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Änderungen im italienischen Missale

Bild: Fridolin Leiber, 1853-1912, Wikimedia CommonsIn Italien wird in den nächsten Monaten eine neue Ausgabe des landessprachlichen Meßbuches erscheinen, die zumindest in zwei Punkten bemerkenswerte Änderungen bringt: Im Text des Vaterunser heißt es künftig: „und lasse uns nicht in Versuchung fallen“, und im Gloria tritt nun – wie in der deutschen Version schon seit langem – das „Friede den Menschen seiner Gnade“ an die Stelle des früheren „Friede den Menschen guten Willens“.

Beiden Formulierungen ist gemeinsam, daß sie als problematische oder zumindest sehr weitherzige Interpretation gegenüber der im aktuellen Missale Romanum niedergelegten lateinischen Fassung angesehen werden müssen. Beim Paternoster ist das Lateinische völlig eindeutig: „et ne nos inducas in tentationem“. Das kann nur so übersetzt werden, wie es seit Jahrhunderten übersetzt wurde und von den (freilich nur in manchen Dingen) texttreueren Protestanten auch heute noch gelesen wird, weshalb in Deutschland hier eine Änderung „aus ökumenischen Rücksichten“ nicht auf der Tagesordnung steht.

Von daher bleibt uns zumindest fürs erste der in anderen Ländern „aus pastoralen Gründen“ und nun auch in Italien eingeschlagene Irrweg erspart, dem es angeblich darum geht, Gott von dem Verdacht zu reinigen, daß er als Versucher selbst die Rolle der Schlange spiele, die den Menschen dazu bringt, die Frau oder den Besitz des Nächsten und ganz allgemein die Äpfel an verbotenen Bäumen mehr zu begehren als das, was ihm selbst zugeteilt wurde. Natürlich ist es nicht Gottes Wille und Einflüsterung, daß wir sündigen – aber es ist Gottes Wille, daß wir uns in der Versuchung bewähren. Dafür hat er uns den freien Willen gegeben und der Versucher spielt durchaus seine ihm zugedachte Rolle im Großen Plan.

Beim Gloria sind die Dinge etwas schwieriger. Das Latein ist mit „hominibus bonae Voluntatis“ nur auf den ersten Blick eindeuti, denn das „Menschen (des) guten Willens“ läßt sich mit ein wenig Anstrengung durchaus auch so verstehen, daß damit der stets gute Wille Gottes gemeint sei. Beim Blick auf die griechischen Fassungen (zur Wahl stehen der Gloria-Hymnus der Septuaginta und die gleichlautende Zeile des Weihnachtsberichts des Lukasevangeliums 2,14) ist diese Zweideutigkeit ebenfalls erkennbar. Der Text läßt sich „geradeaus“ gelesen am besten so wiedergeben: Ehre sei Gott in der Höhe und auf Erden Friede, bei den Menschen Wohlgesinntheit/Wohlwollen (eudoxia). Auch hier hat man wieder die Wahl, ob man eher das Wohlwollen, das von Gott ausgeht, oder die Wohlgesinntheit, die die Menschen selbst einander und Gott gegenüber aufbringen sollen, in den Vordergrund rücken will – wobei zu berücksichtigen ist, das sich beide Lesungen nicht ausschließen, sondern eher ergänzen.

Hier könnte man nun der Reihe nach die Predigten der Kirchenväter durchgehen, um zu sehen, welche Lesart sie jeweils bevorzugten und wie sie das begründet haben. Einfacher ist es, sich das Verständnis zu eigen zu machen, das in der Kirche seit der Zeit der Kirchenväter allgemein akzeptiert war – und da neigt sich die Waage klar zum Verständnis der „Menschen guten Willens“ in dem Sinne, daß auch seitens der Menschen ein Beitrag an „Wohlgesinntheit“ gefordert ist. Erst Luther ist davon abgerückt und hat das bedingungslose (oder auch im Sinne einer engen Prädestinationslehre willkürliche) Wohlwollen Gottes in den Vordergrund gerückt.

So stimmen beide Änderungen darin überein, den Beitrag des Menschen zu einem Leben nach Gottes Willen klein zu sehen und Gott allein in den Vordergrund zu stellen – ganz im Gegensatz zu anderen aktuellen Trends, die Gott weit zurücktreten lassen und den Menschen selbst für das Schicksal des Planeten und das Glück der Menschen verantwortlich machen wollen. Nun ist es sicher nie falsch, Gott in den Vordergrund zu stellen – aber in den beiden hier vorliegenden Fällen doch geeignet, den Aspekt der eigenen Verantwortlichkeit klein zu machen. Diese Verantwortlichkeit schließt die Möglichkeit des Versagens ein. Wir werden nicht verurteilt, weil Gott uns sein Wohlwollen entzogen oder in der Versuchung seine Unterstützung versagt hätte, sondern weil wir den uns gestellten Anforderungen nicht gerecht geworden sind – trotz der von Gott in seinem grenzenlosen Wohlwollen gewährten Gnade.

So sind die beiden Änderungen des italienischen Missales zum einen Ausdruck der allgemeinen Tendenz zu Allerlösungslehren, die den Anteil des menschlichen „guten Willens“ am Gelingen des Erlösungswerkes geringschätzen. Zum anderen dann der nach wie vor grassierenden liturgischen Änderungssucht, die nichts überkommenes als vorgegeben hinnehmen kann, sondern allem ihren eigenen Stempel aufdrücken will.

Neue liturgische Entwicklungen

Bild: KNA, aus dem im Text zitierten Beitrag von katholisch.de

Liturgie war für die Abbrucharbeiter am Haus Gottes lange kein bedeutendes Thema – vielleicht haben sie das Zerstörungswerk 50 Jahre nach der gescheiterten Reform Pauls VI. als glücklich vollendet angesehen. Konnte doch fast jeder fast alles tun, was ihm beliebte. Doch jetzt, da rundum alles fließt, kommt wieder Bewegung in die Sache: Weiter-Reform der Reform ist angesagt.

In der letzten Woche brachte das Internet-Sprachrohr der neukatholischen Bischöfe einen etwas merkwürdigen Beitrag mit der fordernden Überschrift: „Das alte Testament gehört auch zur Osterzeit in die Messe“. Der Verfasser, ein derzeit anscheinend auf Stellensuche befindlicher Alttestamentler, nimmt Anstoß daran, daß die neue Leseordnung an den Sonntagen nach Ostern auf die sonst übliche Lesung aus dem AT verzichtet und statt dessen aus der Apostelgeschichte vorträgt. Was im Denkrahmen der neuen Leseordnung einleuchtet, da die Apostelgeschichte quasi die Urgeschichte der Kirche nach der Auferstehung behandelt. Ein ernsthaftes Argument, warum ihm das Fehlen der AT-Lesung als Mangel erscheint, bringt der Autor nicht, und erst recht kann oder will er keinen Vorschlag machen, welche Texte des AT ihm denn geeigneter erschiene als die derzeit vorgegebenen. Aber einen Joker hat er noch in der Tasche: „Heute – erst recht nach der Shoa – lesen wir das Alte Testament auch mit anderen Augen als noch die ersten Christen“. Wer wollte da der Forderung nach noch mehr AT in der Liturgie widersprechen. 

Ein anderer Vorstoß richtet sich auf die Messliturgie als Ganzes. Vor 6 Wochen hatten wir über einen Vortrag des Liturgiepolitikers B. Kranemann berichtet, der herausgefunden haben will, daß der aktuell für alle Übel in der Kirche verantwortlich gemachte „Klerikalismus“ seine Ursache nicht zuletzt in einer allzusehr auf den Priester ausgerichteten Liturgie habe. Nun stößt Kranemann, sekundiert von seinem Eichstätter Kollegen Bärsch, nach: Zu sehr hervorgehoben erscheint ihnen die Rolle, die der Priester bei der Eucharistieferier einnimmt, zu wenig komme zum Ausdruck, „dass ein Priester durchsichtig sein und in seinem Handeln auf einen anderen hinweisen soll.“ Bärsch nimmt ausdrücklich Anstoß an der häufigen Konzelebration: „Macht sie – so wie sie beabsichtigt ist – die priesterliche Gemeinschaft sichtbar, oder überhöht sie den Klerus?“

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Auf zur Gottesdienstwerkstatt!

Bild: https://www.evang-berlingen.ch/berlingen-erlebt-laiengottesdienstDie ersten neuen Großpfarrein im Bistum Trier sind noch nicht errichtet, da gibt es bereits praktische Erfahrungen, welcher Geist diese Monstrositäten hervorgebracht hat – und in welchem Geist sie das, was von Kirche noch übrig ist, weiter verändern und entstellen werden.

Aus einer der betroffenen Gemeinden geht uns ein Schreiben zu, daß der Noch-Pfarrer an seine Gemeindemitglieder gerichtet hat, um sie auf die Zukunft der Do-It-Yourself-Liturgien einzustimmen:

...schon heute gehört die Gestaltung von Andachten und Impulsen zum Alltag vieler Ehrenamtlicher in unseren Pfarreien. In Zukunft wird das Angebot und die Gestaltung von Wort-Gottesdiensten weiter an Gewicht gewinnen, wenn in unseren Orten weiterhin sich Menschen zu Gebet und Gottesdienst versammeln wollen.

Zugleich ist dies nicht selten eine Herausforderung, gerade vor dem Hintergrund, dass im Gottesdienst die Botschaft des Evangeliums und das Leben der Menschen miteinander in einen intensiven Austausch treten.
Aus diesem Grunde laden wir Interessierte zu einer Gottesdienstwerkstatt ein. Sie wird geleitet von dem Dramaturgen und Regisseur xxx.

In dem zweitägigen Kurs werden die verschiedenen Stationen und Elemente eines Gottesdienstes neu erschlossen und in ihrem geistlichen Gehalt hinterfragt.

In praktischen Übungen mit dem Körper, mit der Sprache und mit Übungen im Raum werden körperliche, stimmliche und dramaturgische Kompetenzen aufgefrischt und neu entwickelt. In der Vielfalt von Beten und Verkünden soll Glaubwürdigkeit und Authentizität erlangt werden.

Ein Mitglied der Gemeinde hat daraufhin seinem Pfarrer unter anderem Folgendes geantwortet:

Diese Mail macht in erschreckender Weise deutlich, wie die Situation im Bistum Trier ist und wie es nach den Plänen des Bischofs Ackermann weitergeht.

      1. Das scheußliche Wort „Gottesdienstwerkstatt“ charakterisiert alles, was ist. Die Theologen, die im Fach Liturgie alles, was  es zu vermitteln gälte, gelernt haben müssten und sogar in dem Fach examiniert sein sollten, dürfen nicht mehr vermitteln. Statt dessen bevorzugt der Bischof einen Theaterfachmann so, als sei alles, was es zu veranstalten und organisieren gilt, Theater.
      2. Die Aussage „In Zukunft wird das Angebot und die Gestaltung von Wort-Gottesdiensten weiter an Gewicht gewinnen, wenn in unseren Orten weiterhin sich Menschen zu Gebet und Gottesdienst versammeln wollen.“ bedeutet, dass nach Abschluss der ackermannschen „Neuorganisation“ des Bistums es viel weniger an Messen geben wird und das Vieles, was gesagt wurde, sich als Lug und Trug herausstellen wird.
      3. Der Satz „dass im Gottesdienst die Botschaft des Evangeliums und das Leben der Menschen miteinander in einen intensiven Austausch treten“ ist unverständlich. So soziologisch habe ich meine Teilnahme am kirchlichen Leben noch nie gesehen. Vor allem habe ich mich immer als Bittender betrachtet und nie als „auf in gleicher Ebene in Austausch tretend.“

Soweit also eine Reaktion aus der Gemeinde. Uns hat noch dazu besonders gefallen der letzte Abschnitt der Einladung mit den körperlichen, stimmlichen und dramaturgischen Kompetenzen, die aufgefrischt und neu entwickelt werden sollen, damit die Vielfalt von Beten und Verkünden Glaubwürdigkeit und Authentizität erlangen kann. Nicht nur, daß wir davon einen erneuten Einbruch liturgischer Schleiertänze in den Raum des Gottesdienstes befürchten – darauf käme es in all der Verwirrung kaum noch an. Aber daß derlei Antrainiertes dann auch noch für Glaubwürdigkeit und Authentizität sorgen soll, dazu auch noch Vielfalt, das ist schon einigermaßen erschütternd.

Die „Glaubwürdigkeit“, so lernen wir, kommt aus der Werkstatt. Es muß halt nur von der richtigen Werkbank sein, nicht von der mit Latein und Dogma.

50 Jahre Liturgiereform

Bild: G.Nitschke, aus dem zitierten Artikel der Tagespost Zum 50. Jahrestag der reformierten Liturgie bringt Die Tagespost – sie entscheidet sich für den 3. April als Stichtag – ein langes und lesenswertes Interview mit dem Münchener Liturgiewissenschaftler Winfried Haunerland und dem Freiburger Dogmatiker Helmut Hoping. Beide verschließen sich nicht der Einsicht, daß die Auswirkungen der Reform jedenfalls weit hinter den Erwartungen zurück geblieben sind – immerhin. Zwei Punkte des Gesprächs fanden wir besonders interessant. Beide Gesprächspartner werfen einen kritischen Blick auf das von der Liturgischen Bewegung angestrebte, von der reformierten Liturgie aufgenommene und inzwischen weiter vorangetriebene Ziel, die Liturgie als als „Gemeinschaftsaktivität“ zu verstehen und zu gestalten. Und insbesondere Hoping außert sich sehr kritisch zu der bemerkenswerten Tatsache, daß es für die bereits 2002 promulgierte Editio typica tertia des Missales immer noch keine deutsche Übersetzung gibt.

Zum Gemeinschaftscharakter der Messfeier räumt Haunerland ein

Die Liturgie wurde bis 1962 in der Regel als stille Messe gefeiert. Sie hatte ihren hohen spirituellen Wert darin, dass sie gleichsam einen geistlichen Raum schuf, in dem der Einzelne mit seiner Frömmigkeit Platz hatte und mit großer Freiheit seinen Anschluss suchen konnte. Es gab den Schott. Wer Rosenkranz betete, tat formal etwas anderes, war aber inhaltlich auch beim Leben Jesu, das in Tod und Auferstehung kulminiert. Das gleiche gilt für die Messandachten. Insofern ist die heutige Liturgie tatsächlich weniger offen für Individualitäten, sondern sucht eine gemeinschaftliche Form. Das kann man als „Tyrannei“ bezeichnen; aber Unterordnung ist eben der Preis des Gemeinschaftlichen.

Hoping ist hier wesentlich deutlicher und spricht aus, was wir in dieser Form von einem deutschen Universitätstheologen so noch nicht gehört haben (und auch selbst differenzierter ausdrücken würden):

Wir hatten es in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts mit einer Reihe von Bewegungen zu tun, die teilweise Berührungen hatten, etwa die Liturgische Bewegung, mit der nationalsozialistischen Bewegung. Der Gemeinschaftsbegriff ist wie derjenige der Bewegung gerade in Deutschland kein unschuldiger Begriff. Gemeinschaften sind in der Gefahr, dem Individuum Freiheiten zu nehmen. Die Messfeier wird von vielen heute primär als Gemeinschaftsfeier verstanden. Auf die Frage, wer Adressat der priesterlichen Vorstehergebete sei, hört man dann, wenig überraschend, sie seien an die vor Ort versammelte Gemeinde gerichtet, was theologisch falsch ist.

Auf die Frage des Interviewers, warum das offizielle Missale in der Form von 2002 in Deutschland immer noch nicht übernommen worden ist, antwortet zunächst Haunerland:

Auch die italienische Bischofskonferenz hat die „Editio typica tertia“ noch nicht. Das Mühsame liegt nicht nur an der Übersetzung. Die Bischöfe haben unterschiedliche Visionen, welche Form, welches Niveau, welche Klarheit, welche Art von deutscher Sprache gewollt wird. Das ist ein großes Problem.

Dass die Gottesdienstkongregation in den 1990er Jahren meinte, sagen zu können, wie es besser geht, hat die Bischöfe auch nicht überzeugt. „Magnum principium“ ist eine Herausforderung für unsere Bischöfe, denn sie müssen eine Weise finden, wie sie sich auf einen Weg so einigen, dass er auch zu einem Ergebnis kommt. Jetzt kann man nicht mehr sagen: Es liegt nur daran, dass es mit den Römern so schwierig ist.

Hoping spricht unverblümt den Kern der Sache an, um dann ebenso wie Haunerland die Bischöfe in die Pflicht zu nehmen:

Die Mehrheit der deutschen Bischöfe hat eine Revision des deutschen Messbuchs am Ende einfach nicht gewollt. Es war ein Machtkampf mit dem Vatikan, das wurde während des Übersetzungsprozesses immer deutlicher – und am Ende haben sich die Bischöfe für den Boykott entschieden. Wäre man Willens gewesen, hätte es auch einen Weg gegeben. Das zeigt die von den Bischöfen zu Advent eingeführte neue Einheitsübersetzung, bei der man mit wörtlichen und konkordanten Übersetzungen kein Problem hatte. (…) Nachdem „Magnum principium“ die Kompetenzen hinsichtlich Approbation und Rekognitio liturgischer Bücher geklärt hat, helfen in der Frage des Messbuchs keine Ausreden mehr. Die Verantwortung liegt bei den Bischöfen und sie sollten liefern.

In einem dritten Punkt lassen die beiden Gesprächspartner ebenfalls ein hohes Maß an Übereinstimmung erkennen – werden aber damit u.E. der tatsächlichen Lage in keiner Weise gerecht. Es geht um die neue „erweiterte“ Leseordnung, die von beiden prinzipiell positiv bewertet wird. Haunerland sieht darin „zumindest quantitativ“ einen „Riesenfortschritt“, Hoping immerhin noch einen „Gewinn“ - den die Bischöfe allerdings dadurch verspielt hätten, daß sie es ermöglichen, „aus pastoralen Gründen“ eine der nunmehr drei vorgesehenen Lesungen entfallen zu lassen. Dem ist einmal entgegenzuhalten, daß die heilige Messe nur sehr begrenzt ein Ort der Katechese sein kann, an dem das neue Testament möglichst vollständig vorgetragen wird und auch umfangreiche Texte aus dem alten Testament verlesen werden. Gewichtiger jedoch ist der Einwand, daß die neue Leseordnung ja das propagierte Ziel, den Gläubigen „den Tisch des Gotteswortes reicher zu bereiten“ (SC 51) bestenfalls der Menge nach erfüllt, inhaltlich aber dadurch konterkariert hat, daß viele unbequeme oder schwer verständliche Textstellen einfach ausgelassen werden oder „zwischen die Sonntage“ fallen. Das ist inzwischen so weithin bekannt und durch den „Index Lectionum“ von Hazell so eindeutig belegt, daß heute niemand mehr von „wirklichem Gewinn“ sprechen sollte, ohne rot zu werden.

50 Jahre sind genug

Bild: gefunden auf http://kunigundekreuzerin.blogspot.com/2016/03/verfluchter-feigenbaum-ii.htmlDas kommende Jahr – es wird Zeit, sich darauf einzustellen – bringt uns den 50. Jahrestag der Einführung des Novus Ordo. Der neue Ritus war gedacht und gewollt als glänzendster Ausdruck des neuen Frühlings, den das Konzil verheißen hatte. Doch statt des Frühlings kam ein eisiger Winter, in dessen Folge die Kirche in den Ländern, wo einst das christliche Abendland war, einen unerhörten Niedergang erlebte und heute vielfach vor Spaltung oder Auslöschung zu stehen scheint steht. Wieweit der Novus Ordo diesen Niedergang mit bewirkte und beschleunigte, ob er nur dessen Ausdruck ist oder ob er ihn bloß nicht verhindern konnte, ist Gegenstand offener Diskussionen. Daß diese vermeintliche Liturgie der Zukunft alle in sie gesetzten Erwartungen enttäuscht hat, steht inzwischen außer Zweifel – außer vielleicht für ein paar Jesuiten, die immer noch glauben, daß 2+2 auch 5 ergeben kann, wenn sie es nur oft genug wiederholen.

Der amerikanische Publizist und Hochschullehrer Anthony Esolen, alles andere als ein RadTrad, hat in Crisis Magazin einen lesenswerten Beitrag dazu geschrieben, was ihm bei einer umständebedingten Teilnahme an einer ganz normalen Sonntagsmesse widerfahren ist: Überschrift: 50 Jahre verweichlichte und unfruchtbare liturgische Kultur sind genug! Dass ganze ist gut geschrieben und lesbar – hier daraus nur die beiden Schlußabsätze.

Es beginnt ein langes Zitat(Die Liturgiekonstitution) Sacrosanctum Concilium verrät an mehreren Stellen eine modernistische Vorliebe für das, was sie Einfachheit nennt – bei dem es sich jedoch oft nur um Trockenheit handelt. Es ist mir bewußt, daß die Kirche oft genug künstlerischen Überschwang zurückschneiden mußte, damit die sichtbare Welt nicht die unsichtbare verdrängen würde. Ich weiß auch, daß die Konzilsväter von Trient sehr bewußt darauf drangen, daß der Chorgesang die Worte der Sänger nicht unverständlich werden lassen sollte. Aber für die Kirche in der modernen Welt gab nicht die geringste Gefahr, zu üppig oder zu überschwänglich zu werden. Da gab – und gibt es – nur die Gefahr des anderen Extrems. Und so stehen wir nun da mit dem Schlechtesten aus beiden Welten: Wir haben weder die großartigen Komliziertheiten des Barock noch die eindrückliche Einfachheit der Grande Chartreuse – wir haben Show und Kitsch, und eine geistige Ödnis.

„An ihren Früchten werdet ihr sie erkennen“ sagt Jesus. 50 Jahre sind lang gennug, daß wir ein faires Urteil abgeben können. Sacrosanctum Concilium ist als Dokument rechtgläubig. Aber ich frage mich sehr, ob es nicht besser gewesen wäre, einfach zu sagen: „Die Messe kann bei Gelegenheit in der Umgangssprache gefeiert werden. Für die Sonntagsmesse sind drei Lesungen angemessen, und der Priester soll die meisten Gebete laut sprechen.“ Das hätte dem modernen Geist der Bilderstürmerei keine Ansatzpunkte gegeben. Doch statt dessen haben wir nun 50 Jahre lang miese Kirchenbauten erlebt, miese Musik, miese Malerei, banale Sprache, miese Katechese, tote und sterbende Ordensgemeinschaften und ungläubige Gläubige, deren Vorstellungswelt mehr von Hollywood als vom Allerhöchsten geprägt ist. Wir stecken fest in in einer kulturellen und kirchlichen Grauzone, alles geht den Bach runter, ist verweichlicht, kraftlos, fruchtlos.

Wir haben nur eine einzige Chance für die Zukunft der Kirche: Wir müssen neu aufbauen und uns dabei auf die zeitlosen kulturellen Errungenschaften stützen, mit denen wir Christus dienen können, der gestern, heute und morgen der selbe ist – in saecula saeculorum.“

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