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Panikreaktionen in Rom

Bild: USA-todayIn den letzten Wochen kommen aus Rom vermehrt Nachrichten, die erkennen lassen, daß der Vorstoß des Ex-Nuntius Vigano mit der Enthüllung des Skandals um den fehlenden Willen zur Aufklärung von Mißbrauchsfällen im Hauptquartier des Bergoglianismus erhebliche Unruhe ausgelöst hat. Mit aggressiven Attacken gegen die steigende Zahl der Kritiker und der Errichtung von Abwehrmauern der merkwürdigsten Art versucht die Truppe um den Papst, das Gesetz des Handelns wieder an sich zu ziehen.

Den Anfang machte noch im August der umstrittene P. Thomas Rosica mit seiner bemerkenwerten Aussage:

Papst Franziskus bricht mit der Katholischen Tradition wo immer er will, denn er ist ‚frei von unggeordneten Bindungen‘. Tatsächlich ist unsere Kirche in eine neue Phase eingetreten: mit dem Erscheinen des ersten Jesuiten-Papstes wird sie ganz offen eher von einer Einzelperson regiert als allein durch die Autorität der Schrift oder die eigenen Grundforderungen aus Tradition plus Schrift."

Im September dann das „Krisentreffen“ des Papstes mit den Spitzen des amerikanischen Episkopats – für die Öffentlichkeit illustriert mit einem Photo, auf dem die Herrenrunde vor guter Laune kaum an sich halten konnte. Bilder lügen nicht? - oh doch. Der Versuch kam in den USA, wo die Wogen der Entrüstung hoch gehen, gar nicht gut an. Im Oktober dann 3 kabarettreife Wochen Jugendsynode, in denen die Synodenleitung unter Kardinal Baldisseri es trotz intensivster Vorarbeiten nicht schaffte, ihr zunächst angesteuertes Ziel einer „Modernisierung der Sexualmoral“ durchzusetzen – zu groß war der Widerstand der durch die Vigano-Enthüllungen aufgeschreckten Bischöfe.

Auch der parallel zur Synode mit brachialer Gewalt vorgetragene Versuch, den Mißbrauch halbwüchsiger Jungen durch Priester, Bischöfe und Kardinäle zur Abrechnung mit einem Phantom namens Klerikalismus umzunutzen, war nicht wirklich erfolgreich: Das war dann doch zu überraschend, daß – nur als deutsches Beispiel genommen – die Odenwaldschule, der eine Sportverein oder die andere Ballettruppe Horte von „Klerikalismus“ gewesen sein sollten.

Ersatzweise platzierte man ins Abschlußdokument dann ein paar Zeitbomben zu Themen, die von den Bischöfen kaum besprochen worden waren und dementsprechend auch keinen hörbaren Widerspruch ausgelöst hatten. Hier geht es weiter Auffälligstes dieser Themen war die „Synodalisierung“, die den Bergoglianern unter dem Deckmantel einer „zeitgemäßen Demokratisierung“ Freiräume verschaffen soll, ihre radikalen Veränderungen ohne Möglichkeiten zum Einspruch durchzuziehen und als Aussagen des Lehramts „unumkehrbar“ zu machen. Ein zweites solches Überraschungsthema war die unter dem Anspruch, dem Jugendschutz zu dienen, vorgetragene Absicht, die Informationen des „katholischen Internets“ zu kontrollieren, und zwar mit dem Instrument einer Art Gütesiegels, das mißliebigen Webseiten versagt würde und so von deren Besuch abhalten sollte. Doch so funktioniert das im Netz nicht – da wird ein von oben huldvoll verliehenes Gütesiegel schnell zur Kennzeichnung der Irrelevanz, und die fehlende Unbedenklichkeitsbescheinigung zum Qualitätsmerkmal.

Der Pontifex selbst konnte seinen – gegenüber den Dubia der Kardinäle noch eisern durchgehaltenen Schweigekurs – angesichts der substantiellen und zu großen Teilen glaubwürdigen Anschuldigungen Viganos nicht aufrechterhalten. Er verweigert zwar nach wie vor ein offizielles Eingehen auf die von Vigano inzwischen erweiterten und mit zusätzlichen Hinweisen bekräftigten Vorwürfe – stattdessen ergeht er sich seit Wochen in Predigten, die den Ex-Nuntius und andere Kritiker als den „Ankläger von Anfang an“ ihn selbst jedoch als den unschuldig leidenden Christus erscheinen lassen sollen. Dazu passte dann auch, daß dem Staatssekretariat ein weiteres Mal der Lapsus unterlief, den Papst explizit als den „Nachfolger Christi“ anzusprechen – peinlich, peinlich.

Dieses Pontifikat hat, nachdem es in den ersten Jahren vom Wohlwollen der säkularen Welt schier erdrückt worden war, gegenüber dieser Welt inzwischen ein ernstes Imageproblem. Und es hat als internes Problem die zunehmend stärker werdende Gewissheit, daß ein Teil der beabsichtigten „Reformen“, die in Wirklichkeit den Bruch mit unaufgebbaren Lehren und Traditionen der Kirche bedeuten würden, zwar von oben beschlossen und angeordnet, aber nicht mehr flächendeckend durchgesetzt werden können - von „unumkehrbar machen“ ganz zu schweigen. Ganze Episkopate widersetzen sich der Entwertung der Sakramente, wie sie in „Amoris Laetitia“ vorgezeichnet worden ist. Und wo die Bischofskonferenzen die modernistischen Vorstöße mittragen, verfolgen sie damit – wie in Deutschland – vielfach ihre eigenen Los- von-Rom-Bestrebungen. Auf der anderen Seite geben immer öfter Katholiken aus dem Fußvolk zu erkennen, daß sie bei alledem nicht mitmachen wollen. Nicht, daß sie damit schon eine Mehrheit bildeten, bei weitem nicht. Aber sie werden langsam mehr, und die Progressisten, die sich mit Bergoglio schon am Ziel ihrer Wünsche angekommen sahen, werden schnell weniger.

Wie jede autoritäre Bürokratie, so reagiert auch das bergoglianische Regiment in dieser Lage mit Versuchen, die Zügel strenger anzuziehen. Dieser Tage ist bekannt geworden, daß dem streng an der Lehre festhaltenden Weihbischof Schneider bedeutet wurde, seine Reise- und Missionstätigkeit gefälligst einzuschränken. Gleichzeitig hat man die amerikanischen Bischöfe aufgefordert, Kardinal Burke den Zugang zu ihren Diözesen zu erschweren – als ob man dem Virus der Wiederentdeckung des Wertes der Tradition mit solchen Kindereien Einhalt gebieten könnte. Den italienischen Verlag Fede & Cultura (Glaube und Kultur), der gerade ein Buch über Erzbischof Vigano veröffentlicht hat, hat die italienische Bischofskonferenz durch wirtschaftlichen Druck gezwungen, von geplanten weiteren Auflagen abzusehen – als ob man die Verbreitung eines Buches mit so primitiven Mitteln aufhalten könnte. Das hat ja schon zu Luthers Zeiten nicht funktioniert - schon ist das PDF ins Netz gelangt.

Im Rom der Bergoglianer, so scheint es, bricht Panik aus – und das ist einmal keine schlechte Nachricht aus dieser Stadt, die schon so manchen Barbarenansturm überstanden hat.

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