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Fälscher und Betrüger am Werk

Aus der römischen Kleruskongregation ist der Entwurf eines Dokuments bekannt geworden, wonach sie alle in Rom residierenden Priesterkollegien dazu verpflichten will, die heilige Messe nur noch in Konzelebration zu feiern. Betreffen würde das in erster Linien die römischen Priesterseminare und ähnliche Ausbildungsstätten. Aufgedeckt hat das Projekt Roberto de Mattei – wir haben am 30. Juni bereits ein erstes Mal darüber berichtet. In den vergangenen acht Tagen hat sich nun Fr. John Hunwicke vom Ordinariat unserer Lieben Frau von Walsingham in insgesamt 6 Beiträgen (vom 17. bis zum 24. Juli) ausführlicher mit dem Thema befasst. Einiges von dem, was er dabei zu Tage gefördert hat, soll hier noch einmal kurz zusammengestellt werden.

Ausgangspunkt von Hunwickes Überlegungen ist die Vermutung, daß die Autoren des Entwurfs zutiefst beunruhigt sind über die Entwicklung beim Priesternachwuchs der vergangenen Jahre. Die meisten Seminaristen hätten entweder ein positives Verhältnis zur Tradition – auch und ganz besonders zur liturgischen – oder sie stünden ihr zumindest sachlich und neutral gegenüber.

Immer öfter hört man das vergnügte Lachen junger Kleriker, die sich sicher sind, daß das Alter und der liebe Bruder Tod die Probleme abräumen werden, die die gegenwärtig an der Macht befindliche Generation von Heuchlern der Kirche bereitet“.

Von daher wertet Hunwicke die Konzelebrationspflicht als Ausdruck der gleichen Furcht, die auch die Priesterweihe von Diakonen von einem Votum „der Laien“ abhängig machen will – das wäre die Angst, daß einem bis in die höchsten Ränge von Glaubensverlust und Kapitulationsbereitschaft geprägten Klerus wieder Priester und Bischöfe folgen können, die einfach nur katholisch sind. (Teil 1)

Dabei sieht Hunwicke den Entwurf ganz klar gegen das zunehmende Interesse an der überlieferten Liturgie gerichtet: Im traditionellen Ritus gibt es – vom Sonderfall der Priesterweihe abgesehen – keine Konzelebration. Priester zur praktisch ausnahmslosen Konzelebration zu verpflichten bedeutet, den alten Ritus faktisch aus den Seminaren zu verbannen, und das, ohne Summorum-Pontificum auch nur anrühren zu müssen. (Teil 2) Fr. Hunwicke macht darauf aufmerksam, daß der Entwurf der Kleruskongregation offenbar bis jetzt in gar keiner Weise mit der Gottesdienstkongregation abgestimmt worden ist – obwohl er eine liturgische Frage betrifft und damit vollständig in deren Zuständigkeitsbereich fallen sollte. Er macht weiterhin darauf aufmerksam, daß der Entwurf in keinem Wort auf das tägliche Offizium eingeht, obwohl dieses doch in erster Linie dazu geeignet und von seinem Wesen her bestimmt wäre, das gemeinschaftliche Beten zu fördern. Doch – so Hunwicke – dieses behauptete Ziel ist eben nur vorgeschoben. (Teil 3)

Als nächstes stellt sich der englische Priester die Frage, ob der Entwurf sich „einfach so“ über die unmißverständliche Rechtslage – begründet in Sacrosanctum Concilium, und klar ausgedrückt im Missale und im Kirchenrecht – hinwegsetzt, wonach, jeder Priester jederzeit das Recht hat, einzeln zu zelebrieren.

„Nein“ hat er beobachtet, „er packt das Problem ganz fest und quasi mit beiden Händen an. Der Entwurf zitiert die genannten Dokumente mit Quellenangabe und allem und fasst dann deren Inhalt (einschließlich der Hervorhebung) so zusammen: Das wesentliche Kriterium, nach dem eine Einzelzelebration an Tagen gerechtfertigt ist, an denen die Kirche oder die Gemeinschaft die Konzelebration vorgibt, ist, daß das Wohl der Gläubigen das verlangt oder angeraten sein läßt“.

Hier wird der Sinn und die Aussage der zitierten Dokumente auf dreisteste Weise in sein Gegenteil verkehrt. Darin vermutet Hunwicke eine noch über den konkreten Fall hinausgehende Gefahr. Er verweist auf die römische Praxis, sich auf in Vorgängerdokumenten festgestellte Präzedenzen zu berufen und befürchtet: „Wenn die Kleruskongregation mit diesem Taschenspielertrick durchkommt, könnte ihre Verdrehung als Fußnote künftiger repressiver Dokumente auftauchen um zu suggerieren, daß diese Fälschung der hergebrachten Praxis der Kirche entspricht“. (Teil 4)

Im folgenden Abschnitt präsentiert Fr. Hunwicke dann den Wortlaut und die Fundstellen der Aussagen, in denen Sacrosanctum Concilium und das Kirchenrecht festschreiben, daß jeder Priester jederzeit (mit Ausnahme des Gründonnerstags) das Recht hat, eine Einzelmesse zu feiern und zeichnet nach, daß damit seit vielen Jahrhunderten auch die Vorstellung verbunden war, daß die Priester dazu jeden Tag verpflichtet wären. Daran schließt sich seine Frage an:

Wie entschieden müssen eigentlich die Aussagen des Lehramtes ausfallen und wie oft müssen sie wiederholt werden, daß die Abweichler und Irrlehrer davon Notiz nehmen. Und warum gibt es in den Kurienbehörden so viele Abweichler und Irrlehrer? (Teil 5)

Abschließend stellt Fr. Hunwicke dann unter ausführlichem Rückgriff auf den anglokatholischen Theologen Eric Mascall klar, daß die Einzelzelebration historisch nie als Widerspruch zum sozialen, die ganze Kirche umfassenden Charakter der heiligen Messe aufgefasst worden ist: Soviele Priester auch an an wie vielen Altären zelebrieren – es ist immer das eine von Jesus Christus gestiftete Opfer, zu dem die von der Christus selbst und der Kirche dazu beauftragten Priester an den Altar treten. (Teil 6) Er schließt seine Abhandlung mit einer bereits vorher angeklungenen Überlegung: 

Nach prominenten Vatikanologen ist der Kardinalpräfekt der Kleruskongregation (Benjamino Stella), die das vorliegende Papier erarbeitet hat, der engste Freund des Papstes in der Kurie. Es erscheint merkwürdig, daß ein so wichtiger und gut vernetzter Mann offensichtlich so wenig über die Lehre und die Praxis der Kirche weiß oder wissen will.“

„Das Kollektiv stärken!“

In Rom kursiert als Entwurf der Kleruskongregation ein Dokument, nach denen die Bergoglianer die in Rom in Kollegien tätigen Priester künftig verpflichten wollen, die hl. Messe nur noch als Konzelebration zu feiern. Dabei geht es nicht um die Priester geistlicher Gemeinschaften, sondern um die Angehörigen funktionaler Einheiten wie Hochschulen, Seinare oder andere kirchliche Behörden und Verwaltungen. Diese „Kollektive der geistlichen Arbeit“ sollen - erforderlichenfalls auch mehrere pro Tag - verbindliche Konzelebrationstermine festsetzen, damit wirklich jeder teilnehmen kann. Roberto de Mattei zitiert und kommentiert das umfangreiche „geleakten“ Papier in einem Artikel, der inzwischen auch in deutscher Sprache vorliegt.

„Es ist empfehlenswert, daß die Priester generell an der eucharistischen Konzelebration an den im Kolleg vorgesehenen Zeiten teilnehmen können, indem die gemeinschaftliche Zelebration immer der individuellen vorgezogen wird. In diesem Sinn könnten die Kollegien mit einer ansehnlichen Zahl dort untergebrachter Priester die Eucharistische Zelebration zu 2 oder 3 unterschiedlichen Zeiten am Tag festlegen, damit es jedem nach seinen persönlichen, akademischen oder pastoralen Bedürfnissen ermöglicht wird, daran teilzunehmen.
Wenn die im Kolleg wohnenden Priester wegen besonderer Umstände nicht zu den vorgesehenen Zeiten an der Konzelebration teilnehmen können, haben sie immer zu einer anderen, geeigneteren Zeit die gemeinsame Zelebration vorzuziehen.“

Diese Vorgaben widersprechen eindeutig dem geltenden Kirchenrecht, in dessen Canon 902 es unmißverständlich heißt:

„Priester können die Eucharistie in Konzelebration feiern; den einzelnen aber bleibt die Freiheit unbenommen, die Eucharistie einzeln zu feiern“ 

Freilich haben geltende Gesetze die Bergoglianer noch nie daran gehindert, eine dagegen verstoßende Praxis einzuführen oder gut zu heißen - ohne den Gesetzestext selbst zu ändern. Und natürlich wäre eine Gesetzesänderung mit Unterstützung des Papstes ebenfalls jederzeit möglich. Denn die Dokumente der Kleruskongregation beziehen sich zwar zunächst auf die Priesterkollektive Roms - er ist aber offensichtlich darauf angelegt, die ganze Kirche zu beeinflussen.

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Gebete gegen die Feinde der Kirche

Bild: nrw.direkt.netDie neue Version des „Gotteslob“ - des offiziellen Gebet- und Gesangbuches für die deutschkatholischen Bistümer – hat viele Leerstellen. Die beklagenswerteste ist das Fehlen des römischen Kanons bei den Messtexten – tatsächlich enthält die Ausgabe überhaupt nur den 2. Kanon, der ursprünglich als „Schllchtversion“ für Werktage gedacht war. Kath.net hat jetzt eine Leerstelle entdeckt, die bisher nicht aufgefallen war: Das in der vorhergehenden Version enthaltene „Gebet für die verfolgte Kirche“ wurde ersatzlos gestrichen. Und das, obwohl auch schon bei der Erstellung der Neufassung zu sehen war, daß die Kirche insbesondere, aber bei weitem nicht nur in den mohamedanischen Ländern ständig zunehmender Verfolgung ausgesetzt ist.

Das Gebet in der früheren Fassung hat folgenden Wortlaut:

Gott, nach dem geheimnisvollen Ratschluss deiner Liebe lässt du die Kirche teilhaben am Leiden deines Sohnes. 

Stärke unsere Brüder und Schwestern, die wegen ihres Glaubens verfolgt werden. Gib ihnen Kraft und Geduld, damit sie in ihrer Bedrängnis auf dich vertrauen und sich als deine Zeugen bewähren. 

Schenke ihnen Freude darüber, dass sie sich mit Christus im Opfer vereinen, und gib ihnen die Zuversicht,, dass ihre Namen im Buch des Lebens eingeschrieben sind. 

Gib ihnen die Kraft, in der Nachfolge Christi das Kreuz zu tragen und auch in der Drangsal ihren christlichen Glauben zu bewahren.

Die überlieferte Liturgie kennt aus der leidvollen Erfahrung der Kirche im Abwehrkampf gegen den Islam mehrere Gebete „für die verfolgte Kirche“. Seit den Türkenkriegen des 15. Jahrhunderts gibt es eine „Votivmesse zum Schutz gegen die Heiden“ mit vollständigem Proprium. Dessen Texte sind größtenteils den Psalmen entnommen, die aus der Geschichte des jüdischen Volkes reichhaltiges Material zum Thema bieten. Die Oratio lautet:

Allmächtiger Ewiger Gott, in Deiner Hand ruhen die Gewalten und Rechte aller Reiche; so sei denn darauf bedacht, den Christen zu helfen, damit die Heidenvölker, die auf ihre rohe Kraft vertrauen, durch die Macht Deiner Hand niedergezwungen werden.

Und die Postcommunio:

Gott, unser Schirmherr, blicke her und verteidige Deine Streiter gegen die Gefahren, die vonseiten der Heiden drohen, damit sie nach Beruhigung aller Wirrungen in freiem Sinne Dir dienen.

Diesem Tenor entsprechen auch die Gebete einer weiteren Votivmesse „Gegen die Verfolger der Kirche“, während eine Messe „Gegen Verfolger und Übeltäter“ zu stärkeren Worten greift – zumindest auf den ersten Blick:

Wir bitten Dich o Herr, zermalme den Hochmut unserer Feinde und wirf nieder ihren Trotz mit Deiner mächtigen Hand.

Beim zweiten Hinschauen wird sichtbar: Nicht die Feinde als Menschen, sondern ihr Hochmut und Trotz sollen zermalmt und niedergeworfen werden. Praktisch mag das in den rauhen Zeiten der Türkenkriege oft auf das gleiche hinausgelaufen sein – grundsätzlich jedoch bleiben Wert und Würde des Menschen unbestritten und der Weg zur Bekehrung offen.

Warum solche Gebete in der neuen Ausgabe des Gebetbuches keinen Platz mehr finden, ist offensichtlich: Sie passen nicht mehr in die neue Ideologie. Und während in Düsseldorf nur ein „Traditionsverein“ der Janitscharen mit blankem Säbel durch die Stadt paradiert, nehmen auf den Philippinen mohamedanische Terroristen in der Stadt Marawi Hunderte von Christen als Geiseln und drohen mit deren Ermordung, falls die Armee ihnen die Stadt nicht überläßt.

Optionen gegen Liturgie

Peter Kwasniewski lenkt in seinem neuesten Beitrag auf New Liturgical Movement den Blick auf ein bemerkenswertes Phänomen: Die Vielzahl der Optionen, die der novus ordo ganz gegen die Tradition des römischen Ritus in die Liturgie eingebracht hat, führt in der Praxis nicht zu einer Bereicherung, sondern zu einer Verarmung der Liturgie. Zumindest hinsichtlich der legalen Möglichkeiten, muß man gleich ergänzend feststellen, denn im Bereich dessen, was nicht erlaubt oder sogar ausdrücklich verboten ist, ist der Wille zur und die Akzeptanz von Vielfalt ungehemmt.

Als Beispiele für den Optionenschwund nennt Kwasniewski die nach Missale und Institutio Generalis teils ausdrücklich zugelassenen, teils sogar präferierten Möglichkeiten zur Eröffnung der Messe mit einem expliziten Schuldbekenntnis, der „langen“ (d.h.ohne die erlaubten Kürzungen vorgetragenen) Lesungstexte, der Verwendung des gregorianischen Gesangs oder der lateinischen Sprache, die kniend empfangene Mundkommunion, die Zelebration „ad Dominum“ - jeder kann die Liste aus eigenen Erfahrungen ergänzen. Wo Priester von diesen Möglichkeiten Gebrauch machen, geraten sie vielfach unter enormen Rechtfertigungsdruck oder werden von ihren Oberen zurückgepfiffen.

Als Ursache dieser Erscheinung benennt Kwasniewski einen „Imperialismus der Neuerungen“ und stellt fest, „die Katholiken der Gegenwart haben sich in eine fast auswegslose Lage gebracht, in der sie nur noch das, was „neu“ oder „anders“ ist, als Ausdruck des angebrachten Handelns empfinden“ könnten.

Das ist sicher zutreffend, greift aber hinsichtlich eines ganz wichtigen Aspektes zu kurz. Dieser Aspekt wird greifbar, wenn man den Blick darauf lenkt, daß es zwar regelmäßig zu Ärger mit progressiven Aktivisten oder Oberhirten kommt, wenn Priester oder Gemeindemitglieder die „unzeitgemäße“ Optionen wählen, daß aber ebenso regelmäßig selbst gröbste Mißbräuche und Verstöße gegen alle liturgischen Vorschriften unbeanstandet bleiben, wenn sie aktuellen Trends einer vom Glaubensverlust erfassten Theologie entsprechen.

Das ist mehr als bloße Modeabhängigkeit, darin äußert sich ein Programm. Die Liturgie wird ganz bewußt und gezielt als Werkzeug zum modernistischen Umbau des Glaubens in Dienst genommen. Von daher haben die Vertreter der Neuerungssucht ganz zu Recht weder Hemmungen noch gar ein schlechtes Gewissen: Ihnen ist klar, daß die mehr der Tradition zuneigenden Optionen von der herrschenden Richtung nur als Versatzstücke aufgenommen worden sind, um die in ihren religiösen Grundüberzeugungen stets konservativen Gläubigen über die Tiefe des gewollten Bruches hinwegzutäuschen. Figuren wie der im deutschsprachigen Raum enorm einflußreiche Emil Lengeling haben daraus auch nie einen Hehl gemacht.

Jetzt, wo wir auf das 50. Jahr der modernistischen Liturgiereform zugehen, werden die Inhalte dessen, was von den Modernisten dieser Art wirklich gewollt war, schließlich in den höchsten Rängen der Hierarchie sichtbar. Der Abbau jedes als nicht mehr zeitgemäß empfundenen Ausdrucks von Transzendenz bringt den sakramentalen Charakter der Kirche und ihres Handelns unter den Menschen zum Verschwinden. Beichte, Ehe, Priesterweihe, selbst die Eucharistie - alles verblasst. Mit Kritik an „Mißbräuchen“ ist dem nicht zu begegnen – und mit hier und da einer verbesserten Übersetzung oder einer „ad Dominum“ zelebrierten Messe auch nicht. Der (angebliche) Versuch, die Menschen dort „abzuholen“, wo sie sich befinden, hat zu wenig anderem geführt als sich an ihrem jeweiligen Aufenthaltsort gemütlich einzurichten.

Wer darauf aus ist, sie wirklich aus dieser Art von Gemütlichkeit herauszuholen und den verstellten Blick auf die Transzendenz Gottes wieder zu öffnen, kann nichts besseres tun, als sie der wirklichen Liturgie der Kirche auszusetzen. Wenn das für manche ein Schock wäre, umso besser: Terribilis est locus iste (Gen 28,17). Der brennende Dornbusch (Mos 2; 3) war kein Lagerfeuer, und wohlige Selbstbestätigung gibt’s im Dritte-Welt-Laden.

Liturgische Anarchie offiziell

Bild: St. Joseph, OttawaAls Teilnehmer an einer Messfeier nach der neuen Ordnung hat man immer seltener Gelegenheit, das Hochgebet zu hören, mit dem die Kirche zweitausend Jahre lang ihre Liturgie gefeiert hat. Von wenigen Ausnahmen abgesehen verwenden die Zelebranten nur noch das sog. „Zweite Hochgebet“, zu dem Fr. Hunwicke vom Ordinariat unserer Lieben Frau von Walsingham heute auf seinem Blog das Folgende zu sagen hat:

(Papst Paul VI) hat hinsichtlich des Ersten Hochgebets eine gesetzgeberische Aussage getroffen, die er zu keinem der drei anderen Hochgebete gemacht hat: Dieses sei immer verwendbar (semper adhiberi potest). Das hat eine bedeutende Konsequenz. Es bedeutet, daß einem Priester, der sich dafür entschieden hat, ausschließlich das erste Hochgebet zu verwenden, nicht vorgeworfen werden kann, es fehle ihm am rechten kirchlichen Geist, weil er niemals eines der drei anderen zugelassenen verwende. Und wenn der gleiche Text feststellt, daß das Zweite Hochgebet am geeignetsten für Werktage sei, kann das nicht bedeuten, daß die Verwendung des Ersten Hochgebets dann unangemessen wäre. Die ausschließliche Verwendung des Ersten Hochgebets kann nicht gegen den Geist des Novus Ordo sein, weil die päpstliche Vorgabe eine solche Verwendung ausdrücklich vorsieht...

Die Instructio Generalis sieht überdies vor, daß der Canon Romanus für die Sonn- und Feiertage des Kirchenjahres, an Heiligenfesten, deren Namen im Canon vorkommen und an den Tagen, für die eigene Formeln im Communicantes und Hanc Igitur vorgesehen sind, vorzuziehen ist.

Das Jahr hat 32 Sonntage und nach meiner groben Schätzung 53 andere Tage, an denen die anderen genannten Bedingungen zutreffen. Demnach spricht der Gesetzgeber für ungefähr ein Drittel der Tage des Jahres und ganz unzweifelhaft für die Sonn- und gebotenen Feiertage eine deutliche Präferenz für die Verwendung des Canon Romanus aus.

Selbst wo ein Pfarrer der Ansicht ist, daß er nicht ad Orientem oder in lateinischer Sprache zelebrieren kann, könnte er doch wenigstens als erster Schritt den Canon Romanus regulär als Hochgebet verwenden. (…)

Soweit Fr. Hunwicke, der hier bewußt darüber hinweg sieht, daß rechtliche Vorgaben im seit 50 Jahren herrschenden Kirchenregiment nur noch geringe Bedeutung haben, wo und soweit sie die Abkehr von der Lehre und Tradition sowie die Unterordnung unter den Modernismus entgegenstehen. In England könnte er mit seinem Aufruf vielleicht sogar noch durchdringen. In Deutschland wohl kaum - hier hat das neue „Gotteslob“, in dem überhaupt nur noch das zweite Hochgebet enthalten ist, klar gemacht, daß die Mißachtung des geltenden Rechts nicht Mißbrauch modernistischer Eiferer auf individueller Ebene, sondern offizielle Linie ist.

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