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„Islam“ heißt „Unterwerfung“

Bild: Wikimedia, Public domainDer 7. Oktober ist der Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Diese Seeschlacht, die mit an die 40 000 Toten bis heute als die verlustreichste Seeschlacht der Kriegsgeschichte gilt, beendete auf Dauer die Seexpansion des Sultanats und minderte vorübergehend auch den Druck der zur Eroberung Europas eingetretenen osmanischen Invasionsheere. Der kaum zu erhoffende Sieg der „Heiligen Liga“, bei dem 12 000 auf türkischen Schiffen eingesetzte christliche Galeerensklaven befreit werden konnten, gab den Anstoß zur Stiftung des Rosenkranzfestes. Der fromme Sinn unserer Vorfahren erkannte in dem glücklichen Ausgang der Schlacht ein Zeichen für das direkte Eingreifen der Gottesmutter.

Den Anstoß dazu, daß die bis dahin vielfach zerstrittene und recht unheilig agierende Heilige Liga bei Lepanto die offene Konfrontation mit der osmanischen Flotte suchte, war der Fall der zyprischen Stadt Famagusta am vorhergehenden 1. August. Nach langer Belagerung hatten zu diesem Tag die letzten Verteidiger ihre Stadt den mohamedanischen Angreifern übergeben, nachdem diese ihnen freien Abzug zugesichert hatten. Am 2. August brachen die Erober den Vertrag, alle Männer in der Stadt wurden bestialisch getötet, die Frauen in die Sklaverei verschleppt. Die Kirchen und große Teile der Stadt wurden in Brand gesteckt, die Kathedrale des Heiligen Nikolaus - im 13. Jahrhundert im Stil der französischen Gotik erbaut - wurde zur Moschee gemacht - sie heißt heute Lala Mustafa Pascha Camii. Das Minarett auf dem Nordturm kennzeichnet bis zum heutigen Tag die einzige kulturelle Zutat der Sieger.

Nur die absolute Geschichtsvergessenheit der Gegenwart kann dazu verleiten, in den Greueltaten des Islamischen Staates in den vergangenen Jahren ein unerklärliches Phänomen zu sehen, das selbstverständlich nichts mit dem wahren Wesen dieser friedliebenden Religion zu tun habe. Das Wort „Islam“ bezeichnet nicht den Frieden schlechthin, sondern die Friedhofsruhe, die dann eintritt, wenn alle Gegener Allahs unterworfen sind. Viele Moscheen, die in den vergangenen Jahren im ehedem christlichen Europa errichtet wurden, tragen den Namen Fatih-Moschee - sie sind dem Erober von Konstantinopel und anderen Feldherren des Feuer-und-Schwert-Propheten gewidmet.

Zukünftige Historiker werden sich auch der Frage stellen müssen, wieviel vielleicht das 2. Vatikanische Konzil zu dieser Geschichtsvergessenheit beigetragen hat (oder von ihr getragen worden ist). Zwar erkennen auch die Anhänger des Propheten „einen einzigen Gott“ an - doch dieser ferne, kalte und in jedem Sinne un-menschliche Diktator-Gott hat nichts gemein mit dem liebenden Schöpfer des Himmels und der Erde, der im übergroßen Reichtum seines einen Wesens im eingeborenen Sohn Mensch unter Menschen geworden ist, um ihnen den Weg zur Rückkehr in die Einheit des himmlischen Friedens zu ermöglichen.

Es lohnt sich, immer wieder auf die wenig erleuchteten zehn phrasenhaften Zeilen in der pastoralen Handreichung „Nostra Aetate“ zu schauen, die von einer zur Kapitulation vor der Welt entschlossenen Zeitgeisttheologie zum Superdogma gemacht werden: 

Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Fern sei es uns, der Synode zu widersprechen und nur auf das Vergangene zu schauen. Der Blick auf die Gegenwart ist völlig ausreichend, um zu erkennen, daß diese Vergangenheit bei weitem nicht vergangen ist, sondern sich anschickt, unsere Zukunft zu werden.

„Islam“ heißt „Unterwerfung“

Bild: Wikimedia, Public domainDer 7. Oktober ist der Jahrestag der Seeschlacht von Lepanto im Jahr 1571. Diese Seeschlacht, die mit an die 40 000 Toten bis heute als die verlustreichste Seeschlacht der Kriegsgeschichte gilt, beendete auf Dauer die Seexpansion des Sultanats und minderte vorübergehend auch den Druck der zur Eroberung Europas eingetretenen osmanischen Invasionsheere. Der kaum zu erhoffende Sieg der „Heiligen Liga“, bei dem 12 000 auf türkischen Schiffen eingesetzte christliche Galeerensklaven befreit werden konnten, gab den Anstoß zur Stiftung des Rosenkranzfestes. Der fromme Sinn unserer Vorfahren erkannte in dem glücklichen Ausgang der Schlacht ein Zeichen für das direkte Eingreifen der Gottesmutter.

Den Anstoß dazu, daß die bis dahin vielfach zerstrittene und recht unheilig agierende Heilige Liga bei Lepanto die offene Konfrontation mit der osmanischen Flotte suchte, war der Fall der zyprischen Stadt Famagusta am vorhergehenden 1. August. Nach langer Belagerung hatten zu diesem Tag die letzten Verteidiger ihre Stadt den mohamedanischen Angreifern übergeben, nachdem diese ihnen freien Abzug zugesichert hatten. Am 2. August brachen die Erober den Vertrag, alle Männer in der Stadt wurden bestialisch getötet, die Frauen in die Sklaverei verschleppt. Die Kirchen und große Teile der Stadt wurden in Brand gesteckt, die Kathedrale des Heiligen Nikolaus - im 13. Jahrhundert im Stil der französischen Gotik erbaut - wurde zur Moschee gemacht - sie heißt heute Lala Mustafa Pascha Camii. Das Minarett auf dem Nordturm kennzeichnet bis zum heutigen Tag die einzige kulturelle Zutat der Sieger.

Nur die absolute Geschichtsvergessenheit der Gegenwart kann dazu verleiten, in den Greueltaten des Islamischen Staates in den vergangenen Jahren ein unerklärliches Phänomen zu sehen, das selbstverständlich nichts mit dem wahren Wesen dieser friedliebenden Religion zu tun habe. Das Wort „Islam“ bezeichnet nicht den Frieden schlechthin, sondern die Friedhofsruhe, die dann eintritt, wenn alle Gegener Allahs unterworfen sind. Viele Moscheen, die in den vergangenen Jahren im ehedem christlichen Europa errichtet wurden, tragen den Namen Fatih-Moschee - sie sind dem Erober von Konstantinopel und anderen Feldherren des Feuer-und-Schwert-Propheten gewidmet.

Zukünftige Historiker werden sich auch der Frage stellen müssen, wieviel vielleicht das 2. Vatikanische Konzil zu dieser Geschichtsvergessenheit beigetragen hat (oder von ihr getragen worden ist). Zwar erkennen auch die Anhänger des Propheten „einen einzigen Gott“ an - doch dieser ferne, kalte und in jedem Sinne un-menschliche Diktator-Gott hat nichts gemein mit dem liebenden Schöpfer des Himmels und der Erde, der im übergroßen Reichtum seines einen Wesens im eingeborenen Sohn Mensch unter Menschen geworden ist, um ihnen den Weg zur Rückkehr in die Einheit des himmlischen Friedens zu ermöglichen.

Es lohnt sich, immer wieder auf die wenig erleuchteten zehn phrasenhaften Zeilen in der pastoralen Handreichung „Nostra Aetate“ zu schauen, die von einer zur Kapitulation vor der Welt entschlossenen Zeitgeisttheologie zum Superdogma gemacht werden: 

Mit Hochachtung betrachtet die Kirche auch die Muslim, die den alleinigen Gott anbeten, den lebendigen und in sich seienden, barmherzigen und allmächtigen, den Schöpfer Himmels und der Erde, der zu den Menschen gesprochen hat. Sie mühen sich, auch seinen verborgenen Ratschlüssen sich mit ganzer Seele zu unterwerfen, so wie Abraham sich Gott unterworfen hat, auf den der islamische Glaube sich gerne beruft. Jesus, den sie allerdings nicht als Gott anerkennen, verehren sie doch als Propheten, und sie ehren seine jungfräuliche Mutter Maria, die sie bisweilen auch in Frömmigkeit anrufen. Überdies erwarten sie den Tag des Gerichtes, an dem Gott alle Menschen auferweckt und ihnen vergilt. Deshalb legen sie Wert auf sittliche Lebenshaltung und verehren Gott besonders durch Gebet, Almosen und Fasten.

Da es jedoch im Lauf der Jahrhunderte zu manchen Zwistigkeiten und Feindschaften zwischen Christen und Muslim kam, ermahnt die Heilige Synode alle, das Vergangene beiseite zu lassen, sich aufrichtig um gegenseitiges Verstehen zu bemühen und gemeinsam einzutreten für Schutz und Förderung der sozialen Gerechtigkeit, der sittlichen Güter und nicht zuletzt des Friedens und der Freiheit für alle Menschen.

Fern sei es uns, der Synode zu widersprechen und nur auf das Vergangene zu schauen. Der Blick auf die Gegenwart ist völlig ausreichend, um zu erkennen, daß diese Vergangenheit bei weitem nicht vergangen ist, sondern sich anschickt, unsere Zukunft zu werden.

Vorbilder von gestern?

Bild: Eigene ReproduktionDas Martyrologium des 5. Oktober eröffnet wieder einmal den Blick in Abgründe. Was ist das für eine lebens- und lustfeindliche Kirche, die sich an derlei Vorbildern orientieren will:

Zum Beispiel am Märtyrer-Mönch Placidus, einem Schülers des hl. Benedikt, der Mitte das 6. Jahrhunderts zusammen mit 30 größtenteils nicht namentlich bekannten weiteren Mönchen zu Messina auf Sizilien von gotischen Piraten unter deren Anführer Manucha umgebracht wurde, der sie offenbar nicht nur ihrer bescheidenen irdischen Güter berauben, sondern auch zum Abfall vom Glauben zwingen wollte.

Oder des Bischofs Thraseas von Eumenia in Kleinasien, der an einem 5. Oktober zu Smyrna „für den Himmel geboren“ worden ist.

Oder der Absetzung (und anschließenden Tötung?) des germanischen Diakons Firmatus und der Jungfrau Flaviana zu Antisiodoros,

Oder des Märtyrers Palmatius und seiner Gefährten, die während der diokletianischen Verfolgung (Anfang 4. Jh.) zu Trier unter der Verantwortung des Präfekten Rictius Varus das Martyrium erlitten.

Oder der Jungfrau Charitina, die ebenfalls in der diokletianischen Verfolgung nach grausamen Martern „im Gebet ihren Geist aufgab“.

Nach den Märtyrern gedenkt das Martyrologium von heute noch des heiligen Marcellinus, Bischof und Bekenner zu Ravenna, des heiligen Bischofs Appolinaris von Valentia (Valence) in Gallien, „dessen Leben vom Tugendwandel erleuchtet und dessen Sterben von Wundern und Wunderzeichen geschmückt war“. Dann des heiligen Attilanus, Bischof des spanischen Zamora, den der selige Papst Urban II in die Zahl der Heiligen aufnahm. Und schließlich der heiligen Witwe Galla zu Rom, Tochter des Consuls Symmachus (1. Hälfte 6. Jh.), „die nach dem Tod ihres Mannes viele Jahre bei der Kirche des hl. Petrus lebte und sich dem Gebet, dem Geben von Almosen, dem Fasten und anderen frommen Werken widmete und deren glücklichen Hinübergang der heilige Papst Gregor beschrieben hat.“

Können wir derlei den „Menschen von heute“ wirklich noch guten Gewissens als Vorbilder zumuten? Und was soll der Hinweis auf einen Bischof, dessen Leben „vom Tugendwandel erleuchtet“ war? Gehört so ein Buch nicht eher auf einen neu einzurichtenden Index Librorum prohibitorum? Reformbedarf allenthalben.

Gegengesellschaft

Scan des BuchtritelsEmmanuele Barbieri von Corrispondenza Romana hat im vergangenen Monat anläßlich der Vortragsreise von Rod Dreher in Italien eine Besprechung der „Option Benedikt“ veröffentlicht, die Widerspruch herausfordert: „The Catacomb Option of Rod Dreher“, in Englisch erschienen auf Rorate Cæli. Neben einigen Punkten, die wohl eher Ausdruck persönlicher Animositäten sind, thematisiert Barbieris Kritik vor allem die Frage der „Gegengesellschaft“. Das ist in der Tat eines von Drehers zentralen Konzepten, und es bedarf zweifellos intensiver Diskussion – nicht zuletzt deshalb, weil Voraussetzungen und Rahmenbedingungen für Bildung und Erhalt von Gegengesellschaften in den USA und Europa ziemlich verschieden sind.

Barbieris Hauptkritikpunkt kommt bereits in der Überschrift zum Ausdruck, in der er von einer Katakomben-Option spricht. Er wirft Dreher vor, die Flucht auf privilegierte Inseln zu propagieren, auf denen kleine Gruppen sich vor dem öffentlichen Kampf in der modernen Welt zurückziehen – seine Begrifflichkeit sagt eher: „sich drücken“ - um in ihrem kleinen familiären oder kommunitären Rahmen für das eigene Heil zu leben.

Selbst wenn kleine Gruppen genau das täten, wäre wenig dagegen einzuwenden – sie könnten sich dabei durchaus auf den heiligen Benedikt stützen, auch auf die Gesellschaftsanalyse Drehers, jedoch nicht auf seine darüber hinausgehenden Überlegungen zu einer perspektivischen Veränderung dieser Gesellschaft. Diese Überlegungen sind durchgängig davon geprägt, daß die insularen Gruppen einer christlichen Gegengesellschaft sich nicht in sich abschließen, sondern als ein Sauerteig in dieser Umgebungsgesellschaft wirken sollen, um auf deren verhängnisvollen Tendenzen entgegenzuwirken und wo möglich eine Gesundung zu befördern. Als Unterton durchzieht diese Vorstellung das gesamte Buch, an mehreren Stellen wird sie auch ganz klar ausgesprochen. Z.B. auf S. 236 (englische Ausgabe, eigene Übersetzung):

Die Benedikt-Option bietet kein Verfahren, um die politischen und anderen Verluste rückgängig zu machen, die die Christen erlitten haben. Sie ist keine Strategie, um die Uhr zu einem phantastischen Goldenen Zeitalter zurückzudrehen. Und noch weniger ist sie ein Entwurf zum Aufbau von Gemeinschaften der Reinen, die mit der wirklichen Welt nichts zu tun haben.

Ganz im Gegenteil ist die Benedikt Option eine Aufruf, an die langwierige und viel Geduld erfordernde Arbeit zu gehen, die wirkliche Welt von der Künstlichkeit, Entfremdung und Atomisierung des modernen Lebens zurückzugewinnen. Sie bietet eine Möglichkeit, die Welt und das Leben in der Welt so zu sehen, daß die große Lüge der Moderne sichtbar wird: daß Menschen nicht mehr sind als Geisteswesen in einer Mechanerie und daß wir unser Leben einrichten können wie auch immer wir das wollen.

„Ich kann mir gut vorstellen, daß die nächste große Spaltung der Menschheit zwischen denen aufbricht, die als Geschöpfe, und denen, die als Maschinen leben wollen“ schreibt Wendell Berry. Nun, wir sollten uns auf die Seite der Geschöpfe stellen – und des Schöpfers.“

Das läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig, und zwar in beiderlei Hinsicht: Einmal in der Anerkennung, daß es tatsächlich eine tiefe und sich weiter vertiefende Kluft gibt zwischen denen, die als Christen – und das heißt auch: wahrhaft menschlich – leben wollen, und denen, die die Moderne anbeten – was immer das auch gerade sein mag. Und zum zweiten darin, daß es der klaren und in jeder Hinsicht praktischen Entscheidung für das Leben mit Christus bedarf, um auch nur den Hauch einer Chance zu haben, dem gewaltigen Zug ins Verderben, den diese moderne Gesellschaft entwickelt, im kleinen Privaten zu widerstehen und ihm im großen Gesellschaftlichen entgegen zu wirken.

Fast schon bösartig wirkt da der Vorwurf Barbieris, die Option Benedikt erscheine als ein

Ergebnis jener Absage an ein kämpferischen Verständnis von Christentum, wie es sich nach dem zweiten Vatikanischen Konzil allgemein durchgesetzt hat: Statt Mauern zu errichten Brücken zu bauen, schließlich gibt es letztlich keine Unterschiede in der Weltanschauung zwischen den verschiedenen christlichen Konfessionen, so daß sich Katholiken, Protestanten und Orthodoxe gegen die Diktatur des Relativismus zusammen tun können, indem sie sich auf eine unbestimmte Empfinden von Transzendenz verständigen und das übernatürliche Wirken der Gnade ausklammern.“

Das ist auf eine Weise sektiererisch, daß man kaum weiß, wo man mit der Kritik ansetzen soll. Liegen unsere Differenzen mit den Schrift und Tradition – in zugegeben wichtigen Punkten – nicht so wie wir auslegenden ernsthaften Protestanten etwa auf der gleichen Ebene wie der Gegensatz zum „Non serviam“ der Gender-Ideologen? Bestreiten wir den Orthodoxen, daß auch in ihrer Kirche die Sakramente als Werkzeuge der Gnade ihr übernatürliches Wirken entfalten? Sind Dreher, Marx und Bedford-Strohm wirklich gleiche Brüder unter gleichen Kappen? Gegen wen denn noch soll eine von Barbieri herbeiphantasiert ecclesia militans der wenigen wirklich Reinen denn ihren Kampf richten – und mit welchen Waffen? Träumt hier einer von einer frommen Version des Klassenkampfes mit anschließender Errichtung eines Paradieses auf Erden?

Um das ganz klar zu sagen: Natürlich bietet das Buch Drehers keine Blaupause zum Bau einer wunderbaren Kampfmaschine, die die westlichen Dekadenzgesellschaften wieder auf einen Weg der Genesung und des Heils zurückzwingen könnte. Derlei Mechanik ist, soweit wir das überblicken, in Gottes Plan nicht vorgesehen. Das Buch bietet auch nicht Pläne zum Bau von Archen, mit der sich Christen (jeder Konfession, nota bene) vor den hereinbrechenden Fluten der militanten Gottfeindlichkeit in Sicherheit bringen könnten – Sicherheit wird es nicht mehr geben, ständiger Kampf und kräftezehrende Auseinandersetzung, die viele Opfer fordert, wird zum Alltag. Drehers Buch bietet – nicht die ersten, und nicht die letzten – Denkanstöße, mit der die Christen in der postchristlichen Gesellschaft ihre Lage besser erkennen und Strategien für diese Auseinandersetzung entwickeln können, um in einer immer feindlicher werdenden Umwelt zu bestehen. Ob und inwieweit daraus dann Inseln entstehen, deren Bewohner von einer Sturmflut zur anderen zittern, oder Kristallisationskerne einer Gegengesellschaft, die wachsen und wieder festen Grund bilden – das hängt in der Tat von der Gnade ab und nicht allein von schlau ersonnenen Strategien der einen oder der anderen Art.

2. Oktober: Schutzengelfest

Bild: Gemeinfrei - WiktionaryWenige Tage nach dem mit dem höchsten Rang (Duplex I. Class) ausgezeichneten Fest des hl. Erzengels Michael am 29. September verzeichnet der überlieferte Kalender für den 2. Oktober das Schutzengelfest (Dupl. Major). Ähnlich wie das Fest des als besonderer Patron der Deutschen betrachteten Erzengels hat auch das Schutzengelfest eine spezielle Verbindung zu unserem Land: Es wurde 1676 – knapp zwei Jahrzehnte nach dem Ende des verheerenden 30-jährigen Krieges – von Papst Clemens IX. auf Bitten von Kaiser Leopold I. für das Römisch-Deutsche Kaiserreich eingeführt und wenige Jahre später auf die ganze Kirche ausgedehnt. Der moderne Kalender bewahrt den Termin als Gedenktag.

Die Schutzengel gehören zum im Glauben verpflichtenden Bestand der Lehre der Kirche. Der Katholische Katechismus von 1993 schreibt in Abschnitt3 336 dazu:

Von der Kindheit an bis zum Tod umgeben die Engel mit ihrer Hut und Fürbitte das Leben der Menschen. „Einem jeden der Gläubigen steht ein Engel als Beschützer und Hirte zur Seite, um ihn zum Leben zu führen“ (Basilius, Eun. 3,1). Schon auf dieser Erde hat das christliche Leben im Glauben an der glückseligen Gemeinschaft der in Gott vereinten Engel und Menschen teil.

Die oben abgebildete Postkarte vom Ende des 19. Jahrhunderts gibt – wenn auch in reichlich kitschiger Darstellung – einen Begriff davon, wie tief der Glaube an das segensreiche Wirken der Schutzengel verwurzelt war. In der populären Katechese verband sich dieser Glaube mit dem oft, aber nicht ausschließlich, an Kinder gerichteten Appell, die Sünde zu meiden, „um deinen Schutzengel nicht zu betrüben“.

Restbestände des Glaubens an Schutzengel haben sich in vormals christlichen Gesellschaften weit über den Bereich der Kirchen und Glaubensgemeinschaften erhalten. Vielfach jedoch in einer degenerierten Form. Die moderne psychologisch-therapeutische Spiritualität schätzt Schutzengel als individuelle Ansprechpartner, denen eine größere Zugänglichkeit als dem fernen und unerreichbaren Gott zugeschrieben wird. Vielfach werden unter dem Begriff der Schutzengel Träger magischer Kräfte und Eigenschaften verstanden, die in Verbindung mit bestimmten Farben und Materialien (Halbedelsteine) als Talismane nutzbar gemacht werden können. Hoch aufschlußreich über die unterschiedliche Entwicklung dieser psychologisierenden Tendenzen ist ein Vergleich der Ergebnisse der Google-Bildersuche für den deutschen und den angelsächsischen Sprachraum: Schutzengel und Guardian angel.

Unterkategorien

  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen