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Bild: Von der Website des AutorsFr. Hunwicke sieht heute Anlaß, auf den Fall Rosica (auf Summorum Pontificum u.a. hier) zurückzukommen und schreibt auf Mutual Enrichment:

Es beginnt ein langes ZitatDie Leser werden sich an die großartige Definition der Bergoglianität erinnern, die Fr. Rosica abgegeben hatte (bevor er einige Monate später einsah, daß seine schmählichen Plagiate einen frühen Rückzug aufs Altenteil erforderlich machten).

„Unser Kirche steht ganz klar mehr unter dem Regiment einer Einzelperson als unter der Autorität der heiligen Schrift allein oder ihren eigenen Grundsätzen zusammen mit der Schrift.“

PF hat kürzlich die Richtigkeit von Rosicas Analyse bekräftigt, als er einige Reliquien des Hl. Petrus verschenkte. Dabei erklärte er, daß er selbst die hl. Messe nicht mehr in der Kapelle feiert, in der sie aufbewahrt worden waren. Natürlich hätte er sie leicht in die Kapelle von Santa Marta umziehen können, wo er sehr oft die Messe feiert. Und so ist die Botschaft klar: PF legt wenig Wert darauf, die hl. Messe vor den Reliquien des Apostels zu feiern, dessen Nachfolger er ist.

Soll heißen: Er legt keinen Wert darauf, seine tägliche Verbundenheit mit der Apostolischen Tradition in der Liturgie symbolisch zum Ausdruck zu bringen.

Ich bnin überrascht, daß die orthodoxen Empfänger seines Geschenks darin einen Schritt zur Einheit sehen. Man könnte doch vielleicht denken, daß die Linie seines Pontifikats, ohne Rücksicht auf die Heilige Tradition vorzugehen, nachdenkliche Orthodoxe von der Idee der Einheit abschrecken könnte. Sind sie denn nicht ganz besonders scharf auf die Tradition? Und jedenfalls deutlich weniger darauf, die Kirche von der Willkür eines Einzelnen beherrschen zu lassen?

Wenn PF tatsächlich politisches Verständnis hätte, hätte er sich vielleicht auch gefragt, was der Inhaber des anderen Petrinischen Stuhles, nämlich Antiochien, von dieser Bevorzugung des „Andreanischen“ Stuhles halten würde. Auch hätte er angesichts des aktuellen Schismas zwischen Moskau und Konstantinopel vermuten können, daß das Dritte Rom sein Vorgehen als Parteinahme für den Patriarchen deuten könnte, den Moskau seinerseits der Häresie des Paplismus beschuldigt. Bartolomäus Reliquien des hl. Petrus zu schenken ist wohl kaum geeignet, die „papistische“ Versuchung der Kirche von Konstantinopel zu dämpfen – oder übersehe ich da etwas?

Ich frage mich, wie umfangreich und besonnen PF sich vor dieser Entscheidung beraten hat?

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Neben Fr. Hunwicke sieht heute auch der amerikanische Publizist Brad Miner von The Catholic Thing Anlaß, noch einmal auf die Reliquien-Affäre zurückzukommen. Sein Ausgangspunkt ist die biblische Erzählung von Esau, der dem jüngeren Bruder Jakob sein Erstgeburtsrecht für ein Linsengericht abtrat. Hauptinhalt seiner Besorgnis ist jedoch der Umstand, daß die Reliquien eben nicht nach Konstantinopel gehen, sondern nach Istanbul – eine Stadt, die gegenwärtig von einem kaum verhüllten Islamistischen Regime beherrscht wird, das sich möglicherweise noch weiter radikalisieren könnte:

Im Irak haben wir gesehen, was selbst ein kurzer Aufstieg zur Macht von Al Kaida und ISIS für die Christliche Zivilisation dort bedeutet hat. Wenn die Türkei sich in diese Richtung entwickelt, haben wir es nicht mit einer Katastrophe wie beim Brand von Notre Dame in Paris zu tun, wo Priester und Laien, Polizei und Feuerwehr viele der Schäötze und Reliquien der großen Kathedrale retten konnten. Nichts davon war auf der Ebene von Ninive möglich, wo – unter anderen Verlusten – das Grabmal des Propheten Jonas ausgelöscht wurde. Und dabei ist Jonas auch im Islam eine verehrungswürdige Figur“ Der Islam ist in seinen militantesten Richtungen per Definition eine Religion von Bilderstürmern.

Priestersegen im alten Testament

Bild: Israelische AltertumsbehördeIm irischen Cork findet gegenwärtig die 12. Internationale liturgische Konferenz FOTA statt, die von der St. Colmans Society for Catholic Liturgy ausgerichtet wird. Die Eröffnungsworte sprach in diesem Jahr Raymond Cardinal Burke; Redner kommen aus Deutschland, England und Nordamerika. In seinem Bericht vom 1. Tag gibt Gregory Dipippo auf New Liturgical Movement ein Kurzreferat der Ausführungen von Prof. Dieter Boehler S.J. (Frankfurt, St. Georgen), das wir hier vollständig wiedergeben.

Professor Dieter Böhler S.J. hielt den ersten Vortrag der Konferenz mit dem Titel „Die Priesterliche Segnung im Psalter“. Ausgehend vom Segen Aarons in Num. 6 „Der Herr segne und behüte dich, er lasse sein Angesicht über dir leuchten und sei dir gnädig“ führt P. Böhler aus, daß solche diese Segnungen einen bedeutenden Platz in Gottesverehrung und Theologie der Bibel einnehmen. Weitere Texte wie das 50. Kapitel des Buches Sirach und Lukas 1, 5-23 zeigen, wie wichtig solche Segenshandlungen der Priester sowohl nach dem alten wie nach dem neuen Testament für den Gottesdienst Israels waren Der Einfluß des Wortlauts des Segens Aarons macht sich an verschiedenen Stellen der Bibel bemerkbar, und nicht zuletzt im Gebetbuch Israels, dem Psalter, der zeigt, wie das Gebet Israels von oben durch himmlische Segnungen erwidert wird.

Der Vortrag zeigte zunächst im Detail die hochgradig dichterische Form der priesterlichen Segensformeln auf und spürte dann den Anspielungen auf diese Formeln in verschiedenen Psalmen nach. Das Hauptgewicht legte P. Böhler dabei auf die Aufstiegs- oder Pilgerpsalmen (Nr. 120 – 134), die auch als die Stufenpsalmen bezeichnet werden und die eine geistliche Pilgerrreise aus der Ferne von Gott in seine Nähe darstellen. Tatsächlich findet sich in diesen 15 Gesängen eine gewisse Übereinstimmung zu den 15 Worten des Segens Aaorons. Abschließend führte er aus, daß die Segen „nach oben hin“ aus dem Gotteslob und dem Erheben der Hände bestehen, während der Segen, der vom Himmel „nach unten“ geht, für eine neue Schöpfung, eine von Gott frei gegebene Gnadengabe (charis) steht, in der Seine Menschenfreundlichkeit, Seine Gnade und die Mitteilung Seines göttlichen Lebens ihren Ausdruck finden.

Unser Bild oben zeigt eine Abbildung mit Transkription einer Seite des Amuletts von Ketef Hinnom. Das ist eine ursprünglich zur Rolle geformter Silberstreifen, der 1979 bei Ausgrabungen in einer alten Grabstätte südwestlich von Jerusalem aufgefunden wurde. Er wird ins späte 7. oder frühe 6. vorchristliche Jahrhundert datiert - das wäre noch die Zeit des ersten Tempels - und enthält die älteste Fundstelle für die  Umschreibung des Gottesnamens YHWH und in den letzten Zeilen die älteste bisher aufgefundene Form des Aaronitischen Segens. Mit Lücken und Ergänzungen bis zum Abbruch:

Der Herr ... groß ...(und hält) den Bund und Wohlwollen für die, die (ihn) lieben und (seine Gebote) halten. Der Ewige ... mehr Segen als jeder Fallstrick und jedes Übel. Denn in ihm ist Errettung. Der Herr ist unser Retter und Felsen. (Möge) der Herr segnen und erhalten und der Herr lasse aufleuchten...

Der Tisch des Herrn

Bild: arachne.uni-koeln.de, Grabmahl des AmemptusDie Eucharistie, das hl. Messopfer und das das Priestertum stehen seit Jahrhunderten im Zentrum des Angriffs der Gegner der katholischen Kirche. Ihnen haben sich seit über 100 Jahren zahlreiche „katholische“ Theologen angeschlossen, die zwar nicht alle in kirchenfeindlicher Absicht handeln, Glauben und Kult der Kirche aber durch ihre mehr oder weniger kritiklose Übernahme von Sprachregelungen und Dogmen der „aufgeklärten“ protestantischen Universitätstheologie untergraben – mit Resultaten, die seit dem 2. Vatikanischen Konzil in ihrer ganzen Häßlichkeit sichtbar geworden sind.

Sprachregelungen und Dogmen – das ist tatsächlich der Kern vieler „Erkenntnisse“ der seinerzeit führenden protestantischen Theologie, die Ende des 19. Jahrhunderts auf schmaler Faktengrundlage und mit unausgereifter Methodik entwickelt worden sind und seitdem in einem konfessionsübergreifenden Konsens der theologischen Fakultäten (in Deutschland vor allem) erbittert verteidigt werden. Diesem zu weiten Teilen unwissenschaftlichen Konsens die Grundlage zu entziehen ist das Hauptanliegen von Stefan Heid in seinem Anfang des Jahres erschienenen Buch „Altar und Kirche“, auf das wir hier schon einmal kurz hingewiesen hatten. In loser Folge wollen wir einzelne Themen oder Beispiele daraus etwas näher vorstellen. Sie lassen die Dürftigkeit der wissenschaftlichen Begründung vieler angeblicher Erkenntnisse der modernen liberalen Theologie sichtbar werden, die des ungeachtet etwa in der Liturgiereform zur Basis weitreichender Veränderungen gemacht wurden.

Ein schönes Beispiel bietet die Theorie um die (angeblich späte) Entstehung des christlichen Altars, die zur Stützung des ideologischen Postulats entwickelt wurde, das frühe und eigentliche Christentum habe weder einen Altar noch ein Opfer gekannt – beides seien Konzepte, die erst im Zusammenhang mit der konstantinischen Wende aus dem Heidentum übernommen worden wären. In diesem Tenor auch noch zu lesen etwa in Alfons Fürsts Handbuch „Die Liturgie der Alten Kirche“ von 2008. Heid zeichnet die Entstehung dieser Theorie und ihrer Übernahme in den Gewissheitenfundus auch der katholischen Fakultäten nach, um anschließend mit guten Argumenten zu belegen, daß sie heute nicht mehr haltbar ist – und bei Anwendung eines wahrhaft kritischen Instrumentariums wohl auch niemals war. Nichts davon kann sich auf archäologische oder schriftliche Belege stützen – die einzige gelegentlich herangezogene schriftliche Quelle ist eine Aussage aus den romanhaften apokryphen „Thomasakten“ des 3. Jahrhunderts, deren Nutzung als historische Quelle besonderer methodischer Vorsicht bedarf.

Dem stellt Heid die Kenntnisse gegenüber, die dem heutigen Stand von Archäologie und Religionswissenschaft der Antike entsprechen. Er verweist auf die Kategorie des in Rom ebenso wie in Jerusalem bekannten Sakraltisches, der in enger Beziehung zum Opferaltar stand, ohne mit diesem identisch zu sein. Er legt dar, daß bei römischen Gastmählern nicht wie heute „am Tisch serviert“ wurde, sondern daß die einzelnen Gängen von der Dienerschaft auf vorbereiteten Tischen hereingetragen und vor den Liegestätten der Speisenden abgestellt wurden. Und er erinnert daran, daß bei Römern wie bei Juden ein feierliches Mahl undenkbar war ohne religiös-rituelle Elemente, für die man eigene Sakraltische (hierà trápeza, mens sacra) verwandte - die ebenfalls nach Bedarf hereingetragen wurden.

Es gibt kein simples Entweder-Oder: Eucharistie oder Mahl, Altar oder Esstisch. Eine solche bipolare Verengung wird dem antiken Religionshorizont nicht gerecht. Sicher, das frühe Christentum lehnt den paganen Schlachtopferaltar ab. Aber die Alternative für die Eucharistie ist nicht ein profaner Esstisch. Vielmehr gibt es eine dritte Variante, die sich für den eucharistischen Brot- und Weinsegen perfekt anbietet: der Sakraltisch.“ (S. 19)

Zu dessen Verwendung außerhalb des Christentums kann Heid zahlreiche archäologische Belege anführen. Auch die Juden kannten einen Sakraltisch, und zwar nicht nur den „Tisch der Schaubrote“ (s. zum Begriff unseren Beitrag hier) im Tempel, sondern zumindest in der Sondergruppe der Therapeuten einen besonderen „heiligen Tisch“, der mit Brot und Salz zu ihren Liegemählern hereingetragen wurde, um an eben diesen Tisch der Schaubrote zu erinnern und dort besondere Riten und Gebete zu verrichten. Zur Verwendung im frühesten Christentum selbst stützt er sich auf eine ausführliche Exegese des 1. Korintherbriefes , die eine entsprechende Praxis zwar nicht beweist, aber überaus plausibel erscheinen läßt.

Heids Fazit zu diesem Abschnitt:

Es ist an der Zeit, sich (von der immer noch herrschenden Ansicht der liberalen Theologie des 19. Jh.) zu emanzipieren und einen unverstellten Blick auf die Anfänge des christlichen Altars zu werfen. Ein erster Schritt besteht darin, weniger den (Schlachtopfer-)Altar als vielmehr den Sakraltisch als weitverbreitetes Kultmöbel sowohl der jüdischen als auch der paganen Religionspraxis der Antike wahrzunehmen und den christlichen Altar in diesen Kontext zu stellen. (…) von hier aus erhalten die Texte, die bereits im 1./2. Jahrhundert im Zusammenhang mit der Eucharistiefeier vom Tisch oder Altar sprechen und die von der Forschung gern als metaphorisch oder unglücklich formuliert abgetan werden, eine neue Plausibilität und Aussagekraft.“ (S. 26)

Der Geist der Weisheit Gottes

Bild: https://russianicons.wordpress.com/2014/08/13/they-come-in-sevens-the-kiev-sophia-icon/Ein Nachtrag in der Pfingstoktav

Die dramatische Schilderung der Herabkunft des Heiligen Geistes an Pfingsten im 2. Kapitel der Apostelgeschichte mag dazu geführt haben, daß im Weltbild vieler Christen Pfingsten quasi den „Urknall“ für den Eintritt des heiligen Geistes in die Welt darstellt. Und ist nicht der Heilige Geist die „Dritte Person“ der hochheiligen Dreifaltigkeit, die den Menschen erst durch die Verkündigung des Neuen Bundes offenbart worden ist? Erst mit dem neuen Bund tritt der Heilige Geist in unser Gesichtsfeld – so scheint es.

Dem ist jedoch ganz und gar nicht so. Noch vor dem ersten WORT des Schöpfers „Es werde Licht“ in Vers Drei des Schöpfungsberichtes ist in Vers Zwei vom Gotteshauch, dem pneuma theou oder spiritus dei die Rede, der über dem liegt, was noch keine Form und Teilung hat. Von diesem Vers an ist der „Geist Gottes“, die „Weisheit des Herrn“ ständiger Begleiter des Wirkens Gottes in seiner Schöpfung, und das „Buch der Weisheit“ (8, 21ff), das viel später entstanden ist als die Genesis, aber auch zum Bestand des masoretischen Alten Testaments gehört, greift das auf und führt quasi als Selbstbeschreibung des Geistes der Weisheit aus:

(23) Der Herr hat mich erschaffen als Anfang seiner Wege auf seine Werke hin, (2)4 bevor er die Erde erschuf und bevor er die Abgründe machte, bevor die Quellen der Wasser hervorgingen, (25) bevor die Berge festgemacht wurden, vor allen Hügeln zeugte (wörtlich: „zeugt“ im Präsens) er mich.
(27) Als er den Himmel bereitete, war ich bei ihm dabei, und als er seinen Thron auf den Winden festsetzte. (28) Als er stark machte die oberen Wolken und als er sicher machte die Quellen unter dem Himmel (29) und fest machte die Fundamente der Erde, (30) da war ich bei ihm als Ordnende. Ich war es, an der er sich freute, und täglich erfreute ich mich in seiner Gegenwart zu jeder Zeit...

Unsicherheiten wie die, ob der Geist nur grammatisch oder dem Wesen nach weiblich ist und ob er/sie geschaffen oder gezeugt ist, sind typisch für den unfertigen Stand der Offenbarung des alten Bundes – selbst nach der Stiftung des neuen dauerte es noch Jahrhunderte, bis die Kirchenväter und die frühen Konzilien zu einer einigermaßen kohärenten Lehre und einem theologisch stimmigen Bild vom heiligen Geist und der allerheiligsten Dreifaltigkeit fanden.

Vielleicht wären sie besser dem Gebot gefolgt: Ihr sollt Euch kein Bildnis machen.

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Pfingsten und Pfingstvigil

Bild: Marco Plassio, Wikimedia CommonsIn der überlieferten Liturgie, die in dieser Form bis 1955 praktiziert wurde, hat die Vigil von Pfingsten einen zweifachen Charakter: Sie ist – wie ursprünglich alle Vigilien – ein Tag der Buße und der betenden Vorbereitung auf den kommenden Festtag. Die nächtliche Feier bildete den Abschluß dieser Vorbereitung und bot einen harmonischen Übergang zur Feier des eigentlichen Festes. Die Pfingstvigil war aber außerdem eine Art Replik, ein Wiederholungstermin der Ostervigil. In der Nacht vor Pfingsten erhielten Katechumenen, die an der österlichen Taufe nicht teilnehmen konnten, eine zweite Gelegenheit zum Empfang des Sakraments. Sie erhielten in den Lesungen eine letzte Unterweisung; es fand eine eigene Weihe des Taufwassers statt, und schließlich wurden die Katechumenen in feierlicher Prozession zur Taufe geführt. Praktischer Grund für diesen Wiederholungstermin war wohl die Tatsache, daß es immer wieder Taufbewerber gab, die aus äußeren Gründen (Krankheit, Reisehindernisse) an der Taufe in der Osternacht nicht teilnehmen konnten. Es konnten aber auch innere Gründe vorliegen, etwa, daß Katechumenen bei den Scrutinien nach der Vorbereitungszeit noch beträchtliche Wissenslücken offenbarten, die eine Verschiebung der Taufe und eine mehrwöchige „Nachschulung“ angeraten erscheinen ließen.

Auch lagen die beiden Festgedanken traditionell nahe beieinander. Der Opfertod am Kreuz, die Auferstehung und die Ausgießung des heiligen Geistes bildeten deutlicher als das heute vielfach empfunden wird drei Facetten des einheitlichen Erlösungsgeschens. Pfingsten war keine neues Fest nach Ostern, sondern Pfingsten bildete den Abschluß und war einer der drei Höhepunktes des großen Festes der Erlösung.

Von daher konnte sich die liturgische Feier der Pfingstvigil eng an die Formen der Osternacht anschließen. Wie diese hatte sie eine Reihe von alttestamentlichen Lesungen, die den Katechumenen noch einmal Hauptstationen der Heilsgeschichte vorstellten. Es waren hier allerdings nur sechs Lesungen, eine Auswahl aus der umfangreicheren Liste der Osternacht in zudem veränderter Reihenfolge. Wo es Tractus zu den Lesungen gibt, sind es die gleichen wie am Karsamstag – aber die Texte der nach den Lesungen gebeten Orationen unterscheiden sich von denen am Karsamstag. Nicht wirklich verschieden dem Sinne nach – schließlich beziehen sie sich auf die gleichen Schriftstellen und greifen die gleichen Motive auf, die auch am Karsamstag betont wurden. Aber verschiedene im Wortlaut. Tatsächlich lesen sie sich wie zwei Redaktionen ein- und desselben Grundtextes, die vielleicht verschiedenen lokalen Traditionen oder zeitlichen Ebenen entstammen.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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