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Die irische „Tragödie“

Bild: Wikimedia CommonsDas „katholisch geprägte Irland“ hat mit zwei Dritteln der Referendungsteilnehmer für die Einführung einer Abtreibungsgesetzgebung „nach europäischen Standards“gestimmt. Der triumphale Ton, in dem die Medien diese Nachricht herausposaunen, ist nicht unbegründet. In den Augen ihrer Kommentatoren ist eine weitere Festung der verhassten Zwingherrin Kirche gefallen: Das katholisch geprägte Irland gibt es nicht mehr.
Natürlich gibt es in Irland immer noch eine Prägung durch die katholische Vergangenheit, den vielberufenen „Kulturkatholizismus“, der aber – da sind keine Illusionen erlaubt – mit „katholisch“ nichts mehr zu tun hat. St. Patricks Day zur Erinnerung an den Missionar des 5. Jahrhunderts entwickelt sich zum weltweit begangenen Feiertag mit immer mehr Teilnehmern in immer mehr Ländern – aber in New York marschieren die LGBT-Abteilung und Kardinal Dolan gemeinsam. Folklore und Kitsch verbindet die Gegensätze. Die westlichen Gesellschaften als Ganze und mit ihnen der Mainstream der Kircher haben die Epoche des Grundsätzlichen verlassen. „Alles fließt, lehrt Heraklit, der Felsen Petri, der fließt mit“.

Von einer „Tragödie“ zu sprechen wird dem Stellenwert des irischen Referendums nur begrenzt gerecht. Tragödien haben etwas Unvorausschaubares an sich, ein von unerkennbaren Mächten über die Menschen gebrachtes Verhängnis, das sich trotz aller Anstrengungen nicht verhindern ließ. Demgegenüber ist dem irischen Premier Varadkar Recht zu geben, der durchaus irdische Agenten der Entwicklung ausgemacht hat: "Es sieht so aus, als würden wir Geschichte schreiben. ... Was wir heute erleben, ist der Höhepunkt einer stillen Revolution, die Irland in den vergangenen 10 bis 20 Jahren durchgemacht hat", sagte er im Interview. (Quelle) Er weiß, wovon er spricht: Sein Vater stammt aus Indien, er selbst gehört zur zahlenmäßig stark anwachsenden Riege gleichgeschlechtlich verpartnerter Staatspersonen.

Der Ausgang dieses Referendums ist keine Überraschung, sondern die Folge einer gesellschaftlichen Entwicklung, der die vom Modernismus befallene Kirche nichts entgegen zu setzen hat. Ihre besseren Vertreter stehen hilflos händeringend daneben, die Mehrheit hält bereits Ausschau nach einem netten Plätzchen, auf dem man sich dem abfahrenden Zug noch anschließen könnte, viele haben sich bereits in komfortablen Positionen in Sicherheit gebracht.

Die ganze Unfähigkeit dieser Art von Kirche kommt in der Stellungnahme zum Ausdruck, mit der das Sprachrohr der deutschen Bischofskonferenz katholisch.de den Präsidenten der erst kürzlich auf Anpassungskurs gebrachten „Päpstlichen Akademie für das Leben“ zu Wort kommen läßt:

"Ich glaube, da gibt es keinen Sieg zu verkünden und nichts zu feiern", sagt der Präsident der Päpstlichen Akademie für das Leben, Erzbischof Vincenzo Paglia, am Wochenende dem Portal Vatican News mit Blick auf Reaktionen der Befürworter einer Lockerung des bestehenden Abtreibungsverbots. "Alles, was in irgendeiner Weise dem Tod die Drecksarbeit leichter macht, stimmt uns nicht besonders froh!", so Paglia. Nun müsse man sehen, auf welche gesetzliche Regelung Irlands Politiker sich letztlich einigen.“

Wie eine katholische Stellungnahme auszusehen hat, ist in der gestrigen Predigt von Dom Mark Kirby O.S.B. von Silverstream nachzulesen. Sie schließt mit den Worten:

Mein lieber alter Vater sagte mit gestern in der ganzen Weisheit seiner 91 Jahre: „Gott hat einen Plan, Gott wird das letzte Wort haben.“ Und was sagt der Herr selbst im heutigen Evangelium? „Sehet, ich bin mit euch alle Tage bis zum Ende der Welt“. In dieses Versprechen wollen wir unsere ganze Hoffnung setzen“.

Zwei Analysen, die unter die Oberfläche wohlfeiler Entrüstung hinabsteigen, bringen der irische Schriftsteller John Waters auf First Things und der Autor K.V. Turley im Crisis Magazine.

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