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Abschied von den Kirchen

Bild: Bundesarchiv, Lizenz https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/de/deed.en

Die Zukunft der Kirchen liegt wahrscheinlich allein in der Wiederherstellung des Kultus. Das klingt reaktionär, ist es auch. Andernfalls bleibt ihnen die „Öffnung zur Welt“. Aber was sie für Teilnahme am sozialen Prozeß halten — das eben ist ihre Liquidation.

Mit diesen bemerkenswerten Sätzen endet ein Artikel, den der Publizist Rüdiger Altmann im Jahr 1970 – also fünf Jahre nach dem Ende des 2. Vatikanums – im Spiegel veröffentlichte und den Tradition und Glauben zu Beginn dieses Jahres neu entdeckt und wiederveröffentlicht hat. Die Lektüre lohnt sich, weil Altmann nicht nur sehr präzise vorausgesehen hat, wie sich die katholische Kirche und die protestantischen Gemeinschaften in den seither vergangenen fast 50 Jahren entwickeln sollten, sondern auch Gründe und Motive dieser Entwicklung benennt, die wir heute manchmal nur mit Mühe erkennen können.

Noch ein Wort zum Verfasser: Nach einem Studium der Politk bei dem gemeinhin als ‚rechts’ eingestuften Politologen Carl Schmitt war Altmann Anfang der 50er Jahre Assistent des gemeinhin als ‚links’ (Frankfurter Schule) geltenden Marburger Politologen Wolfgang Abendroth. Später war er langjährig Geschäftsführer beim Deutschen Industrie- und Handelstag, Redenschreiber von Bundeskanzler Erhard und Leiter einer Akademie der Konrad-Adenauer-Stiftung. Er gehört in eine Zeit, als es sowohl ‚rechte’ als auch ‚linke’ Intellektuelle gab – die sogar miteinander sprachen – und bevor ‚linke’ Intellektuelle in der bundesdeutschen Gesellschaft eine solche Übermacht erlangten, daß sie zunächst die ‚rechten’ aus den Diskursen ausgrenzten und anschließend als ‚Progressisten’ den bemitleidenswerten geistigen Verfall erlebten, dessen letzte Stadien wir gegenwärtig gerade beobachten.

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