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In der Liturgie leben

Illustration zu Martin Ramm, Introibo ad altare DeiIn diese Woche fällt das Fest Kreuzerhöhung am 14. September und damit der 10. Jahrestag des Inkrafttretens von Summorum Pontificum. Für einen allgemeinen kirchenpolitischen Rück- und Ausblick verweisen wir zunächst auf unseren Artikel zum 10. Jahrestag dieser Website. Zum Ende dieser Woche ist eine kurze Zusammenstellung von Artikeln an anderer Stelle geplant, die sich mit dem Jahrestag des Motu Proprio befassen. Der Vatikan selbst hat seinen Kommentar zum Thema in Form des neuen Motu Proprio Magnum Principium abgegeben, zu dem wir das Nötigste bereits hier gesagt haben.

Unser Beitrag zum Jahrestag soll darin bestehen, wichtige Literatur zum Thema „Die hl. Messe in Geschichte und Gegenwart“ vorzustellen. Diese Zusammenstellung erhebt keinen Anspruch auf wissenschaftliche Repräsentativität. Eher im Gegenteil: Wenn man sich die Literaturverzeichnisse aktueller liturgie„wissenschaftlicher“ Veröffentlichungen oder die im Netz veröffentlichten Leselisten zu entsprechenden Universitätsveranstaltungen anschaut, ergibt sich ein überaus merkwürdiger Eindruck: Die Liturgie und die wissenschaftliche Befassung damit scheint in Deutschland so recht erst in den 60er Jahren des vergangenen Jahrhunderts begonnen zu haben. Für die Zeit vorher gibt es nur einige wenige, nun ja, eben „Vorläufer“. Auch für die Gegenwart verfahren die Herren und die Dame des herrschenden Zitatenkartells ausgesprochen selektiv: Sie nehmen nur das zur Kenntnis, das in ihr ideologisch überaus verengtes Sichtfeld passt, und zumeist aus dem eigenen beschränkten Kreis stammt. Das gilt auch für zahlreichen wissenschaftlichen Publikationen der letzten Jahre und Jahrzehnte in englischer Sprache: Was ungelegen kommt, scheint für die Deutsche Universitätstheologie  einfach nicht zu existieren. Es wird nicht diskutiert, es wird nicht widerlegt, es wird außer in billigen Nebensätzen noch nicht einmal polemisiert: Es spielt einfach keine Rolle. Basta.

Der große Gewinn von zehn Jahren Summorum Pontificum besteht darin, daß wir uns erlauben können, auf diese Haltung nachgerade spiegelbildlich zu reagieren: Wir brauchen das Zeug nicht, nicht zur Erweiterung unseres Wissens, nicht für unser geistiges Leben und von Ausnahmen abgesehen noch nicht einmal zur Befriedigung niedriger polemischer Gelüste. Statt dessen können wir uns in Ruhe mit dem beschäftigen, was wirklich wichtig ist: Dem wahren Geist der wahren Liturgie. Für die bedauernswerten Menschen, die sich zu Prüfungsvorbereitungen mit dem Textausstoß des Zitierkartells befassen müssen, haben wir den guten Rat, es damit so zu halten wie Generationen von Studenten es schon mit vielerlei Prüfungsstoff gehalten haben: Am Tag nach Empfang des Diploms eine Viertelstunde hinsetzen und alles schnell vergessen. Wenn unsere Aufstellung ihnen vielleicht den einen oder anderen Hinweis geben kann, was an dessen Stelle treten kann und soll  – umso besser.

Die Literaturvorstellungen dieser Jubiläumswoche bilden die erste Phase eines umfangreicheren Projekts, in dessen Verlauf wir Bücher präsentieren wollen, die uns in den vergangenen Jahren hilfreich und nützlich gewesen sind. Das soll uns auch dazu helfen, ein Stück weit aus der reaktiven Haltung herauszukommen, die allzu oft das Verhalten der Traditionalisten als „Minderheit in der Minderheit“ bestimmt. Die Klagen über die Fehlorientierungen in der modernen Theologie und Liturgie und die nicht enden wollenden Versuche der Modernisten, den Glauben auszuhöhlen, bleiben zwar berechtigt. Sie erfüllen auch eine gewisse Entlastungsfunktion, deren Wert in dieser Periode allgemeiner Verwahrlosung nicht zu unterschätzen ist. In der Sache selbst führen sie aber wenig weiter. Nur wenn wir immer tiefer in das Verständnis der überlieferten Liturgie eindringen, können wir sie am Leben erhalten – und sie uns. Ein nahezu unerschöpflicher Fundus an Literatur unterstützt uns dabei.

In dieser ersten Runde findet sich ausschließlich Literatur, die im weiteren Sinne unter den Begriff der Einführung gestellt werden kann: Diese Bücher wollen keine historischen, philologischen oder liturgischen Einzelfragen untersuchen, selbst wo sie diese im größeren Zusammenhang durchaus ansprechen, sondern zielen darauf ab, den Zugang zur Feier des Messopfers in Inhalt und Formen insgesamt zu erschließen.

Geplant sind:

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Zum Fest Mariä Geburt

Bild: Website der Erzdiözese FreiburgDas Fest Mariä Geburt ist wohl im Orient entstanden; in der Kirche des Westens wird es erstmals im sogenannten Gelasianischen Sakramentar, das aus dem 8. Jahrhundert stammt, erwähnt. Ildefons Schuster schreibt in seinem Liber Sacramentorum  (Bd. 8, S. 210) zum heutigen Festtag:

Wie die erste Eva strahlend von Schönheit und Unschuld aus der Seite Adams hervorging, so ging Maria licht und unbefleckt aus dem Herzen des ewigen Wortes hervor. Der Sohn Gottes selbst hat, wie die Liturgie lehrt, durch den Heiligen Geist den Leib und die Seele Mariens gebildet, damit sie ihm diene als Altar und Tabernakel. Dies ist der Grundgedanke des heutigen Festes. Maria ist die Morgenröte, der Vorbote des Tages, welcher anbricht hinter den ewigen Hügeln, sie ist das mystische Reis aus der edlen Wurzel Jesse, der neue Strom, der im Paradiese entspringt und den ganzen Erdkreis bewässert; sie ist das symbolische Vließ, ausgebreitet auf dem vertrockneten Boden der Erde, um den himmlischen Tau herabzuziehen, sie ist die neue Eva, die Mutter der Lebendigen, welche heute denen geboren wird, denen die erste Eva die Schuld und den Tod brachte.

Ab dem hohen Mittelalter war die Geburt Mariens beliebter Gegenstand künstlerischer Darstellung. Dabei unterscheiden sich diese Bilder oft nur im Detail von der Szene der Geburt Christi in Bethlehem: Hebammen, Badewanne und treusorgender Ehemann erscheinen auch für Bethlehem oft unentbehrlich, nur an die Stelle des „gutbürgerlichen Ambientes“ der Mariengeburt tritt in Bethlehem der Stall mit Ochs und Esel.

Augustinus - Schrecken der Irrlehrer

Die Kirche feiert heute das Gedächtnis des hl. Augustinus (354 - 430), Bischof von Hippo, einer in den Barbarenstürmen untergegangenen Stadt an der Küste des Mittelmeers im heutigen Grenzgebiet zwischen Algerien und Tunesien. Sein in vielen Büchern überliefertes theologisches Werk wird heute noch geschätzt, freilich vor allem in seinen philosophischen Dimensionen. Die Kirche einer früheren Zeit pries dieses Werk vor allem wegen der Entschiedenheit seiner Glaubensaussagen und den schweren Schlägen, die es den damaligen Vertretern populärer Irrlehren versetzte. Wie es in einem heute auf dem Hymnarium veröffentlichten mittelalterlichen Hymnus heißt:

Du bringst zu Fall und widerlegst
Arius‘, Manis falsche Lehr‘,
die Spaltereien des Donat
hast du mit Wortgewalt zerstreut.

Du wirfst die Feinde in den Staub,
dass Christi Gnade triumphier‘,
und mit der Wahrheit Blitzesstrahl
triffst du Britanniens Schlang‘ (=Pelagius) aufs Haupt.

Über die ethnische Zugehörigkeit des unweit von Hippo in Tagaste in der römischen Provinz Numidien geborenen Augustinus gibt es keine Informationen. Die römische Kirche war stets ebenso farbenblind wie das römische Reich, und in Tagaste lebten sowohl eingewanderte Römer (zu denen wohl auch Augustinus‘ Vater gehörte) als auch romanisierte und christianisierter Berber, aus deren Kreis möglicherweise seine Mutter Monica stammte.

Erst eine unter dem Vorwand der „Gleichstellung“ und „Wiedergutmachung historischen Unrechts“ von der Betonung ethnischer Verhältnisse besessene Gegenwart versucht, Augustinus zum „Schwarzen“ zu erklären und als frühes Beispiel des von bösen weißen Männern betriebenen „brain drain“ hinzustellen. Darüber wird heute an amerikanischen Universitäten erbittert gestritten. Moderne „Wissenschaft“ - den Blick fest auf das Unwesentliche gerichtet.

Das Märchen von der „Unumkehrbarkeit“

Aufnahmen: New Liturgical Movement

New Liturgical Movement veröffentlicht unter dem Datum von gestern einen Beitrag mit der Überschrift: Rückkehr zum Schönen im Kirchenbau. Er referiert einen Artikel im National Catholic Register (das ist der „gute“ NCR) der dieses Thema kürzlich ausführlicher und mit Verweis auf mehrere Projekte behandelt hat. Danach - und nach vielen Veröffentlichungen auf NLM - gibt es im Kirchenbau Nordamerikas einen klar erkennbaren Trend zu stärker traditionellen Formen. Genauer gesagt sind es sogar zwei Trends: Einmal bei den Neubauten, die immer öfter mit modernen Bauverfahren, aber in traditionellem oder an die Tradition angelehnten Stil errichtet werden. Und dann bei den Renovierungen, bei denen ebenfalls oft die Verirrungen der 60er und 70er Jahre ganz oder teilweise rückgängig gemacht werden.

Die Ergebnisse sind nicht in jedem Fall kunsthistorisch oder geschmacklich voll befriedigend - aber sie sind allemal besser und der Schaffung einer zu Gebet und Gottesdienst einladenden Umgebung günstiger als die selbstverliebten Expressionen zumeist ästhetisch minderbemittelter Modernisten. Und in jedem Fall vermeiden sie die häretische Beschwörung einer erst nach dem 2. vatikanischen Konzil zu ihrer eigentlichen Bestimmung gekommenen Kirche.

Wer genau hinschaut - das gilt auch für die oben gebrachten Bilder des Seminars Josephinum in Columbus, Ohio - kann erkennen, daß es sich bei der großen Mehrzahl der die Tradition aufgreifenden Projekte nicht wirklich um eine vollständige Rückkehr zum alten Bestand oder traditionellen Formen handelt. Teilweise ist eine - mal mehr, mal weniger gelungene - Modernisierung von Farb- und Formensprache festzustellen. Nicht alle „Kirchenkunst“ des ausgehenden 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert ist es wert, zurückgeholt zu werden. Andererseits läuft jede Aktualisierung ihrerseits Gefahr, in wenigen Jahrzehnten als überholt zu gelten - auch das war schon immer so.

In vielen Fällen - so auch in Columbus - wurde das vor Jahrzehnten eingeführte Prinzip des voll umschreitbaren Altares beibehalten. Allerdings wird dieser Altar dann nicht betont als Volxaltar gestaltet, sondern erscheint zumindest von vorne wie ein traditioneller Hochaltar. Vor allem aber ist er so angelegt, daß er gleicherweise zur Zelebration „ad Dominum“ oder zur Gemeinde hin geeignet ist. Man versucht also nicht, liturgische Vorlieben der 70er Jahre quasi in Beton zu gießen und dadurch unumkehrbar und „alternativlos“ erscheinen zu lassen. Tatsächlich werden Altäre dieser Art in amerikanischen Seminaren auch des öfteren dazu genutzt, die Seminaristen - so wie es dem Auftrag von Summorum Pontificum entspricht - mit der überlieferten Form vertraut zu machen.

„Mariä Himmelfahrt“

Im vergangenen Jahr hatten wir zum Fest der Aufnahme Mariens in mehreren Beiträgen historische und theologische Hintergründe dieses Festes beleuchtet, das zu den ältesten Marienfesten überhaupt gehört. Hier noch einmal die entsprechenden Artikel im Einzelnen:

Zur Geschichte des Dogmas: Assumptio Mariä und Klarheit für den Glauben

Die Überlieferung: Vom Transitus Mariæ zu Martin von Kochem

Die Proprien des Festes in Missale und Brevier: Keine Hymnen auf die Himmelfahrt?

Aus der Legende ins 20. Jahrhundert: Das Marienleben des Dichters

Schon zwei Jahre zuvor hatten wir das große Mariengedicht des nicht ganz so frommen Dichters Rainer Maria Rilke präsentiert, über das man sich nicht genug wundern kann: Wenn heute ein zeitgenössischer Dichter auf so eine Idee käme, würde er den Löwen vorgeworfen. In diesem Jahr greifen wir auf einen Dichter zurück, der das seinerzeit nicht befürchten mußte: Adam v. St. Viktor aus dem 12. Jahrhundert, der drei große Sequenzen für die Woche der Assumptio Mariä geschaffen hat, wobei er das Festgeheimnis allerdings nur in einer davon expressis verbis anspricht: Ave virgo singularis, mater.

Weiter zum vollständigen deutschen Text der Sequenz

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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