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Zum Triduum: Der leidende Gottesknecht

Jesajas 53, 2 - 12 (Einheitsübersetzung):

2) Er hatte keine schöne und edle Gestalt, / sodass wir ihn anschauen mochten. Er sah nicht so aus, / dass wir Gefallen fanden an ihm.

3) Er wurde verachtet und von den Menschen gemieden, /ein Mann voller Schmerzen, / mit Krankheit vertraut. Wie einer, vor dem man das Gesicht verhüllt, / war er verachtet; wir schätzten ihn nicht.

4) Aber er hat unsere Krankheit getragen / und unsere Schmerzen auf sich geladen. Wir meinten, er sei von Gott geschlagen, / von ihm getroffen und gebeugt.

5) Doch er wurde durchbohrt wegen unserer Verbrechen, / wegen unserer Sünden zermalmt. Zu unserem Heil lag die Strafe auf ihm, / durch seine Wunden sind wir geheilt.

6) Wir hatten uns alle verirrt wie Schafe, / jeder ging für sich seinen Weg. Doch der Herr lud auf ihn / die Schuld von uns allen.

7) Er wurde misshandelt und niedergedrückt, / aber er tat seinen Mund nicht auf. Wie ein Lamm, das man zum Schlachten führt, / und wie ein Schaf angesichts seiner Scherer, / so tat auch er seinen Mund nicht auf.

8) Durch Haft und Gericht wurde er dahingerafft, / doch wen kümmerte sein Geschick? Er wurde vom Land der Lebenden abgeschnitten / und wegen der Verbrechen seines Volkes zu Tode getroffen.

9) Bei den Ruchlosen gab man ihm sein Grab, / bei den Verbrechern seine Ruhestätte, obwohl er kein Unrecht getan hat / und kein trügerisches Wort in seinem Mund war.

10) Doch der Herr fand Gefallen an seinem zerschlagenen (Knecht), / er rettete den, der sein Leben als Sühnopfer hingab. Er wird Nachkommen sehen und lange leben. / Der Plan des Herrn wird durch ihn gelingen.

11) Nachdem er so vieles ertrug, erblickt er das Licht. / Er sättigt sich an Erkenntnis. Mein Knecht, der gerechte, macht die vielen gerecht; / er lädt ihre Schuld auf sich.

12) Deshalb gebe ich ihm seinen Anteil unter den Großen / und mit den Mächtigen teilt er die Beute, weil er sein Leben dem Tod preisgab / und sich unter die Verbrecher rechnen ließ. Denn er trug die Sünden von vielen / und trat für die Schuldigen ein.

S. Susanna alle Terme

Statio am Samstag in der 3. Fastenwoche ist S. Susanna auf dem Quirinal an der westlichen Ecke der Diokletiansthermen. Gerade gegenüber liegt die Kirche des hl. Bernhard, die in einer der Eckkuppeln der Thermen eingerichtet wurde, und auf der anderen Straßenseite die kleinere, aber noch prächtiger ausgestattete Maria vom Siege (über die Hussiten in Böhmen und die Türken vor Wien). Eine (fast) typische römische Straßenkreuzung also.

S. Susanna ist jedenfalls eine typische Stationskirche: Errichtet im 5. Jh.auf einem Titulus aus dem 3. Jahrhundert, erweitert und erneuert im 8. und dann noch einmal im 15. Jahrhundert, schließlich am Ende des 16. Jahrhunderts völlig neuerbaut im Geist des Barock - auch die bis dahin erhaltenen Apsis-Mosaiken aus dem 8. Jh. gingen bei dieser Gelegenheit verloren. Nur noch Reste von Fundamenten geben Auskunft über die frühere Geschichte des Baus. Auch über die Märtyrerin Susanna, deren Gedächtnis hier bewahrt wird, ist praktisch nichts bekannt; sie wird immerhin schon im 5. Jahrhundert als Patronin der Titulus-Kirche genannt. Vielleicht um diesem Mangel an Informationen über die römische Susanna abzuhelfen, wurde schon früh das Gedächtnis der „Susanna im Bade“ aus dem alten Testament mit dieser Kirche und ihrem (einzigen) Stationstag verbunden, und sicher spielte in einer Woche, in deren Messformularen der Taufe zentrale Bedeutung zukommt, auch das Thema des Bades und die Nachbarschaft der gewaltigen Thermenanlagen eine Rolle.

Die überliefert Liturgie funktioniert weder wie ein Lehrbuch noch dient sie als Katechismus. Sie lobt Gott in den Berichten von seinen großen Taten und vertraut darauf, daß die Mitfeiernden durch Assoziation und Analogie über's Jahr hin ein Bild von dem gewinnen, worum es im Leben nach den Geboten Gottes geht. Die Lesung des Tages bringt aus dem Buch Daniel die Geschichte der von ungerechten Richtern unschuldig des Ehebruchs angeklagte und verurteilte Susanna und ihre wunderbare Rettung. Das Evangelium greift dieses Thema auf mit dem Bericht über die zur Steinigung geführte Ehebrecherin: „Wer von Euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein“. Die Communio wiederholt dann noch einmal die Kernaussage dieses Evangeliums mit dem heute gerne vergessenen zweiten Teil: Wenn keiner dich verurteilt hat, will auch ich dich nicht verurteilen: Nur sündige fortan nicht mehr.

Am Tag nach dem Rücktritt

Der unerhörte Vorgang, daß Papst Benedikt sein Amt in die Hände des Kardinalskollegiums zurücklegt, als ob er es von diesem empfangen hätte, unterstreicht auf dramatische Weise, wie tief der Wandel ist, der seit dem vergangenen Jahrhundert die Formen der Kirche verändert und ihr Wesen bedroht. Papst Benedikt vollendet, so kann es erscheinen, einen Prozess, den Papst Paul mit der Niederlegung der päpstlichen Tiara auf den Confessio-Altar der Peterskirche am 13. November 1964 begonnen hat. Dieser letzte Akt eines Pontifikats demonstriert ein weiteres Mal, wie schwer es ist, die mit dem Wandel aller irdischen Verhältnisse notwendigerweise einhergehenden Veränderungen so zu gestalten, daß die Kontinuität gewahrt wird, daß die von Christus gestiftete sichtbare Kirche mit sich selbst identisch bleibt.

Diese Identität zu wahren, war das große Anliegen des nun auf so ganz und gar nicht traditionsgemäße Weise zu Ende gehenden Pontifikats. Zwar hatten alle Päpste der von tiefen Wirren gekennzeichneten Nachkonzilszeit – auch schon Paul VI. und dieser z.B. in „Mysterium Fidei" bereits während des Konzils – nachdrücklich betont, daß dieses Konzil keinen Bruch mit der Vergangenheit und Tradition der Kirche bedeuten könne. Aber erst Benedikt XVI. hat mit der uneingeschränkten Anerkennung von Wert und Stellung der überlieferten Liturgie diesem Beharren auf Kontinuität einen Ausdruck gegeben, den man ebenso hören und sehen, fühlen und erleben kann wie die tausenderlei Symbole, mit der die Hermeneutiker des Bruchs ihre Behauptung sinnfällig machen, die Kirche sei „nach dem Konzil" eine ganz andere.

Dafür können ihm alle Katholiken, die an Glauben und Tradition festhalten, auf Dauer dankbar sein. Und nicht nur die Katholiken: Mit „Anglicanorum Coetibus" hat Papst Benedikt dem abgehobenen interkonfessionellen Dialog bürokratischer Gremien ebenso eine Absage erteilt wie der prinzipienvergessenen Ökumene des kleinsten gemeinsamen Nenners auf Pfargemeinderatsebene: Ohne Rückkehr zur lebendigen Einheit mit Petrus ist Ökumene nur ein Schlagwort.

Da Papst Benedikt – auch wenn er mit „Summorum Pontificum" und „Anglicanorum Coetibus" entsprechende Gesetze zur Ordnung des Rahmens erlassen hat – im Grunde theologisch argumentiert und nicht administrativ vorgegangen ist, wird man diese Akte der Vergegenwärtigung der Tradition auf administrativem Wege nicht ungeschehen machen können, selbst wenn ein Nachfolger das wollen sollte.

Dieser Nachfolger selbst – das ist wenigstens sehr zu vermuten – wird ein Mann der Kirche nach dem 2. Vatikanum sein, dessen geistige Prägung in den Jahren nach 1960 erfolgt ist. Sehr wahrscheinlich wird er die Priesterweihe nach dem reformierten Pontificale Pauls VI. von 1968 empfangen haben. Das gibt allen, die die Reformen dieser Jahre kritisch betrachten, Anlass dazu, ihre Position hinsichtlich der Anerkennung der Gültigkeit der nach diesen Riten gespendeten Sakramente neu zu bedenken und zu präzisieren.

Mit Benedikt XVI. tritt der letzte Papst ab, der noch – wenn auch „nur" als Berater – in der Konzilsaula dabei war. Dieser Umstand kann seinen Nachfolgern durchaus ein höheres Maß an Freiheit gewähren, wo es darum geht, zwischen Erkenntnissen und Illusionen zu unterscheiden, wie sie die 60er Jahre das allmählich in die Geschichte zurücksinkenden letzten Jahrhunderts beide so reichlich produziert haben. Jener „Geist des Konzils", den Josef Ratzinger in „Zur Lage des Glaubens" auch als dessen „Ungeist" identifiziert hat, verliert mit der Generation seiner Väter zusehends an Lebenskraft. Nun ist dem Heiligen Geist zu vertrauen, daß er seiner Kirche helfe, ihren Kurs in der anbrechenden Epoche universitätstheologisch relativierter Glaubensinhalte und staatlich verordneter Gottlosigkeit neu zu vermessen.

Michael Charlier

11. 2. 2013: Heilgsprechung der Märtyrer von Otranto

Blick in die Kapelle des OssuariumsIm Juli 1480, 27 Jahre nach der Eroberung Konstantinopels durch Mehmed II, landete eine 18 000 Mann starke Expeditionsarmee des Sultans beim süditalienischen Otranto und überrannte die Stadt unter schweren Opfern der Verteidiger. Ein Teil der Bevölkerung rettete sich in die Oberburg, die am 11. August ebenfalls eingenommen wurde. Die dorthin geflüchteten Frauen und Kinder wurden mit den anderen Gefangenen in die Sklaverei verkauft, die etwa 800 Männer wurden geköpft, einige Stadtoberhäupter auf bestialische Weise zu Tode gefoltert. Der siegreiche türkische Feldher Gedik Ahmed Pascha machte die Kathedrale der Stadt zum Pferdestall seiner Garnison, und Sultan Mehmed - nach dem übrigens auch in Deutschland mehrere türkische Moscheen benannt sind - kündigte an, der Peterskirche in Rom alsbald das gleiche Schicksal bereiten zu wollen.

Nach über einem Jahr gelang es einem christlichen Heer, die Stadt zurückzuerobern und das weitere Vordringen der moslemischen Invasoren auf dem Festland zu beenden. Den ständigen Angriffen und Beutezügen zur See setzte erst ein Jahrhundert später die Seeschlacht von Lepanto ein Ende. Die Rückeroberer von Otranto sammelten die vielfach unbestattet gebliebenen Überreste der bei der Eroberung und dem anschließenden Gemetzel getöteten Bewohner ein und setzten sie in einem Ossuarium der Kathedrale bei. 1771 erkannte Papst Clemens XIV. die 800 Märtyrer als Selige an und erlaubte ihre Verehrung in Otranto.

Historiker insbesondere in der Türkei bestreiten die Überlieferung und versuchen, die zahlreichen Todesopfer wegzuerklären. Ein 2007 von dem in Deutschland geborenen Historiker Hubert Houben veranstalteter Kongress in Palermo war bemüht, dieser Version auch internationale Anerkennung zu verschaffen. Im Juli des gleichen Jahres erkannte Papst Benedikt die 800 größtenteils namenlosen Toten aus der Zitadelle als Märtyrer des Glaubens an und unterzeichnete am 20 Dezember 2012 das Dekret für die heute erfolgende Heiligsprechung.

Kirche Christi oder Sozialkonzern

Die Zuspitzung im Kirchen- und Kulturkampf dieser Monate hat jedenfalls den Vorteil, daß sich einige Fronten klären. Wenn Martin Lohmann nicht länger Dozent sein kann, weil er im Fernsehen katholische Positionen vertritt, wenn die Justizministerin sich mit dem Versuch, Erzbischof Müller mit der Antisemitismus-Keule zu erschlagen, als Kirchenfeindin des untersten Niveaus in einem der höchsten Staatsämter präsentiert, können Täuschung und Selbsttäuschung sich kaum noch halten. Warum die Häupter des Episkopats, die sich so gerne mit dem Titel „Nachfolger der Apostel“ schmücken, dennoch weiterhin Illusionen predigen, hat dieser Tage der Theologe und Unternehmensberater (!) Dr. Michael Schäfer auf kath.net in aller wünschenswerten Klarheit ausgeführt: Die Kirche in Deutschland sieht sich derzeit vor der Alternative, sich als Kirche Christi  zu beweisen – oder endgültig zu einem mainstream-kompatiblen und deshalb trotz einiger Schrullen nachsichtig akzeptierten Sozialkonzern zu werden.

Die katholische Kirche in Deutschland beschäftigt ca. 700.000 Mitarbeiter. Anfang der 60er Jahre waren es noch kaum mehr als 100.000 Menschen, die bei der Kirche angestellt waren. Zu dieser Zeit gingen noch fast 50 % der Katholiken Sonntag für Sonntag zum Gottesdienst – heute sind es kaum mehr als 10%.

Der Tag ist nicht mehr allzu fern (für bestimmte Altersgruppen ist es wohl schon so weit), dass mehr Menschen bei der Kirche angestellt sind als es praktizierende Katholiken gibt. Dann wird die stille Transformation von der Glaubensgemeinschaft zum Wohlfahrts-Konzern abgeschlossen sein.

Klare Aussprache – und dafür steht nicht nur Martin Lohmann, sondern trotz seiner jüngsten Einladung zum Mißverständnis in der Pillen-Debatte auch Kardinal Meisner – ist da weil „wenig zielführend“ unerwünscht. Als Vertreterin der „entschuldigen Sie, daß ich katholisch bin“-Fraktion hat Christiane Florin, Redaktionsleiterin von Christ und Welt, das Credo dieser Truppe im Interview mit dem „Domradio“ nett zum Ausdruck gebracht: „Vielleicht liegt es daran, dass die Medientrainings nicht gut genug funktionieren“. Verpackung ist alles – Inhalte stören.

Bemerkenswerter Weise hat Domradio einen Tag später ein weiteres Interview zum Themenbereich veröffentlicht, und zwar mit dem – nach eigenem Bekunden „religiös unmusikalischen“ – Kommunikations-Philosophen Norbert Bolz, einem der kompetentesten Kritiker der ideologischen Verpackungsindustrie.

Ein kleiner Ausschnitt:

Journalisten definieren sich als Aufklärer. Und die katholische Kirche gilt schon seit dem 18. Jahrhundert als die gegenaufklärerische Macht schlechthin. Und immer, wenn sie sich gegen den Mainstream stellt und auf unzeitgemäßen Forderungen beharrt, wird dieser Affekt wieder mobilisiert. Es gibt in den vergangenen Monaten zwei Gruppen, die zum Abschuss freigegeben sind: die katholische Kirche und die FDP. Da fallen mittlerweile alle Tabus.

KNA: Die evangelische Kirche hat es da besser?

Bolz: Sie praktiziert schon seit Jahren eine bedingungslose Anpassungsstrategie an den Zeitgeist und segelt im Windschatten der öffentlichen Meinung. Dabei verliert sie aber jedes Profil.

KNA: Was empfehlen Sie den katholischen Bischöfen, die sich Mitte Februar zu ihrer Frühjahrsvollversammlung in Trier treffen?

Bolz: Die zentrale Frage ist aus meiner Sicht, ob die katholische Kirche eine ähnliche Anpassungsstrategie wie die evangelische Kirche fährt und in der spirituellen Bedeutungslosigkeit verschwindet, oder ob sie bereit ist, unzeitgemäß zu sein und dafür auch Prügel einzustecken. Dabei kann sie ja darauf bauen, dass ihr Kurs schon seit 2.000 Jahren gut gegangen ist.

Zur kompletten Lektüre sehe empfohlen.

Was das alles mit der überlieferten Liturgie als dem Gegenstand dieser Website zu tun hat? Sie erscheint heute mehr denn je als das wirkungsvollste Gegenmittel zu der von Bolz beschriebenen Anpassungsstrategie – und die Konstrukteure der Neuen Kirche als Sozialkonzern haben das sehr wohl begriffen.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

Zusätzliche Informationen