsdirektor, dem wir in der Sache voll zustimmen, auch wenn wir seinen Glauben nicht teilen, der deutsche Staat würde Privatschulen zulassen, in denen eine christliche Elite herangebildet oder auch nur das christliche Menschenbild zur Grundlage des Unterrichts gemacht würde. Hier wird gegendert, multikulturiert und relativiert ab dem Kindergarten, und wem das nicht passt, der kann dahin gehen, wo der Pfeffer wächst. Basta!

In einer ähnlichen Situation wie Bischof Hanke von Eichstätt sieht sich Bischof Huonder von Chur, der sich dieser Tage an das Verfassungsgericht der Eidgenossenschaft gewandt. Allerdings ist seine Situation nicht quasi natürlich gewachsen wie das Eigenleben der Ordinariats- und Wohltätigkeits-Mafias in Deutschland, sondern aus einer vom kirchenfeindlichen Staat aufgezwungenen Landeskirchenordnung hervorgegangen. Außerdem geht es in Chur nicht „nur“ um Geld, sondern um den Kernbereich der katholischen Sittenlehre. Seit Jahren versucht der Bischof, das ihm faktisch übergeordnete „Bürgerparlament“ des Bistums daran zu hindern, den abtreibungsfördernden Verein „Adebar“ aus Mitteln der Kirchensteuer finanziell zu unterstützen.

Kath.net zitiert dazu den Bistumssprecher Giuseppe Gracia:

Es beginnt ein langes ZitatDas Bistum Chur erhofft sich vom Bundesgericht Rechtssicherheit. Statt die katholische Kirche anhand ihrer eignenen Organisationsform als Bistum zu anerkennen (mit Pfarreien und Bischof), hat der Staat in einigen Schweizer Kantonen eine Art «Klon» der katholischen Kirche geschaffen: die «Landeskirche», die sich katholisch nennt. Dieser «Klon» sollte für das Original, die Kirche, Steuern eintreiben und dabei helfen, kirchliche Aufgaben zu erfüllen."

Für Gracia ist dieses „staatlich veranlasste Experiment" aus dem Ruder gelaufen.

Der «Klon» kann im Ernstfall machen, was er will. Er nennt sich zwar weiterhin katholisch und handelt im Namen der katholischen Kirche, kann jedoch Organisationen wie adebar mifinanzieren, deren Tätigkeit und Grundwerte nicht zu vereinbaren sind mit den Grundwerten der katholischen Kirche. Da es sich um einen staatlich geschaffenen «Klon» handelt, ist es die Verantwortung des Staates, dass der «Klon» sich an Folgendes hält: keine Einschränkung der Religionsfreiheit der katholischen Kirche. Keine Verunklärung der Grundwerte und Kernbotschaften der katholischen Kirche im öffentlichen Raum. Das Glaubenszeugnis der katholischen Kirche im Allgemein und im Besonderen hinsichtlich des Lebensschutzes (der menschlichen Würde von der Empfängnis an) darf nicht unterminiert und unglaubwürdig gemacht werden. Keine Übernahme der Deutungshoheit über das, was «katholisch» genannt werden kann oder über das, was den Werten der katholischen Kirche entspricht. Diese Deutungshoheit kommt allein der katholischen Kirche selber zu."

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Wir wollen es uns heute ersparen, darüber nachzugrübeln, wie es zu der aus Eichstätt oder Chur geschilderten, aber in allen deutschsprachigen Regionen vorherrschenden Situation kommen konnte. Im Rahmen der weiteren Verfolgung des Themas „Option Benedikt“ ist allerdings darüber nachzudenken, ob und wie die Kirche – oder der Teil von ihr, der nicht bereits vor dem Zeitgeist kapituliert hat – da wieder herauskommt. Etwa, ob es andere Wege gibt als den, dem geistigen uns spirituellen Bankrott möglichst bald auch den wirtschaftlichen folgen zu lassen, um einen Neuanfang außerhalb des goldenen Käfigs zu ermöglichen.

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