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Kardinal Sarah läßt nicht locker

Bild: M.Migliorato/CPP/CIRICIn ungewöhnlich scharfen Worten hat Kardinal Sarah, nominell immer noch Präfekt der Gottesdienstkongregation, erneut gegen die verbreitete Praxis der Handkommunion Stellung genommen. In einem Vorwort zu einem neuen Buch zum Thema, das soeben in Italien erschienen ist, macht der Kardinal deutlich, daß er in dieser – weder vom Konzil beauftragten noch von der Liturgiereform vorgesehenen – Form einen Hauptgrund für den Glaubenszerfall der letzten Jahrzehnte sieht. Er schreibt (in unserer Übersetzung aus dem Englischen):

Die bösartigste Attacke des Teufels besteht darin, den Glauben au die Eucharistie auszulöschen, Irrtümer zu verbreiten und eine unpassende Art ihres Empfangs zu begünstigen.. Der Krieg zwischen dem Erzengel Michael und seinen Engeln auf der einen Seite und Luzifer auf der anderen wird weiterhin in den Herzen der Gläubigen ausgetragen: Das Ziel Satans ist das hl. Messopfer und die Realpräsenz Jesus in der konsekrierten Hostie.

Warum bestehen wir auf dem stehenden Empfang der Kommunion in die Hand? Warum vermeiden wir diese Geste der Unterwerfung unter die göttlichen Zeichen? (Der Empfang kniend und auf die Zunge) entspricht dem Charakter des Sakraments viel eher. Ich hoffe, es kommt zu einer Wiederentdeckung und Förderung der Schönheit und des pastoralen Wertes dieser Haltung. In meiner Meinung und nach meinem Urteil ist das eine sehr wichtige Frage, mit der sich die Kirche heute auseinandersetzen muß. Das ist ein weiterer Akt der Anbetung und der Liebe, die ein jeder von uns Jesus Christus entgegen bringen kann.“

Die Aussagen des Kardinals, die man hier vollständig in italienischer Sprache finden kann, haben weltweit Aufmerksamkeit gefunden. Sogar „katholisch.de“ sah sich veranlaßt, darüber zu berichten. Der Beitrag vom 23. Februar gibt einen guten Überblick über wesentlichen Inhalt und Argumentationslinie des Textes des Kardinals – verschweigt freilich die oben aufgegriffenen Einordnung der Auseinandersetzung in den weiteren Kontext mit dem Kampf Satans gegen den Glauben der Kirche. Dabei tritt gerade dieser Aspekt immer deutlicher hervor, wenn man an sakrilegische Veranstaltungen wie die Konzelebration von Mampituba, die Verwirrung um den Kommunionempfang für „wiederverheiratete Geschiedene“ oder den neuesten Vorstoß der Deutschen Bischöfe zur Freigabe der Kommunion für nichtkatholische Ehepartner denkt.

Soweit ist die faktische Spaltung der Kirche bereits vorangeschritten: Was für Kardinal Sarah in Zusammenhang mit dem Kampf Satans gegen die Kirche steht, ist für den deutschen Bischof Feige „ein glücklicher Moment“.

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Nachtrag vom 2. 3.: Kath.net hat inzwischen eine deutsche Übersetzung des Vorworts angefertigt, die hier veröffentlicht ist.

Mit der Liturgie auf die Piste

Quelle: http://www.erzbistum-paderborn.de/38-Nachrichten/135-Aus-den-Dekanaten/648-M%E4rkisches-Sauerland/15274,Auf-Tuchf%FChlung-%96-ein-liturgischer-Frauenabend-in-St.-Vincenz.htmlDie Liturgie gehört nicht gerade zu den Standardthemen von „katholisch.de“ - Grund genug, sich den dort kürzlich erschienenen Artikel „Liturgie – ein Fremdkörper?“ etwas genauer anzuschauen. Zumal Autor Ulrich Ruh (geb. 1950) als langjähriger ehemaliger Chefredakteur der Herder-Korrespondenz und Honorarprofessor an der theologischen Fakultät in Freiburg einen guten Indikator dafür abgibt, was das theologische Establishment des Deutschkatholizismus derzeit beschäftigt.

In seinen Ausgangsbefunden, zusammengefasst in der Aussage „Der christliche Gottesdienst ist unter gesellschaftlichen Verhältnisse, wie sie in der Bundesrepublik gegeben sind, ungeachtet der ausgeklügelten und weithin störungsfreien rechtlichen Beziehungen zwischen Staat und Kirche, sozusagen ortlos.“ kann man Ruh durchaus folgen. Zumal diese Aussage nicht nur aus allgemeingesellschaftlicher Perspektive gilt, sondern auch aus kirchlicher: Die Zahl der Gottesdienstteilnehmer geht ständig zurück, viele Menschen wissen mit Kirche und Liturgie nichts anzufangen. Zu Recht konstatiert er hier eine bedenkliche Diskrepanz gegenüber dem Diktum des II. Vatikanischen Konzils von der Liturgie als dem Höhepunkt des Tuns der Kirche und der Quelle ihrer Kraft (SC, Nr. 10).

Was die Kirche mit dieser Aussage in Worte gefasst hat, bleibt dem mehrfachen Ehrendoktor der Theologie allerdings verborgen. Er sieht im Gottesdienst in erster Linie den Ort, an dem das Christentum als Religion öffentlich sichtbar werde. Gottesdienst, so scheint es, hat in dieser Sicht vor allem eine werbende Funktion:

Nur im Gottesdienst kommen die Grundtatsachen des Christentums sozusagen zwangsläufig zur Sprache. Im Gottesdienst rufen Menschen gemeinsam in geprägten Formeln Gott als ihren Schöpfer und Erlöser an, danken ihm und bitten zu ihm. … Nur im Gottesdienst gibt es demgegenüber "Christentum pur", wenn auch von Anfang an kulturell- religiös eingekleidet. Schon aus diesem Grund kann es Christen und Kirchen ganz und gar nicht gleichgültig sein, ob und wie ihr Gottesdienst von den Zeitgenossen wahrgenommen wird und gegebenenfalls beurteilt wird. Mehr noch: Sie sollten alles daran setzen, den Gottesdienst so zu gestalten und zu vollziehen, dass er Ausstrahlungskraft und Glaubwürdigkeit über einen engen Kreis von "Eingeweihten" hinaus gewinnt, in diesem Sinn "attraktiver" wird.“

Die Behauptung, der Gottesdienst vermittle „Christentum pur“, ist angesichts der tatsächlichen Verhältnisse in vielen Gemeinden überaus gewagt.

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Fünf Jahre 'ad orientem'

Bild: Aus der im Text genannten Website.Vor fünf Jahren hat Fr. Richard Heilmann, damals seit kurzem Pfarrer in St. Mary‘s, Pine Bluff, Jefferson County in Arkansas, für seine Pfarrei die Zelebration der Messe nach dem Novus Ordo an Werktagen „ad orientem“ eingeführt. Die Voraussetzungen waren günstig: Die Gemeinde war „solide katholisch“, wenn man das so nennen kann, und St. Mary‘s hatte bei der letzten Renovierung zwar einen Volksaltar erhalten, doch ohne die neogotischen Altäre aus der Zeit der Wende vom 19. zum 20. Jahrhundert zu verlieren. Nur die Kommunionbank war entfernt worden. Zu Weihnachten dieses Jahres zog Pfarrer Heilmann eine Bilanz, die wir hier gestrafft wiedergeben:

Nach einem Jahr Feier der Werktagsmessen „ad orientem“ fragten wir uns, wann wir zum nächsten Schritt übergehen könnten – der Feier aller Messen, auch am Wochenende, in dieser Weise. Dann kam der 6. Dezember 2012, an dem uns Bischof Morlino besuchte und uns in seiner Predigt ermutigte, auf diesem Weg weiter zu gehen. Das gab uns Auftrieb, und ab Epiphanie 2013 wird nur noch „ad orientem“ zelebriert. (Der Volksaltar wurde abgebaut, später kam dann auch wieder eine Kommunionbank dazu).

Bereits ein Jahr später schrieb Pfarrer Heilmann in einem Brief an einen Mitbruder:

Es gab anfangs ziemlich nervtötende Reaktionen von Seiten einiger Pfarreiangehöriger der alten Garde. Eine Hand voll von Ihnen entschloss sich, nicht mehr an unseren Gottesdiensten teil zu nehmen und ging zu anderen Pfarreien der Umgrbung. Doch davon abgesehen hat sich alles sehr zum Guten gewendet. Der geistige Gewinn ist spürbar. Die Gemeinde hat das Gefühl und Bewußtsein, wirklichen Gottes-Dienst zu feiern – es stimmt einfach alles. Man sieht das auch an den Messdienern (nur Jungen), die ehrfürchtiger und präziser geworden sind. Viele Gläubige kommen früher, um den Rosenkranz mitzubeten, und andere bleiben länger, um Danksagungsgebete zu verrichten. Fast alle haben begonnen, sich „sonntäglich“ anzuziehen.

Fast jeden Sonntag entscheidet sich eine weitere Frau, eine Mantilla anzulegen – und das im Novus Ordo! Unser Chor hat seine Stärke verdoppelt, und die Mitgliederzahl der Männerschola ist von 7 auf 20 angestiegen. Und sie treffen sich nicht nur zum Gottesdienst, sondern auch einmal im Monat zu einem „Pipes and Pints“, bei dem wir in lockerer Atmosphäre über alle möglichen religiösen, aber auch weltlichen Themen sprechen. Sogar die zunächst sehr angespannte finanzielle Situation der Gemeinde hat sich erheblich verbessert.

Zwei Jahre später kam dann eine Sonntagsmesse in der überlieferten Form des lateinischen Ritus dazu. Viele junge Familien, die in der Feier des Novus Ordo „ad orientem“ den Sinn für das Sakrale entdeckt hatten, sind danach zur Messe im überlieferten Ritus übergewechselt. Und die Plätze in den Bänken der Novus-Ordo-Messen, die sie frei gemacht haben, werden von weiteren jungen Familien aufgefüllt, die neu dazu stoßen.

Nach diesen Erfahrungen ist Heilmann – so sein Fazit – fest davon überzeugt,

daß das der Weg ist, unsere Gläubigen aus dem Griff der modernen Banalität in der Liturgie zu befreien. Es geht darum, ihnen die Erfahrung eines wirklich würdigen Gottesdienstes zu ermöglichen - „ad orientem“ ist der Schlüssel dazu. Das öffnet ihnen die Augen und läßt sie verstehen, warum unsere Vorfahren die Liturgie so und nicht anders gefeiert haben.

Dem ist wenig hinzuzufügen – außer der Feststellung, daß die modernistischen Verdünner und Verderber des Glaubens das ganz genau wissen und deshalb die Feier der Liturgie „ad orientem“ mit allen Mitteln bekämpfen.

Der verschwundene Moses

Aus einer traditionellen BibelillustrationMit dem siebten Tag vor der Weihnachtsvigil - also regulär am 17. Dezember - beginnt das römische Brevier die Reihe der O-Antiphonen, die dem Magnificat der Vesper jeden Tag eine besondere adventliche Färbung verleihen.

O Sapientia, quæ ex ore Altissimi prodiisti,
attingens a fine usque ad finem,
fortiter suaviterque disponens omnia:
veni ad docendum nos viam prudentiæ.

O Weisheit, hervorgegangen aus dem Munde des Allerhöchsten,
Du umfasst den Anfang und das Ende
und ordnest alles mit Macht und mit Milde:
Komm und lehre uns den Weg der Klugheit."

Die O-Antiphonen waren den Betern und Sängern des Offiziums so ans Herz gewachsen, daß das deutsche Brevier sie nicht nur beibehielt, sondern sogar - als zulässige Alternative - bis auf den heutigen Tag in der lateinischen Form anbietet.

Ein weiteres Zeichen zumindest abstrakter Hochschätzung ist darin zu sehen, daß die neuen deutschen Messbücher die O-Antiphonen für die Woche vor Weihnachten auch in den sogenannten „Ruf vor dem Evangelium“, das frühere Graduale, aufgenommen hat. Freilich ging diese Hochschätzung nicht weit genug, den ursprünglichen Text unverändert zu lassen. Die Antiphon für den 18. Dezember – in Originalform – war:

O Adonai et Dux domus Israel,
qui Moysi in igne flammae rubi apparuisti,
et ei in Sina legem dedisti:
veni ad redimendum nos in bracchio extento.

So auch in der Stundenliturgie erhalten und übersetzt:

O Adonai,
Herr und Führer des Hauses Israel -
im flammenden Dornenbusch bist du dem Mose erschienen
und hast ihm auf dem Berg das Gesetz gegeben:
O komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Zumindest den Verantwortlichen für die vom Schott gebotene Fassung der Messtexte war die darin liegende Erinnerung an den alten Bund allgemein und an das Gesetz des Moses wohl zu wenig zeitgemäß, jedenfalls haben sie den „Ruf“ von jeder Anstößigkeit befreit, und übriggeblieben ist nur:

Du Herr und Führer des Hauses Israel:
komm und befreie uns mit deinem starken Arm!

Kurzfassung oder Fälschung?

Bild: http://www.newliturgicalmovement.org/2017/10/what-were-they-smoking-on-liturgical.htmlMatthew Hazel macht auf New Liturgical Movement darauf aufmerksam, daß das reformierte Messbuch für morgen (33. Sonntag im Jahreskreis Lesejahr A) ein besonders krasses Beispiel für eine offiziell angebotene „Kurzfassung“ des Tagesevangeliums bietet. Die Vollfassung gibt als Lesung Mt 25, 14-30, an – das ist das Gleichnis vom Herrn, der seinen Dienern vor einer Reise sein Vermögen zur Verwaltung anvertraute: Dem einen gab er fünf Talente Silber, dem anderen zwei, einem dritten eines. Die beiden ersten nutzten das ihnen anvertraute Kapital und verdoppelten es durch klugen Einsatz. Der dritte vergrub sein Silber ängstlich, um es sicher zurückgeben zu können. Dafür wird er vom Herrn nach dessen Rückkehr scharf getadelt. Er nimmt ihm das eine Talent und gibt es dem, der mit seinem Kapital am besten gewirtschaftet hat, „denn wer hat, dem wird dazu gegeben werden...“.

Das ist nicht nur ein langer, sondern auch ein schwieriger Evangeliumstext, und das moderne Messbuch bietet zur Behebung beider Probleme eine bemerkenswerte Kurzfassung: Sie berichtet zwar von der Vergabe der unterschiedlichen Beträge an die drei Diener, beschränkt sich für die Rückkehr des Herrn aber auf die Abrechnung mit dem, der die fünf Talente empfangen und verdoppelt hatte und stolz meldet: Herr, fünf Talente hast du mir gegeben: sieh, ich habe noch fünf dazugewonnen.“ Schluß, Ende aus.

Das ist keine Verkürzung, ja noch nicht einmal eine Verfälschung – die einen veränderten Sinn ergeben würde. Das ist schlichter Unsinn, Gottes Wort als Banalität. Nun wissen wir nicht, in wie vielen Kirchen morgen die Nonsens-Fassung vorgetragen wird. Leidvolle Erfahrungen und die Vorliebe von Vorstehern und Gemeinden für kurze Eucharistiefeiern lassen uns befürchten: Es ist die Mehrheit. Die Forderung der Konzilsväter von 1963, den Gläubigen „den Tisch des Wortes Gottes reicher zu decken“ stößt in vielen Gemeinden auf verschlossene Ohren, und sie wird auch durch die Gestaltung des nach dem Konzil entwickelten Messbuchs auf vielerlei Weise konterkariert.

In diesem Zusammenhang teilt Hazell in seinem NLM-Beitrag eine interessante Beobachtung mit. Die offizielle „Allgemeine Einführung in das Lektionar“ spricht davon, Kurzformen seien nur für einige besonders lange Texte angegeben und jeweils mit größter Sorgfalt ausgesucht worden . Tatsächlich gibt es über alle drei Lesejahre gerechnet jedoch an gut einem Viertel der Sonn- und Feiertage solche Kurzfassungen – und diese auch für Lesungen, die an sich schon recht kurz wären. Die Forschungen Hazels an Originalunterlagen aus den Konzilsberatungen haben nun ergeben, das die Kurzfassung des Talente-Evangeliums ebenso wie die zahlreicher anderen Evengelientexte in keinem der Papiere vorgesehen waren, die in den Sitzungen der Reformkommission besprochen worden sind. Auch nicht in dem 1967 verabschiedeten Entwurf der für das Evangeliar zuständigen Arbeitsgruppe XI. Sie erscheinen erst in der Endfassung, die Papst Paul VI. 1969 vorgelegt und von diesem im Vertrauen auf die Loyalität der Reformkommission ohne Detailprüfung abgezeichnet worden ist.

„Es ist also zwischen 1967 und 1969 etwas geschehen, durch das sich die Zahl der Kurzlesungen enorm vermehrt hat“ wundert sich Hazell – und wir wundern uns mit ihm.

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