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Die Sedia gestatoria ist wieder da!

Wenn auch vielleicht nicht ganz so, wie wir das in der Vergangenheit gekannt haben.  40000 Religionslehrerinnen und Katechetinnen beiderlei Geschlechts waren Teilnehmer am diesjährigen Religious Education Congress im Kongresszentrum von Anaheim/San Francisco, das, wie die Kongress-Website an prominenter Stelle mitteilt, gerade gegenüber von Disneyland liegt.
Von dort kommen jedenfalls unverkennbar die Inszenierung und musikalische Gestaltung des Events, das man als Abschlussmesse angekündigt hatte und das von einem kitschigen  Musical  zu unterscheiden unsere Kraft überforderte. Ein Höhepunkt des Events war der Einzug des Evangelienbuches, gehalten von einer in Nationaltracht gekleideten Asiatin, die ihrerseits auf den Schultern von vier Sänftenträgern in den "worship space" einschwebte. Zweifellos eine wertvolle Anregung, die künftige Auftritte von Gemeindereferentinnen und Pastoralassistenten inspirieren dürfte.

Wer glaubt, sich die ganze über zweistündige Show auf Youtube antun zu sollen, mache uns bitte nicht für erlittene Schäden an Leib oder Seele verantwortlich: Wir haben Sie gewarnt, und für die kirchenmusikalisch Sensiblen kann diese Warnung nicht nachdrücklich genug wiederholt werden. Sicher reicht ein kurzer Blick auf den Einzug der Zelebranten ab Min. 22 oder eben der Sedia Gestatoria zur Verlesung des Evangeliums, ab Min 38. Sehenswert sind auch die Entlassung der Ketechumenen und Kandidaten (ab 1:04) sowie die Zurüstung des Altars ab 1:14:30. Kein Zweifel: Wir erleben (bei einer übrigens durchaus katholischen Predigt des Erzbischofs) die Geburt einer neuen Liturgie aus dem Geist der Operette.

Der neue Frühling, das steht fest, ist über uns gekommen - Widerstand ist zwecklos, wir werden assimiliert werden.

Die Reform der Reform ist tot (3)

Im vierten und fünften Abschnitt seines Artikels zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform behandelt Joseph Shaw zwei populäre Vorschläge, die seitens der Anhänger einer Reform der Reform zur Lösung oder Milderung der Liturgiekrise vorgetragen werden: Den Novus Ordo auf Latein zu feiern oder die Erfüllung einer vermeintlich vom 2. Vatikanum auferlegten Reformverpflichtung durch die Messe nach dem Ordo von 1965.

Zum Thema des lateinischen NO  bezieht Shaw aufgrund der von ihm zuvor festgestellten tiefgreifenden Unterschiede zwischen den von beiden Liturgien vorausgesetzten Spiritualitäten eine ganz klare Position:

Der Novus Ordo auf Latein ist durchaus geeignet, die Gläubigen von der überlieferten Liturgie abzuschrecken.

Für einige Gläubige könne der lateinische NO durchaus eine Brücke zur überlieferten Liturgie und ihrem Umfassenderen Verständnis von Teilhabe am Gottesdienst sein - in der Mehrzahl werde er aber weder jenen, denen es um Verständlichkeit gehe, noch denen, die Sakralität suchen, wirklich genügen.

Zur Liturgie von 1965 weist der Autor nach, daß der damals mit Inter Oecumenici verfügte Ordo keinem sinnvollen Reformkonzept folgte, sondern lediglich darauf abzielte, eine ohne große rechtliche oder organisatorische Vorarbeiten durchsetzbare Interimslösung zu etablieren, mit der der längst eingeschlagene Weg zur Totalrevision unumkehrbar gemacht werden sollte.

Hier zum vierten und dem letzten Abschnitt des Artikels von Joseph Shaw.

Die Reform der Reform ist tot

Wie angekündigt, beginnen wir heute mit der Übersetzung des Artikels von Joseph Shaw zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform, die der misslungenen Liturgiereform von 1970 nachträglich noch eine für Kirche und Gläubige zuträgliche Form geben sollte. Im Unterschied zum Originalbeitrag, der an fünf Tagen in fünf aufeinander folgenden Blogeinträgen erschienen ist, wird Joseph Shaws Text hier zusammenhängend wiedergegeben. Die überleitenden Kurztexte zwischen den einzelnen Tagen entfallen - stattdessen haben wir Zwischenüberschriften eingefügt.

Als erste Lieferung bringen wir heute die beiden ersten Abschnitte des Artikels. Der erste enthält eine Einschätzung der praktischen Probleme, die einer Verwirklichung der Reform der Reform entgegenstehen - und zwar nicht, weil es den Beteiligten an gutem Willen fehlte, sondern weil die beiden Formen der Liturgie ein unterschiedliches und teilweise gegensätzliches Ethos und widerstreitende Begründungszusammenhänge haben. Im zweiten Abschnitt identifiziert Shaw als Erbe der liturgischen Bewegung der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts eines der Hauptdezifite der Reform und ihrer Träger: Es ist deren Unvermögen, nonverbale Kommunikation als eines der wesentlichen Elemente der überlieferten Liturgie und des rituellen Handelns überhaupt zu erkennen und ernstzunehmen. Mangelnde Sakralität ist daher keine auf Missbräuche zurückführbare Begleiterscheinung des Novus Ordo, sondern deren fest eingebaues Designelement.

Für die Illustration verwenden wir Photos aus den Beiträgen auf dem Blog Joseph Shaws.

Zum Text von Joseph Shaw

Die Reform der Reform ist tot (2)

Im dritten Abschnitt seines Artikels zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform beschäftigt sich Joseph Shaw mit den unterschiedlichen Begriffen vom betenden Menschen, die der überlieferten Liturgie und dem Reformprodukt der 70er Jahre zugrunde liegen. Wo die gewachsene Liturgie sich den Teilnehmern als Ganzheit präsentierte, die alle Sinne und Wahrnehmungsweisen anspricht und so eine umfassende Einbeziehung und Teilnahme bewirkt, reduziert die moderne Form die Ansprache auf die verbale Ebene und das intellektuelle Verständnis von Texten. Sie hat die in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts diskutierten Frage: „Ist der moderne Mensch noch liturgiefähig?“ offenbar mit einem eindeutigen „Nein“ beantwortet und sich konsequenterweise von fast allen Elementen verabschiedet, die in der Vergangenheit nicht nur des Christentums als tragende Bestandteile jeden Kultes angesehen worden sind.

Das ist von enormer praktischer Relevanz, weil es Kompromiss- und Mischformen, wie sie vielfach zur Überwindung der liturgischen Spaltung ins Auge gefasst werden, praktisch ausschließt:

Wenn man dem Novus Ordo seine wörtliche Verständlichkeit nimmt oder dem Vetus Ordo das Lateinische und die Stille, entsteht daraus nicht die ideale Liturgie. Man gerät in die große Gefahr, etwas hervorzubringen, das weder Fisch noch Fleisch ist und das auf keiner der verschiedenen Kommunikationsebenen funktioniert.

Hier zum dritten Abschnitt des Artikels von Joseph Shaw.

Der Stand der Dinge

Jack o' lantern - Bild WikimediaIn diesen Tagen bereiten in vielen Pfarreien wieder Pastoralreferenten und Pfarrhelferinnen die Halloween-Fete vor, die am Ende des Monats im Pfarrheim Herz-Jesu oder wie auch immer unsere gläubigen Vorfahren das nannten stattfinden soll.

Ein passendes Bild für den Stand der Dinge rund um die Kirche in den „Ländern deutscher Zunge“, wie es manchmal so schön heißt. Dieser Stand wird gegenwärtig gekennzeichnet durch ein Superthema und einen Superstar, vor dem die Verhandlungen über eine neue Regierungskoalition, Dollarkrise und Flüchtlingselend gleichermaßen verblassen: Deutschland jagt den Skandalbischof.

Verblasst ist davor auch ein Detail von der letzten Herbsttagung der deutschen Bischofskonferenz, nämlich die Beerdigung dritter Klasse für die seit einem Jahrzehnt vorbereitete Neuübersetzung des deutschen Messbuchs, die nach einer Entscheidung von Papst Benedikt auch die korrekte Übersetzung der Wandlungsworte enthalten sollte. Im April 2012 hatten wir geschrieben, der Streit um das „pro multis“ sei nun beendet. Das war voreilig: Der Streit um modernistische Neuerungen ist immer erst dann beendet, wenn die Kirchenverderber sich durchgesetzt haben. Voller Genugtuung kann Christ in der Gegenwart-Redakteur Stephan U. Neumann in der Oktober-Ausgabe des Blattes feststellen, daß sich das Warten auf den neuen Papst gelohnt hat: Schon seit längerem hätte man sich in Österreich

...für eine ‚Entschleunigung‘ aus(gesprochen), um die ungeliebte Übersetzung gemäß der Richtlinien von „Liturgiam authenticam“ auf die lange Bank zu schieben und um kirchenpolitisch auf Zeiten zu hoffen, die eine sprachlich bessere Übersetzung in der Volkssprache zulassen. Auf diesen Kurs sind nun wohl auch die deutschen Bischöfe eingeschwenkt.“ Und weiter: Der Kommission Ecclesia celebrans dürfte damit ihr einziger Auftrag entzogen sein. Offiziell aufgelöst ist sie damit noch nicht, weil sie von der vatikanischen Gottesdienst-Kongregation eingesetzt worden war. Es ist jedoch fraglich, wie weit deren Weisungsautorität noch reicht.“

Ach ja, römische Weisungsautorität“ - womit wir uns wieder dem Skandalbischof Tebartz van Elst“ nähern. Der Fall Wagner hat gezeigt, daß „in den Ländern deutscher Zunge“ niemand gegen den von der Progressistenfronde konzertierten Widerstand der Medien Bischof werden kann. Der nun auf die Entscheidung zutreibende Fall Tebartz demonstriert nach Haas und Mixa ein weiteres Mal, daß auch niemand gegen den von eben dieser Fronde instrumentalisierten Chor der Medienmeute Bischof bleiben kann. Die höchste Autorität“ übersiedelt in die Redaktionen. Nun kann man nur noch darauf warten, in welcher Form Rom das von dieser höchsten Autorität längst gefällte Urteil exekutieren wird.

Soweit es um die Vermeidung überflüssiger Kosten geht, könnte man sich da schon eine Variante vorstellen. In den finsteren Zeiten vor DEM Konzil besuchten in Deutschland allsonntäglich etwa 12 Millionen Katholiken die hl. Messe - heute sind es weniger als 3 Millionen (Quelle). Die Zahl der Mitarbeiter in den kirchlichen Verwaltungen im Allgemeinen und in den Ordinariaten insbesondere ist demgegenüber sprunghaft angestiegen - in mancher Diözesanverwaltung gibt es heute mehr Dezernate und Abteilungen, als 1960 Mitarbeiter. Wie passt das zusammen? Braucht das Diözesane Zentrum auf dem Limburger Domberg wirklich einen neuen Bewohner, der dann wieder für teures Geld das Badezimmer umbauen lassen müsste? Braucht Limburg überhaupt einen Bischof - der nach Lage der Dinge doch nur einer von des Zeitgeists und der Hauptamtlichen-Kamarilla Gnaden sein könnte? Wieviele Bistümer braucht das erfolgreich entchristlichte Land?

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