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Hazells „Index Lectionum“

Summorum Pontificum hatte schon mehrfach Gelegenheit, Mathew P. Hazells Index Lectionum zu nutzen und zu erwähnen, in dem die Veränderungen des Lesungsbestandes von der Überlieferten Form zum Novus Ordo minutiös aufgezeichnet sind. Der Index war zunächst nur als PDF im Internet erhältlich. Inzwischen ist er auch als Buch erschienen.

Neben ihrer in mancher (nicht in jeder) Hinsicht leichteren Verwendbarkeit hat die gedruckte Ausgabe den großen Vorteil, ein Vorwort von Peter Kwasniewski zu enthalten. Mit 22 Druckseiten und knapp 50 zum Teil ausführlichen Anmerkungen bietet es unter der Überschrift: „Nicht nur mehr aus der Bibel, sondern auch anderes aus der Bibel“ einen guten Überblick über den Umfang und den Geist der von Hazell dann im Einzelnen dokumentierten Änderungen.

Besonders irritiert zeigt sich Kwasniewski darüber, daß die Reformer – ganz im Widerspruch zu dem ihnen erteilten Auftrag, die Schätze der Schrift großzügiger auszuteilen – immer wieder entscheidende Kürzungen vornehmen; Kürzungen, die ganz offensichtlich nicht einfach „schwer verständliche“ Passagen betreffen, sondern solche Stellen, die höchstens deshalb „schwer verständlich“ sind, weil sie zentrale Glaubensinhalte betreffen, die in der Gegenwart freilich vielfach abgeschwächt oder rundum bestritten werden. So bleibt von vielen Wunderberichten, Dämonenaustreibungen oder der Erweckung des Lazarus vom Tode kaum eine Spur übrig. Besonders betroffen von den einschneidenden Kürzungen im Bereich der Glaubenswahrheiten ist das Johannesevangelium, das theologisch reichhaltigste unter den Vieren. Aus den anderen Evangelien fallen der Schere der Zensoren vielfach Stellen zum Opfer, die seit den frühesten Tagen der Kirche die Grundlage ihrer anspruchsvollen Morallehre bildeten.

Den Briefen der Apostel geht es nicht besser, hier werden insbesondere Passagen getilgt, die dem neuen Dogma vom fortdauernden Bund mit den Juden hinderlich sein könnten: Daß die entstehende Kirche ohne Judenmission überhaupt nicht zu denken und ohne intensive Auseinandersetzung mit ihrem jüdischen Erbe auch kaum zu verstehen ist, passt so überhaupt nicht in das Schriftverständnis der Architekten des Novus Ordo.

Bei ihrer redaktionellen „Glättung“ der Lesungen wandten die Reformer verschiedene Mittel an, die es nicht leicht machen, ihnen auf der Spur zu bleiben. Manchmal verschieben sie einen „anstößigen“ Text von einer prominenten Position – etwa an einem Sonntag – auf einen Werktag. Manchmal taucht eine „schwierige Passage“ nur noch in einem der drei Lesejahre auf statt früher jedes Jahr mit einprägsamer Regelmäßigkeit. Wieder in anderen Fällen wird ein ausführlicher Bericht über ein Ereignis oder eine Verkündigung des einen Evangeliums durch den weniger prägnanten eines anderen Evangelisten „ersetzt“ - es gibt viele Mittel, die dem Geist dieser Welt im Grunde entgegengesetzte Botschaft des Evangeliums gefälliger erscheinen zu lassen.

Für jeden, der sich auch nur ein wenig mit dem neuen Lektionar befasst hat, bieten die genannten Punkte keine große Überraschung. Das Neue daran ist, daß es nach der minutiösen Arbeit von Hazell und deren kommentierender und zusammenfassender Darstellung durch Kwasniewski nicht bei einem unbestimmten Gefühl bleibt, manipuliert zu werden, sondern daß der Tatbestand beweisbar vor aller Augen liegt. Dabei erhebt Kwasniewski bei weitem nicht den Anspruch, den ganzen Reichtum an Vergleichs- und Analysemöglichkeiten der Hazellschen Synopse auszuschöpfen. Er betont im Gegenteil, daß damit ein neues Forschungsfeld eröffnet wird, dessen Bearbeitung noch kaum begonnen hat. 

Aber schon beim heutigen Stand der ersten Auswertungen fällt es schwer, nicht zu dem Schluß zu kommen, daß in der Schriftauswahl des Novus Ordo letztlich vieles auf die Verkündung eines anderen Evangeliums abzielt. Gäbe man einem Besucher vom fremden Planeten nur das neue Lektionar – er könnte daraus schwerlich die ganze Lehre erschließen, das Christus seiner Kirche anvertraut und diese über die Jahrtausende hin weitergetragen hat.

Der Index Lectionum in Buchform ist über alle Buchhandlungen am Ort oder im Internet zu beziehen.

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