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Conversi ad Dominum

In der letzten Zeit sind mehrere amerikanische Gemeinden wieder zur traditionellen Praxis der Zelebration „ad dominum“ zurückgekehrt. Als eine der jüngsten die der 60 000-Einwohner Stadt Greenville in South Carolina. Im Pfarrbrief und auf der Website der Gemeinde wird dieser Übergang in einem ausführlichen Artikel erklärt, der ein bemerkenswertes Beispiel für die praktische Anwendung der Hermeneutik der Kontinuität darstellt. Wir haben drei von insgesamt 12 Abschnitten des Beitrages hier übersetzt:

Es beginnt ein langes Zitat9. Eines der Ziele der liturgischen Reformen in den 60er Jahren bestand darin, die aktive Teilnahme der katholischen Gläubigen an der Feier der heiligen Liturgie zu fördern und sie daran zu erinnern, daß sie Teilnehmer und nicht nur Zuschauer bei der Darbringung von Christi Opfer sind, das im Mittelpunkt jedes christlichen Gottesdienstes steht. Unglücklicherweise wurde in den Jahren nach dem II. Vatikanischen Konzil der Wunsch der Kirche, daß alle Gläubigen an der heiligen Liturgie teilnähmen, allzu oft zu einer Karikatur dessen entstellt, was das Konzil gelehrt hatte, und es kam zu vielerlei Missverständnissen hinsichtlich der tatsächlichen Bedeutung von „aktiver Teilnahme“. Das führte zu einer hektischen Ausweitung von „Diensten“ unter den Gläubigen und machte den Gottesdienst zu einer Art Mannschaftssport. Aber tatsächlich kann man voll, bewußt und aktiv an der Liturgie teilnehmen, ohne auch nur ein einziges Mal seine Bank zu verlassen, und ebenso ist es möglich, sich umtriebig als Musiker oder Lektor bei der Messe zu betätigen, ohne sich wahrhaft an der heiligen Liturgie zu beteiligen. Beides ist möglich, weil es bei der aktiven Teilnahme an der Liturgie in erster Linie darum geht, den lebendigen Gott in Geist und Wahrheit anzubeten, und das ist seinerseits eine innere Disposition von Glaube, Hoffnung und Liebe, die sich nicht an körperlicher Aktivität ablesen lässt.

Aber dieses Missverständnis über die Rolle der Laien im Gottesdienst der Kirche war nicht das einzige, das den liturgischen Reformen folgte – ähnliche Fehleentwicklungen gab es auch hinsichtlich der Aufgabe des Priester.

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Liturgie des lebendigen Wortes

Liturgische Missbräuche nehmen wieder zu. Ballet vor dem Hochaltar in Osnabrück, beschwingter „tanGOttesdienst“ in Oberösterreich, Markus-Krauth-Festspiele in Aschaffenburg, Veni-Video-Messe in Regensburg - wir ersparen uns die Links und die Einzelkritik an diesem Unfug. Statt dessen soll Fr. Dwight Longenecker, Pfarrer und Schriftsteller in Greenville, South Carolina, zu Wort kommen, der vor einigen Tagen auf seinem Blog Standing on my Head berichtete, warum er einmal in der Woche „ad dominum“ zelebriert - und was dabei geschehen kann.

Es beginnt ein langes ZitatManchmal öffnet sich inmitten meines überaus geschäftigen Lebens eine Tür, und ich sehe plötzlich etwas von dem, worauf es wirklich ankommt. Das geschieht oft an einem Mittwoch. Am Mittwoch Abend höre ich zuerst Beichten und feiere dann die hl. Messe, und zwar zelebriere ich dann ad orientem – das ist das einzige Mal in der Woche.

Dabei schaue ich während der Zelebration in die gleiche Richtung wie die Gläubigen, weil ich mich ihnen dann tatsächlich näher fühle. Und ich fühle mich näher zu Gott.

Die meisten Messen zelebriere ich dem Volk zugewandt, aber ich muß zugeben, so sehr ich mich dagegen wehre, fühle ich mich dann immer wie auf einer Bühne, als wäre ich eine Art Animateur. Wenn ich auf der anderen Seite des Altars stehe und mich zusammen mit den Gläubigen dem Herrn zuwende erscheint mir meine eigene Feier der Messeintimer und mystischer. Ich fühle, daß ich mich dann besser auf den Herrn und das, was da geschieht, konzentrieren kann. Wenn ich weinen muß, kann ich das tun, ohne daß die Gläubigen es sehen. Wenn ich eine Pause einlege, um zu beten, geht das, ohne mich zu sorgen, was die Leute denken.

Als ich am Mittwoch dieser Woche so die hl. Messe feierte, hatte ich eine Erfahrung außerordentlicher Bewußtheit. Während ich die Worte des Missales las, erschienen diese Worte selbst höchst real und lebendig. Ich kann nicht erklären, was ich sah, außer daß die Worte wie von ihrer Bedeutung erfüllt waren. Die Wörter auf der Seite standen klar und deutlich da, und das machte jede Lehre und jede Wahrheit klar und deutlich. Es war, als ob jedes Wort und sogar jeder Buchstabe kosmische Bedeutung ausstrahlte. Weniger, daß die Wörter als solche lebendig waren, sondern daß die zeitlose Bedeutung und die Wahrheit, die sie mitteilten, lebendig waren und vor Bedeutung pulsierten, belebt von einer Bedeutung, die so weit über mir stand wie die Sterne und mir doch so nahe war wie mein Atem.

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Der Gefangene im Tabernakel

Die unten übersetzten Ausführungen fanden wir gestern in Fr Hunwicke's Mutual Enrichment, dem Blog des scharfzüngigen Liturgiewissenschaftlers aus dem Ordinariat unserer Lieben Frau von Walsingham. Seinen Überlegungen haben wir nichts hinzuzufügen - und bei der Übersetzung natürlich auch nichts wegzunehmen.

Es beginnt ein langes ZitatIn der ordentlichen Form macht der Priester eine Kniebeuge vor dem Allerheiligsten Sakrament nur, wenn er zu Beginn der Messe an den Altar tritt, und dann wieder direkt nach der Messe vor dem Rückweg zur Sakristei. Für mich könnte man die Körpersprache dieser Zeremonie in der Umgangssprache ungefähr so wiedergeben: „Guten Morgen, Herr - schön, daß du hier bist. Du siehst, ich erweise dir die schuldige Ehre. Aber jetzt muß ich dich für eine Weile ignorieren, das macht dir sicher nichts aus, denn ich habe wichtige Dinge zu tun. Dabei muß ich dir den Rücken zuwenden und mich auf einige Einrichtungsstücke konzentrieren, die keinen räumlichen Zusamenhang zu dem Ort haben, den wir dir zugewiesen haben. Tatsächlich werde ich mich sogar eine geraume Zeit lang mit dem Rücken zu dir hinsetzen. Aber mach dir nichts draus, bevor ich wieder in die Sakristei zurückgehe, werde ich mich in aller Form von dir verabschieden.“

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Die Sedia gestatoria ist wieder da!

Wenn auch vielleicht nicht ganz so, wie wir das in der Vergangenheit gekannt haben.  40000 Religionslehrerinnen und Katechetinnen beiderlei Geschlechts waren Teilnehmer am diesjährigen Religious Education Congress im Kongresszentrum von Anaheim/San Francisco, das, wie die Kongress-Website an prominenter Stelle mitteilt, gerade gegenüber von Disneyland liegt.
Von dort kommen jedenfalls unverkennbar die Inszenierung und musikalische Gestaltung des Events, das man als Abschlussmesse angekündigt hatte und das von einem kitschigen  Musical  zu unterscheiden unsere Kraft überforderte. Ein Höhepunkt des Events war der Einzug des Evangelienbuches, gehalten von einer in Nationaltracht gekleideten Asiatin, die ihrerseits auf den Schultern von vier Sänftenträgern in den "worship space" einschwebte. Zweifellos eine wertvolle Anregung, die künftige Auftritte von Gemeindereferentinnen und Pastoralassistenten inspirieren dürfte.

Wer glaubt, sich die ganze über zweistündige Show auf Youtube antun zu sollen, mache uns bitte nicht für erlittene Schäden an Leib oder Seele verantwortlich: Wir haben Sie gewarnt, und für die kirchenmusikalisch Sensiblen kann diese Warnung nicht nachdrücklich genug wiederholt werden. Sicher reicht ein kurzer Blick auf den Einzug der Zelebranten ab Min. 22 oder eben der Sedia Gestatoria zur Verlesung des Evangeliums, ab Min 38. Sehenswert sind auch die Entlassung der Ketechumenen und Kandidaten (ab 1:04) sowie die Zurüstung des Altars ab 1:14:30. Kein Zweifel: Wir erleben (bei einer übrigens durchaus katholischen Predigt des Erzbischofs) die Geburt einer neuen Liturgie aus dem Geist der Operette.

Der neue Frühling, das steht fest, ist über uns gekommen - Widerstand ist zwecklos, wir werden assimiliert werden.

Die Reform der Reform ist tot (3)

Im vierten und fünften Abschnitt seines Artikels zu den inneren Widersprüchen und Unmöglichkeiten einer Reform der Reform behandelt Joseph Shaw zwei populäre Vorschläge, die seitens der Anhänger einer Reform der Reform zur Lösung oder Milderung der Liturgiekrise vorgetragen werden: Den Novus Ordo auf Latein zu feiern oder die Erfüllung einer vermeintlich vom 2. Vatikanum auferlegten Reformverpflichtung durch die Messe nach dem Ordo von 1965.

Zum Thema des lateinischen NO  bezieht Shaw aufgrund der von ihm zuvor festgestellten tiefgreifenden Unterschiede zwischen den von beiden Liturgien vorausgesetzten Spiritualitäten eine ganz klare Position:

Der Novus Ordo auf Latein ist durchaus geeignet, die Gläubigen von der überlieferten Liturgie abzuschrecken.

Für einige Gläubige könne der lateinische NO durchaus eine Brücke zur überlieferten Liturgie und ihrem Umfassenderen Verständnis von Teilhabe am Gottesdienst sein - in der Mehrzahl werde er aber weder jenen, denen es um Verständlichkeit gehe, noch denen, die Sakralität suchen, wirklich genügen.

Zur Liturgie von 1965 weist der Autor nach, daß der damals mit Inter Oecumenici verfügte Ordo keinem sinnvollen Reformkonzept folgte, sondern lediglich darauf abzielte, eine ohne große rechtliche oder organisatorische Vorarbeiten durchsetzbare Interimslösung zu etablieren, mit der der längst eingeschlagene Weg zur Totalrevision unumkehrbar gemacht werden sollte.

Hier zum vierten und dem letzten Abschnitt des Artikels von Joseph Shaw.

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