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„...unbeeindruckt von Verwirrungen und Verlusten“

Peter Kwasniewski hat auf New Liturgical Movement einige Gedanken zum Zusammenhang von Kirchen- und Liturgiekrise veröffentlicht, die wir hier mit geringfügiger Kürzung übersetzt wiedergeben:

Es beginnt ein langes ZitatImmer stärker zeigt sich in der Kirche von heute ein wiederaufleben der albernen und oft auch häretischen Redeweisen und Praktiken der 60er und 70er Jahre - einer Periode der Unsicherheit, der hektischen Anpassung an die Welt und der Verwirrung, von der so viele von uns gehofft und gebetet hatten, daß sie vergangen wäre oder doch zumindest bald vergehen werde. Es fällt uns schwer, herauszufinden, was wir von dieser Situation halten und wie wir damit umgehen sollen. Natürlich wollen wir allen und allem gegenüber die Liebe walten lassen, ohne dabei einen Fußbreit von der rechten Lehre und vom rechten Handeln abzurücken. Wir wollen die Enttäuschten, die Unentschlossenen und die Gutwilligen für die Tradition gewinnen und gleichzeitig legitime Wege finden, die Anstrengungen derer zu behindern, die uns in den Sumpf der Periode unmittelbar nach dem Konzil zurückzerren wollen.

Es ist immer eine heilsame geistige Übung, einmal zu versuchen, herauszufinden, warum jemand dorthin gekommen ist, wo er ist: Was sind ihre Befürchtungen, was wollen sie schützen, an welchem Problem haben sie sich festgebissen? Und könnte ich nicht heute an der gleichen Stelle stehen, wenn die Göttliche Vorsehung es gewollt oder zugelassen hätte, daß ein paar Kleinigkeiten in meinem Leben anders gewesen wären? (...)

Diejenigen, die heute voller Liebe und Dankbarkeit der katholischen Tradition anhängen, hatten das Glück, nicht während des Erdbebens, sondern danach geboren zu werden, als sich der Staub schon wieder zum guten gelegt hatte und es möglich wurde, mit Verstand an den Wiederaufbau zu gehen. Diejenigen, die heute „jung“ sind - wobei ich unter „jung“ ganz allgemein die nach dem 2. Vatikanischen Konzil Geborenen verstehe - hatten den unschätzbaren Vorteil, ohne Zerrbrille die Katastrophe und den Zusammenbruch wahrnehmen zu können, den der „Geist des 2. Vatikanums“ hinterlassen hat, und die bohrenden und schmerzhaften Fragen zum Missale Pauls VI. zu stellen, die man stellen muß, auch wenn sie so lange als unzulässig galten.

Kein Spatz fällt außerhalb der Göttlichen Vorsehung vom Himmel. In den alten Zeiten war es leichter, sich in der überlieferten Form der Messe sicher zu fühlen, denn das war für die meisten Katholiken die einzige liturgische Form, die sie kannten, und so war es gewiss eine Versuchung, sie in unziemlicher Eile oder mit unpassender Musik oder unangebrachtem Zeremoniell zu feiern. Heute gibt es überall, wo die alte Liturgie wiederentdeckt wurde, eine neue Freude an der Schönheit ihrer Gebete und Zeremonien und einen jugendlichen Eifer, sie bis zur letzten Verbeugung und zum letzten Klingelzeichen würdevoll zu feiern. Im Verhältnis zur Gesamtzahl gefeierter Messen gibt es mehr gesungene Ämter und Levitenämter als in der Zeit, als die „stille Messe“, oft mit vier Kirchenliedern „aufgelockert“, vorherrschte.

Viele Gläubige, die sich seinerzeit von der Euphorie „Jetzt wird alles anders“ anstecken ließen, hatten wirklich den Willen, das Evangelium dem modernen Menschen zu verkünden. Doch anstatt sich auf das „Bewährte und Wahre" zu stützen, wie es uns die Heiligen gelehrt haben, experimentierten diese Katholiken in dem aussichtslosen Versuch, ihre verwirrten Nächsten in der Welt zu erreichen, ebenso verwirrt mit Neuerungen und Modetrends. Um ein gutes Ziel zu erreichen griffen sie zu einem falschen Mittel. So wie heute Leute Rock-Musik in die Kirche holen, weil sie glauben, damit mehr Resonanz bei der Jugend zu finden. In Wirklichkeit wissen wir doch, daß die Kirche niemals mit der Welt zu deren eigenen Bedingungen konkurrieren kann – das bietet nur einen irritierenden Eindruck und ist letztlich zum Scheitern verurteilt. Wir müssen mit diesen Leuten sehr geduldig sein und gleichzeitig hart daran arbeiten, ihre fehlgeleiteten Bemühungen abzuwehren und etwas besseres an deren Stelle zu setzen – so, wie unsere Mutter die Kirche uns das in so vielen Texten des Lehramtes gelehrt hat.

Die Moderne ist eine Zeit schrecklicher Verwirrung, und auch die Kirche kann in ihren menschlichen Mitgliedern zumindest teilweise dieser Verwirrung nicht entgehen. Das ist eines der Kreuze, das uns in diesem Leben auferlegt ist: Das Kreuz einer verwirrten Welt, die unkontrolliert daher taumelt. Wir wissen nicht, wann das Ende der Zeiten kommt, aber wir wissen, daß es wie das Fegefeuer auf Erden sein wird. Wie unser Herr vorhergesagt hat, wird es eine Zeit sein mit gewaltsamem Aufruhr, umfassendem Glaubensabfall, verheerender Täuschung und schrecklicher Verbrechen: „Wird der Menschensohn noch Glauben auf der Erde vorfinden?“ Das Schiff der Kirche wird auf den Wellen dieses Sturmes hin- und her geworfen, hier und da werden die tobenden Wogen ins Schiff schlagen, ganz zu schweigen von Gewehr- und Kanonenkugeln. Um unsere Aufgabe so gut wie möglich zu erfüllen, müssen wir voller Glauben sein, gerüstet und bereit zu allem, finster entschlossen, dem Oberkommando stets gehorsam und unbeeindruckt von Verwirrungen und Verlusten. Und dazu brauchen wir mehr als je zuvor, ein ernsthaftes geistiges Leben.

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