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Die 'Do it yourself'-Bibel

Nach über 10-jähriger Überarbeitung hat die Bischofskonferenz am gestrigen Dienstag die neue Version ihrer „Einheitsübersetzung“ der heiligen Schrift vorgestellt. Vor allem anderen ist ein populärer Irrtum auszuräumen: Die Einheitsübersetzung wurde zwar von Anfang an in Zusammenarbeit mit protestantischen Theologen vorbereitet – die protestantische Seite hatte jedoch erklärtermaßen nie die Absicht, von der Lutherübersetzung als Grundlage abzurücken. Das „Einheit“ bezieht sich alleine darauf, daß alle Stellen in der Liturgie der deutschkatholischen Kirche, an denen die Bibel zitiert wird, nach dieser Übersetzung wiederzugeben sind.

Das war bisher schon schlimm genug, und wird durch die neue Fassung geradezu unerträglich. Die wichtigsten Änderungen unter dem Einfluss der gerade als zeitgemäß geltenden Sprach- und Kommunikations-Theologie werden auf katholisch.de herausgestellt: Aus Eva, die Adam nach bisherigem Verständnis als „Hilfe, die ihm entspricht“ zur Seite gestellt war, wurde nun eine „ebenbürtige Hilfe“ - wie schön für sie. Die Frauen Elisabth und Maria, werden nun „schwanger“, statt daß sie „empfangen“ - insbesondere im Fall der jungfräulich empfangenden Gottesmutter muß das ernste Bedenken hervorrufen – aber der moderne Mensch „empfängt“ halt nichts, sondern er ist „Macher“. „Wunder“, die der kritischen Theologie schon bisher so peinlich waren, daß sie bei der Auswahl der Lesungen oft genug unter den Tisch fielen, gelten nun als „Machttaten“ Gottes – ob das in allen Ohren sympathischer klingt?

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Er hat es wieder getan

Quelle: Catholic Herald/CNS/Paul HaringIm Juli hatte der Präfekt der Liturgiekongregation die Priester dazu aufgerufen, ab dem ersten Advent dieses Jahres - zu einem ersten Advent hatte Papst Paul VI. seine Liturgiereform in Kraft gesetzt - öfter in der traditionell üblichen und auch nach der neuen Liturgie möglichen Zelebrationsrichtung ad orientem zu feiern. Er war dafür aus römischen Kreisen heftig kritisiert worden; einige Bischöfe, darunter der Erzbischof von Westminster und Vorsitzende der Bischofskonferenz von England und Wales, Vincent Cardinal Nichols, waren sogar so weit gegangen, ihren Priestern derartige Zelebrationen faktisch zu untersagen. Die siegreichen Revolutionäre (oder die, die sich für siegreich halten), dulden kein Abweichen von der Parteilinie. Sehr informativ dazu Crisis Magazine)

Inzwischen zeichnet sich ab, daß - wenn überhaupt - nur wenige Priester dem Appell des für die Liturgie zuständigen Kardinals folgen werden. Der Vorsitzende der Una Voce in England und Wales, Joseph Shaw, geht sogar so weit, den Vorstoß des Kardinals als einen schweren Rückschlag für eine Reform der Reform zu bezeichnen - fügt dabei freilich hinzu, daß das kein Nachteil sein müsse. Daß eine Reform der Reform auf der gegenwärtigen Grundlage Gutes bewirken könne, ist tatsächlich mehr als zweifelhaft. Dennoch hat sich Kardinal Sarah - und das ist unabhängig von allen kurz- und mittelfristigen Erfolgsaussichten hoch anerkennenswert und uneingeschränkt zu begrüßen - jetzt erneut mit einem Apell „zum Herrn hin“ zu zelebrieren, an die Priester gewandt.

In einer Rede an den Klerus der Erzdiözese Colombo stellte der Kardinal insbesondere das Problem heraus, daß die moderne Gottesdienstgestaltung den Priester dazu verleitet, vielleicht sogar dazu zwingt, seine Person und die Interaktion zwischen Priester und Gemeinde in den Mittelpunkt zu stellen - statt Christus und dessen erlösende Opfertat. 

Was er (Christus) tut, ist das Wesentliche. Das beste, was wir tun können, ist, in Verehrung und Anbetung unsere „Erstlinge“ darzubringen. Wenn die moderne Liturgie in der Umgangssprache und dem zum Volk hingewandten Priester gefeiert wird, besteht die Gefahr, daß der Mensch, oder sogar der Priester und seine Persönlichkeit selbst, zu sehr ins Zentrum geraten. In jeder katholischen Liturgie konzentriert sich die Kirche, bestehend aus dem Priester und den Gläubighen, ganz und gar, mit Herz und Geist, auf Gott, der der Mittelpunkt unseres Lebens und der Ursprung jedes Segens und aller Gnade ist.“

So die abschließenden Sätze seiner Rede, die der Catholic Herald in einer ausführlichen Zusammenfassung wiedergibt.

Zum 14. Sonntag nach Pfingsten

Was wäre einzuwenden gegen das heute nach der modernisierten Liturgie vorgesehne Tagesgebet:

Gott, unser Herr,du verbindest alle, die an dich glauben, zum gemeinsamen Streben.Gib, dass wir lieben, was du befiehlst,und ersehnen, was du uns verheißen hast,damit in der Unbeständigkeit dieses Lebens unsere Herzen dort verankert seien,wo die wahren Freuden sind.

Nichts. Außer daß es an die Stelle des folgenden gestellt worden ist:

Wir bitten Dich oh Herr: Behüte Deine Kirche in beständiger Huld, und weil ohne Dich die menschliche Sterblichkeit zusammenbricht, so möge sie Durch Deinen Beistand immer vor dem bewahrt werden, was schädlich, und hingeleitet zu dem, was förderlich ist.

Man könnte auch sagen: Unverbindliche Fromm-Freundlichkeit tritt an die Stelle klarer Sprache

Novissimus Ordo

Auf Befehl des Papstes hat die Gottesdienstkongregation heute eine Neuordnung der Rubriken im Missale von 1970 vorgenommen, nach der in Zukunft für die Zeremonie der Fußwaschung am Gründonnerstag „12 Personen aus dem Volk Gottes“ ausgewählt werden sollen. Die nach der Tradition der Kirche gültige Einschränkung auf Männer - sie war im engen Zusammenhang der Donnerstagsliturgie mit der Einsetzung des Sakraments der Priesterweihe begründet - wird damit aufgehoben. Die heute verfügte Neuformulierung der Rubrik spricht ausdrücklich davon, daß die Neuregelung es den Gemeindeverantwortlichen ermöglichen soll, für die Fußwaschung „eine Gruppe von Gläubigen zusammenzustellen, die die Vielfalt und Einheit aller Teile des Volkes Gottes repräsentiert". Die Formel lässt in der pastoralen Praxis genügend Raum für die Konstruktion und Einbeziehung weiterer Geschlechter. Sie ist hervorragend geeignet, sich weiteren aus der gesellschaftlichen Lebenswelt herangetragenen Forderungen anzupassen und dürfte damit auf absehbare Zeit zukunftssicher sein. 

Da der Erlass sich auf die Bücher des Novus Ordo bezieht, ist er für die Feier des Gründonnerstags nach der überlieferten Liturgie nicht relevant und soll hier nicht weiter kommentiert werden.

Wir basteln uns eine Liturgie

In seiner lockeren Folge von Artikeln über besonders krasse Fehlleistungen der liturgisch-theologischen Assistenten, denen die Kirche den Novus Ordo verdankt, lenkt Fr. Hunwicke heute den Blick auf das Gebet der römischen Kirche zur Weihe eines Bischofs. Den theologischen Ursprung dieser Weihepräfation in der überlieferten Form verortet er im zweiten Brief des hl. Clemens an die Korinther – einem Brief, der zwar nicht in den Kanon des neuen Testaments aufgenommen wurde, der aber zu einer Zeit entstanden sein dürfte, als der Tempel in Jerusalem noch nicht zerstört war.

Dieser Brief entwickelt die Vorstellung vom Priestertum der Kirche Christi in strenger Parallelität zum aaronitischen Hohen Priestertum des Tempels – und dieser Zug war beherrschendes Element der Weiheliturgie bis nach dem 2. Vatikanum. Fr. Hunwicke hat für diese Parallelität und das Fehlen von neutestamentlichen Schriftverweisen eine bemerkenswerte Erklärung zu bieten: Theologie und Weihegebet des Bischofsamtes „gehen im wesentlichen in diese ganz frühe Periode zurück, als der Kanon des Neuen Testament noch nicht festgeschrieben war und das Neue Testament noch nicht normativ für die Einfärbung der Lehraussagen und Gebetstexte der Kirche war“.

Für einen Liturgieingenieur wie Dom Bernard Botte war derlei natürlich völlig unerträglich. Sein Verdikt lautete: „Die literarische Form dieses Abschnitts kann den mangelhaften Gehalt nicht ausgleichen. Die Typologie betont alleine die kultische Rolle des Bischofs und lässt sein apostolisches Amt völlig außer Betracht.“ Also musste etwas besseres her, und fündig wurden die Reformatoren wie es der Zufall so wollte bei einem Text, den Botte geradfe „kritisch herausgegeben“ hatte: bei einem Weihegebet aus der aus dem frühen 3. Jh. stammenden Traditio Apostolica , die dem römischen Bischof, Gegenpapst und Martyrer Hippolytus zugeschrieben wurde. Wozu Hunwicke anmerkt: „Ein halbes Jahrhundert später ist die Wissenschaft sich darüber einig, daß dieser Text weder die Traditio Apostolica darstellt noch von Hippolytus ist und auch nichts mit Rom zu tun hat.“ Er stammt eher aus monophysitischen und nestorianischen Traditionen des Orients.

Bedenken in dieser Richtung gab es auch schon zur Zeit der Konstruktion des Novus Ordo, und selbst Botte scheint davon nicht frei gewesen zu sein. Doch er verfügte auch über ein Gegenmittel, mit dem sämtliche inhaltlichen Bedenken zu zerstreuen waren. „Die Grundideen der Traditio Apostolica sind überall auffindbar. Den alten Text im römischen Ritus wieder zu verwenden würde die Einheit zwischen Ost und West in Hinblick auf das Bischofsamt bestärken.“

Das Argument zog, und so konnte sich ein Text durchaus zweifelhafter orientalischer Herkunft gegenüber der authentischen römischen Tradition durchsetzen. Fr. Hunwicke kommentiert es mit Sarkasmus: „In der Atmosphäre der 60er konnte man mit jeder Spitzbüberei und jedem Betrug durchkommen, wenn man nur das Mantra ,Ökumenisch' intonierte“. Hier finden Sie den ganzen mit noch mehr Sarkasmen gewürzten Text auf Fr. Hunwicke's Mutual Enrichment.

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