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Zuviel ist zuviel

Die in Rom zu Anfang des Jahres eingerichtete Kommission zur Überprüfung der Instruktion Liturgiam Authenticam nimmt Konturen an. Inzwischen gibt es eine auf „gut unterrichtete Kreise“ zurückgehend inoffizielle Mitgliederliste – und die bemerkenswerte Information, daß die Kommission ohne Mitwirkung und sogar ohne vorherige Information von Liturgie-Präfekt Sarah eingerichtet wurde, obwohl die Kommission unter dem Dach der Liturgiekongregation arbeiten soll.

Alles, was sonst noch über die Kommission bekannt geworden ist, deutet darauf hin, daß nicht der überlieferte Ritus – der ja ausnahmslos in lateinischer Sprache zelebriert wird – Gegenstand ihrer Arbeit sein soll, sondern die sprachlichen Voraussetzungen zur „Inkulturation“ der Liturgie in den verschiedenen Sprach- und Kulturräumen der katholischen Welt. Das Bugnini-Consilium der wilden Jahre1965-69 hatte in dieser Hinsicht bereits sehr weitgehende Konzepte entwickelt, die seinerzeit in dem Dokument „Comme le prevoit“ (hier eine englische Übersetzung) niedergelegt worden waren.

Methodischer Ansatz der Instruktion ist das in der Sprachwissenschaft der 60er Jahren modische Prinzip der „dynamischen Äquivalenz“ - das bedeutet: Die Angemessenheit einer Übersetzung entscheidet sich ganz konkret zu einem bestimmten Zeitpunkt und gegenüber einer bestimmten Hörer- bzw. Leserschaft - heute auf dem Dorf und morgen in der Stadt kann das sehr verschieden ausfallen. (Abschnitt 7 u. 36) Großes Gewicht wird darauf gelegt, Experten einzubeziehen, um die „wahre Bedeutung“ von Texten zu ermitteln (9) – als ob diese Bedeutung nicht längst festliegen würde. Fernziel der Verfasser ist es, möglichst viel Verantwortung für die „Gestaltung“ der Liturgie in die Hand der Gemeinden zu geben, die ihren Gottesdienst einschließlich der Formulierung aller Gebete innerhalb eines lockeren Rahmens selbst gestalten. (Abschnitt 20 u. 43) Gegenüber der Verwendung von gehobener Sprache werden klare Vorbehalte angemeldet (15), die Gottesdienstteilnehmer werden - wie so oft von den Liturgiereformen - für Idioten gehalten, wenn man davor warnt, den Ausdruck „Ort der Kühle und der Erfrischung“ in nördlichen Ländern wörtlich zu übertragen (23).

Die unter der Verantwortung des damaligen Präfekten der Liturgie-Kongregation Kardinal Medina Estevez erarbeitete Instruktion „Liturgiam Authenticam“ hatte demgegenüber die Bedeutung einer möglichst engen Orientierung der Übersetzungen am lateinischen Original unterstrichen und gefordert, die Messtexte in einer betont vom Alltag abgesetzten Sprachebene anzusiedeln. Das war ein äußerst wirkungsvoller Ansatz, um zwei der Lieblingsstrategien der Liturgierevolutionäre entgegenzuwirken: Die Ansiedlung der Liturgie im gewöhnlichen Lebensumfeld der jeweiligen Gemeinde und die Angleichung ihrer theologischen Aussagen an die je nach Zeit und Ort verschiedenen modernistischen Ersatzdogmen. Bekanntestes Beispiel: „Für Viele“ oder „für alle“.

Diese mit viel Mühe errichtete Barriere gegen die formale und inhaltliche Zersplitterung der Liturgie soll jetzt wieder eingerissen werden. Damit würde der einzige praktisch zumindest teilweise verwirklichte Ansatz zu einer „Reform der Reform“ – besser gesagt: zu einer Rückkehr zu der von den Konzilsvätern ursprünglich intendierten maßvollen Erneuerung der Liturgie – wieder aufgegeben. Das wäre durchaus im Sinne dieses Papstes, der den Begriff „Reform der Reform“ nicht mehr hören will und eine durchgänge Regionalisierung der Kirche mit weitgehender Einebnung in ihre jeweiligen sozialen Umfelder anstrebt – ohne dabei auf vielen bisher für „unverhandelbar“ gehaltenen Grundverpflichtungen des Glaubens zu bestehen.

Das kann man bedauern und sogar für verhängnisvoll halten. Andererseits kann man von der sicheren Position der überlieferten Liturgie aus den Entwicklungen auch eine positive Sicht abgewinnen. Je deutlicher der Charakter der neuen Liturgien als „banales Produkt des Augenblicks“ erkennbar wird, desto größer ist die Chance, daß mehr von denjenigen, denen diese Banalität zugemutet wird, das auch erkennen. Katholiken, die es mit ihrem Glauben ernst meinen – und die gibt es natürlich auch in den ganz normalen Gemeinden mit manchmal ganz normalen Liturgien – sind heute nicht mehr so lähmend autoritätsfixiert wie in den 60er Jahren. Und was zuviel ist, ist zuviel.

Liturgie für Kinder

Bild: Joseph Shaw, flickrFür ein Jahrtausend oder länger sind die Kinder katholischer Familien so in die Liturgie hineingewachsen, wie sie auch in alle anderen Lebenstätigkeiten und -umstände ihrer Eltern hineingewachsen sind: Durch Dabeisein, spielerisches – d.h. oft auch unkonzentriertes und manchmal „störendes“ – Mitmachen, durch Mitplappern und Nachahmen, andere Fragen und selbst Nachdenken. Wenn sie dann das „Alter der Vernunft“ erreicht hatten, wußten sie, „daß Jesus in der Kommunion ganz zu mir kommt“ - und das hielt oft ein ganzes Leben lang.

Im „Zeitalter der Vernunft“ ist die Vorstellung, so etwas in einer geeigneten Umgebung einfach wachsen zu lassen, völlig unerträglich – die Liturgie wird zielgruppengemäß designed und für Kinder didaktisch aufbereitet, bis nichts mehr davon übrig geblieben ist. Vielleicht sind die mit großem Einsatz (und unter völliger Verkennung all dessen, worauf es wirklich ankommt) „gestalteten“ Kinderliturgien ein Hauptgrund dafür, daß die überwiegende Mehrzahl der Kinder, die damit traktiert wurden, später als Erwachsene nie wieder den Fuß in eine Kirche setzen – außer zu gelegentlichen Traungs- oder Beerdigungsritualen, zu denen sie sich dann musikalische Begleitung durch ihre Lieblingssongs wünschen.

Joseph Shaw, Vorsitzender der „Latin Mass Society“ von England und Wales und selbst Vater einer vielköpfigen Kinderschar, hat sich in den vergangenen Tagen auf seinem Blog eingehender mit den hier aufgeworfenen Fragen beschäftigt. Dabei identifiziert er die verengt rationalistische Sicht der Liturgie nach dem Novus Ordo auf den Gottesdienst als Hauptursache dafür, daß diese Liturgie Kinder immer weniger erreicht. Als eine weitere Ursache macht er den Umstand aus, daß das häusliche Leben nur noch selten von Zeugnissen des Glaubens geprägt ist: Wo kein Heiligenbild an der Wand hängt, können die Kinder auch keines in der Kirche wiedererkennen – falls es dort nicht dem nachkonziliaren Bildersturm zum Opfer gefallen ist. Nichts hilft ihnen, sich dort zu hause zu fühlen. Und der Anspruch an das intellektuelle Verständnis der „Partizipanten“, bei gleichzeitiger Vernachlässigung aller anderen Kommunikationsbenen geht weit am Wahrnehmungsvermögen von Kindern vorbei – und nicht nur von Kindern. Shaw zieht folgendes Fazit:

Die Befürworter der Liturgiereform reagierten darauf in zweierlei Weise. Erstens versuchten sie, die Sprache noch stärker zu vereinfachen. … Die Ergebnisse sind oft eine Liturgie, die für Erwachsene kaum erträglich ist – und trotzdem werden kleine Kinder immer noch kaum ein Wort von dem verstehen, was da vor sich geht.

Das „Direktorium für Kinder“ ist sehr bemüht, Langeweile zu vermeiden. Deshalb versucht es zweitens, die Kinder überhaupt aus der Liturgie herauszunehmen – zumindest für einen größeren Teil der hl. Messe – und ihnen statt dessen ein para-liturgisches Erlebnis zukommen zu lassen. Viele davon sind in jeder Hinsicht lächerlich, andere mögen wohlüberlegt und ehrfurchtsvoll sein. Aber nichts davon kann das Problem lösen, denn obwohl in diesen Formen noch mehr Freiheit für den verbalen Ausdruck gegeben ist, stößt verbale Kommunikation bei Kindern, die noch nicht einmal richtig sprechen können, notwendigerweise auf schwer überwindliche Grenzen. Und gleichzeitig führt die Formlosigkeit dieser Para-Liturgien immer weiter von den Verfahren der non-verbalen Kommunikation weg, die im überlieferten Ritus so gut wirken.

In anderen Worten: Die Mittel, die man einsetzt, um die Liturgie für Kinder verständlicher zu machen, bringen uns nur noch immer tiefer in Schwierigkeiten.“

Die bisher zwei aktuellen Artikel von Joseph Shaw zum Thema finden Sie hier.

Kapitulation vor der Moderne

Anlässlich des Erscheinens seines Buches: „Wiederauferstehung inmitten der Krise: Die hl. Liturgie, die überlieferte lateinische Messe und die Erneuerung der Kirche“ hat Peter Kwasniewski dem Tschechischen Autor Andrej Kutarna ein Interview gegeben, dessen originale englische Fassung auf Rorate Caeli erschienen ist. Wir übersetzen daraus zwei zentrale Abschnitte.

Frage Kutarna: Der Titel Ihres Buches geht davon aus, daß die Kirche sich in einer Krise befindet. Können Sie etwas dazu sagen, wo Sie die Ursachen dieser Krise sehen?

Kwasniewski: Nun, diese Krise hat natürlich vielfältige Ursachen, und man kann nur schwer ein Hauptproblem ausmachen, zumal es da auch regionale Unterschiede geben mag – was auf Europa und Nordamerika zutrifft, sieht in Afrika oder Asien vielleicht wieder anders aus. Aber ich denke, wir können auif die Richtigkeit des Urteils von Joseph Ratzinger vertrauen: „Ich bin überzeugt, daß die Krise in der Kirche, die wir heute erleben, in großem Umfang auf die Zerstöruing der Liturgie zurückgeht“. (Milestones – Memoires 1927-77. Dieses Urteil wird von den Kardinälen Burke, Canizares-Llovera, Sarah und vielen anderen scharfsichtigen Beobachtern der Gegenwart geteilt.

In unserer Hast zum Dialog mit der Welt, in unserer Angleichung an die Ideen (und Idole) der Moderne und in der Begeisterung für pastoralen Aktivismus haben wir vergessen, daß Gott an erster Stelle steht, genauso wie das liturgische Gebet, die Tradition und die Gnade. Unser Herr hat uns zwar zugesagt, daß die Pforten der Hölle die Kirche nicht überwältigen werden – das heißt, irgendwo wird sie immer bestehen, bis Er wieder kommt. Aber er hat nie versprochen, daß jede Ortskirche bestehen bleibt, und so, wie der Islam schon im Altertum das Christentum in Afrika und Kleinasien ausgelöscht hat, so löscht der Geist der Kompromisse mit der Moderne das Christentum in der Wesltichen Welt der Gegenwart zunehmend aus. Es wird immer Inseln glaubenstreuer Katholiken geben, die an der Orthodoxie festhalten – das heißt an der richtigen Lehre und am rechten Gottesdienst. Aber nur wer blind und taub ist, kann bestreiten, daß es eine Krise des Glaubens gibt, und daß diese Krise durch die schlechten Entscheidungen und die irrige Philosophie der kirchlichen Hierarchie im vergangenen halben Jahrhundert vertieft worden ist.

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Die 'Do it yourself'-Bibel

Nach über 10-jähriger Überarbeitung hat die Bischofskonferenz am gestrigen Dienstag die neue Version ihrer „Einheitsübersetzung“ der heiligen Schrift vorgestellt. Vor allem anderen ist ein populärer Irrtum auszuräumen: Die Einheitsübersetzung wurde zwar von Anfang an in Zusammenarbeit mit protestantischen Theologen vorbereitet – die protestantische Seite hatte jedoch erklärtermaßen nie die Absicht, von der Lutherübersetzung als Grundlage abzurücken. Das „Einheit“ bezieht sich alleine darauf, daß alle Stellen in der Liturgie der deutschkatholischen Kirche, an denen die Bibel zitiert wird, nach dieser Übersetzung wiederzugeben sind.

Das war bisher schon schlimm genug, und wird durch die neue Fassung geradezu unerträglich. Die wichtigsten Änderungen unter dem Einfluss der gerade als zeitgemäß geltenden Sprach- und Kommunikations-Theologie werden auf katholisch.de herausgestellt: Aus Eva, die Adam nach bisherigem Verständnis als „Hilfe, die ihm entspricht“ zur Seite gestellt war, wurde nun eine „ebenbürtige Hilfe“ - wie schön für sie. Die Frauen Elisabth und Maria, werden nun „schwanger“, statt daß sie „empfangen“ - insbesondere im Fall der jungfräulich empfangenden Gottesmutter muß das ernste Bedenken hervorrufen – aber der moderne Mensch „empfängt“ halt nichts, sondern er ist „Macher“. „Wunder“, die der kritischen Theologie schon bisher so peinlich waren, daß sie bei der Auswahl der Lesungen oft genug unter den Tisch fielen, gelten nun als „Machttaten“ Gottes – ob das in allen Ohren sympathischer klingt?

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Er hat es wieder getan

Quelle: Catholic Herald/CNS/Paul HaringIm Juli hatte der Präfekt der Liturgiekongregation die Priester dazu aufgerufen, ab dem ersten Advent dieses Jahres - zu einem ersten Advent hatte Papst Paul VI. seine Liturgiereform in Kraft gesetzt - öfter in der traditionell üblichen und auch nach der neuen Liturgie möglichen Zelebrationsrichtung ad orientem zu feiern. Er war dafür aus römischen Kreisen heftig kritisiert worden; einige Bischöfe, darunter der Erzbischof von Westminster und Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Vincent Cardinal Nichols, waren sogar so weit gegangen, ihren Priestern derartige Zelebrationen faktisch zu untersagen. Die siegreichen Revolutionäre (oder die, die sich für siegreich halten), dulden kein Abweichen von der Parteilinie. Sehr informativ dazu Crisis Magazine)

Inzwischen zeichnet sich ab, daß - wenn überhaupt - nur wenige Priester dem Appell des für die Liturgie zuständigen Kardinals folgen werden. Der Vorsitzende der Una Voce in England und Wales, Joseph Shaw, geht sogar so weit, den Vorstoß des Kardinals als einen schweren Rückschlag für eine Reform der Reform zu bezeichnen - fügt dabei freilich hinzu, daß das kein Nachteil sein müsse. Daß eine Reform der Reform auf der gegenwärtigen Grundlage Gutes bewirken könne, ist tatsächlich mehr als zweifelhaft. Dennoch hat sich Kardinal Sarah - und das ist unabhängig von allen kurz- und mittelfristigen Erfolgsaussichten hoch anerkennenswert und uneingeschränkt zu begrüßen - jetzt erneut mit einem Apell „zum Herrn hin“ zu zelebrieren, an die Priester gewandt.

In einer Rede an den Klerus der Erzdiözese Colombo stellte der Kardinal insbesondere das Problem heraus, daß die moderne Gottesdienstgestaltung den Priester dazu verleitet, vielleicht sogar dazu zwingt, seine Person und die Interaktion zwischen Priester und Gemeinde in den Mittelpunkt zu stellen - statt Christus und dessen erlösende Opfertat. 

Was er (Christus) tut, ist das Wesentliche. Das beste, was wir tun können, ist, in Verehrung und Anbetung unsere „Erstlinge“ darzubringen. Wenn die moderne Liturgie in der Umgangssprache und dem zum Volk hingewandten Priester gefeiert wird, besteht die Gefahr, daß der Mensch, oder sogar der Priester und seine Persönlichkeit selbst, zu sehr ins Zentrum geraten. In jeder katholischen Liturgie konzentriert sich die Kirche, bestehend aus dem Priester und den Gläubighen, ganz und gar, mit Herz und Geist, auf Gott, der der Mittelpunkt unseres Lebens und der Ursprung jedes Segens und aller Gnade ist.“

So die abschließenden Sätze seiner Rede, die der Catholic Herald in einer ausführlichen Zusammenfassung wiedergibt.

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