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Sie erfinden eine neue Religion

Bild: Generiert mit wordle create, von Jonathan FeinbergDas ist weitaus schlimmer als befürchtet. Das nun veröffentlichte Instrumentum Laboris (Arbeitsgrundlage) für die Amazonas-Synode zeichnet die Umrisse einer Organisation und einer Spiritualität, die sich nicht nur von der katholischen Lehre und Tradition, sondern sogar von wichtigen Elementen des Christentums überhaupt „befreit“ hat. Sollte das Abschlußdokument auch nur annähernd der nun veröffentlichten Vorlage entsprechen, brauchen wir uns über Fragen wie die der Aufhebung der Zölibatsverpflichtung oder Kommunion für „wiederverheiratete Geschiedene“ keine Gedanken mehr zu machen - alles Pillepalle. Und keiner soll sich damit beruhigen, daß es bei der projektierten Synode doch nur um vielleicht 300 000 „Indigenen“ (so nennt man korrekt das, was früher „Eingeborene“; waren)des Regenwaldes gehe, darunter eine unbekannte Zahl Christen: Die Verfasser nehmen sämtliche im Einflußbereich des Amazonas lebenden Menschen in den Blick, die in der Großstadt ebenso wie die in isolierten Siedlungen, und lassen im übrigen nach Tenor und Wortlaut keinen Zweifel daran, daß sie es auf die ganze Kirche abgesehen haben. Da wollen sie Nägel mit Köpfen machen. Endlich, endlich, zweitausend Jahre nach dem ersten Versuch, wird das, was Christus und die Apostel bei der Gründung der Kirche falsch gemacht haben, von Franziskus dem Großen unter der Assistenz des Heiligen Geistes richtiggestellt.

Das Instrumentum Laboris zitiert dementsprechend fast ausschließlich Schriften und Vorträge von Franziskus - die gesamte vorherige Theologie der Kirche einschließlich ihrer weit über 100 Jahre zurückreichenden Soziallehre kommt praktisch nicht vor. Das Papier erhebt umstandslos auch die abwegigsten Vorstellungen des südamerikanischen Jesuiten in den Rang von gesicherten Glaubenswahrheiten und errichtet davon ausgehend ein völlig neuartiges Gedankengebäude von erschütternder Primitivität: Vom Volk lernen ist der erste und größte Grundsatz, und je weiter ein „Volk“ (hat Franziskus uns Europäer nicht gerade eindringlich vor dem Hantieren mit diesem Begriff gewarnt?) vom 21. Jahrhundert entfernt ist, desto näher ist es an der Schöpfung, so wie sie sein soll, desto höher ist in den Augen Bergoglios und seines Chores sein prophetischer Rang.

Auf diesem Wege rutschen umstandslos jede Menge pantheistische, schamanistische und sonstwie heidnische Vorstellungen in die im Instrumentum skizzierte skizzierte Spiritualität der Zukunft - wobei man sich darüber im klaren sein muß, daß dem Spirituellen selbst im wesentlichen nur eine Hilfsfunktion als Motivationshilfe und Handlungsorientierung zukommt: Das alles andere überragendes Ziel ist es, die Erde so umzugestalten, daß Menschen und Natur „in Frieden mit sich und der Umwelt“ leben können - ein Paradies auf Erden. Warum das bisher so schwer fällt und ob es vielleicht etwas gibt, was über die irdische Existenz hinausführt, bleibt weitgehend außen vor. Roberto de Mattei hat in einer ersten Analyse ein vernichtendes Urteil über diesen Mischmasch von Befreiungstheologie, Edler-Wilder-Romantik, Grünsprech und Hyperrelativismus gefällt - das Beiboot Petri bringt eine deutsche Übersetzung.

Den Text des Instrumentum haben wir in einer unoffiziellen englischen Übersetzung aus dem Netz gefischt und bieten ihn hier als PDF (6Mb) zum Herunterladen an. Vom Instrumentum selbst zu unterscheiden ist ein weniger nach dem Inhalt, aber nach Umfang und Gliederung deutlich anders aussehendes Vorbereitendes Dokument, das auf der Webseite des Generalsekretariats der Bischofssynode vorgehalten wird und das stärker kommentierende Anteile enthält. Neben dieser offenbar nicht ganz aktuellen offiziellen Seite der Synode haben wir auch noch die Seite panamazonsynodwatch.info gefunden, die sich offenbar die kritische Begleitung der Synode zur Aufgabe gestellt hat. 

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