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Zum Fest Mariä Geburt

Bild: Website der Erzdiözese FreiburgDas Fest Mariä Geburt ist wohl im Orient entstanden; in der Kirche des Westens wird es erstmals im sogenannten Gelasianischen Sakramentar, das aus dem 8. Jahrhundert stammt, erwähnt. Ildefons Schuster schreibt in seinem Liber Sacramentorum  (Bd. 8, S. 210) zum heutigen Festtag:

Wie die erste Eva strahlend von Schönheit und Unschuld aus der Seite Adams hervorging, so ging Maria licht und unbefleckt aus dem Herzen des ewigen Wortes hervor. Der Sohn Gottes selbst hat, wie die Liturgie lehrt, durch den Heiligen Geist den Leib und die Seele Mariens gebildet, damit sie ihm diene als Altar und Tabernakel. Dies ist der Grundgedanke des heutigen Festes. Maria ist die Morgenröte, der Vorbote des Tages, welcher anbricht hinter den ewigen Hügeln, sie ist das mystische Reis aus der edlen Wurzel Jesse, der neue Strom, der im Paradiese entspringt und den ganzen Erdkreis bewässert; sie ist das symbolische Vließ, ausgebreitet auf dem vertrockneten Boden der Erde, um den himmlischen Tau herabzuziehen, sie ist die neue Eva, die Mutter der Lebendigen, welche heute denen geboren wird, denen die erste Eva die Schuld und den Tod brachte.

Ab dem hohen Mittelalter war die Geburt Mariens beliebter Gegenstand künstlerischer Darstellung. Dabei unterscheiden sich diese Bilder oft nur im Detail von der Szene der Geburt Christi in Bethlehem: Hebammen, Badewanne und treusorgender Ehemann erscheinen auch für Bethlehem oft unentbehrlich, nur an die Stelle des „gutbürgerlichen Ambientes“ der Mariengeburt tritt in Bethlehem der Stall mit Ochs und Esel.

Augustinus - Schrecken der Irrlehrer

Die Kirche feiert heute das Gedächtnis des hl. Augustinus (354 - 430), Bischof von Hippo, einer in den Barbarenstürmen untergegangenen Stadt an der Küste des Mittelmeers im heutigen Grenzgebiet zwischen Algerien und Tunesien. Sein in vielen Büchern überliefertes theologisches Werk wird heute noch geschätzt, freilich vor allem in seinen philosophischen Dimensionen. Die Kirche einer früheren Zeit pries dieses Werk vor allem wegen der Entschiedenheit seiner Glaubensaussagen und den schweren Schlägen, die es den damaligen Vertretern populärer Irrlehren versetzte. Wie es in einem heute auf dem Hymnarium veröffentlichten mittelalterlichen Hymnus heißt:

Du bringst zu Fall und widerlegst
Arius‘, Manis falsche Lehr‘,
die Spaltereien des Donat
hast du mit Wortgewalt zerstreut.

Du wirfst die Feinde in den Staub,
dass Christi Gnade triumphier‘,
und mit der Wahrheit Blitzesstrahl
triffst du Britanniens Schlang‘ (=Pelagius) aufs Haupt.

Über die ethnische Zugehörigkeit des unweit von Hippo in Tagaste in der römischen Provinz Numidien geborenen Augustinus gibt es keine Informationen. Die römische Kirche war stets ebenso farbenblind wie das römische Reich, und in Tagaste lebten sowohl eingewanderte Römer (zu denen wohl auch Augustinus‘ Vater gehörte) als auch romanisierte und christianisierter Berber, aus deren Kreis möglicherweise seine Mutter Monica stammte.

Erst eine unter dem Vorwand der „Gleichstellung“ und „Wiedergutmachung historischen Unrechts“ von der Betonung ethnischer Verhältnisse besessene Gegenwart versucht, Augustinus zum „Schwarzen“ zu erklären und als frühes Beispiel des von bösen weißen Männern betriebenen „brain drain“ hinzustellen. Darüber wird heute an amerikanischen Universitäten erbittert gestritten. Moderne „Wissenschaft“ - den Blick fest auf das Unwesentliche gerichtet.

Das Märchen von der „Unumkehrbarkeit“

Aufnahmen: New Liturgical Movement

New Liturgical Movement veröffentlicht unter dem Datum von gestern einen Beitrag mit der Überschrift: Rückkehr zum Schönen im Kirchenbau. Er referiert einen Artikel im National Catholic Register (das ist der „gute“ NCR) der dieses Thema kürzlich ausführlicher und mit Verweis auf mehrere Projekte behandelt hat. Danach - und nach vielen Veröffentlichungen auf NLM - gibt es im Kirchenbau Nordamerikas einen klar erkennbaren Trend zu stärker traditionellen Formen. Genauer gesagt sind es sogar zwei Trends: Einmal bei den Neubauten, die immer öfter mit modernen Bauverfahren, aber in traditionellem oder an die Tradition angelehnten Stil errichtet werden. Und dann bei den Renovierungen, bei denen ebenfalls oft die Verirrungen der 60er und 70er Jahre ganz oder teilweise rückgängig gemacht werden.

Die Ergebnisse sind nicht in jedem Fall kunsthistorisch oder geschmacklich voll befriedigend - aber sie sind allemal besser und der Schaffung einer zu Gebet und Gottesdienst einladenden Umgebung günstiger als die selbstverliebten Expressionen zumeist ästhetisch minderbemittelter Modernisten. Und in jedem Fall vermeiden sie die häretische Beschwörung einer erst nach dem 2. vatikanischen Konzil zu ihrer eigentlichen Bestimmung gekommenen Kirche.

Wer genau hinschaut - das gilt auch für die oben gebrachten Bilder des Seminars Josephinum in Columbus, Ohio - kann erkennen, daß es sich bei der großen Mehrzahl der die Tradition aufgreifenden Projekte nicht wirklich um eine vollständige Rückkehr zum alten Bestand oder traditionellen Formen handelt. Teilweise ist eine - mal mehr, mal weniger gelungene - Modernisierung von Farb- und Formensprache festzustellen. Nicht alle „Kirchenkunst“ des ausgehenden 19. oder beginnenden 20. Jahrhundert ist es wert, zurückgeholt zu werden. Andererseits läuft jede Aktualisierung ihrerseits Gefahr, in wenigen Jahrzehnten als überholt zu gelten - auch das war schon immer so.

In vielen Fällen - so auch in Columbus - wurde das vor Jahrzehnten eingeführte Prinzip des voll umschreitbaren Altares beibehalten. Allerdings wird dieser Altar dann nicht betont als Volxaltar gestaltet, sondern erscheint zumindest von vorne wie ein traditioneller Hochaltar. Vor allem aber ist er so angelegt, daß er gleicherweise zur Zelebration „ad Dominum“ oder zur Gemeinde hin geeignet ist. Man versucht also nicht, liturgische Vorlieben der 70er Jahre quasi in Beton zu gießen und dadurch unumkehrbar und „alternativlos“ erscheinen zu lassen. Tatsächlich werden Altäre dieser Art in amerikanischen Seminaren auch des öfteren dazu genutzt, die Seminaristen - so wie es dem Auftrag von Summorum Pontificum entspricht - mit der überlieferten Form vertraut zu machen.

„Mariä Himmelfahrt“

Im vergangenen Jahr hatten wir zum Fest der Aufnahme Mariens in mehreren Beiträgen historische und theologische Hintergründe dieses Festes beleuchtet, das zu den ältesten Marienfesten überhaupt gehört. Hier noch einmal die entsprechenden Artikel im Einzelnen:

Zur Geschichte des Dogmas: Assumptio Mariä und Klarheit für den Glauben

Die Überlieferung: Vom Transitus Mariæ zu Martin von Kochem

Die Proprien des Festes in Missale und Brevier: Keine Hymnen auf die Himmelfahrt?

Aus der Legende ins 20. Jahrhundert: Das Marienleben des Dichters

Schon zwei Jahre zuvor hatten wir das große Mariengedicht des nicht ganz so frommen Dichters Rainer Maria Rilke präsentiert, über das man sich nicht genug wundern kann: Wenn heute ein zeitgenössischer Dichter auf so eine Idee käme, würde er den Löwen vorgeworfen. In diesem Jahr greifen wir auf einen Dichter zurück, der das seinerzeit nicht befürchten mußte: Adam v. St. Viktor aus dem 12. Jahrhundert, der drei große Sequenzen für die Woche der Assumptio Mariä geschaffen hat, wobei er das Festgeheimnis allerdings nur in einer davon expressis verbis anspricht: Ave virgo singularis, mater.

Weiter zum vollständigen deutschen Text der Sequenz

Christen von Nagasaki

Heute ist der 72. Jahrestag des Atombombenabwurfs auf Nagasaki. Er zerstörte nicht nur einen wichtigen Verkehrsknotenpunkt des Krieg führenden Japan, sondern auch die größten aus der Zeit der Verfolgung überkommenen christianisierten Gemeinden des Landes. Die aus Anlaß des Jahrestages von Hiroshima hier wiedergegebene Schilderung der Entdeckung der „Versteckten Christen“ von Urakami zeichnet ein etwas geschöntes Bild vom tatsächlichen Stand der Dinge nach über zwei Jahrhunderten ohne Priester. Inzwischen haben Soziologen und Historiker das Phänomen genauer untersucht und dabei einige weniger helle Stellen herausgefunden. Die dunkelsten davon gehen freilich auf das Konto der japanischen Regierungen des 19. Jahrhunderts, die sehr wohl von der Existenz „versteckter Christen“ wussten. Erst wenige Jahre vor ihrer Entdeckung durch die Missionare hatte es 1861 in Urakami eine Aktion gegen Christen gegeben, in deren Verlauf mindestens ein Mann zum Tode verurteilt und hingerichtet wurde. Nach der Restauration der Kaisermacht 1868 setzte eine große Verfolgungswelle ein, in deren Verlauf erst Hunderte, dann Tausende von Christen ins Gefängnis geworfen oder deportiert wurden. Bis Druck aus dem Ausland 1873 ein Ende der Verfolgung erreichte, waren noch einmal über 600 zu Tode gekommen – und als die Überlebenden in ihre Heimatdörfer zurückkehren durften, hatten oft genug Nachbarn Häuser, Äcker oder Fischerboote an sich gebracht. Viele verelendeten.

Außerdem waren die Jahrhunderte der Trennung doch nicht folgenlos geblieben. Bei weitem nicht alle „versteckten Christen“ fanden den Weg zur Kirche zurück – ein großer Teil, Schätzungen gehen bis zu etwa einem Drittel der insgesamt 30 000, blieben „hanare kirishtan“ - getrennte Christen. Dafür gab es vor allem drei Motive: Zuerst die Angst vor Verfolgung. Dann hatte sich der Glaube der „Versteckten“ vielfach soweit von seinen Wurzeln entfernt, daß die vermeintlichen Christen ihren Glauben in der Lehre der zurückgekehrten Missionare nicht wiedererkannten. Und außerdem hatte sich in den Gemeinden eine Art „erblicher Laienklerus“ aus Katecheten und Gemeindeältesten entwickelt, dessen Angehörige es teilweise wenig attraktiv fanden, sich nun wieder „richtigen“ Priestern und Spendern von Sakramenten unterzuordnen, deren Bedeutung sie längst vergessen hatten. Einige Gruppen von „getrennten Christen“ existieren in den 90er Jahren des 20. Jh. noch als eine Art von Folklorevereinen mit wenigen über 80-jährigen Mitgliedern. Die zur Kirche zurückgekehrten „Versteckten“ hatten demgegenüber Sondertraditionen in Kult und Lehre bereitwillig aufgegeben und waren längst wieder in der katholischen Kirche aufgegangen.

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  • Stationskirchen

    Die römischen Stationskirchen

    Kupferstich von Giusepppe Lauro aus dem Jahr 1599

    In der Fastenzeit 2013 haben wir zu jedem Tag die entsprechende Stationskirche kurz vorgestellt. Damit sind zwar alle gegenwärtigen Stationskirchen erfasst, aber nicht alle Tage mit einer Statio, von denen es auch etliche außerhalb der Fastenzeit gibt.

    Bei der Vorstellung der Stationskirchen orientierten wir uns im wesentlichen an „Die Stationskirchen des Missale Romanum“ von Johann Peter Kirch, Freiburg 1926. Zu Ergänzungen haben wir Hartmann Grisar „Das Missale im Licht römischer Stadtgeschichte“, Freiburg 1925, und Anton de Waals „Roma Sacra - Die ewige Stadt“ von 1905 in der Überarbeitung Johann Peter Kirchs von 1925 (Regensburg 1933) herangezogen. Daneben haben wir auch auf Informationen aus Internetquellen zurückgegriffen. Die Illustrationen stammen, soweit nicht anders angegeben, von eigenen Aufnahmen.

    Wie der gegenwertige Nachfolger de Waals und Kirchs als Direktor des römischen Instituts der Görres-Gesellschaft, Prof. Msgr. Stefan Heid, uns mitteilte ist diese älter Literatur insbesondere in Sachen der Datierungen vielfach überholt. Nach seinen Untersuchungen geht die Institution der Stationes nicht wesentlich vor die Zeit Gregors d. Großen zurück. Was natürlich nicht bedeutet, daß die Stationskirchen bzw. deren Vorgängerbauten nicht wesentlich älter sein können.

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